Als braver Ehemann funkte ich mein Ansinnen nach Hause und fragte nach, ob ich der zweitbesten Ehefrau von allen noch was bestimmtes aus dem reichhaltigen Warenangebot mitbringen solle, unabhängig davon, daß ich am morgigen Samstag erneut auf Tour gehen würde.
Nach einiger Zeit erreichte mich der Einkaufszettel via globaler Kommunikationstechnik. Die ersten Posten der unbedingt heute zu erstehenden Artikel sagten alles: Hühnerfleisch, Möhren, Frühlingszwiebeln… Genau. Die Hinweise auf eine zu kochende Hühnersuppe waren eindeutig. Meine Angetraute hat sich der allgemein herrschenden Erkältungswelle angeschlossen. Die letzten Posten auf der Liste bestätigten diese Vermutung zweifelsfrei, sollte deren Beschaffung mich doch später noch in die örtliche Apotheke führen.
Mein halbgeplanter Beutezug im Schwarz-Markt war nicht so erfolgreich, wie ich gewünscht hätte. Es war wohl noch zu früh am Tag, als daß die Umzeichnungsaktion schon erfolgt wäre. Schade.
Vor mir an der Kasse stand ein Mann, nicht übertrieben gut angezogen, aber mit Sicherheit kein Penner. Er legte lediglich seine Flasche Kornbrand aufs Band, zahlte und verschwand wieder, ohne sein den Centbereich übersteigendes Wechselgeld in Empfang zu nehmen, obwohl die Kassiererin ihm noch hinterhergerufen hatte. Tja, da mag man denken, was man will…
Jedenfalls hat mich das wieder an ein Erlebnis aus meiner späten Kindheit erinnert. Meine Mutter schickte mich los, noch eine Flasche Doppelkorn zu kaufen, damit diese an unseren Nachbarn anlässlich seines Geburtstages verschenkt werden könne. Frohen Mutes Mit nicht ganz so glücklichen Gefühlen fuhr ich los, das Gewünschte zu besorgen. Meinen Einwand, daß ich an der Kasse wohl das eine oder andere Problem bekommen würde, weil ich ja noch nicht in dem Alter war, in dem mir das Trinken von Hochprozentigem gestattet war, wischte meine Erziehungsberechtigte mütterlicherseits mit der Aussage zur Seite, ich würde ja schon älter aussehen als ich sei.
Mag sein, aber wie 18 sah ich mit meinen damals nicht mal 14 Jahren beim besten Willen und aller denkbaren Schmeichelei wirklich und absolut ohne eine Spur jeglichen Zweifels noch nicht aus.
Es kam, wie es kommen musste. An der Kasse fragte man mich nach meinem Ausweis. Da ich ja schon wusste, um was es ging, konnte ich nur sagen „Heh du dumme Kuh, weißt du nicht, daß man den erst mit 16 bekommt?“„Ich bin noch keine 16.“ Was war mir das peinlich. Und ich konnte doch wirklich nichts dafür, sondern war auch nur Opfer. Als gut erzogener junger Mensch fragte ich noch, ob ich die Flasche wieder ins Regal stellen solle, aber die Kassiererin meinte nur, sie würde das dann später selbst erledigen.
Meine Mutter wollte mir erst nicht glauben, daß ich wirklich ohne die Flasche wieder nach Hause gekommen war. Nun, die Fakten sprachen für sich, und sie musste selbst nochmal losziehen. Ich fand es aber damals schon gut, daß die Kassiererin so gehandelt hat, und heute immer noch. Auch wenn ich dreißig Jahre später immer noch an diese Peinlichkeit denken muß. Bis heute ist es mir durchaus grundlos unangenehmer, eine Flasche Hochprozentiges (wäre noch nicht mal für unseren Eigenbedarf) auf dem Band liegen zu haben, als für die zweitbeste Ehefrau von allen Damenhygieneartikel zu kaufen. Habe ich jedenfalls beides schon mal gemacht, so daß ich das ganz klar beurteilen kann.
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