Dienstag, 11. Dezember 2018

Keine echte Alternative

Der Herr Geschäftsführer hatte endlich die durchschlagende Idee, wie wir unsere Arbeit schneller erledigen könnten.

„Ihr Fachbereich hat doch jetzt schon seit Jahren eine Fehlerquote von nahezu null Prozent. Unterschreiben Sie doch mal etwas risikobereiter, dann sind die Sachen auch zügiger vom Tisch, sie haben weniger unerledigte Vorgänge im Bestand und insgesamt kürzere Laufzeiten.“

Verlockende Idee.

„Herr Geschäftsführer, lassen Sie uns denn dann auch in Ruhe, wenn die Fehlerquote plötzlich steigt?“

„Nein. Ein Ansteigen der Fehlerquote ist keinesfalls tolerabel.“

Und schon kommt das Wort von der Alternativlosigkeit wieder zu seiner Bedeutung.



Freitag, 7. Dezember 2018

Am Ende

Letzter Urlaubstag. Und wieder einmal habe ich das Wesentliche, welches ich mir für diesen Urlaub vorgenommen habe, nicht geschafft. Noch nicht. Bis Montag ist ja noch etwas Zeit.

Wie sagte Rebecca unlängst zu mir, als wir etwas verspätet mit unserem Fachbereich die jährliche, traditionelle Nachweihnachtsfeier bei einem indischen Buffet begangen haben? „Welchen Raum räumst du dieses Mal aus? Das machst du doch in jedem Urlaub.“ Ja, dieses Mal habe ich mir unsere Küche vorgenommen und zu diesem Zweck, quasi als Hilfstabletts, im Vorfeld Druckerpapierkartondeckel gesammelt. Damit lassen sich bestimmte Kleinteile besser gesammelt verschieben oder wegstellen. Denn um die Kleinteile geht es.

In unserer Küche findet sich vor allen Dingen ein unübersehbarer Wust aus Gewürzpackungen. Soviel Gewürze benötigt kein Mensch. Wir aber schon. Und andere Dinge mehr. Da nützt es nichts, wenn diese Dinge ordentlich im kellergebundenen Lebensmittelregal einsortiert sind. Bestimmtes Material gehört in die Küche, sonst wird es vergessen. Nicht von mir, da ich als verwaltender Pfleger des Kellerregals durchaus nur selten etwas von dem vergesse, was da lagert. Aber die zweitbeste Ehefrau von allen merkt sich das nicht. Kaum sind verschiedene Dinge aus den Einkaufstaschen verschwunden und systematisch im Kellerregal eingepflegt worden, entwickelt sich bei der zweitbesten Ehefrau von allen hierzu eine gedankliche Nulllinie.

Das ist schlecht.

Und oben in der Küche lagern die Gewürze in einem wilden Chaos. Der Gewürzschrank reicht nicht mehr aus, um alle unterschiedlichen Döschen, Gewürzmühlen und Tütchen aufzunehmen, während im offenen Küchenregal Dinge lagern, welche seit Jahren nicht mehr berührt wurden und Platz wegnehmen. Ein für mich unerträglicher Zustand.

Ich kann mich stundenlang und tatsächlich wachsender Begeisterung damit beschäftigen, sowohl die Bücher- und Spieleregale als auch die Kellerregale und den Inhalt der Wohnzimmermöbel neu zu strukturieren. Um Ordnung in ein Chaos zu bringen, sind aber drei Grundvoraussetzungen erforderlich:

  1. Ich muss mit den Dingen etwas anfangen können.
  2. Ich muss eine logische und ästhetisch anspruchsvolle Grundvorstellung haben, wie es später aussehen soll.
  3. Ich muss allein sein, wenn ich das Werk vollbringe.

Punkt 1 ist kein Problem. Ich könnte niemals den Kleiderschrank, die Sportgeräte und die Tanzausrüstung der zweitbesten Ehefrau von allen sortieren. Das ist nicht meine Welt. Außerdem kann ich Textilien nicht ordentlich falten. Irgendwann würde ich gefragt werden, wo dies und das gelandet ist und könnte nicht antworten, weil ich nicht mal ansatzweise eine Idee habe, um was es geht und wie das gesuchte Ding überhaupt aussieht. Kaum etwas kann mich mehr aufregen als die Aufgabe, in natürlich mangels rechtzeitiger Beauftragung knapp bemessener Zeit Dinge zu suchen, die ich nicht kenne. Schlechte Voraussetzung. Dies wäre in der Küche natürlich anders.

Punkt 2 ist ein größeres Problem. Wir haben einfach zu viele Gewürze in zu unterschiedlichen Aufbewahrungsmitteln. Die Möglichkeit einer Vereinheitlichung sehe ich aus verschiedenen Gründen als unrealistisch an und würde letztendlich auch nicht weiterführen, weil der Gewürzschrank einfach überfüllt ist. Und eine Auslagerung an eine andere Stelle wird zumindest nicht platzsparend, sondern auf Grund der Gegebenheiten eher platzfressend sein. Platz ist etwas, was es in unserer Küche kaum gibt. Hier muss ich experimentieren und zwingend mit Zwischenlösungen arbeiten, welche vielleicht später in ein sauberes und auch optisch ansprechendes Ergebnis umgewandelt werden können.

Punkt 3 ist auch so eine Sache. In diesem Urlaub hat sich keine mehrtägige Abwesenheit der zweitbesten Ehefrau von allen ergeben. Die paar Stunden am Abend, wenn sie ihre Kurse gibt, werden für meine Zwecke nicht ausreichen. Außerdem bin ich ein Morgenmensch. Wenn ich nicht morgens mit etwas begonnen habe, ist der Schwung vorbei. Und ich will hier keinen Radau veranstalten, während die zweitbeste Ehefrau von allen noch schläft. So etwas machen hier nur Lebensmüde und Paketboten.

Mal sehen, wie ich das noch hinbekomme.




Donnerstag, 6. Dezember 2018

Gesindel - Abschaum - Dreck

„Richtig!“

Das war die Antwort der zweitbesten Ehefrau von allen auf meine am frühen Abend geäußerte Bemerkung, daß ich wahrscheinlich nicht den Baseballschläger aus meinem Zimmer holen dürfe, um dem hirnlosen Honk, der draußen wiederholt und aus nicht weiter nachvollziehbaren Gründen das Instrument seines Kraftfahrzeuges zum Auslösen einer auf Schall basierenden Signalisation betätigte, klarzumachen, daß hier eine eben solche Betätigung selbigen Gerätes ohne der originär zugewiesenen Absicht des Ausstoßens einer Gefahrenwarnung nicht angebracht und schon mal überhaupt nicht erwünscht wäre.

Wahrscheinlich wollte er nur jemandem, den er zwecks Verbringung an einen anderen Ort abzuholen gedachte, auf seine zwischenzeitlich erfolgte Ankunft aufmerksam machen. Denn nach einigen Minuten sich immer wiederholenden Schall Erzeugens stieg eine weitere Person ein und man fuhr von dannen – nicht ohne einem freundlichen finalen Abschiedshupen in die Nachbarschaft.

Arschloch.



Sonntag, 2. Dezember 2018

Von fiebernden Eulen, einem Blinden und Lassie

Wir trafen uns wieder zu unserem vierwöchentlichen Spielenachmittag. Dieses Mal sogar in Vollbesetzung, also die zweitbeste Ehefrau von allen, Frl. Hasenclever, Sven, Ludwig und Raissa. Und natürlich meine Wenigkeit. Die Altersspanne der Teilnehmer ist schon weit gesteckt, bin ich doch älter als Luwig und Raissa zusammen.

Auf Wunsch der zweitbesten Ehefrau von allen hatte ich einige Spiele aus grauer Vorzeit ausgegraben. Wir starteten die Runde mit dem guten, alten Spiel des Lebens in einer der ersten deutschen Versionen. Es ist ein dem Grunde nach einfaches Familienspiel, welches ohne viel Finessen auskommt. Nach Jahrzehnten ist es mal wieder ganz lustig zu spielen gewesen, entspricht aber nicht mehr so ganz den heutigen Ansprüchen an Brettspielen. Da war schon einiges an Nostalgie unterwegs.
Es ging weiter mit Querdenker. Bei dem Spiel geht es darum, einen zuvor etwas eingegrenzten Begriff anhand von 20 Aussagen zu erkennen. Die Aussagen sind mitunter mehrdeutig, aber sobald man die Lösung kennt doch stets nachvollziehbar.
Dachte ich.
Mir ist durchaus bewusst, daß es Spiele gibt, deren Regeln zwar einer gewissen Zeitlosigkeit unterliegen, der Teufel aber mitunter im Detail steckt. In einem anderen Spiel aus meiner jahrzehntelang zusammengetragenen Sammlung, bei dem es darum geht, Meinungen von Mitspielern zu erraten, wird zum Beispiel die Frage gestellt, ob man der Ansicht sei, daß die Rolling Stones auch mit 60 Jahren noch Musik machen. Ich kenne mich da ja nicht ganz so aus, bin aber der festen Überzeugung, daß sich diese Fragekarte im Jahr 2018 durch Zeitablauf bereits doch ein wenig überlebt hat... 
Hier aber war es anders. Bestimmte Begriffe funktionierten in der Runde gut, aber dann kamen doch unerwartete Probleme. So konnten unsere Youngster mit dem Spruch „Eulen nach Athen tragen" und dessen anschließend von mir vorgetragenen Erläuterung des Sinns und des Zustandekommens überhaupt nichts anfangen.
Dann kam die Frage nach einem bestimmten Tier. Bekannt aus Film und Fernsehen. Lassie! Ludwig kannte Lassie nicht. Lassie, der Inbegriff des Film- und Fernsehhundes schlechthin. Ja, es gibt noch Rin Tin Tin und Boomer, den Streuner, welcher mir als Kind noch am besten gefallen hat. Aber Lassie - hallo. Dafür kannte er Flipper. Ist ja schon mal was. Nur kein Hund. Aber das war zumindest klar. Außerdem habe ich jetzt mal wieder die Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß ich Flipper doof finde.
Auch der nach Lösung der Aufgabe, bei der ein bestimmter dunkelhäutiger Musiker gesucht wurde, von mir erzählte alte Spruch "Hast Du die Frau von Stevie Wonder schon mal gesehen? Er auch nicht!" stieß ins Leere. Ist Stevie Wonder wirklich schon in Vergessenheit geraten?
Und zu guter Letzt zeigten sich Auswirkungen des technologischen Fortschritts. Wenn man noch nie mit einem Fieberthermometer zu tun hatte, welches auf Quecksilberbasis arbeitet, kommt man auch nicht mit dem Umstand zurecht, daß man es zur Senkung der Temperaturanzeige nach unten schütteln muß.
Ja, die Dinge ändern sich. Das ist mir wieder sehr bewusst geworden.




PS: Es gibt sogar Videos, welche zeigen, wie man ein Quecksilberthermometer herunterschlägt?!

Echt jetzt?

Ich bin zu alt für diese Welt.






Mittwoch, 28. November 2018

Irgendwie schon

Die Angehörigen der Katzenbande sind was die Interaktion untereinander angeht schon etwas eigen. Lilly will zumeist vor Marty ihre Ruhe haben, welcher aber doch recht oft in ihrer Nähe herumtigertkatzt. Sie zeigt ihm ihre Überzeugung, nämlich jene, daß sie auf seine Anwesenheit gerade so überhaupt keine Lust hat, mit durchaus schlagenden Argumenten. Dabei ist es nicht so, daß der Kater in der Lage ist, sich das lange zu merken. Vielmehr ignoriert er die Schläge einfach.

Smilla will mit Lilly und auch mit Marty eher weniger zu tun haben. Sie hält Abstand von beiden, insbesondere dann, wenn es etwas wilder zugeht. Sie flieht ja schon, wenn ihr einer ihrer Artgenossen ohne Hintergedanken zu nahe kommt. Wir können hier also bei der Definition von Wildheit durchaus die unterste Stufe von einer mit Bewegung verbundenen Aktion anlegen.

In seltenen Momenten versuchen alle drei – jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten – ihre Kollegen zu animieren, Nachlaufen zu spielen. Dummerweise geschieht dies meistens zu  Zeiten, in denen die jeweils beiden anderen der Ansicht sind, daß es gerade sinnvoller sei, ein Nickerchen zu machen. Nur gelegentlich lässt sich ein Erfolg in der Sache erkennen, an dem sogar Smilla in Abweichung ihrer oben erwähnten Grundsätze beteiligt sein kann. Das sind die Momente, in denen sie ihre katzentypischen tollen fünf Minuten hat. Aber das zweibeinige Personal wird mit Sicherheit nicht hinterherrennen, soviel ist sicher.

Wenn aber ein Angehöriger der Katzenbande mal versehentlich im Schlafzimmer eingeschlossen sein sollte, dann wird unabhängig von allen Uhrzeiten und sonstigen Begleiterscheinungen des Alltags Alarm geschlagen, bis das Personal erscheint, um die Tür zu öffnen und den Gefangenen in die relative Freiheit zu entlassen. Man maunzt, kratzt an der Tür und belagert diese derart auffällig, daß man gar nicht anders kann als auf die Situation aufmerksam zu werden.

Böse Zungen würden jetzt behaupten, daß da jemand einfach nur sensationsgeil sei. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich sind aber der Ansicht, daß die drei Haustiger sich irgendwie ja doch etwas mehr zu mögen scheinen. So ganz tief in ihrem Inneren wenigstens.

Kinder, ihr könnte das ruhig offen zugeben. Es wäre nicht schlimm.

Wirklich nicht.