Sonntag, 10. Februar 2013

Der Auftrag (1)

Eine Geschichte aus einer anderen Zeit. Personen und Orte sind der Gegenwart angepasst.



Es war ein kalter, schneereicher Wintertag. Die Büromannschaft im LASA war ziemlich ausgedünnt, viele hatten spontan Urlaub nehmen müssen, weil sie wegen der Witterungsverhältnisse keine Chance hatten, die Neustädter Altstadt, in dem unsere LASA-Außenstelle ihren Sitz hat, zu erreichen. Und mit dem ÖPNV ist das in unserem überwiegend ländlichen Einzugsgebiet auch so eine Sache. Ich genoss die himmlische Ruhe und widmete mich dem mäßig spannenden Inhalt einer Akte. Die Gelegenheit für eine Knobelakte war günstig, denn unsere EDV lief zur Zeit auch mal wieder nicht rund. Und wenn das MIST (Abkürzung für Maschinelles InformationsSysTem) nicht wollte, war es ein günstiger Termin, um sich mal intensiver mit den alten Schätzchen zu befassen, bei denen die moderne Elektronik noch nicht gefordert wurde.

„HERR PATERFELIS!“

Oha, die Stimme meiner Herrin hallte durch den ansonsten leeren Raum.

Ich erwiderte ein fröhliches „Bei der Arbeit, wie immer.“

„Herr Paterfelis, ich brauche sie.“

Hmmm, so was hört man ja als Mann gerne von einer Frau. Aber ob die zweitbeste Ehefrau von allen damit einverstanden sein würde?

„Dr. Strebsinger hat gerade einen Anruf von Herrn Meierreich bekommen. Sie müssen unbedingt nach Finkenheim fahren.“

Herr Meierreich war der Bürgermeister von Finkenheim, einer relativ jungen Stadt in unserem Einzugsgebiet, die sich vor einigen Jahren aus dem Zusammenschluss mehrerer kleiner Käffer gebildet hatte. Wir unterhalten in einem der vielen noch vorhandenen Rathäuser der ehemals selbständigen Stadtteile einen regelmäßigen Bürgersprechtag.

„Ähm, wann soll es denn losgehen?“

„Sofort, Sie haben da um 11 Uhr einen Termin.“

„Was? Jetzt? Haben Sie mal aufs Wetter geguckt? Und wieso ich? Mit den Finkenheimern habe ich doch sonst nichts zu tun.“

„Dr. Strebsinger ist hier heute unabkömmlich, ich habe auch keine Zeit und Sie sind heute mit dem Auto da. Ich habe Ihren Wagen auf dem Parkplatz gesehen.“

Verdammt! Nach Finkenheim sind es mal eben 100 km. Und das durch Eis und Schnee. Komm, erzähl mir nicht, daß der Strebsinger unabkömmlich ist. Der hat einen neuen Wagen und will den nicht riskieren, das ist alles. Sonst lässt der sich die Gelegenheit für ein Pläuschchen mit Obrigkeiten auch nicht entgehen.

„Könnte nicht Sven fahren? Der ist doch sonst immer in Finkenheim.“

„Nein, der hat auch Urlaub genommen. Hat sich festgefahren.“

„Und die Kollegen aus der LASA-Außenstelle Süd-Westwest? Die Dienststelle liegt doch fast in der Nachbarschaft von Finkenheim. Können die nicht im Einzelfall mal…“

„NEIN! Dr. Strebsinger will, daß wir das erledigen.“

Alles klar, ich habe es ja begriffen. Zur Rettung des in der Region guten Rufs unserer Außenstelle konnte also mal wieder nur ich eingesetzt werden. Unmöglicher Auftrag – Paterfelis, übernehmen Sie!


(Fortsetzung folgt)



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