Mittwoch, 5. Dezember 2012

Urlaubsfahrt (5)


Auf der Autobahn ging es zügig voran, doch wurde es im Wagen so langsam empfindlich kalt. Die zusätzlichen Stromverbraucher waren soweit es ging ausgeschaltet, so auch die Heizung. Nicht mehr lange, und mein vorgesehener Wendepunkt würde erreicht sein. Da sah ich das Elend auf der Gegenfahrbahn: ein Unfallstau! Mist, denn den konnte ich nicht umfahren. So richtig ortskundig bin ich hier nicht, daß ich einen anderen Weg wüsste, einen Navi hatte ich nicht dabei und mein Handy war mangels Strom auch nicht einsatzfähig. Was sich jetzt noch blöder bemerkbar machte war der Umstand, daß die Restkilometer-Anzeige, also die vom Bordcomputer geschätzte Strecke, welche ich mit dem vorhandenen Tankinhalt noch fahren könnte, sich dem Bereich näherte, in dem sie eben aufgrund der geringen Werte NICHT mehr berechenbar war. Üble Sache, und mein Nervenkostüm ist seit einiger Zeit aus verschiedenen Gründen ohnehin nicht mehr das Beste. Um nicht zu sagen: Es ist ziemlich an der Grenze dessen, was man als noch vorhanden ansehen könnte. Damit glich es zumindest dem Tankinhalt.

Ich wendete bei nächster Gelegenheit und fuhr zurück in Richtung Stau. Da ich gesehen hatte, was vorne los war, blieb ich gleich auf der linken von drei Spuren. Schnell kam das Polizeiauto mit dem Warnhinweis in Sicht, und dann lief auch schon nichts mehr. Der Verkehr stand. Und ich mitten drin, ohne das Risiko eingehen zu wollen, den Motor zum Zwecke des Benzinsparens auszuschalten. Denn wenn ich den an dieser Stelle nicht mehr in Gang gebracht hätte, dann wäre das Ergebnis auf der Autobahn was für die regionalen Abendnachrichten geworden.

Schrittweise bewegten wir uns weiter, und es war wieder interessant zu sehen, was die meisten anderen Teilnehmer des deutschen Personenkraftverkehrs vom Bilden einer Rettungsgasse halten – nämlich nichts. Rettungsgasse ist was für Anfänger. Also für alle anderen, aber nicht für einen selbst. Auf einer dreispurigen Autobahn befindet sich die Rettungsgasse zwischen der linken und der mittleren Spur. Also halte ich mich, wenn ich mich im Stau auf der linken Spur befinde, sinnigerweise auch äußerst links. Macht aber außer mir keiner so. Zumindest hatte ich den Eindruck vor Ort. Dann kam der Punkt, an dem die rechte und die mittlere Spur wegfielen und alles auf die linke Spur musste. Wieder zeigte sich der wahre Deutsche, denn so neumodischen Kram wie das Reißverschlussverfahren lernt der typische Deutsche wohl nie. Und schon gleich gar nicht, wenn ein LKW droht, sich vor einen zu setzen. Nun, ich bin ein atypischer Deutscher und komme also mit dem Reißverschlussverfahren klar. Im Zweifel auch mit LKW, aber dessen Fahrer hat sich lieber mit anderen Fahrern herumgezankt und deutlich gemacht, daß ein deutliches Mehr an Masse durchaus von Vorteil sein kann. Es ist halt immer eine Frage der Umstände. Genau wie beim Menschen…

Wir erreichten die Höhe, auf der sich der Unfall ereignet hatte. Ein Kleintransporter stand quer zur Fahrtrichtung, halb auf dem Standstreifen, halb im Graben. Sein Anhänger war auf die Seite gekippt und lag quer über rechter und einem Teil der mittleren Spur. Die Ladung, eine größere Menge Kies, hatte sich großzügig über den Fahrbahnen verteilt. An sich hätte es jetzt ja zügig weitergehen können, denn die Wagenreihen voraus befanden sich ja nun ausnahmslos bis nach der Unfallstelle auf der linken Spur, was bedeutet, daß man mit verhaltener Geschwindigkeit an der Gefahrenstelle vorbeifährt und nach dem Passieren derselben wieder zügig beschleunigt. Doch der Idiot vor mir wurde immer langsamer, bis er fast zum Stehen kam. Ein Gaffer!

So Typen habe ich ja gefressen. Und noch schlimmer, ich sah, wie er sein Handy zum Fotografieren auf den Unfallwagen richtete. Ich erlaubte mir, ihn anzuhupen, was aber nur dazu führte, daß er die Warnblinkanlage einschaltet. DU BLÖDE SAU, ICH SEHE, DASS DU NICHT WEITERFÄHRST UND ALLES BLOCKIERST, ABER ICH SEHE WEITERHIN KEINEN ECHTEN GRUND, WARUM DAS SO SEIN MUSS! Er fuhr dann langsam weiter, bewegte sich schließlich auf die nun freie mittlere Spur, dreht sich im langsamen Weiterfahren um und fotografierte weiter mit seinem Handy den nun hinter ihm liegenden Unfall. Egal, meine Spur war frei und ich gab Gas. Aber nicht ohne den Wunsch, meinen Baseballschläger auf seinen Wagen krachen zu lassen. Aber das Teil lag ja zu Hause…

Nach einem Autobahnwechsel kam der nächste Stau. Ein Gafferstau (*Hass*), aber zum Glück nicht so lang wie der erste. So kam ich zu Hause an, stellte den Wagen in den Carport und ging erst mal ins Haus, um mich wieder aufzuwärmen. Schnell erledigte ich einige haushaltstechnische Dinge und brach dann nach wenigen Minuten wieder auf. Der Wagen sprang einwandfrei an und ich konnte mich daran begeben, endlich all die Dinge zu tun, die ich schon vor Stunden erledigt haben wollte.

(wird fortgesetzt)



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