Heute Morgen war ich wieder von alleine mehr als früh genug wach, um das kleine gemütliche Büro am Rande der Stadt aufschließen zu können. Es erwies sich zwar etwas anstrengend, doch noch etwas im Bett liegenzubleiben, denn ich wurde gleichzeitig von Sally, Lilly und Marty als Matratze oder Kopfkissen missbraucht, aber man gewöhnt sich im Laufe der Zeit daran. Nicht weiter tragisch. Als besonderen Luxus gönnte ich mir heute mal die Benutzung des eigenen Autos. Auch nicht verkehrt.
Im Büro angekommen, gab es direkt den ersten Schock: Das Drecksprogramm läuft mal wieder nicht. Und schon zeigt sich, wie schnell man heutzutage matt gesetzt werden kann. Denn ohne diese blöde Technik kann man heutzutage noch nicht mal eine Akte in den Schrank hängen. Also bleibt nur zu improvisieren, um die Stunden bis zum Systemstart zu überbrücken. Auf meinem Arbeitsplan standen heute jede Menge der „Bodensatz-Akten“, also die richtig feinen Teile, die man am besten erledigt, wenn es ruhig und friedlich ist. Also zum Beispiel zwischen den Jahren.
Irgendwann lief das System wieder. Dann klingelte das Telefon. Nö, jetzt nicht. Ich hatte mich gerade in eine meiner Schätzchen eingelesen und wollte mich nicht durch ein Telefonat da rausreißen lassen. Doch die Kundschaft war hartnäckig und ließ es durchklingeln, bis die Telekom die Leitung trennte. Doch verflucht sei die Wahlwiederholung, denn sofort danach klingelte es vom gleichen Anschluss aus schon wieder. Nö, jetzt erst Recht nicht. Will der mich vom Klo holen oder was ist?
Das Spiel ging noch zwei Mal so weiter, dann war ein Augenblick Ruhe. Dann wurde das Telefonat aus der Telefonzentrale der LASA-Zentrale in der fernen Großstadt weitergeleitet. Nö, Freundchen, jetzt aber ganz bestimmt nicht. Aus meiner Konzentration war ich zwischenzeitlich raus, aber ich bin ich dann stur. Wenn jemand nicht bereit ist anzunehmen, daß es gerade mal aus welchen Gründen auch immer nicht möglich ist, ans Telefon zu gehen, dann mache ich zu. Sollte jemand nach zehn Minuten einen erneuten Anrufversuch unternehmen, gehe ich auch ran, aber so nicht. Muß ja unheimlich wichtig sein, wenn jemand so einen Aufstand macht, um sein Gespräch jetzt und sofort zu erzwingen.
Irgendwann gab dieser Mensch auf, um es nach einer Stunde erneut zu versuchen. Gut, die Anstandsfrist war abgelaufen, also ging ich ran.
„Hallo, Sie haben mir letzte Woche einen Brief geschrieben.“
Ach, SIE sind das. „Äh, ja, das ist möglich. Was kann ich da für Sie tun?“
„Ich wollte nur sagen, daß ich den gerade beantwortet habe und gleich in den Briefkasten werfe.“
Cool. Klar, superwichtig. Meine Stirn näherte sich wieder bedrohlich der Tischplatte. Das extrem bedeutsame Telefonat wurde dann auch zügig beendet, denn mehr wollte mir der Knaller nicht mitteilen. Auch seinen Namen hat er nicht genannt, ist aber auch egal. Er ist der einzige Mensch, dem ich im Büro Briefe schreibe…
Der Uhrzeiger näherte sich irgendwann der Feierabendposition. Ein Blick nach draußen verriet mir, daß die Menschheit ihre langweiligen, zu Weihnachten geschenkt bekommen Gutscheine unbedingt heute einlösen musste, bevor die Dinger blitzartig und vollkommen überraschend verfallen. Ist ja auch so eine Sache mit der Inflation, dem Euro und Griechenland. Man weiß ja nie. Einen anderen Grund für eine derart volle Innenstadt und entsprechend auch eine gut bestückte Hauptausfallstraße ließ für mich jedenfalls keine andere Annahme zu. Leute, die Dinger halten ein paar Tage länger. Und Samstag, spätestens Montag sehen wir uns doch wieder beim Einkaufen. Das haltet ihr schon aus. Oder auch nicht. Offensichtlich.
Da ich heute aufgrund der Nutzung des Autos auch meine Sporttasche mitgeschleppt hatte, um nach Feierabend noch ein paar Leibesübungen durchzuführen – ich hatte so eine Hoffnung, daß es vor Ort noch relativ leer sein würde, schließlich war die Nation ja beim Gutschein einlösen und Dinge umtauschen – steuerte ich Balduin in Richtung Neustädter Außenstadt mit Zielrichtung Sporttempel. Und? Scheiße, da brannte der Baum. So im übertragenen Sinne. Der in der ersten Liga spielende Ballsportverein hat in der angeschlossenen Halle heute ein Heimspiel! Mist! Alles voll da draußen. Da bleibt nur eines: Steuer herumreißen und weg, so lange es geht.
Nein, heute war kein schöner Tag.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Es ist erlaubt und gewünscht, meine Beiträge zu kommentieren. Die Kommentare werden von mir moderiert. Kein Kommentar wird freigeschaltet, ohne daß ich ihn zuvor gelesen habe. Solltest du also vorhaben, hier herumzupöbeln, zu trollen oder dich sonst wie unangemessen zu äußern, so empfehle ich dir, die Arbeit zu sparen.
Haltet euch bitte an die Grundsätze eines anständigen Miteinanders, damit wir hier eine schöne Zeit zusammen verbringen können.
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.