Angeregt vom beständigen Klagen
einer Kollegin über ihr ständiges Zu-früh-Wachwerden habe ich mir – man hat ja
sonst nichts Besseres zu tun – so meine Gedanken über das Thema gemacht, soweit
es mich betrifft. Gerade im Haushalt der Familie Paterfelis gibt es da ja
gewaltige Diskrepanzen. Obschon ich aus dem Tierreich eher den Eulen zugeneigt
bin, darf ich mich zum Schlaftypus „Lerche“ zählen, wohingegen es die
zweitbeste Ehefrau von allen eindeutig in Richtung „Eule“ verschlägt. Immer
wieder erfahre ich, wie sehr man mich bedauert, dem Typus „Lerche“ anzugehören.
Aber ist es wirklich etwas Bedauernswertes?
Nun gut, mit dem Umstand, daß meine Angetraute und ich
wirklich sehr unterschiedliche Schlaftypen sind, können wir uns in unserem
Alltag arrangieren. Die letzten 14 Jahre hat es geklappt, und ich gehe davon
aus, daß wir das auch noch verlängern können.
Natürlich gibt es im gemeinsamen Alltag zwischen Eulen und
Lerchen schon mal sich auswirkende Unterschiede. Diese treten bei solchen
Aktionen wie dem „Projekt Mädchenzimmer“, dem Umbau eines unserer Zimmer zu
einem speziellen Zimmer nur für die zweitbeste Ehefrau von allen, zu Tage.
Möchte ich am liebsten schon um 8 Uhr morgens an dem Projekt weiterarbeiten - noch
früher möchte ich der Nachbarschaft auch nicht zumuten - tendiert die
ortsansässige Eule dazu, schon mal bis 10 oder 11 Uhr zu schlafen, eine gute
Stunde damit zu verbringen wach zu werden, danach noch zu frühstücken und
anschließend das Ende der Mittagsruhe abzuwarten, bis man wieder Radau machen
kann. Aber solche Projekte gibt es ja nicht übertrieben oft; sie dauern dann eben nur etwas länger.
Im streng medizinischen Sinn gehöre ich zu den
Kurzschläfern. Als Kurzschläfer wird – jetzt mal ganz einfach gesagt –
derjenige bezeichnet, der auch ohne Wecker regelmäßig mit weniger als sechs
Stunden Schlaf auskommt. Den Langschläfer zeichnet aus, ebenso regelmäßig neun
Stunden Schlaf und mehr zu benötigen. Das ist im Menschen verankert, man kann
nichts dagegen machen. Versucht man es dennoch, ist das eine sehr kraftraubende
Prozedur. Und selten von einem durchdringenden Erfolg gekrönt, wie ich vermute.
Doch geht es mir nicht um die Schlafdauer, sondern um das
frühe Wachwerden. Oft werde ich bedauert, wenn ich erzähle, daß ich regelmäßig schon
gegen drei Uhr irgendwas wach bin. Fast
reflexartig kommt die Frage, ob ich denn schon um 18 Uhr ins Bett gehe. Nein,
gehe ich nicht. Doch empfinde ich es nicht als schlimm, so früh wach zu sein.
Natürlich wäre das etwas anderes, wenn ich durch das frühe Wachwerden nicht auf
mein nötiges Schlafpensum komme, aber dem ist nicht so. Ich bin um diese
Uhrzeit fit, auch wenn ich noch nicht den mindesten Wert auf Konversation lege.
Ein früheres Schlafengehen als üblich hat dann eben zur Folge, daß ich noch
früher wach werde. Auch kein Drama.
Ich kann es genießen, wach im Bett zu liegen und dabei Radio
zu hören. Wenn ich schlafe, merke ich nichts davon, wie gemütlich die Koje ist.
Die Musik im Nachtprogramm ist ohnehin besser und wird weniger von
Moderatorengequatsche unterbrochen. Herrschen allgemein keine winterlichen Temperaturen vor, finde ich es toll,
frühmorgens auf der Terrasse zu sitzen, gegebenenfalls eine Decke und eine
Tasse heißen Kakao dabei (nur den echten, kein Kaba-Nesquick-Etcetera-Zeug).
Die Luft ist klar und sauerstoffreich, es herrscht himmlische Ruhe. Regen bis
zu einem gewissen Grad schadet auch nicht – der Vorteil einer überdachten
Terrasse.
Wacht die Umgebung – außer meiner Angetrauten, da
bekanntermaßen Typus Eule – auf, kann ich zu Hause in aller Ruhe vor mich
hinwerkeln, Küche aufräumen und anderes tun, was der Haushalt sonst noch so zu
bieten hat und keinen übermäßigen Lärm verursacht. Und zwar ohne daß mir jemand
dabei vor die Füße läuft. Na ja, zumindest niemand mit weniger als vier Beinen.
Alltags genieße ich die Ruhe im weitgehend leeren Bus auf der Fahrt zum Büro
und die ebenfalls dort noch vorherrschende Stille. Ist am Wochenende mal nichts
zu tun, ist es auch möglich, einen männertypischen Kulturfilm mit Kanonendonner
und Säbelrasseln zu gucken, ohne daß man dabei gestört wird.
Kommt es hingegen mal vor, daß ich tatsächlich länger
schlafe oder auch nur im Bett liege (länger schlafen = über 7 Uhr, länger im
Bett liegen = über 8 Uhr), ist der Tag für mich eigentlich schon durch. Der
Rhythmus ist kaputt und ehe man sich versieht, ist es schon wieder Abend –
Eulenzeit.
Als bedauernswert empfinde ich es lediglich, daß der
Lebensrhythmus in unserer Kultur sich eher in Richtung der Normalen und der Eulen
hin entwickelt. Der Eulentypus ist cool, der macht die Nächte durch und bekommt
auch entsprechendes geboten. Der Normale schafft das auch in einer gewissen
Regelmäßigkeit. Für uns Lerchen ist das
natürlich eine echte Herausforderung. So wie für die Normalen und die Eulen ein
zu kurzer Schlaf und das frühe Aufstehen eine Herausforderung ist, an deren
Nachwehen sie noch den Rest des Tages arbeiten müssen.
Wir Lerchen müssen hingegen morgens auch noch warten, bis
die Geschäfte, das Sportstudio und auch das Büro endlich öffnen. Wegen meiner
könnte das öffentliche Leben um 5 Uhr morgens starten. Aber auch damit kann man
sich arrangieren, wir Minderheiten gewöhnen uns an so etwas.
Nö, liebe Leute, ich bin gerne eine kurzschlafende Lerche.
Deswegen muß mich niemand bedauern.
ahaaaaaaaaaa ja! so ist das mit der Schalfeule also - mir nicht ganz so unbekannt da auch ich zu dieser gattung gehöre, wir könnten uns also kurzfristig erfreut des Frühmorgens begrüßen, mit Handschlag natürlich - versteht sich!
AntwortenLöschenhach du Armer, dass aber auch niemand um diese zeit auf ist" um dich mit frischem Kakao - handmade - zu verwöhnen, ist natürlich auh gewohnheitsbedürftig, denn nicht jeder Nachteule ist`s gegeben sich slebst zu versorgen!
Wie du siehst -bin ich deinen "Anleitungen gefolgt" und habe die Geschichte zu: Nachteulen, Lerchen und diversen anderen Gattungen gerne und sehr amüsiert gelesen....Holladrio
angelface / (MIST - jetzt ist mir vor Schreck der Aschenbecher aus der Hand gefallen>:-))
Morgens bevorzuge ich es eher, meine Ruhe zu haben als daß ich mich von jemanden verwöhnen lasse. Als Lerche besteht für mich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, daß mein entsprechender Wunsch wahr wird. :-D
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