Heute kam endlich mal wieder ein Paket für mich an. Da habe ich mich schon lange drauf gefreut, und jetzt ist es da. Der Inhalt ist gar nicht mal so teuer, was auch dringend angebracht ist, wenn ich an die ganzen Zusatzausgaben denke, die wir aufgrund drängender Neuanschaffungen – zuletzt hat es unseren Drucker gehimmelt – in den letzten vier Wochen hatten. Aber meine Lieferung war schon länger vorbestellt. Das Paket legte ich erst mal entspannt zur Seite, während meine Angetraute schon langsam ungeduldig wurde, denn sie wusste nicht, was für tolle Dinge unser Dasein künftig bereichern sollten. Männerspielzeug! Richtiges Männerspielzeug. Mädchen dürfen auch damit spielen, wollen damit aber meistens nichts zu tun haben, was eigentlich schade ist, denn gemeinsam macht es mehr Spaß.
Stunden später machte ich das Paket auf, während es die zweibeste Ehefrau von allen kaum noch bei ihren Bastelarbeiten hielt. Zum Zwecke der Paketöffnung nahm ich mein noch auf dem Tisch liegendes schwergewichtiges Lieblings-He-Man-Brotmesser, fuhr damit vorsichtig den Klebestreifen entlang und ritze ihn leicht ein. Dann klappte ich die Deckelteile des Kartons zur Seite, und da lagen sie vor mir: Zwei Pakete mit Männerspielzeug de luxe. Eines habe ich in Auftrag mitbestellt, das andere war für mich. Wenn die Mädchen nicht wollen, würde ich eben in meiner Herrenrunde damit ein paar schöne gemeinsame Stunden verbringen. Bei den Kartons handelte es sich um zwei heute offiziell erschienene deutschsprachigen X-Wing-Grundboxen. X-Wing ist ein Miniaturenspiel aus dem Star Wars-Universum.
Ja, ich sehe das staunende, neidische Glitzern schon in euren Augen.
Und ehrlich: Wenn ich die Preise anderer, vergleichbarer Produkte ansehe und mir dabei auch noch in Erinnerung rufe, wie teuer die Krieg der Sterne-Merchandising-Produkte sonst sind, ist das echt billig. Ich war ja immer schon ein Fan von Krieg der Sterne und allem, was dazu gehört. Zumindest, was die klassische Trilogie angeht. Ich habe ja noch erlebt, wie der erste Teil, also Episode IV, in die Kinos kam. Leider war das mit dem unbegleiteten Kinobesuch und mir damals noch so eine Sache, die sich nicht unbedingt verbinden ließ, und niemand, weder Vater noch Kumpels, wollten mitgehen. Pech. Aber ich habe alles verschlungen, was so in Berichten in Zeitschriften erschien. Und irgendwann hatte ich auch Spielzeug dazu. Blöderweise habe ich mich hinreißen lassen und damit tatsächlich auch gespielt. Heute weiß ich ja leider, was Sammler für unbenutzte OVP-Ware so hinblättern, doch vorbei ist vorbei. Aber ich werde den gleichen Fehler nochmals begehen. Und zwar mit X-Wing.
Etwas irritiert vernahm ich von der anderen Seite meines Kartons die in vollkommen ungläubigen Tonfall gestellte Frage: „Krieg der Sterne? Ist nicht dein Ernst?!“ Doch, ist es. Krieg der Sterne. Männerspielzeug! Star Trek wäre auch ok, aber es ist Krieg der Sterne. Star Wars. Es folgte ein resignierendes „Jungs…“. Verstehe ich nicht. Voller Vorfreude wusste ich der zweitbesten aller Ehefrauen aus meiner gewöhnlich gut unterrichteten Quelle zu berichten, daß in unserer Spielerunde bereits Maßnahmen eingeleitet wurden, um unsere anstehenden Raumschlachten angemessen musikalisch mit Krieg der Sterne-Musik zu untermalen. Genauso, wie wir unsere Doppeldecker auch gerne zu alter kaiserlicher Marschmusik starten, werden wir unsere X-Flügel-Jäger und Tie-Jäger, den Millenium Falcon und die Slave I ebenfalls zu passender Geräuschkulisse abheben lassen.
„Jungs…“
Doch, ehrlich, das macht Spaß.
Die Stirn meiner Angetrauten näherte sich verdächtig schnell unserer Tischplatte, bremste aber eingedenk der Tatsache, daß es zur Zeit nicht unbedingt angebracht ist, auch noch einen neuen Wohnzimmertisch kaufen zu müssen, rechtzeitig wieder ab.
„JUNGS…“
Ein letzter Seufzer, dann wandte sich die zweitbeste Ehefrau von allen wieder ihrem Kram zu und zog bunte Perlen auf Metallbänder auf.
Mädchen…
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