Wir gewöhnten uns aneinander, und schließlich war es soweit, daß die beiden nun nicht mehr ganz so kleinen bemerkten, daß ihr neuer Dosenöffner eine wunderbare Matratze abgibt. Seinerzeit schlief ich noch auf dem Rücken. Sally hat schnell ihren Platz zwischen meinen Knien gefunden, und Lucy meinte, es sich auf dem Übergang zwischen Bauch und Brust bequem machen zu müssen. So auch an dem Tag, nachdem die beiden kastriert wurden. Die wärmere Jahreszeit war angebrochen, und ich schlief unter einem weißen Bettlacken. Nachdem ich wach war und feststellte, daß meine beiden organischen Wärmeflaschen auf ihren Stammplätzen lagen, fing ich an, Lucy zu kraulen, die sich dafür auch sehr empfänglich zeigte. Doch irgendwann drückte die Blase und ich musste aufstehen. Widerwillig verließen die beiden ihre Matratze, da bemerkte ich einen großen roten Fleck auf dem Laken. Lucys frische OP-Narbe hatte sich geöffnet!
Wie in den späteren Jahren immer wieder und auch mit den damals noch ungeborenen Angehörigen der Katzenbande wiederholt erlebt, war es ein Wochenende, ein Feiertag oder die frühe Abendstunde, in denen ich akut und höchst dringlich eines Tierarztes bedurfte. Katzen haben ein Gespür für Zeitpunkte, an denen es ungünstig und für ihren Katzenpapa mit erhöhten Zusatzkosten verbunden sein würde, einen derartigen Menschen aufzusuchen. Die weiteren Ereignisse waren nicht weiter dramatisch, gaben mir jedoch einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte.
Sally entwickelte sich einer papaschmusesüchtigen Katze. Wann immer ich irgendwo saß oder lag kam sie an und breitete sich auf mir aus. Hatten entweder die zweitbeste Ehefrau von allen oder ich sie mit Absicht oder versehentlich berührt, warf sie sich auf den Rücken und wollte gestreichelt werden. Das kann mitunter schon anstrengend oder sogar nervend werden, auch wenn wir ihrem Begehren nicht immer nachgegeben haben. Lucy hingegen hat sich die neue Dosenöffnerin als bevorzugte Person ihres Kuschelbedürfnisses auserkoren. Ich war als Matratze weitgehend nicht mehr von ihr gefordert.
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| Wasserjunkie Lucy - genau wie Sally |
Sally entwickelte sich einer papaschmusesüchtigen Katze. Wann immer ich irgendwo saß oder lag kam sie an und breitete sich auf mir aus. Hatten entweder die zweitbeste Ehefrau von allen oder ich sie mit Absicht oder versehentlich berührt, warf sie sich auf den Rücken und wollte gestreichelt werden. Das kann mitunter schon anstrengend oder sogar nervend werden, auch wenn wir ihrem Begehren nicht immer nachgegeben haben. Lucy hingegen hat sich die neue Dosenöffnerin als bevorzugte Person ihres Kuschelbedürfnisses auserkoren. Ich war als Matratze weitgehend nicht mehr von ihr gefordert.
Es stellte sich heraus, daß Lucy nicht die Gesündeste aller Katzen war. Es ist möglich, daß sich hier die Folgen der Inzucht bemerkbar machten. Ständig gab es neue Probleme mit den inneren Organen. Sie musste Medikamente nehmen und führte gleich ihrer Schwester – von wenigen Episoden abgesehen – ein weitgehend normales Leben einer Hauskatze. Eine Nacht hingegen wird unvergesslich bleiben. Die künftige zweitbeste Ehefrau von allen war zwischenzeitlich bei uns eingezogen und hatte am nächsten Tag eine wichtige Prüfung abzulegen. Wir waren mit Lucy zuvor beim Tierarzt, welcher aus einem aktuellen Anlass Valium verordnet hatte, welches als unbeabsichtigten Nebeneffekt auch beruhigend wirken sollte. Allerdings machte es sich bei Lucy gegenteilig bemerkbar. Sie drehte richtig auf, kam die ganze Nacht nicht zur Ruhe, maunzte fast ununterbrochen vor sich hin und wollte von der neuen Katzenmama betuttelt werden. Eine ideale Situation vor einer Prüfung. Die künftige zweitbeste Ehefrau von allen bestand dennoch, aber das Medikament wurde umgehend abgesetzt. Unser Tierarzt meinte, in ganz wenigen Fällen könne es tatsächlich sein, daß es aufputschend wirke. Ja, diese Erfahrung hatten wir nun auch gemacht.
Doch schon bald sollte es zu Ende gehen. Lucy ging es plötzlich schlechter, sie nahm kein Futter an. Wir nahmen Trockenfutter und vermengten es mit Wasser zu einem Brei, den wir ihr dann einflößten, doch auch dieser Brei sah nach kurzer Zeit wieder das Tageslicht. Es würde wohl wieder Zeit für einen Besuch beim Tierarzt.
Abends saß ich am PC, welcher seinerzeit noch im Schlafzimmer stand. Lucy hatte es sich auf meinem Bett bequem gemacht. Plötzlich drang ein spitzer Schrei durch die Wohnung, Lucy zuckte wild hin und her. Die zweitbeste Ehefrau von allen eilte herbei, nahm Lucy in den Arm. Solche Krampfanfälle hatte Lucy schon gehabt, aber ohne daß sie zuvor diesen Schrei ausstieß. Ihr Herz raste. Ich rief den Tierarzt an. Während des Gesprächs erschlaffte Lucy, der Tierarzt riet am Telefon zu Mund-zu-Schnauze-Beatmung, doch es war schon zu spät.
Lucy starb an diesem Abend unerwartet im Alter von zwei Jahren in den Armen der zweitbesten Ehefrau von allen. Auch unser Tierarzt zeigte sich später überrascht. Eine hohe Lebenserwartung vermochte er ihr nie zuzusprechen, aber daß es so schnell vorbeigehen würde, hatte er auch nicht vermutet.
Wir beerdigten Lucy am nächsten Tag im Garten meiner Eltern.
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| Lucys Grabstein |
Genau wie wir tat sich Sally sehr schwer mit dem Verlust ihrer Schwester, doch das ist eine andere Geschichte, die ich später noch erzählen werde.
Heute ist Sally hier die Seniorkatze. Sie war gesundheitlich auch nie ganz auf der Höhe, aber es erwies sich nichts als so dramatisch wie bei Lucy. Trotzdem hätte ich nie gedacht, daß sie jemals so alt werden würde.
Ich muß nach wie vor als ihre Matratze herhalten, sobald es ins Bett geht. Sie ist noch weitgehend aufmerksam und altersentsprechend aktiv, aber man merkt ihr an, daß sie zu so langsam zu den Hochbetagten zählt. Neben den kleinen Zipperlein, mit denen man auch als Katze im Alter eben zu kämpfen hat, scheint sie geistig nicht mehr die allerhellste zu sein, legt zuweilen einen gewissen Altersstarrsinn an den Tag und wird quengelig.
Doch auch das gehört zu einem Familienleben mit Katze dazu.
(Ende)




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