Wie bereits erwähnt, funktionierte das MIST an diesem Tag mal wieder nicht. Serverprobleme in der LASA-Hauptverwaltung in Bad Husten. Bedauerlicherweise bedeutete dies, daß auch der Internetanschluss nicht zur Verfügung stand und ich mir den Weg aus der im Auto befindlichen Straßenkarte raussuchen musste. Navigationssysteme gab es seinerzeit noch nicht zu erschwinglichen Preisen, und ein Smartphone mit integriertem Navigationssystem fiel noch unter den Sammelbegriff
Science Fiction. Nein, ich habe den Weg nach Finkenheim ganz klassisch gefunden. Die Fahrt verlief zwar wetterbedingt eher langsam, aber ich habe das neue Finkenheimer Rathaus zu meiner Überraschung ohne nennenswerte Ereignisse und sogar relativ pünktlich erreicht.
Herr Meierreich, ein freundlicher Herr, etwas älter als ich, begrüßte mich direkt und zog mit mir stolz in die rathauseigene Cafeteria. Ehe ich mich versah, stand ein großer Becher dampfender Kaffee vor mir. Ich hasse Kaffee. Ich bin Teetrinker von Kindheit an. Schwarzer Tee muß es sein, vielleicht auch mal Roter. Den Schwarzen durchaus in verschiedenen Darreichungsformen, bevorzugt nach ostfriesischer Art mit Kandis. Und mit Sahne, zur Not auch Milch, die an einem Löffel vorsichtig seitlich in die Tasse gegeben wurde. Auf keinen Fall umrühren, unten soll sich eine sahnig helle, vom Kandis versüßte Schicht bilden, die nach oben immer dunkler und bitterer wird. Ein Genuss. Die zweitbeste Ehefrau von allen geht immer kaputt wenn sie sieht, daß ich von handwerklichem Ungeschick geschlagener Mensch das hinbekomme, sie aber nicht. Doch wir waren beim Kaffee. Diesen
mag ich nur auf eine
ganz bestimmte Art und Weise, und das hier war nicht die mir genehme Variante. Aber was tut man nicht alles im Dienste der Öffentlichkeit? Mit Todesverachtung schaffte ich es, den Becher im Laufe unserer Unterhaltung zu leeren und einen zweiten dankend abzulehnen, bevor es zu spät war.
Das Problem in Finkenheim war, wie ich bereits anmerkte, daß sich verschiedene Dörfer und Gemeinden vor einiger Zeit erst zu einer Stadt zusammengefunden hatten. Der Stadtverwaltung war daran gelegen, ihre bislang dezentralen Strukturen zum Zwecke der besseren Koordination ihrer Aufgaben zu zentralisieren und sich in einem gemeinsamen Gebäude, eben dem neuen Rathaus, anzusiedeln und die alten Rathäuser aufzugeben. Das neue Rathaus war zwar, wie ich es gerade am Beispiel der modernen Cafeteria persönlich in Augenschein nehmen konnte, schon in Betrieb, aber eben noch nicht vollständig. Der weitere Ausbau sollte noch erfolgen, während man einen Großteil der alten Rathäuser bereits aufgegeben hatte. Im neuen Rathaus hatte man aber noch keinen Platz. Man drängte sich zusammen, doch im Moment sehe man sich zum größten Bedauern des Bürgermeisters außerstande einen Raum vor Ort zur Verfügung stellen, in dem wir in nächster Zeit unsere Sprechtage abhalten können. Allerdings sei man sehr daran interessiert, dieses Sprechtagsangebot aufrecht zu erhalten, entlaste es doch auch das eigene Personal.
Der findige Bürgermeister hatte auch schon einen Plan. Die alten Rathäuser standen ja noch zur Verfügung, und auch die Stromversorgung sei da zumindest teilweise gesichert. Da könnte man bestimmt einen Raum finden, er habe da schon ein Objekt im Auge, welches wir doch eben begutachten könnten. Nun denn, dazu hatte ich ja schließlich auch die weite Reise unternommen. So fuhren wir los in Richtung altes Rathaus. Die Sonne hatte sich zwischenzeitlich wieder gezeigt, um uns herum begann es zu tauen. Die Fahrt verlief sehr angenehm und wir erreichten zügig das gewünschte Gebäude.
Das alte Rathaus stand definitiv leer. Im Erdgeschoss gab es in einem Seitengang noch einen kleinen Raum, in dem ein alter Schreibtisch und drei Stühle standen. Hier sollte der Sprechtag abgehalten werden. Als Wartezone für Besucher musste die ansonsten verwaiste Eingangshalle herhalten. Man hatte einige Stühle aufgestellt, darüber hinaus war das Haus nahezu ausgeräumt. In den Ecken fand sich stellenweise etwas Bauschutt und Dreck, hin und wieder stand noch ein einsames, kaputtes Möbelstück herum, das war es. Aber die Lage war gut, unmittelbar an einem Marktplatz, zentral gelegen und hervorragend erreichbar. Auch die Heizung funktionierte, nur die sanitären Anlagen sollten nicht mehr benutzt werden, aber in der Nähe befand sich eine türkische Imbissbude, deren Toilette wir bei Bedarf in Anspruch nehmen könnten. Ich beschloss, dem Ansinnen des Bürgermeisters von Finkenheim zuzustimmen. Es war zwar nicht ein Trauzimmer oder ein unbenutzter Besprechungsraum, wie wir sie sonst von den Gemeinden zur Verfügung gestellt bekommen, aber auch keine im Sommer glutheiße winzige Abstellkammer unter einem Spitzdach, wie ich es auch schon erleben musste. Alle paar Wochen könnte man es hier durchaus für ein paar Stunden oder auch mal einen ganzen Tag aushalten. Es soll schließlich niemand sagen, im öffentlichen Dienst wäre man nicht abenteuerlustig.
(Fortsetzung folgt)
Kaffee... *grusel*
AntwortenLöschenSei ehrlich: Wie viel Zucker hast du da drin versenkt???
Gerade soviel, daß es noch unauffällig war. Hat aber auch nicht gereicht, und für den erforderlichen halben Liter Milch war kein Platz mehr.
AntwortenLöschenAha...
AntwortenLöschenAlso genau so viel, dass der Kaffee NOCH flüssig war und die Tasse nicht überlief... :-D