Donnerstag, 22. November 2012

Am Zehnten vom Nullten

Ich kann mich ja noch erinnern, daß ich heute vor zehn Jahren Rührei mit Schinken gefrühstückt habe. In einem Hotel in meiner Heimat am Niederrhein. Meine Eltern hatten keinen Platz, um mich bei ihnen übernachten zu lassen. Meine Anzutrauende wurde auch in das Hotel ausquartiert. Und das alles nur ein paar hundert Meter von unserer da schon ehemaligen Wohnung entfernt. Zwischen zwei Krankenhausaufenthalten von der Anwärterin auf den Titel der zweitbestehen Ehefrau von allen gönnten wir uns ein paar Tage in der alten Heimat. Um zu heiraten. Quasi an einem verlängerten Wochenende.

Bereits im Vorfeld sorgten wir bei dem angeworbenen Fotografen für Amüsement. Er wollte wissen, wie viele Gäste wir erwarten würden. Wahrheitsgemäß sagten wir ihm was von vier Personen, nämlich unseren jeweiligen Elternteilen. Da meinte der gute Mann doch tatsächlich, daß er nicht meinte, wie viele Gäste eingeladen worden seien, sondern wie viele wirklich erwartet werden können. Wir blieben bei vieren. Wir wollten keine pompöse Hochzeit mit elend vielen Gästen vor Ort. Ich kenne ja nicht mal so viele Leute näher, wie andere schon bei Kindergeburtstagen auflaufen lassen. Und verpflichtet, Leute einzuladen, die ich nicht da haben will – also Verwandte und so etwas – fühle ich mich nicht. Außerdem wollten wir was von der Hochzeit haben und nicht in diesem Trubel untergehen. Denn das ist UNSERE Hochzeit und keine für das Volk. Also haben wir niemandem – außer den Elternpaaren – vorher Bescheid gesagt. Nun war unser Fotograf aber der Meinung, daß immer ungeladene Gäste kämen. Er hätte noch nie was anderes erlebt. Ich hätte ja nichts dagegen gehabt, mit ihm um sein Honorar zu wetten, daß zu unserer Hochzeit tatsächlich nur vier Gäste kommen…

Nach dem Frühstück begab sich meine Anzutrauende zum Friseur, während ich mich im Hotel langweilte. Übrigens habe ich meine langjährigen Androhungen wahr gemacht, nach denen ich nicht mal zu meiner eigenen Hochzeit eine Krawatte anziehen würde. Dafür aber eine Jeans. Ok, schwarze Jeans und Sakko. Meinen Vater und Schwiegervater wollten meine Baldangetraute und ich auch nicht zur Krawatte verpflichten, aber da hatten Mutter und Schwiegermutter was dagegen. Dann ging es weiter zum Standesamt – einem ehemaligen Herrensitz. Die dortigen Standesbeamten sind sich im Gegensatz zu jenen, von denen man insbesondere schon mal in Großstädten hört, des besonderen Ortes und des Anlasses bewusst, da gibt es keine Hau-Ruck-Hochzeiten im beschleunigten Verfahren. Man nimmt sich Zeit, und das in Verbindung mit dem Ambiente gefiel uns.

Bei dem kurzen Vorgespräch kam natürlich die übliche Frage, ob man nervös sei. Wir konnten dies guten Gewissens verneinen. Wieder wurden wir skeptisch beäugt. Es ging in das Trauzimmer, unser Fotograf war auch vor Ort und suchte nach weiteren Gästen – außer den vier eingeladenen. Erfolglos! Die Trauung selber war sehr schön, die Standesbeamtin hielt eine Rede, wie man sie sich wünschen kann, und im Hintergrund war Schniefen und Schneuzen wahrzunehmen. Wir blieben entspannt. Die Standesbeamtin meinte zum Ende hin auch nur: „Sie waren wirklich nicht aufgeregt, oder?!“ Was blieb uns übrig als unisono „Nö!“ zu sagen.

Weiter ging es zur Fotosession im Park des Standesamtes. Unser Fotograf machte seinen Job, ging auf unsere Wünsche ein, und war am Ende froh, daß es nicht zur Wette um sein Honorar gekommen war. Wir hätten gewonnen.

Nächster Tagesordnungspunkt: Lecker Essen in einem örtlichen Restaurant. Der Tisch war schön hergerichtet, wir konnten aufgrund der übersichtlichen Teilnehmerzahl  a la Card speisen – endlich mal wieder einen Grillteller. Wir als Brautpaar mussten uns anschließend eine kleine Auszeit nehmen, da meine nunmehr Angetraute aufgrund ihres noch frischen Bandscheibenvorfalls einige Zeit liegen und Medikamente nachlegen musste.

Nachmittags ging es dann zu meinen Eltern, Kuchen essen, gemütliches Beisammensein, kaltes Buffet zum Abendessen, gemütliches Beisammensein und dann wieder ab ins Hotel. Wir waren noch nicht lange auf dem Zimmer, da klopfte es an der Tür: Zimmerservice, eine Flasche Sekt für uns. Und sogar einer, der mir schmeckte, was durchaus ungewöhnlich ist. Netterweise wies man uns auch noch darauf hin, daß wir am nächsten Tag beliebig auschecken könnten, da das Zimmer nicht weitervermietet sei und wir uns daher morgens Zeit lassen könnten. Tja, wir mussten zum Frühstück wieder bei meinen Eltern sein und konnten das Angebot daher nur beschränkt wahrnehmen.

Dummerweise kamen wir nicht dazu, die Flasche Sekt spätabends auf dem Zimmer noch auszutrinken, so daß wir sie zu meinen Eltern mitnahmen. Da ich der Blöd war, der noch fahren musste, habe ich nichts mehr davon mitbekommen. Dabei war der so lecker. Mist. Ich weiß aber auch nicht mehr, was das für eine Sorte war.

So machten wir uns zur Mittagszeit wieder auf den Weg nach Hause. Die Hochzeitreise führte die zweitbeste Ehefrau von allen dann planmäßig am nächsten Tag ins Krankenhaus. Kaum verheiratet, schon getrennte Betten – ähm – Schlafzimmer - äääähm  - Häuser in getrennten Städten.

Ja, auch so kann heiraten stattfinden. Und wir würden es heute wieder genauso machen. Bis auf die Sache mit den Krankenhäusern. 



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