Wie sich am Tag der Generalprobe gezeigt hatte, war der Zugang zur Aula für Ortsunkundige nicht so selbstverständlich zu finden. Es fehlte an einer Beschilderung, der Name der Schule selbst war nur auf der abgewandten Seite zu finden. Also bestand unser Vormittag auch darin, noch verschiedene Schilder und Wegweiser herzustellen. Ich überarbeitete ein letztes Mal meinen langschriftlichen Moderationstext und die Karten, eine neue CD wurde gebrannt und probegehört. Alles lief soweit rund. Dann noch ein leichtes Frühstück, verschiedene Notfallmaterialien einpacken und ab.
Während wir so schön unterwegs waren, kam die Frage aller Fragen, die man nur stellen kann, wenn man unterwegs ist, quasi einen Termin hat und nicht mehr umkehren kann. Nein, nicht die nach dem eingeschalteten Bügeleisen oder der nicht geschlossenen Wohnungstür, sondern die nach dem Beutel mit der Schminke. Von meiner Position im Auto aus konnte ich die Tasche, in der sich alles befinden sollte, nicht erreichen, jedoch weigerte ich mich auch, an einer roten Ampel auf der üblicherweise gut befahrenen Straße auszusteigen und in unserem Kofferraum herumzuwühlen. Also ging es an der nächsten Gelegenheit rechts ran, Tasche holen, wühlen und – tadaaa – den Schminkbeutel sowie den Schminkspiegel als nicht vorhanden zu befinden.
Die weitere Rollenverteilung war klar. Wir fuhren weiter zur Aula, meine Angetraute schnappte sich unser Zeug aus dem Auto und ich wurde wieder auf Heimreise geschickt, um die fehlenden Utensilien zu holen. Da ich dieses Mal den Weg kannte, klappte das auch ohne ortskundigen Beifahrer.
Nach meiner Wiederankunft hatte ich erst mal nichts zu tun außer der zweitbesten Ehefrau von allen die Sachen in die Garderobe zu bringen, in der mich auch mein bekanntermaßen persönliches Grauen Conny erwartete. Sie sah mich mit verdächtig lüsternen Blicken an, aber ich konnte mich rechtzeitig absetzen, bevor irgendetwas geschah.
Ich platzierte mich im Zuschauerraum und verfolgte die Vorbereitungen des Auftritts unseres Elvis Presley-Imitators Jorge. Er würde einen gemeinsamen Auftritt mit Alexandra unter Begleitung einer größeren Anzahl der Mädels haben und anschließend – nicht zuletzt um auch dringend benötigte Umkleidezeit für das Ensemble zu gewinnen – einen weiteren Auftritt geben. Mein Aufenthalt im Saal war nicht ganz selbstlos, denn ich wollte noch einen Teil des Auftritts mit ihm absprechen, da wir ein gemeinsames Mikrofon nutzen würden. Das Ergebnis der Absprache, die letztendlich zu anderen Bühnenauf- und - abgängen als geplant führten, musste ich dann irgendwie unseren Leuten von der Technik vermitteln, ohne daß man mir aufgrund meines ihre Gedankengänge unterbrechenden Ansinnens den Kopf abreißen würde.
Jorges persönliche technische Ausrüstung war umfangreicher, Einsatz und Bedienung von Wind- und Nebelmaschine waren unseren Bühnenhelfern zu vermitteln, und es gab auch bestimmte Wünsche an den Licht- und Musikeinsatz, was unsere Technik-Abteilung in Anbetrachts des Zustandes der zur Verfügung stehenden Ausrüstung in den höchsten Alarmzustand versetzte. Auch hier konnte eine Lösung gefunden werden; ein mangels Programmiermöglichkeiten erforderlicherer weiterer Arm am Pult wurde in Form eines weiteren abkommandierten Helfers gefunden.
Wird fortgesetzt…
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