Dienstag, 6. November 2012

Backstage-Erzählungen (3)

Kurz vor Beginn der Generalprobe, aber schon vor Ort, fiel der zweitbesten Ehefrau von allen auf, daß sie die Einsatz-CD noch nicht gebrannt hatte. So bekam ich den Auftrag, mit Balduin nach Hause zu hechten und verschiedenes weiteres Ausrüstungsmaterial zu holen. Das ist natürlich besonders klasse, wenn man selbst auch in nicht unbeträchtlicher Weise in das weitere Geschehen eingebunden ist und vor allen Dingen nicht weiß, wo man sich genau aufhält, also den Weg nach Hause noch nicht mal finden würde. Natürlich war der Navi da, wo er hingehört, wenn sein Einsatz nicht vorgesehen ist: auf dem heimischen Wohnzimmertisch. Also musste noch ein ortskundiger Beifahrer gefunden werden und ab ging es.

Die Probe konnte dennoch starten, da wir ja nicht gänzlich ohne Musik waren und die Stücke unter Beteiligung zweier Schülergruppen ohnehin vorgezogen werden sollten. Die jungen Damen mussten nun wirklich nicht bis zum Ende bleiben. Insgesamt schaffte ich es, den Weg hin und zurück unter weitgehender Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung in weniger als einer Stunde zurückzulegen.

Im späteren Verlauf der Probe gewann ich mehrere Erkenntnisse:
  • Das Tragen längerer Gewänder, vielleicht im Falle von Frauen auch das Tragen von Kleidern und Maxiröcken, ist doof, wenn man Treppen steigen muss.
  • Schaue nie in den Spot, der auf dich gerichtet ist.
  • Ignoriere den Spot, damit du wenigstens an der Seite etwas sehen kannst.
  • Verabschiede dich von dem Gedanken, auf die Schnelle und unauffällig auf deine Moderationskarten blicken zu können. Der Spot wird dies zu verhindern wissen.
  • Vereinfache die Texte nochmal, denn so manches funktioniert nicht als gesprochenes Wort, was in Schriftform ordentlich scheint.

Der Umgang mit dem Mikrofon hingegen war kein Problem, auch wenn es schon eine kleinere Konzentrationsübung ist, nicht noch zusätzlich die Stimme zu erheben. Doch daran gewöhnte ich mich schnell.

Bedauerlicherweise mussten die Einsätze mit dem Nudelholz aus beleuchtungstechnischen Gründen geändert werden. Meine Vorstellung war, daß sich meine Haremsdame am Rande der Bühne positionierte, da etwas mit dem Fuß wippend steht und gleichzeitig das Nudelholz immer wieder bedrohlich in ihre Hand schlägt. Es ließ sich jedoch nicht vermeiden, daß sie auf mich zustürmte, um in meinen Lichtkegel zu geraten. Damit war die Sache zwar etwas aufdringlicher, aber gut, es würde auch so funktionieren.

Ansonsten habe ich nichts von dem mitbekommen, was sich auf der Bühne tat. Mein Platz war während der Nummern hinter oder neben der Bühne, welche mit einem Vorhang abgetrennt war. Späteren Bekundungen zur Folge musste die Aufführung hervorragend klappen, denn auf der Generalprobe ging viel in die Hose. So sind wohl die Traditionen in dem Geschäft.

Zum Ende der Generalprobe, 22 Uhr war längst vorbei, ließen wir uns nur noch ins Auto fallen. Meine Füße drohten mich umzubringen. Und dann gab es erst mal was zu essen, denn außer einem Brötchen nach Ende der Probe hatte ich noch nicht übertrieben viel im Magen.

Wird fortgesetzt…



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