Donnerstag, 8. November 2012

Backstage-Erzählungen (9)

Die Show ist vorbei, das Publikum beginnt, den Saal zu verlassen. Ich begebe mich noch nicht sofort in den Trubel des Saals, sondern warte noch etwas ab. Schließlich verlasse ich die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten, gehe zu der ersten Sitzreihe, werde von einzelnen, noch wartenden Gästen lobend angesprochen. Nur an meinen Schuhen hatte ein Herr was auszusetzen, denn diese hätten so gar nicht zum Kostüm gepasst.

Tja, da hat der gute Mann wohl Recht, aber Schnabelschuhe in meiner Schuhgröße sind so eine Sache. Die muss man erst mal finden. Eine ordentliche Sohle haben die nicht, und ohne kann ich nicht die ganze Zeit auf der Bühne agieren, das halte ich nicht durch. Meine zweite Idee wäre gewesen, so genannte Stoppersocken anzuziehen. Auch diese hätten es mir nicht leicht gemacht, denn natürlich fehlt auch hier die Sohle. Da ich aber immer noch mit meinem entzündeten Fuß zu kämpfen hatte, musste ich festes Schuhwerk haben. Aber so was diskutiert man natürlich nicht aus. Man nimmt die Kritik billigend zur Kenntnis und freut sich, daß der weitere Kommentar sehr wohlwollend war.

Und dann? After-Show-Party? Nicht so ganz. Unsere Party besteht darin, direkt nachdem das Publikum das Haus verlassen hat mit den Aufräumarbeiten zu beginnen, denn die müssen zwingend noch am gleichen Abend – oder besser in der gleichen Nacht – erledigt werden. Was kann man sich schöneres vorstellen? Da mag es wohl was geben, denn so manch eine der anwesenden Damen zieht sich um und verschwindet. Doch der übliche harte Kern bleibt zuverlässig auf Position. Manche Dinge ändern sich nie.

Rajiv kommt noch vorbei und gibt mir die Kamera, äußert sich auch positiv. Danke!

In unserer Garderobe haben die Mädels mit ihren Sachen erst mal genug zu tun. Ich wechsle schnell wieder in meine Zivilkleidung und helfe zunächst der Baronin, ihre Klamotten zum Auto zu bringen. Auf dem Rückweg werde ich abgefangen und gefragt, was mit den restlichen Flaschen geschehen solle. Wie viele sind denn noch da? So etwa 80 %. Mist! Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich hatten uns bereit erklärt, die restlichen Flaschen abzukaufen, wir würden die schon klein kriegen. Aber die Schlepperei. Nöööö… Doch! Es lässt sich nicht vermeiden. Also wieder ab ins Auto und mit den Flaschen die Grundlage für die weitere Beladung aufbauen.

Ich fahre Balduin auf den Bürgersteig in die Nähe des Notausgangs, über den wir die weiteren Taschen auf kurzem Weg aus der Aula bringen können. Wenigstens keine weitere Schlepperei über die Treppen.

Beim kurzen Abschlussgequatsche bekomme ich von meiner Lieblingsfrau ein gerettetes Käsebrötchen. Die erste feste Nahrung seit dem Frühstück.

Das letzte Gepäck wird verladen, Balduin ist bis zum Dach vollgestopft. Wir fahren entspannt über leere Straßen nach Hause, holen nur die teuren Sachen aus dem Wagen und lassen uns auf das Sofa fallen. Noch was essen, die Schmerzen vergessen und dann in die Koje. Und zwar mit einem guten Gefühl.

Ende.


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