Dienstag, 4. September 2012

Katzen, Klumpstreu und rüstige Rentner

Schmusekater Marty meinte heute Morgen, just in dem Augenblick seine Kuscheleinheiten abholen zu müssen, als ich im Begriff war, das Bett zu verlassen. Ein Bein von mir war schon draußen, die Decke bereits auf die Seite gelegt, als der Kater seinen Interessen hartnäckig kopfstoßend Nachdruck verlieh. Nun gut, Mensch ist ja bekloppt, wenn es um seine Viecher geht, so daß Marty seinen Willen bekam. Bei mir im Bett ist er mit einer Ausnahme noch nie übertrieben lange geblieben. Wie sich das gehört, war es heute, während ich in meiner verrenkten Lage weilte, die zweite Ausnahme. Was tut man nicht alles, um dem Tier zu bestätigen, daß er grundsätzlich zum Kuscheln auch ins Bett kommen darf?! Egal, nach einer guten halben Stunde war der Herr fertig und mein Rücken kurz davor, sich intensiv bei mir in Erinnerung zu rufen.

Außer der Reihe ging es dann am heutigen Montag zum Einkaufen. Schon auf dem Weg, der Motor des familieneigenen Automobils war noch nicht mal ansatzweise auf Betriebstemperatur, zeigte sich mir der Irrsinn einer rüstigen Rentnerin. Offenkundig wollte sie mit ihrem Auto Altglas zum örtlichen Container bringen. Dummerweise ist selbiger Container seit einigen Tagen verschwunden – ein Umstand, den die alte Dame erst mal innerlich verarbeiten mußte. Sie tat dies, indem sie den Wagen zwar am Rand der nicht übertrieben geräumigen Straße, aber noch erschwerend unmittelbar vor einer Verengung abstellte und den nachfolgenden Verkehr vorbeiwinkte. Die grandiose Fehlleistung war, daß der Gegenverkehr aufgrund des sich hinter ihr bildenden Rückstaus ab einer bestimmten Engstelle ebenfalls nicht mehr weiterkam. Wäre sie normal weitergefahren, hätte sich kein Problem ergeben, so aber entstand ein ordentliches Chaos. Und sie war nicht geneigt, den Platz zu räumen und starrte lieber wie hypnotisiert, während sie links weiterwinkte, nach rechts auf den leeren Glascontainerplatz. Wie heißt es so schön: Der ältere Autofahrer gleicht seine abnehmende Reaktionsfähigkeit durch seine vorausschauende Fahrweise und Erfahrung wieder aus…

Irgendwann bin ich dann zur Spaßkasse gelangt; das Portemonnaie hatte Hunger. Der Geldautomat befindet sich in einem Vorraum. Ich beobachte fassungslos den rüstigen Rentner am Automaten, der eine gefühlte Ewigkeit benötigte, um seine Sachen zu regeln. Plötzlich stürmen zwei Mitarbeiter aus den Geschäftsräumen auf mich zu *Himmelwashabeichjetztwiederangestellt?* und weiter an mir vorbei auf die Straße. Man wollte einem – wiederum – rüstigen Rentner behilflich sein, der sein Fahrrad nach eigenem Bekunden zu schnell gebremst hat, die Kontrolle verlor und sich langlegte. Aber es schien ihm nichts weiter passiert zu sein.

Beim Discounter meines Vertrauens ereignete sich nicht übertrieben viel. Ein mit seinem C-Klasse-Mercedes einen Behindertenparkplatz blockierender rüstiger Rentner in langen Hosen, Rollkragenpullover, Sakko und Schal (Außentemperatur über 20 Grad Celsius) betrat mit mir zusammen den Laden. Ich bewegte mich zielgerichtet zu den Kühltruhen, um Beute abzuräumen. „Beute“, d. h. preisreduzierte Ware mit nur noch kurzer Haltbarkeit gab es leider nicht viel, also befüllte ich den Wagen mit einem halben Standard-Wocheneinkauf, wartete eine annehmbare Zeit an der Kasse, verlud meine Einkäufe ins Auto, entfernte einen vermeintlichen Kratzer an selbigem, der sich als Schmutzstreifen entpuppte, schob den Einkaufswagen in seine Box  und sah dann den rüstigen Rentner, der seine kompletten Einkäufe – drei Sixpacks Zitronenlimonade – in Richtung seines Autos schob. Ich werde das Geheimnis nie ergründen, was er so lange in dem Laden gemacht hat.

Nächster Halt: der örtliche Supermarkt. Hier beabsichtigte ich, zunächst acht Pakete preisvergünstigtes Klumpstreu käuflich zu erwerben. Wie immer war zum Zeitpunkt der Angebotswoche nicht genügend von dem Zeug vorrätig, so daß die zweitbeste Ehefrau von allen seinerzeit acht Pakete nachbestellt hat. Ein Anruf am Samstag klärte uns darüber auf, daß die acht Pakete abholbereit bereit stehen würden.  Samstag hatten wir den 1. September. Die Bestellung war vom 21. Juni. Stramme Leistung, zumal ich zwischenzeitlich schon mehrfach vorhandenes Streu der gleichen Sorte zum Normalpreis vor Ort nachgekauft hatte.

Wie dem auch sei, ich meldete mich an der Information und gab meinen Wunsch kund, das bestellte Katzenstreu in Empfang nehmen zu wollen. Die leicht verwirrte junge Dame der Information rief den zuständigen Mitarbeiter aus, welcher sich telefonisch bei ihr meldete und verkündete, daß MEINE Pakete ins Verkaufsregal einsortiert seien und ich sie da abholen könne. Na toll, und wenn ich nicht am Montag sondern wie üblich am Samstag da aufgeschlagen wäre, hätte ich die Teile wieder nicht in ausreichender Menge bekommen und hätte erneut wochenlang auf die Nachlieferung zum reduzierten Preis warten können. Nachdem ich da abgeräumt habe, verblieb nur ein kümmerlicher Rest.  Nö, Leute, kundenfreundlich ist anders.

Wieder zu Hause angekommen wurde ich auch gleich von einer rüstigen Rentnerin aus der Nachbarschaft gefragt, ob es denn wohl unsere Katze sei, die regelmäßig in ihren Garten kackt. Immerhin konnte ich ihr reinen Gewissens sagen, daß ich den Sachverhalt mit 100 %iger Sicherheit ausschließen könne – zur Not belegbar durch acht Pakete Katzenstreu. Hey, geht’s noch? Hier in der Gegend laufen gefühlte  100 Katzen draußen herum. Selbst wenn unsere dazugehörten, kann ich doch immer noch nicht wissen, ob eine von ihnen in diesen Garten kackt. Und verhindern könnte ich es schon gar nicht.

Vollmond und rüstige Rentner – eine böse Kombination.


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