Irgendwann kam die zweitbeste Ehefrau von allen rein und hielt mir einen von ihr formulierten Text unter die Nase. Kernaussage: Die Erkältung, an der sie jetzt schon seit Wochen herumkuriert, ist mit Macht zurückgekommen, sie sei total heiser und ich solle ihren Termin bei der Physiotherapie absagen. Nun gut, so schnappte ich mir einen meiner Todfeinde (hierunter fällt unter anderem alles, was irgendwie im engeren oder weiteren Sinne unter den Oberbegriff „Telefon“ fällt) und erledigte die Angelegenheit. Dann konnte ich ja auch mein Tagewerk beginnen, allerdings ohne den sportlichen Teil, denn dafür war es mir jetzt etwas zu spät geworden.
Meine Angetraute hatte sich nochmal hingelegt. Bevor ich aufbrach fiel mir ein, daß ich ja immer noch auf den Paketboten wartete und es außerdem nicht verkehrt sei zu erfahren, ob ich was aus der Apotheke oder von sonst wo mitbringen könne. Aus dem Fenster sah ich, daß das gelbe Postauto schon in der Gegend war. Immerhin etwas, so früh kommt der Postbote seit einem Personalwechsel nur noch selten. Nachdem ich dann das Klappern unserer Briefkästen vernahm, das Klingeln an der Tür aber ausblieb, schloss ich messerscharf, daß mein Paket wieder nicht angekommen sei. Es ist auch nicht so eilig, handelt es sich doch um ein Buch, welches ich für überraschend wenig Geld bei Amazon „gebraucht“ erworben habe: meine lang ersehnte Wallenstein-Biographie aus der Feder von Golo Mann. Aber zu lesen habe ich noch genug, von daher…
Praktischerweise steht meine Angetraute zu dieser Zeit auf, so daß ich mein Ansinnen ob ihrer Ansinnen loswerden konnte. Natürlich fand sich noch was für den Einkaufszettel, also hatte sich die Warterei ja doch gelohnt. So begab ich mich zum Auto, sah aber auf den ersten Blick, daß das jetzt nichts werden würde. Ein Möbeltransporter hatte die Ausfahrt unseres Carports zugestellt. Das ist jetzt nichts, über das ich mich wirklich aufregen könnte, denn eine andere praktikable Abstellgelegenheit hätte der Fahrer für seinen LKW nicht gehabt. Also lud ich mein Leergut ein und trottete wieder ins Haus zurück.
Die Entladearbeiten zogen sich hin, scheinbar hat man die Möbel auch noch aufgebaut, aber irgendwann sah ich den LKW vorbeifahren und marschierte wieder zum Auto. Jetzt wurde es langsam blöd, denn die Kiste sprang nicht an. Die Batterie wollte nicht mehr. Ich hegte die Vermutung, daß die Innenraumbeleuchtung über Nacht brannte, obwohl ich nicht bewusst sagen könnte, daß ich diese beim gestrigen Wegbringen des Autos eingeschaltet gelassen geschweige denn auch nur eingeschaltet hätte. Aber sie war eingeschaltet, wie ich bemerkte. Egal, die Batterie war jedenfalls am Ende. Und die nachbarschaftlichen PKWs, an denen man sich Starthilfe holen konnte, waren ausnahmslos verschwunden. Klar, vormittags an einem Werktag. Selbst die Pensionäre aus unserem Haus waren abwesend.
Auf die Nutzung des Plan B verzichteten die zweitbeste Ehefrau von allen und ich auch. Dieser hätte besagt, unseren Automobilclub zu Hilfe zu rufen. Unsere Erfahrung besagte, daß dieser seinen Wagen von einer in der übernächsten Stadt gelegenen Werkstatt aus zu uns schicken würde, was – ebenso erfahrungsgemäß – zu dieser Jahreszeit Stunden dauern könnte. Also gab es Plan C: Wir marschierten zum örtlichen Baumarkt, um dort ein technisches Wunderwerk zu erwerben, welches uns auch in künftigen ähnlich misslichen Lagen helfen könnte. Nämlich einem mobilen Energieversorger zwecks Leisten von Starthilfe ohne dranhängendes zweites Auto.
Natürlich begann es in dem Moment zu schneien.
(wird fortgesetzt)
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