Dem angekündigten Weltuntergang entkommen drohte heute neues Ungemach: der letzte Einkauf vor Weihnachten. Selbstverständlich
sollte auch dieser wieder in aller Frühe stattfinden. Die zweitbeste Ehefrau von allen wollte es sich nicht nehmen lassen, mich zu begleiten und stand auch pünktlich bereit zum Abmarsch. So begaben wir uns in die Welt des Konsums.
Hach, wie war allen Ortes die vorweihnachtliche Freude zu spüren. Überall tummelten sich innere Glückseligkeit ausstrahlende Kunden, die sich anlächelten, gegenseitige Rücksichtnahme zeigten und ein paar freundliche Worte wechselten. Verkäuferinnen gingen fröhlich vor sich hin summend ihren Tätigkeiten nach, waren hilfsbereit, umsichtig und geduldig, und alle Kassen waren geöffnet.
Die Anwesenden waren mit sich und der Welt zufrieden, und von keiner Seite hörte man kritische Worte über zu dunkle Brötchen oder noch nicht oder nicht mehr vorhandene Artikel. Schon der Gedanke an im Weg stehende Wagen mit Warenpaketen, welche des Einräumens in die Regale und Truhen harrten, verbot sich von selbst, und auch der leise im Hintergrund wahrnehmbare Klang von Glocken entpuppte sich nicht als in eine aufgrund eines Defektes im Endloslauf befindliche Meldung eines Brotbackautomaten, welche die Fertigstellung seines Programmes verkündigte wie einst die Engel die Geburt des Erlösers. Nein, so einen Unsinn kann man doch an einem solchen schönen Vorweihnachtstag nicht erleben.
Entspannt schoben wir unseren Einkaufswagen durch die Gänge und erledigten unsere Einkäufe in dem Wissen, daß wir an der Kasse ehrfurchtsvoll vorgelassen werden würden, denn schließlich gehöre ich zu jenen wenigen, welche regelmäßig zu dieser frühen Uhrzeit einkaufen und bin keiner von denen, die sich nur zu besonderen Gelegenheiten so früh in die Läden quälen. Dieser Umstand hatte uns natürlich ein gewisses Vorrecht eingeräumt, welches von den anderen Kunden und dem Ladenpersonal anstandslos anerkannt wurde.
Man räumte uns den Weg zur Kasse frei, so daß wir ohne viel Aufwand direkt die erlesenen, mit günstigen Preisen versehenen Waren auf das Band legen konnten. Schnell wurde gescannt und kassiert, und niemand stand am anderen Ende des Kassenbandes und erklärte, seine 25 eingekauften Artikel ohne Wagen und Taschen mitnehmen zu können oder versperrte am anderen Ende der Kasse mit seinem eigenen Wagen und den beiden begleitenden Kindern derart unseren Weg, daß selbst das Umladen der Einkäufe vom Kassenband in den Wagen zu einem Problem werden würde. So etwas geschieht nur in bösen Phantasien derjenigen, die froh sind, wenn Weihnachten und alles was damit zusammen hängt wieder vorbei ist.
Wunderbare Weihnachtszeit. Eine Zeit, zu der viele Märchen erzählt werden. Dieses hier begann mit dem zweiten Absatz…
Au weia...
AntwortenLöschenErinnere mich bloß nicht an diesen Tag... :-(