Freitag, 22. Februar 2013

Die Katzenbande: Sally und Lucy (2)

Mit der Namensgebung der beiden Kleinen habe ich mich etwas schwer getan. Sie sollten nicht die üblichen blöden Katzennamen wie Minka, Tinka oder Mitzi bekommen. Irgendwann habe ich mich zu den Namen Sammy und Charly durchgerungen.

Aber das sind doch Namen für Jungs?!

Ja, stimmt. Ich interpretierte diese als Abkürzungen für Samantha und Charlene. Die erste der beiden, welche die Transportbox verlassen würde, sollte Sammy heißen, die zweite folgerichtig Charly. Ich setzte dies um, aber bereits nach kurzer Zeit änderte ich meine Meinung wieder. Die Mädels sollten ordentliche Namen bekommen, die jeder ohne Erläuterung als weiblich erkennen konnte. So wurde nach wieder aufgenommener Suche von Mädchennamen aus Sammy schließlich Sally und aus Charly Lucy.

Besonders hübsch sahen Sally und Lucy seinerzeit noch nicht aus. Sie waren sehr hochbeinig und bestanden darüber hinaus wohl nur aus Ohren und einem kleinen Körper zwischen den Beinen und den Ohren. Wenn sie gähnten, wurden die dominierenden Körperbestandteile um einen Kopf erweitert, der neben den bekannten Ohren nur noch aus Schnauze und Rachen bestand. Ich habe keine Ahnung, wo da noch Platz für ein Gehirn sein soll.

Ohren mit angehängter Sally

Sally und Lucy erkundeten vorsichtig ihre neue Heimat. Das Katzenklo war schnell gefunden und wurde direkt in Besitz genommen. Doch schon bald zeigte sich ein erstes Problem. Die beiden waren mit der Auswahl an Futter nicht einverstanden, die ich ihnen angeboten hatte. Ich beschloss, dieses Problem zunächst auszusitzen. Wenn der Hunger nur groß genug sei, würden sie schon davon fressen.

Katzen sind keine Hunde. Wer jemals gedacht hat, einer Katze etwas Essbares vorsetzen zu können, was sie nicht will, begeht einen kapitalen Denkfehler. Alle diesbezüglichen Klischees kann ich Kraft eigenen Erlebens als wahr deklarieren. Nach 24 Stunden Anwesenheit in meiner Wohnung stimmten beide weiterhin darin überein, das ihnen angebotene Fressen nicht annehmen zu wollen. Aber sie hatten Hunger und ließen mich dies sehr lautstark wissen. Doch es war Sonntag, ich hatte keine Gelegenheit, woanders etwas für Sally und Lucy zu besorgen. In meiner Verzweiflung versuchte ich es sogar, ihnen etwas Brot zu geben. Ich hatte noch das gute Heidebrot von Feinkost Albrecht in meinem Schrank, was heute aus dem Sortiment verschwunden ist. Und siehe da: Sally und Lucy machten sich über die Brotkrumen her. Die fraßen allen Ernstes lieber trockenes Brot als an die Auswahl von Naß- und Trockenfutter heranzugehen, die für sie bereitstand.

Zum ersten Mal ging mir der Stoßseufzer durch den Kopf, der mich bis heute immer wieder verfolgt: KATZEN!

Sally

Später am Tag kamen meine Eltern bei mir vorbei. Sie wussten um meine Not und brachten von unterwegs ein halbes gebratenes Hähnchen mit. Ich entfernte die Haut, ließ das Fleisch abkühlen und gab es dann ebenfalls meinen beiden Kleinen. Auch darüber machten sie sich her. Gut, dann wäre die erste Zeit schon mal überstanden. Bei nächster Gelegenheit kaufte ich andere Futtersorten, welche dann – ebenso wie das zunächst angebotene – klaglos gefressen wurden. Natürlich nur so lange, bis der katzentypische Moment eintritt, an dem das bisherige Lieblingsfutter quasi über Nacht zum Widerlichsten geworden ist, was sich Katze so vorstellen kann. Aber auch daran gewöhnt man sich und weiß, daß die größere Bevorratung einer bestimmten Futtersorte für einen Katzenbesitzer nicht zweckdienlich ist. Wenn ich daran denke, daß die Spitze meiner Oma zeitlebens immer nur die gleiche Futtersorte zu fressen bekommen haben, fällt schon auf, daß Hunde an sich doch sehr unkompliziert sind.

(wird fortgesetzt)


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