Samstag, 13. Oktober 2012

Samstagsvergnügen

Da ich den Wagen heute um Punkt 9.15 Uhr wieder zu Hause abzuliefern hatte, musste ich mich besonders früh zur Einkaufsrunde aufmachen. Die erste Herausforderung traf mich noch zu Hause, denn ich musste den Kfz-Schein suchen. Es ist eine ausgesprochen dämliche Regelung, daß man nicht eine offizielle Zweitausfertigung davon haben kann, wenn ein Auto abwechselnd von mehreren Personen genutzt wird.

Üblicherweise befindet sich der Schein in einer kleinen Tasche am Autoschlüssel meiner Angetrauten, und selbiger liegt im Regelfall in ihrer Tasche. Guter Dinge machte ich mich auf, um mir das gewünschte Papier anzueignen, aber denkste: In der Tasche war nichts. Auch eine Durchsuchung ihrer Jackentasche sowie anderer von ihr genutzter Mitführtransportbehältnisse war nicht zielführend. Also weitermachen. Ich möchte hier mal so am Rande erwähnen, daß Dinge suchen, insbesondere in der heimischen Wohnung und unter der Auflage, möglichst wenig Licht und Lärm zu machen, zu den Aspekten meines Lebens zählen, die mich – freundlich ausgedrückt – verzweifeln lassen. Tatsächlich rückt bei solchen Aktionen meine Laune tendentiell in den Keller. Und das sehr schnell. Willst du meine Laune ruinieren, dann lasse mich was suchen. Idealerweise etwas, was dir gehört und von dem ich noch nicht mal eine richtige Idee habe, wie es aussieht.

Irgendwann kam ich nicht weiter, die Zeit begann zu drängen und so fasste ich all meinen Mut zusammen und wagte mich, meine noch im Bett liegende Frau nach dem Verbleib des Schlüssels zu befragen. Schlaftrunken begab sie sich nach mehreren verbalkommunikativ geäußerten aber leider erfolglosen Vorschlägen in unseren Flur und fand den Schlüssel mitsamt der Tasche und den Papieren im Vorübergehen an unserem Schlüsselbrett. Also echt jetzt, es kann doch niemand damit rechnen, daß das Teil sich da befindet, wo es hingehört. Aber immerhin kann ich mal wieder mit Fug und Recht behaupten, eine aufgeweckte Frau zu haben.

Auf dem Weg zum Discounter meiner Wahl fuhr ich an den Räumen vorbei, in denen unser einstiges örtliches Studio für Tanz und Bewegung, das „Studio Elan“, an sich seine Pforten wieder eröffnen wollte. Groß hängen jetzt die Schilder in den Fenstern, daß die Räume eines neuen Mieters harren. Es hat schon geschmerzt, daß die Wiedergründung nicht geklappt hat. Wenn es auch Rajivs Projekt und damit sein Kind war, so habe ich mich da doch als Patenonkel gesehen, da die zweitbeste Ehefrau von allen und ich an der Sache irgendwie mit beteiligt waren. Patenonkel. Der Pate. DER Pate. Ich höre die ganze Zeit die bekannte Musik im Hintergrund und übe schon mit heiserer Stimme den Satz „Mache ihm ein Angebot, daß er nicht ablehnen kann.“ 

Ähm, nein, so dann doch nicht. Der Pate vom Neustädter Ländchen zu sein ist dann doch nicht eine so aussichtsreiche Karriere.

Genug davon.

Aufgrund der heutigen Eilbedürftigkeit war ich tatsächlich zehn Minuten vor Ladenöffnung auf dem Parkplatz. Vom Auto aus sah ich schon die ersten Menschen in Richtung Eingang – hetzen?! Hallo, gibt es da was umsonst? Gut, es waren nur drei, aber die waren echt hektisch drauf. Einer der Drei, die nicht zusammen gehörten, winkte sogar in den Laden rein und machte durch Hüpfen auf sich aufmerksam. Das erinnert mich ja schon an unsere Kundschaft. Die heiligen Hallen des LASA, Region Süd-Südwest öffnen um 7.30 Uhr, aber wenn man um kurz nach 7 Uhr durch den Personaleingang rein will, muß man sich schon der Kundschaft erwehren, die da unbedingt mitgehen will. Sagt mal Leute, könnte es einen Sinn haben, daß die Haupttüren noch geschlossen sind?

Um kurz vor  8 Uhr erbarmte man sich dann der ungeduldigen Meute und gewährte Einlass. Zwei ältere Männer stürmten den Laden, während die – so von mir vermutete – Ehefrau eines der Beiden sich mit zwei nicht übermäßig gefüllten Tüten voller Pfandflaschen zum Anbau mit den Leergutautomaten begab. Doch oh weh, hier war die Türautomatik noch nicht eingeschaltet. So rüttelte man an den Türen, bis sich auch hier was tat. Eine zweite Frau huschte direkt hinterher, so daß beide Automaten direkt zum Einsatz kamen.

Gemütlich nahm ich meine übergroße Flaschentasche (eigentlich eine Wäschetasche) mit Pfand für etwa 10 Euro, schlenderte zu dem mittlerweile frei gewordenen zweiten Automaten und befüllte diesen mit routinierten Handgriffen. Die Frau mit ihren beiden Plastiktüten war immer noch nicht fertig. Aus dem Augenwinkel konnte ich beobachten, wie sich ein weiterer Kunde neben mir platzierte und mich stechenden Blicks kurz vor Erreichen meines persönlichen Privatsphärenbereichs beobachtete. Nein du Arsch, ich lasse dich nicht vor, und in meinem großen Beutel befinden sich auch nur noch fünf Flaschen. Nerv die Alte auf der anderen Seite, die mit ihren beiden Tüten weiterhin zu Gange war. Ruck zuck war ich mit dem Rest fertig, zog meinen Pfandbon und verließ den Raum. Die Tütenfrau hatte es immer noch nicht geschafft, ihre beiden Tüten zu entleeren. Und nein, die Tüten hatten nicht die Größe einer dieser riesigen Karstadt-Klamotteneinkaufstüten, in denen eine fette wattierte Winterjacke in Übergröße und diverse Zusatzeinkäufe Platz haben. Die Tüten waren vielleicht sogar noch etwas kleiner als die üblichen Albrecht-Einkaufstüten. Beim besten Willen war es mir nicht möglich zu ergründen, warum die so lange gebraucht hat.

Im Laden sah ich sie später nochmal mit dem bereits beobachteten gehetzten Ehemann und auch den anderen Hektiker, der hüpfender und winkender Weise zuvor schon um Einlass gebeten hatte. Irgendwie kamen mir die beiden jetzt längst nicht mehr so hektisch vor. Man hatte auf einmal sogar Zeit. Viel Zeit. Aber immerhin nutzte man diese Zeit nicht, um mich zu ärgern, von daher also: alles ok.

Weiterhin geschah nichts Besonderes. Obwohl: Ich kam an der Kasse sofort dran, alle Ampeln auf dem Rückweg hatten grün bis ich dann – ja, bis ich kurz vor Zieleinlauf abbiegen musste. Da standen doch zwei Trottel in der Straßenausfahrt unmittelbar vor der bekannten Engstelle und unterhielten sich von Auto zu Auto. Mich störte das nicht weiter, denn der Platz war groß genug, daß ich aus meiner Kurvenfahrt noch an beiden vorbeikommen würde, was ich auch umzusetzen gedachte. Bis der auf meiner Seite stehende Trottel meinte, Gas geben zu müssen. So kurz vor knapp konnte ich anhalten, sonst hätte der arme Balduin einen ordentlichen Blechschaden bekommen. Ich bin nicht mal sicher, daß der Gehirnamputierte das überhaupt gemerkt hat, denn soweit ich das beobachten konnte, sah er während der ganzen Zeit nach links zu seinem Gesprächspartner außerhalb seines Autos.

Vielleicht wäre es doch cool, der Pate zu sein.




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