Mittwoch, 14. November 2012

Die Saison läuft

Der treue Leser meines bescheidenen Blogs wird sich erinnern: Die SAISON ist eröffnet. Und das, obwohl es zwar kalt ist, aber meiner höchsteigenen Beobachtung nach weder Glatteis noch Schnee herrschen oder es gar schon einen Weihnachtsmarkt gibt. Auch wenn die Balkon- und Fensterdekoration verschiedener örtlicher Privatwohnungen zeitlich anderes vermuten lassen. Doch der Reihe nach.

Heute habe ich relativ zeitig Feierabend gemacht. Nur raus aus der Hütte und ab nach Hause. Ich erreichte meinen Bahnsteig, alle Rolltreppen des Bahnhofs haben ausnahmsweise und zu meiner heimlichen Freude sogar funktioniert, der Zug stand bereit und ich konnte einen Viererplatz für mich alleine ergattern. Das kann durchaus passieren, denn die Züge dieser Strecke, die nicht bis zum Endbahnhof fahren, sondern schon früher wenden, sind generell eher nicht überlaufen, weswegen ich diese auch bevorzugt nutze.

Das bedeutet jetzt aber nicht, daß im Zug Ruhe herrscht. Eine etwa Zwölfjährige übte bereits intensiv für ihre spätere Bestimmung als Frau und redete pausenlos, ohne auf innere oder andere Weise genutzte Satzzeichen wie Punkt oder Komma, ja sogar ohne Luft zu holen auf ihre Begleiter ein. Über den inhaltlichen Schwachsinn will ich mich gar nicht auslassen, denn sogar ich war mal jung, auch wenn die zweitbeste Ehefrau von allen in gewisser Regelmäßigkeit was anderes behauptet. Jedenfalls haben wir  seinerzeit nach meiner subjektiven Einschätzung mit Sicherheit nicht viel Intelligenteres von uns gegeben. Auch, wenn wir das damals wohl dachten. Aber die Art der Ausführung dieses Mädchens, dies ohne erkennbare Atemfunktionen zu bewerkstelligen, war echt beeindruckend. Und nervend. Sehr nervend. Aber gut, die Fahrt mit dem Zug dauerte nicht so lange, bis ich am nächsten Halt in den Bus umsteigen musste.

Rein theoretisch kommen Bahn und Bus um diese Uhrzeit gleichzeitig an, was regelmäßig zur Folge hat, daß ich den Bus nicht bekomme, wenn er mal pünktlich vor Ort ist. Der Zug ist es jedenfalls meistens. Der Bus hingegen eher selten. Also ergänzt sich das ganz prima. Ist der Bus pünktlich, kann ich ihn aus dem Zug raus schon sehen, und das fast über die ganze Strecke bis zur Haltestelle. Ich weiß also, ob es sich beim Umsteigen lohnt, etwas Hektik an den Tag zu legen oder nicht.

Heute war bei der pünktlichen Einfahrt des Zuges kein Bus da. Er kam auch nicht während meines Weges zur Haltestelle. Er war auch nicht auf dem elektronischen Fahrplan als verspätet angegeben. Er war gar nicht vorhanden. Oder er ist vorzeitig gefahren, was auch mal vorkommt. Durch intensive  Beobachtungen der Busse in Gegenrichtung – die Linie wendet nicht so viele Haltestellen später -  konnte ich diese Theorie aber auch wieder verwerfen. Also warten. Und warten. Dann kam unverhofft und unvorbereitet doch eine Anzeige – Verspätung. Warten. Weiter warten. Plötzlich, der Bus sollte in zehn Minuten kommen, verschwand er von der Anzeige. Minuten später erschien meine Linie wieder auf der Anzeige – aber jetzt mit einer in 17 Minuten erwarteten Ankunftszeit, was einem Bustotalausfall gleichkommt.

Warten. Und warten. Weiter warten. Wie immer, waren alle anderen Linien pünktlich, wobei ich eine Abweichung von zwei bis drei Minuten noch nicht als unpünktlich ansehe. Dann kam mein Bus, natürlich mit weiterer Verspätung. Wir rekapitulieren: subjektiv ein Totalausfall und nachfolgend eine Verspätung. Doch der Bus kam so spät, daß er quasi fast in den nächsten Takt als pünktlich reinkommen könnte. Das ist im Ergebnis so, als ob zwei Busse hintereinander ausgefallen wären. Jetzt muss ich ja wohl nichts dazu sagen, wie gut der Bus gefüllt war. Insbesondere mit Angehörigen der Ortsgruppe des VNIGBS*). Natürlich passte da kaum jemand der an unserer Haltestelle Wartenden noch rein. Also warten wir auf den nächsten Bus. Der sollte in 12 Minuten kommen, was sehr interessant war, denn dann wäre auch er vorzeitig da – so er im Rahmen seines Taktes fahren würde.

Während der neuen Wartezeit zeigte sich, daß der herannahende Bus wahrscheinlich im Bereich der relativistischen Geschwindigkeit unterwegs war, was spätestens seit Einstein zu gewissen Verzerrungen im Zeitablauf führte. Jedenfalls verging die eine oder andere einzelne Minute auf der Anzeige, während in meinem Zeitablauf zwei oder drei Minuten vergingen. Dann geschah das Unfassbare: Ich hatte laut Anzeige noch zwei Minuten zu warten, da erhöhten sich die angezeigten Minuten bis zur Ankunft! Ja meine Fresse, fährt der Kerl jetzt rückwärts? Oder die Kerlin? Gut, dieses Phänomen erledigte sich auch irgendwann, und dann war der Bus da. Reinspringen, Abfahrt, ab nach Hause.

Fazit: Wenn ich drei Züge später gefahren wäre, hätte ich den gleichen Anschlussbus bekommen. Und wenn ich jetzt, nachdem ich vollkommen durchgefroren war, eine Erkältung kriege, dann weiß ich, warum ich nächste Woche Urlaub genommen habe: nämlich um die Krankenstatistik meines Arbeitgebers nicht zu belasten.

*) Verein nationaler und internationaler grenzdebiler busfahrender Schüler


1 Kommentar:

  1. Und wiedereinmal bringe ich meine Worte an:
    "Du hast ein Handy! Nutze es gefälligst und rufe mich an, wenn das passiert!!!" *kopfschüttel*

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