Dienstag, 20. Februar 2018

Und dann war da noch die Sache mit der Nudel

Ich stand in der Küche und bereitete das Abendessen vor. Das Rezept besagte, daß es sich bei dem Endergebnis um Curryspaghetti handeln sollte. Theoretisch. Also ehrlich, in die Sauce auf Basis von Kokosmilch und Currypaste könnte ich mich ja reinlegen. Und in Würfel geschnittene Hähnchenbrust passt ja auch ganz toll dazu. Aber wieso Spaghetti? Nudeln, ja, schön und gut. Aber Spaghetti? Wenn ich die um die Gabel wickle, klappt das doch mit den Hähnchenwürfeln nicht. Neinneinneinnein, da nehmen wir andere Nudeln, die ganz normal auf eine Gabel gespießt werden können. Oder mit dem Löffel aufzunehmen sind. Aber doch keine Spaghetti.

Also öffnete ich eine Packung Fussili und ließ deren Inhalt eine das heiße, nur leicht, also schon kaum spürbar salzaromatisierte da meiner Angetrauten auch zuträglich sein sollende Wasser gleiten.

Beim gelegentlichen Rühren der Nudeln fiel mir etwas auf. Eine Farbabweichung in der blassgelben Masse. Für einen flüchtigen Moment nahm ich eine blassorange Nudel war, die zudem auch nicht als Fussili durchgehen würde.

Eine Hörnchennudel. In Orange.

Skandal!

Die zweitbeste Ehefrau von allen kam in die Küche, um ihre Neugier hinsichtlich des heutigen Abendessens zu stillen. Ich neige nämlich dazu, mich im Vorfeld nicht dahingehend zu äußern, was es geben würde. Natürlich erzählte ich ihr von der Nudelabweichung. Und von meinen Überlegungen, kurzfristig die US-amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Dann würde ich den Nudelhersteller in Amerika verklagen. Denn so ein Nudeltrauma verlangt nach Schmerzensgeld. Und Schadensersatz. In Millionenhöhe. Natürlich hätte diese eine Nudel bei mir nachhaltige Seelenpein ausgelöst.

Nicht nur, daß mein ganzes Gericht versaut wäre, nein, auch müsste ich ja nachhaltige Zweifel an den hygienischen Zuständen in der Nudelfabrik anmelden. Denn wenn die ordentlich putzen würden, dann wäre diese Fremdnudel ja nicht in den Beutel geraten. Hach, da bekomme ich jetzt ständig Plaque beim Nachdenken, was da alles hätte passieren können - würde ich zumindest behaupten, wenn mich jemand fragt, der über finanzielle Ansprüche zu entscheiden hat. Und wenn ich dann noch auf das von mir vermutete Karotin als Farbgeber allergisch reagiere… du meine Güte. Da ist ja eine Millionenklage wohl das Mindeste. Auch zum Schutz meiner Mitverbraucher. Jawohl. Ich hoffe, ihr wisst meine Sorge um euer Wohlergehen auch so zu schätzen wie ich selbst.

Doch das Beweismittel muß gesichert werden. Trotz beständigen Rührens im Topf tauchte diese Drecksnudel nicht mehr auf. Meine Angetraute übernahm schließlich, weil ich mich um andere Dinge zu kümmern hatte. Oh, da war das Biest ja, wie mir vermeldet wurde. Und schon wieder untergegangen.

Egal. Auf den Tellern würde es wieder auftauchen.

So deckten wir den Tisch, füllten die Teller und begannen zu essen.

„Ich hab sie!“

Freude schöner Götterfunken und seid umschlungen Millionen. Bevorzugt in kleinen Scheinen. Meine Angetraute zeigte mir die auf ihrer Gabel aufgespießte orangefarbene einsame Hörnchennudel. Ja, da leuchtete mich das Ziel meiner Träume an – und verschwand im Mund meiner Angetrauten.

Waaaaahhhh!

So kurz vor dem Ziel und alles vorbei.




Freitag, 16. Februar 2018

Vom Zustand einer Erregung

Der Vormittag neigte sich seinem Ende entgegen, folgerichtig ging es langsam auf die Mittagszeit zu. Die Höhle im Schicksalsberg war mit Ausnahme meiner höchst eigenen Person schon den ganzen Tag über verwaist, ebenso das Nachbarbüro. Ich musste mal etwas anderes sehen, also begab ich mich – noch nicht mal mit einem Vorwand – in Frl. Hasenclevers Kemenate.

Dort traf auch erwartungsgemäß auf meine Vorgesetzte, die sich in einem Zustand sichtbarer Erregung befand. Nein, nicht so eine Erregung. Eine andere. Mehr so wie diese hier.

„Darf ich Ihnen mein Leid klagen, Herr Paterfelis?“

„Machen Sie ruhig.“

So erzählte sie mir von einer Personalquerele. Wie meistens, eine an sich überflüssige Sache. Gekränkte Eitelkeiten. Leicht vermeidbar, aber durchaus risikobehaftet in den möglichen Auswirkungen. Ein Eingriff dürfte erforderlich sein.

„Ich bin stocksauer. Sie glauben gar nicht, wie ich jetzt noch zittere.“

„Oh doch, das glaube ich durchaus.“

Meine Antwort war eine glatte Untertreibung, hatte ich doch den sichtbaren Beweis vor mir sitzen. Und ein Beweis  macht den Glauben in der Sache durchaus entbehrlich.

„Sie sollten sich abreagieren. Los, Sie dürfen mir einmal auf den linken Oberarm boxen.“

Ich hielt das genannte Körperteil so, daß Frl. Hasenclever es bequem erreichen konnte. Sie holte aus, ihre geballte Faust näherte sich und…

*pöck*.

„He, machen Sie sich nicht lächerlich. Hauen Sie ordentlich zu, sonst bringt das nichts.“

*puff*

„Wie niedlich war das denn jetzt!? Tun Sie mal so, als ob ich ihr Ex-Freund sei und langen richtig zu.“

„Den habe ich aber nicht gehauen.“

„Sondern?“

„Ich habe ihn gebissen.“

„Das lassen Sie jetzt mal lieber, auf Beißen stehe ich nicht so.“

„Er auch nicht.“

Sie grinste.

Ich wandte mich ab, um die Kemenate wieder zu verlassen.

„Danke für alles, Herr Paterfelis.“

Immer wieder gerne.




Sonntag, 11. Februar 2018

Der Fluch der guten Tat

Für mich nahezu sensationell und absolut unerwartet habe ich in der letzten Nacht tatsächlich – mit nur einer wirklich kurzen, katzenbedingten Unterbrechung – elf Stunden geschlafen. Elf Stunden! Nicht im Bett herumgelegen, sondern geschlafen.

Es ist unfassbar.

Mein normales Schlafpensum beträgt eher  fünf als sechs Stunden, dann ist Schicht. Egal, ob unter der Woche, am Wochenende oder während des Urlaubes.

Mehr als acht Stunden ununterbrochen im Bett zu liegen hat jedoch auch einen gravierenden Nachteil: Mein Rücken meldet sich zu Wort. Habe ich den durch regelmäßigen Sport inzwischen weitgehend im Griff, konnte ich dieses spezielle, in meinem Alltag an sich nachrangige Problem noch nicht in den Griff bekommen. Daran haben auch diverse Matratzenwechsel im Laufe der Jahre nichts geändert.

Der Tag wird also eher entschleunigt sein, wie man heute so sagt.




Samstag, 10. Februar 2018

Ein Berliner Krapfenpfannkuchen

Irgend etwas lag in der Luft. Schon am Vortag, als ich den Angebotsprospekt des örtlichen Nahversorgers studierte und dort in meinem unbewussten Wahn als im Angebot befindlich Berliner mit Mettfüllung an statt Berliner mit Mehrfruchtfüllung las, war absehbar, dass etwas geschehen würde. Eine unbestimmte Bedrohungslage baute sich auf...

Trudi kam Donnerstag mit einem unfassbar albernen lustigen Hut ins Büro. Sofort war klar, was die Stunde geschlagen hat, zählt Trudi in unserer ethnisch bunt gemischten LASA-Außenstelle doch zur aus dem Rheinland stammenden Fraktion und lebt das dort schon mit der Muttermilch aufgesogene Kulturgut auch gerne mit einer gewissen Leidenschaft aus.

Leiden schafft heute bei mir schon alleine der Gedanke an die karnevalistischen Umtriebe, aber da Raissa was betrunkene Menschenmassen angeht, welche in überfüllten stickigen Räumen seltsame Lieder singen grölen ganz meiner Meinung ist, blieb es in der Höhe im Schicksalsberg angemessen ruhig. Seit Mandy aus unserem Büroraum ausgezogen war, gilt das Radio ohnehin als stillgelegt.

Aber gewisse Vorzüge des rheinländischen Brauchtums, an welchen Trudi uns teilhaben lassen wollte, soll man nicht unter den Tisch fallen lassen.


- würde auf dem Boden unter dem Tisch ja auch kleben -


Und es war ein sehr guter Berliner, Krapfen, Pfannkuchen oder wie auch immer, frisch aus einer echten Bäckerei mit einem echten Bäcker. Locker leicht, schon von außen erkennbar an dem recht breiten hellen Mittelstreifen. Und mit Erdbeerfüllung. Nix mit Mett, aber das ist durchaus akzeptabel, wie ich ehrlicherweise einräumen muß. Eine Eierlikörfüllung wäre mir aber durchaus auch mal recht gewesen. Rein testweise zu wissenschaftlichen Zwecken natürlich, aber ich habe schon viel Positives darüber vernommen.
  
Raissa reagiert allergisch auf Erdbeeren. Tja, Pech. Das Leben ist eines der Härtesten. Also doppelter Spaß für mich. Und ich musste nach dem Verzehr ausnahmsweise noch nicht mal duschen, weil der Bäckermeister es mit dem aufgestreuten Zucker endlich mal nicht übertrieben hatte.

Und nun?




Macht ihr mal. Ich träume von alten Zeiten, als die Jungs aus meinem damaligen Spielerkreis und ich in diesen Tagen noch unsere traditionelle antikarnevalistische Veranstaltung durchführten. Wir trafen uns zu Chili, Chips und extra ausgewählten schlechten Filmen, warfen eventuell verkleidete Mitbewohner konsequent raus und überlebten so den Tag.

Schlechte Filme können so unglaublich gut sein, wenn nur das Kontrastprogramm stimmt.




Mittwoch, 7. Februar 2018

Und dann war da noch die Sache mit dem Briefumschlag

Dingelingelingeling!

Telefon! Ja, ich weiß, normale Telefone mach… 

Dingelingelingeling!

…chen heute nicht mehr Dingelingel…

Dingelingelingeling!

Sag ich ja. Aber ich wüsste jetzt ni…

Dingelingelingeling!

…cht, wie ich ich dieses moderne Gehupe in Schriftform bri…

Dingelingelingeling!

Ja doch. Kann da mal jemand rangehen?

„Landesamt für sozialen Ausgleich, meine Name ist Paterfelis. Was kann ich gegen Sie unternehmen für Sie tun?“

„Ja, Sie haben mir doch die Erinnerung an den Brief geschrieben.“

„Ach SIE waren das.“ 

Man darf ja noch mal träumen, daher sei mir an dieser Stelle die dramaturgische Freiheit gegönnt so zu tun, als hätte ich meine Gedanken ausgesprochen.

„Wie jetzt?“

„Sagen Sie mir doch bitte Ihren Namen und das Aktenzeichen.“ 

Ab hier also wieder knallharte Realität.

„Schimpanski. Und das Aktenzeichen weiß ich nicht.“

„Das steht oben links auf meinem Brief.“

„Nein, da steht nichts.“

Doch, das steht da mit Sicherheit, weil man es im Zeitalter modernster großrechnergestützter Schreibelektronik technisch gar nicht weglassen kann. Aber egal, die Diskussion lohnt nicht.

„Dann versuchen wir es mal so. Was habe ich Ihnen da denn geschrieben?“

„Sie sagen, daß ich Ihr Schreiben vom Soundsovielten bitte beantworten möchte."

"Ja, gut. Und?"

"Ich komme mit dem Schreiben vom Soundsovielten aber nicht klar.“

„Aha. Und was habe ich Ihnen am Soundsovielten geschrieben?“

„Das weiß ich nicht, ich habe den Umschlag bisher noch nicht aufgemacht.“

Es wird jetzt für jemanden Zeit, über sein bisheriges Leben mal lange und intensiv nachzudenken.