Donnerstag, 14. Februar 2019

Saisoneröffnung - die nächste

Es gibt eine neue Eisdiele in der Stadt:




Schokolade, Haselnuss, gesalzenes Karamell, Erdbeer, Mango.

Passt.



Samstag, 9. Februar 2019

Paradiesische Urstände

Es trifft nicht nur mich, sondern auch andere. Einmal im Jahr, um genau zu sein. Aktuelle statistische Evaluationen bestätigen dies. Und das mit einer Fehlertoleranz von in etwa bis ziemlich genau Null. Man könnte also behaupten, dies sei ein sehr präziser Wert. Und jetzt hat es Frl. Hasenclever getroffen. Passiert eben. Da macht man nichts. Gar nichts. Einmal damit angefangen, gibt es kein Entrinnen.

Geburtstag.
Dem Anlass entsprechend ließ sie es sich nicht nehmen, in ihrer Kemenate eine große Schüssel mit Schokosüßkram aufzubauen. Sogar Markenprodukte. Nicht das billige Zeug von Feinkost Albrecht oder dem Schwarz-Markt, welches die Kollegen zu diesen und anderen Gelegenheiten zuweilen  anschleppen. Der Tag zeigte eine gewisse Tendenz, gerettet zu sein. Zumindest was die Versorgungsleistung angeht, denn Sven hielt es mal wieder nicht für nötig, in seiner Mittagspause das Haus zu verlassen, um mich mit von ihm sozusagen in der exotischen Welt außerhalb des LASA beschafften Nahrungsmitteln zu erfreuen. Da mich zuweilen auch ein gewisses Hungergefühl beschleicht, konnte ich mich mit dem Naschkram bei vorsichtiger Dosierung auch gut über Wasser halten. Die erfahrenen Leser wissen ja, daß Süßkram bei mir derart im Magen liegt, daß ich mit einer Tortendiät sogar abnehmen würde. Morgens ein großes Stück Torte, und ich esse für den Rest des Tages garantiert nichts mehr, bin aber auch von einer sich zwangsläufig aufbauenden Trägheit für alle anderen sinnvollen und sinnfreien Tätigkeiten außer Gefecht gesetzt. Also mußte ich Maß halten.
Doch es hatte sich auch ein zweites Fenster mutmaßlicher Glückseligkeit aufgetan. Rebecca verkündete per elektronischem Brief, daß sie Plätzchen gebacken hatte und uns zur allgemeinen Verkostung zu sich bäte. Frau Schlüter, welche dieser Bitte mit einem wahren Feuereifer bereits nachgekommen war, ergoss sich in unserem lauschigen Büro ob der Qualität der Backwaren in höchsten, wenn nicht gar der Stimme geschuldeten schrillsten Lobpreisungen. Ich würde also Rebeccas Ansinnen wohl auch nachkommen. Doch zunächst suchte ich Frl. Hasenclever heim.
Wir besprachen, was es zu besprechen gab. Selbstverständlich vergriff ich mich auch an der dort bereitliegenden Wegzehrung, denn die Strecke zu Rebeccas Büro war weit. Ich schätze den reinen Fußweg auf etwa sieben Meter. Vielleicht auch zehn. Da kann viel passieren.
Schon nahezu am Ende meiner Kräfte, nur aufrecht gehalten von einem winzigen Schoko-Erdnuss-Karamelriegel, schleppte ich mich bis an Rebeccas Tisch, an dem eine Plätzchendose meiner harrte. Ich öffnete den Deckel und ließ mir aus purer Höflichkeit von Rebecca den Inhalt erläutern. Letztendlich hatte mich Frau Schlüter ja schon bis ins letzte Detail informiert. Ich entnahm dem Gefäß zwei kleine Kunstwerke und schaffte es tatsächlich, den weiten Weg zur allgemein bekannten Kemenate zurückzulegen. Hier füllte ich mit meiner selbst den Türrahmen auf, hielt die beiden Plätzchen demonstrativ in die Höhe, und klärte Frl. Hasenclever über die Lage auf:
„Rebecca hat aber selbst gebackenen Süßkram mitgebracht. Nicht nur so einfach gekauftes wie Sie. Kaufen kann jeder, aber backen muß man können.“
„Ja, ich weiß. Ich habe die E-Mail auch gelesen. Aber ich werde mich auch noch an den Ofen stellen und etwas zaubern. So geht das ja schließlich nicht. Ich dachte zuerst an meinen Kirschkuchen, aber jetzt wird es wohl etwas anderes.“
Voller demonstrativer Verzückung biss ich in einen Pistatzienkeks ein Pistazienplätzchen, welcher welches mit weißer Schokolade überzogen war. So gestärkt führte mich mein Weg wieder zu Rebecca. Ich grinste sie durch den Türrahmen an.
„Ich war bei Frl. Hasenclever und habe von den Plätzchen geschwärmt.“
„Das ist schön.“
„Sie will jetzt auch backen.“
Rebeccas Augen wurden zu schmalen Schlitzen. Ein bedrohliches Funkeln war zu erkennen. Ein Funkeln, wie es nur erfahrene Ehemänner wahrzunehmen wissen. Ihre nächsten Worte sprach sie mit Bedacht, ja geradezu mit gefährlich demonstrativer Ruhe.
„So so. Dann ist die Backschlacht jetzt also eröffnet.“
Yeah, Ziel erreicht. Die Mädels sind so berechenbar. Jetzt muß ich es nur noch hinbekommen, das vorgesehene Ergebnis in die richtige Bahn zu lenken. Vielleicht sollte ich Frl. Hasenclever mal darauf aufmerksam machen, daß Rebecca unlängst einen fantastischen Zwiebelkuchen…
Ich bevorzuge übrigens die Variante mit Mürbeteig.
Nur mal so am Rande.



Donnerstag, 7. Februar 2019

Klassische Fehleinschätzung

„Dängeleding!“

Ich hasse nach wie vor Telefone.

„Dängeleding!!“

Es hört nicht auf.

„Dängeledingdongdang!!!“

Ich hebe ab.

„Das Landesamt für sozialen Ausgleich, mein Name ist Paterfelis, schönen guten Morgen.“

„Müller, ABC-Bauchtechnik aus Finkenheim, guten Morgen.“ jammerte mich eine mir durchaus noch bekannte Stimme an.

„Was kann ich gegen Sie tun?“

(Man wird ja noch träumen dürfen, Anm. d. Red.)

„Wir hatten vor zwei Jahren zuletzt miteinander zu tun; erinnern Sie sich noch?“

„Ja, ich erinnere mich.“

Und Frl. Hasenclever. Und der halbe Fachbereich. Und der Herr Abteilungsleiter.

„Das ist gut.“

Ähm, nein. Das ist gar nicht gut.

Wenn ich mich nach zwei Jahren noch detailliert an einen Fall von einem Kunden, der auch noch einen Allerweltsnamen hat, nur bei Nennung des Namens und dem Klang seiner Stimme erinnern kann, dann ist das ein schlechtes Zeichen.

Ein sehr schlechtes Zeichen.

Er hat es mal wieder vermasselt. Ein Kreuz und eine Unterschrift hätte genügt, um noch drei Jahre Ruhe vor mir zu haben. Das hat er nicht geschafft. Obwohl wir seinerzeit darüber gesprochen haben. Und er mehrere Chancen hatte, seine unterlassene Reaktion nachzuholen. Die benzinbetriebene Kettensäge mit extra langem Blatt liegt schon bereit. Beim letzten Mal ist er mit zwei tiefblauen Augen aber ansonsten sauber aus der Sache rausgekommen, in die er sich selbstverschuldet verstrickt hatte. Und das nur, weil ich mit viel Mühe eine Situation herbeigeführt hatte, in der ich ihm helfen konnte.

Dieses Mal kommt er nur mit Schmerzen und Spätfolgen aus der Nummer raus.

Mit Sicherheit!





Samstag, 2. Februar 2019

Ein Auftrag vom Ökoklaus oder Der Kaffee ist fertig

„Hast du schon gehört, daß Sven jetzt auch für die Bedienung der Kaffeemaschine in Frl. Hasenclevers Kemenate eine Checkliste erstellen will?“

Mit diesen Worten betrat der Ökoklaus mein Büro. Ja, ihr habt lange nichts mehr über ihn gelesen, aber es gibt ihn noch.

„Eine Checkliste? Für die Kaffeemaschine? Dann muß es wohl nötig sein.“

Im LASA werden wir mit immer mehr Checklisten zugedonnert, die unsere gedanklichen Handgriffe eingrenzen und so die Qualität gewisser Arbeiten verbessern wollen.

„Hat er wieder was vermasselt? So wie damals die Sache mit den Kaffeeakten?“

„Das wäre doch was für dein Blog.“

„Stimmt, die Geschichte steht auch schon lange auf dem virtuellen Merkzettel, aber ich habe noch nicht die Kurve gekriegt, sie aufzuschreiben.“

„Na, dann mach mal.“

Also gehen wir es an.

Irgendwann vor langer Zeit… Na, wir wollen mal nicht übertreiben. Aber ein Jahr ist bestimmt vergangen, seit ich meine von Frl. Hasenclever geprüften und für korrekt befundenen Akten wieder auf meinem Schreibtisch vorgefunden hatte und diese wieder als bei mir zur weiteren Bearbeitung befindlich – und wenn es überwiegend auch nur um die Vorbereitung zur Archivierung oder zum Wegschmeißen ginge -  ins VATeR eingetragen habe. Dabei fiel mir auf, daß eine nicht unerhebliche Anzahl der Vorgänge durchaus beachtliche braune Flecken aufwiesen und das derart verzierte Papier auch eine gewisse nicht mehr ganz so glatte Struktur aufwies.

So geht man nicht mit meinen Akten um! Ich will die ordentlich haben. Nicht unnötig geknickt, getackert, eingerissen und erst recht nicht besudelt. Ich hasse unordentliche Aktenführungen, und dazu gehört auch der äußere Eindruck.

Also marschierte ich etwas mussmutig zu Frl. Hsenclevers Kemenate.

„Was haben Sie mit meinen Akten angestellt? Ist Ihnen Ihre Kaffeetasse umgefallen?“

Frl. Hasenclever sah mich mit leichtem Grinsen an.

„Nö, aber Sven hat Kaffee mit meiner Kaffeemaschine gekocht, als ich noch nicht da war.“

„Na und?“ wird sich der geneigte Leser nun überlegen. Dieser sollte an dieser Stell vorbereitender und somit zweckdienlicher Weise erfahren, daß die Akten, welche zur Kontrolle durch Frl. Hasenclever bestimmt sind, von uns morgens in die Fächer eines Aktenbocks, also eines kleinen, mobilen Regalschranks gelegt werden. Und auf der Platte, welche die oberste Etage dieses Schranks bildet – steht neben einem Glas mit Süßigkeiten die Kaffeemaschine nebst allem erforderlichen Zubehör.

„Na und?“ überlegte an dieser Stelle auch der Autor dieser kleinen Geschichte.

„Er hat ordentlich das Kaffeepulver aufgefüllt, die Maschine angemessen mit Wasser betankt und eingeschaltet.“

„Na und?“ wiederholte ich meine gedankliche Fragestellung.

„Dann ist er erst mal zurück an seinen Schreibtisch gegangen.“

„Na und?“ …ihr wisst schon.

„Sven hat vergessen, die Kaffeekanne in die Maschine zu stellen. Als ich gekommen bin, war der ganze Aktenbock von Kaffee geflutet.“

Ähm, ja.

Und damit ist der Auftrag des Ökoklaus nunmehr auch abgearbeitet worden.




Mittwoch, 30. Januar 2019

Ausfalltag

In halbwegs erträglicher Arbeitslaune betrat ich das kleine, gemütliche Büro am Rande der Stadt, versorgte mich und andere auf dem Weg entlang der Postfächer vorbei mit Arbeit und erreichte letztendlich die Höhle im Schicksalsberg. Noch war ich allein, denn meistens bin ich morgens der erste Anwesende.

So begann die übliche Morgenroutine. Ich schaltete den PC an und ließ ihn hochfahren. Bis zur Herstellung der endgültigen Arbeitsbereitschaft, vorbei an allen Zwischenschritten und Passwortkontrollen, würde das etwa sieben bis acht Minuten in Anspruch nehmen. Während dessen galt es die Höhlenfenster aufzureißen, um den Mief des vorherigen Tages in die sicherlich verdiente Freiheit zu entlassen. Als netter Mitarbeiter begab ich mich wie meistens in Frl. Hasenclevers Kemenate, um hier desgleichen zu tun, oft gefolgt von Ludwigs Büro. Hier würden die geöffneten Fenster schließlich für einen ausreichenden Luftzug sorgen.

Der nächste Gang führte mich gewohnheitsmäßig in die Teeküche. Hier harrte ein Heißwasserboiler darauf, vor mir in Betrieb gesetzt zu werden. Beim Einlaufen des Wassers konnte ich schon die kleinen Knusperchen entdecken, die zahlreichen gelösten Kalkreste, welche mir die Lust auf Tee schon wieder vermiesten. Nö, lass mal. Heute würde es Wasser aus Flaschen geben.

Wieder zurück an meinem Schreibtisch bemerkte ich Ungewöhnliches. Eine Warnmeldung prangte auf dem Monitor. Das Gerät war nicht arbeitsfähig, es fehlte an Verbindung. Nun denn, so etwas kommt schon mal vor. Also alles wieder auf Anfang. Computer neu starten? Ja bitte!


Schlechte Vorzeichen


Gleiches Ergebnis. Ich kam noch nicht mal auf meinen Desktop. Damit fehlte mir die Zugriff auf die allseits bekannten Büroanwendungen des bekannten Markenherstellers Winzigweich als auch auf das MIST*) sowie das damit verbundene VATeR*)-System. Ich war von jeglichen technischen Unterstützungen abgeschnitten.

Nun denn. Ich fange meinen Dienst bekanntlich regelmäßig vor der frühest möglichen offiziellen Arbeitszeit an. Vielleicht waren die Bereitstellungen aus Bad Husten jetzt noch nicht soweit. Und noch konnte ich mich ohne elektronische Unterstützung bis zu einem bestimmten Punkt des Tagesgeschäftes durchaus sinnvoll beschäftigen, indem ich meine Post sortierte und die entsprechenden Akten beizog. Es lebe das noch nicht papierlose Büro. Voll Oldschool, aber allzeit bereit.

Das Telefon klingelte. Der Name des Kollegen Maus aus Indien, also von der anderen Seite des Ganges, prangte auf dem kleinen Display. Ich nahm den Anruf direkt mit den Worten „Ich kann auch nicht arbeiten.“ entgegen. Alles klar, ich bin nicht der einzige Betroffene. Den User-Helpdesk kann ich noch nicht informieren, da dieser zur eben jetzigen Uhrzeit und voraussichtlich für eine weitere Stunde noch unbesetzt ist.

Nach und nach trudelten die Kollegen ein. Während die Ebene der Sachbearbeiter und höher noch teilweise ohne PC arbeiten kann und zum Beispiel die Arbeit der Assistenten vom Vortag prüft, läuft auf eben dieser Ebene so gut wie nichts mehr ohne den Rechner. Willkommen in der schönen neuen Welt. Irgendwann erreichte uns die Nachricht aus Indien, daß unsere gesamte Außenstelle von der Störung betroffen sei. Und zwar nur unsere Außenstelle. Beim Rest des LASA lief alles wie es laufen sollte. Der User-Helpdesk habe von sich aus bereits versucht, einen gewissen Herrn Dr. Strebsinger zu erreichen und diesen zu informieren. Der jüngere Kollege, welcher den Anruf entgegengenommen hatte, wusste mit diesem Namen nichts mehr anzufangen. Kein Wunder, hatte Dr. Strebsinger doch schon Anno 2015 das Handtuch geworfen und sich anderen Ortes verbeamten lassen, ebenso wie aktuell Frau Schubert als seine Nachfolgerin selbiges nach nur drei Jahren auch getan hatte. Bei unserer Fluktuation erschien es offensichtlich nicht besonders wichtig zu sein, Namensverzeichnisse auf dem Laufenden zu halten.

Irgendwann kamen auch die sachbearbeitenden Kollegen an den Punkt, an dem sie ihrer papiergebundenen Arbeit nicht weiter nachgehen konnten und nun zwingend die EDV benötigten. So sammelte man sich in meinem strategisch günstig gelegenen Büro. Natürlich konnte ich die Gemüter durch einen beherzten Griff in meinen Notfallschrank davon überzeugen, daß wir uns im Fall des schlimmsten Falles den ganzen restlichen Tag über sinnvoll nicht im Sinne unseren Arbeitgebers beschäftigen können würden. Doch Langeweile könnten wir eindeutig vermeiden. Im Notfallschrank befand sich nämlich auch der Karton mit der klassischen Spielesammlung, welche extra für solche Situationen von mir bereitgehalten wurde. Natürlich nur als teambildende Maßnahme. Das versteht sich ja wohl von selbst.


Ein vielversprechender Karton, gefüllt mit Nostalgie


Während wir die jahrelang nicht mehr in Anspruch genommene Sammlung auf Vollständigkeit inspizierten, insbesondere auch um die wichtige Frage zu klären, ob das enthaltene Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel denn auch in der Variante für sechs Personen vorliegen würde, erschien Frau von Weißenfels in der Höhle im Schicksalsberg. Frau Henriette von Weißenfels ist ihres Zeichens unsere neue Außenstellenleiterin und hatte just an jenem Tag auch direkt den ersten Tag, an dem sie allein und ohne Frau Schuberts Hilfe zurechtkommen musste. Aufgrund von Frl. Hasenclevers Abwesenheit war ich der erste Ansprechpartner für sie in unserem Fachbereich. Man stelle sich das Bild vor: Die neue Außenstellenleitung kommt erstmals in mein Büro und findet die Kollegen und mich in einer Spielesammlung vertieft vor. Wo ist die versteckte Kamera?



Die Klassiker


Wir erörterten kurz die Umstände des Systemausfalls. Oder auch nicht, denn diese waren noch nicht bekannt. Mir wurde die Befugnis erteilt, die Kollegen auf deren Wunsch hin bis zu einer gewissen Mindestzahl Anwesenheitspflichtiger auf eigenes Zeitguthaben nach Hause entlassen zu dürfen, sofern dies gewünscht sei. Der Rest würde dann wohl bleiben müssen um aufzupassen, daß niemand die Telefone klaut. Letztendlich flohen nur unsere anwesenden Telearbeiter in Richtung Homeoffice, denn wie man mittlerweile erfahren hatte, zeigte sich die EDV auch dort in betriebsbereitem Zustand. Außerdem gab ich, als Frau von Weißenfels mich nach der Stimmung im Bereich befragte, mit einem gewissen Grinsen im Gesicht bekannt, daß es mir durchaus eine gewisse Sorge bereite, daß kaum daß sie das Kommando hier übernommen habe alles direkt zusammenzubrechen schien.

Anschließend klärten die verbliebenen Kollegen die wichtige Frage, um welches Spiel es sich denn bei einem von mir hervorgezaubertem Spielbrett handeln würde, welches in den klassischen Spielesammlungen üblicher Weise nicht aufzufinden sei und auch nicht zu dieser gehörig war, denn ich hatte es aus Platzgründen einst selbst hinzugefügt. Während unsere jungen Leute unterhalb von vierzig Lenzen sowie jene Kollegen, welche ihre Herkunft au dem Osten der Republik herleiten konnten, nicht mal eine Ahnung hatten, um was es ging, zeigten sich die Ü-40-West-Kollegen durchaus informiert.



Ein Spiel mit Witz - Malefiz. Wer spielt es noch?


Es handelte sich um das gute, alte Malefiz. Wieder kam ich mir steinalt vor.

Bevor wir uns diesem letzten Mittel an Beschäftigungstherapie zuwenden würden, gab es noch einige Verzweiflungsaktionen. Ich warf einen Blick auf meine Tastatur und stellte fest, daß sie im Laufe der letzten Jahre, also an sich seit sie als Neulieferung bei mir in Verwendung ist, gewisse Zeichen höchstpersönlicher Hinterlassenschaften meiner selbst aufgenommen hatte. Mit anderen Worten: Sie war pottdreckig.



Frisch auf zu neuen Taten - mit uralten Brillenputztüchern


Also einmal wenden, Krümel rausschütteln, ein Brillenputztuch (oder auch mehrere) bereitlegen, eines davon zur Hand nehmen und anfangen, das Ding mal wieder aufzupolieren. Da dies niemand anderes bei uns macht, gehört dies also auch zu meinen unausgesprochenen dienstlichen Obliegenheiten. Das Ergebnis zeigte sich nicht in Perfektion, stellte aber dennoch eine deutliche Verbesserung des Ist-Zustandes in Annäherung an den Soll-Zustand dar.



***würg***


Inzwischen war der halbe Arbeitstag vorbei. Es verbreitete sich die Information, dass bei Bauarbeiten anscheinend ein Kabel gekappt worden sein soll. Man arbeite an einer Reparatur.

Frau von Weißenfels wanderte durch die Gänge und hielt ein ansehnliches Körbchen in der Hand. Süßigkeiten Nervennahrung für alle. Prima, so kann man arbeiten den Tag verbringen. 



Keine Werbung, es gab auch Duplo, Hanuta, Mars, Schokobons u. v. a. m.



So kam schließlich der große Moment: Eine Stunde vor dem frühest möglichen Ende der zwingend erforderlichen Anwesenheitszeit war das Kabel geflickt. Also galt es eben noch, die vorgeprüften Akten an der EDV freizugeben bzw. sie im Falle einer fehlerhaft aufgestellten Entscheidungsvorlage an den Aufsteller in VATeR als zurück an Absender einzutragen.

Feierabend. Hat gereicht.

Und wir hatten doch nicht gespielt. Verdammt.