Donnerstag, 17. Juni 2021

Am Ende

 ...eines warmen Tages:


Lilly

Smilla

Marty


Ja, so fühle ich mich auch.



Sonntag, 13. Juni 2021

Eismann

Und dann war da noch die Sache mit der jungen Mutter, die auf den gegen 20.15 Uhr in unserer Straße haltenden Eiswagen zu rannte und dem Eismann lautstark verboten hat, jemals wieder nach 19 Uhr hier bei uns aufzutauchen, weil ihre Kinder dann jedesmal so aufgeregt sind und Eis haben wollen, dass sie nicht mehr zeitig einschlafen können.

Je - des -mal!

Der Eiswagen stand gestern zum ersten Mal zu dieser Uhrzeit in unserer Gegend...



Montag, 31. Mai 2021

Der Punkt ist überschritten

Pünktlich mit dem Eintreffen wärmeren Wetters geht die Eiswürfelmaschine kaputt. Jetzt wird es ernst. Es ist nicht zu fassen. Hallo Leben, wir müssen reden!



Samstag, 29. Mai 2021

So eine Rücksichtslosigkeit

Das Unkraut im Garten stört sich einfach nicht an meiner gegenwärtigen Lethargie. 

Verdammt. Es wird Zeit, dass die Dinge sich endlich wieder ändern...


PS: Erste Impfung ist durch. Top-Organisation im Impfzentrum. Noch dreieinhalb Wochen bis zur Folgeimpfung, dann noch zwei Wochen warten - und ab geht es zum Friseur. Da war ich seit Mitte November nicht mehr, und selbst für meine Verhältnisse muss ich sagen, dass es echt wieder nötig ist.

(Ja, ich weiß, dass die Friseure geöffnet haben und ich jetzt schon gehen könnte. Aber ich habe mir das so in den Kopf gesetzt.)

Samstag, 1. Mai 2021

Erkenntnisse

Erkenntnis 1

Selbst die liebreizendste und behäbigste Katze wird zu einem Killer wenn sie merkt, dass du sie einfangen und zum Tierarzt schleppen willst. Und glaubt mir: Katzen merken das sofort. Gut, diese Erkenntnis ist jetzt nach einigen Jahrzehnten, in der bislang sechs Katzen ihre Wohnung mit mir und der zweitbesten Ehefrau von allen geteilt haben, nicht so ganz neu. Die Wunden – MEINE Wunden, denn die Katze hat keine – werden heilen. Trotzdem schade um das schöne T-Shirt.


Erkenntnis 2

Der nahezu vollständig Verlust von Alleinsein seit über einem Jahr macht mich so langsam richtig fertig. Wenn Zitteranfälle und Konzentrationsschwierigkeiten zum Alltag werden, ist das scheiße.


Erkenntnis 3

Homeoffice ist auch scheiße. Habe ich drei Tage versucht und werde es nur noch in Notwehr machen. Nächste Woche kommt meine Auszubildende wieder, dann habe ich sowieso wieder Präsenzpflicht und kann es mir nicht mehr aussuchen. Die Technik im Büro ist zwar auch nicht so prall, aber immerhin habe ich noch ein paar Papierakten, mit denen ich mich beschäftigen kann, wenn die digitale Akte mal wieder stundenlang 30 Sekunden pro Klick für die Verarbeitung braucht, weil die Datenleitungen zu 100 % ausgelastet sind.


Homeoffice 2021

Erkenntnis 4

Die Frühstückskombination von Erdnüssen im Teigmantel, Haselnussschokolade und einer überreifen Mango führt zu entsetzlichem Nachgeschmack sowie Zahn- und Zungenpelz. Fragt lieber nicht.


Immerhin: Sowohl für die zweitbeste Ehefrau von allen als auch für mich wurden jetzt Impftermine gebucht. Dann frustriert es weniger zu hören, dass jetzt anderen Ortes jetzt die Gruppe 3 freigegeben wird, man als Angehörige der Gruppe 2 aber bislang nicht mal ansatzweise die Möglichkeit hatte, da was abzubekommen.


Sonntag, 25. April 2021

Neulich Nacht

Ich könnte mich über zahlreiche Absurditäten meines Arbeitgebers zum Thema Homeoffice auslassen. Oder über eine Zusammentreffen meiner Angetrauten mit einer Corona-Ignorantin. Dazu noch Ideen aus der neuen Nachbarschaft. Und über andere Dinge mehr. Es passiert genug. Doch bei mir ist die Lauft raus. Das Einzige was mich an freien Tagen aus dem Bett holt, sind Rückenschmerzen, die sich bei zu langem Liegen zwangsläufig bei mir aufdrängen. Und der Umstand, dass man hin und wieder Wäsche waschen sollte. Ich fasse das jetzt mal unter Corona-Lethargie zusammen. Zu Hause mache ich nur noch das Nötigste. Mehr ist nicht drin. Motivation Null. Die Hütte sieht aus wie Sau. Ach, was soll ich mich aufregen. Bringt ja doch nichts.

Darum gibt es jetzt mal etwas Katzencontent aus der letzten Nacht. Katzencontent geht immer. In den Hauptrollen: Lilly und Marty. Mit richtungsweisenden Kommentaren der zweitbesten Ehefrau von allen zu den Gedankengängen der Möchtegernchefkatze Lilly.


Alter! Echt jetzt???


Hmpf!!!



Ey! Es reicht!



Dann halt so...


Freitag, 26. März 2021

Chingachgook im Schilfmeer

Nicht wenige meiner Kollegen befinden sich pandemiebedingt im Homeoffice oder in Telearbeit. Auf der Ebene jener, die auch befugt sind, wichtige Dinge zu veranlassen und zu unterschreiben, sind nur noch wenige regelmäßig an fünf Tagen in der Woche vor Ort. In meinem Fachbereich wäre das auf  Ebene der Sachbearbeiter – von meinen Urlaubsabwesenheiten abgesehen – nur ich.

Wir arbeiten inzwischen zwar mit der digitalen Akte, aber nicht alles lässt sich bei uns auch konsequent digitalisiert bearbeiten. Es gibt noch ein paar alte körperlich Restakten. Die sind nicht umsonst so alt. Dazu kommen auch alle Vorgänge, die mit monetären Rückständen unserer Kundschaft zu tun haben. Diese dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht in Bits und Bytes zerlegen, da hier zwingend Originalunterlagen wie zum Beispiel Postzustellungsurkunden oder gesiegelte Ausfertigungen von Forderungsbescheiden benötigt werden. Und diesen tatsächlichen Papierkram übernehme ich für die abwesenden Kollegen neben einiger weiterer von Frl. Hasenclever an mich übertragener Sonderaufgaben neben meinen normalen, im vollen Umfang weiter bestehenden Aktivitäten auch noch. Einsichtige Menschen im LASA behaupten, man müsse mich mehrfach klonen, um das noch bewältigen zu können. Und der Umstand, dass wir überwiegend digital arbeiten, verlangsamt die Abarbeitung der Dinge noch mehr. Da fliegen einem schon mal die Sachen um die Ohren, weil ja grundsätzlich alles eilig bis brandeilig ist, aber noch eiliger wäre natürlich genau der eine jetzt Ärger bereitende Vorgang gewesen, zu dem du nicht mehr gekommen bist. 

So telefonierte ich eines Tages mit einem der von uns beauftragten Gerichtsvollzieher. Der eigentliche Vollstreckungsauftrag habe ja noch der Herr Ökoklaus in die Wege geleitet. Doch der meinte wohl vorher zu dem Herrn Gerichtsvollzieher, dass die Akte nunmehr bei mir lagern würde und ich ihm als der letzte Mohikaner im Büro - zutreffender Weise - als Einziger dazu etwas sagen könne.

Letzter Mohikaner?

Im Moment komme ich mir eher vor wie der Pharao, über dem sich die Wellen des Schilfmeeres erbrechen.

Aber das interessiert ja keinen.



Donnerstag, 11. März 2021

Der Klinkenputzer

Tief in den Abgründen der Pandemie hat es sich unser Arbeitgeber nicht nehmen lassen, einen Klinkenputzer einzustellen. anzumieten, zu beauftragen. Der war sogar schneller da als ein Desinfektionsmittelspender. Auf letzteren mussten wir lockere vier Monate seit seit Beginn des ersten Lockdowns warten. Sein Name - also der des Klinkenputzers, nicht des Desinfektionsmittelspenders - ist Eugen. Eugen ist zwischenzeitlich 20 Jahre alt geworden. Seit Beginn des ersten Lockdowns wuselt er bei uns herum, reinigt die Stühle im Wartebereich unserer Außenstelle und wischt mindestens drei Mal täglich die Türklinken und Lichtschalter im ganzen Haus ab. In der Zeit zwischen seinen Rundgängen sitzt er in seinem Auto und wartet auf bessere Zeiten. Eine Tätigkeit für Menschen, die Vater und Mutter erschlagen haben, aber auch das muss gemacht werden. Besser als arbeitslos.

Das Abwischen der Türklinken und Lichtschalter auf unserer Etage erscheint mir mehr eine Beschäftigungstherapie zu sein denn ein sinnvoller Akt. Die Türen der Büroräume stehen meistens offen und auch die Lichtschalter werden nur einmal morgens und dann wieder abends betätigt. Bei den Toilettenräumen sieht das natürlich anders aus.

Woran aber, wenn ich mir den Schmierfilm mal näher betrachte, niemand gedacht hat, sind die Funktionselemente der Multifunktionsgeräte – jener Wundergeräte, die als Kopierer, Fax und Scanner gleichzeitig dienen und sich reger Beliebtheit erfreuen. Wenn man die einmal bei richtigem Lichteinfall gesehen hat, packt man die nie wieder an, sondern nutzt seine Befugnisse gnadenlos aus und schickt Auszubildende vor.

Wäre jedenfalls besser. Aber ich bin ja nicht so. Ich fasse ja - zwangsweise - auch Originalunterlagen an, die unsere Kundschaft uns mitunter einreicht und bei deren Ansicht man sich sofort Gummihandschuhe wünscht. Vielleicht hat die Digitalisierung doch was Gutes, denn jetzt muss im Regelfall die Scanstelle da durch.

Heute habe ich kein Foto für dich euch.

Seid dankbar dafür.



Montag, 8. März 2021

Es bricht mir ja fast das Herz, aber...

Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich haben schon vor geraumer Zeit das Fitnessstudio gewechselt. Das Studio ist ein kleines, jahrzehntelang bestehendes Unternehmen und wird von Frauke und Friederike, Mutter und Tochter geführt. Daher rührt auch der Name: Eff-Eff. Die Geschichte hierzu erzähle ich ein anderes Mal. Natürlich ist man hier auch von der Schließung sehr getroffen.

Kurz nach der Bekanntgabe der letzten Beschlüsse hinsichtlich einer Öffnung aus dem Lockdown erreichte uns die Nachricht unseres Fitnessstudios:





Es bricht mir ja fast das Herz es sagen zu müssen, aber der Optimismus scheint mir zu früh zu sein. Mit einer baldigen Öffnung würde ich jedenfalls nicht rechnen, wenn ich mir die Entwicklung und Rahmenbedingungen so anschaue. Und selbst wenn eine Öffnung erfolgen sollte: In ein Fitnessstudio würde ich in nächster Zeit trotz aller Hygienekonzepte nicht zum Gerätetraining gehen. Zumindest nicht, bis ich geimpft bin.

Wir können das Eff-Eff nur unterstützen, indem wir monatlich weiter unseren Beitrag zahlen. Das verkraften wir. Von den Novemberhilfen haben die bislang (Stand Februar) noch keinen Cent gesehen. Die monatlichen Unkosten laufen in fünfstelliger Höhe weiter.

Ich hoffe, sie überstehen das.


Samstag, 6. März 2021

Und dann war da noch die Sache mit dem Kartoffelschäler

Tanja hatte natürlich nicht nur für Sven (theoretisch) und mich (praktisch) Frikadellen gebraten, sondern auch für den Eigenbedarf. Das reduzierte zwar den auf mich entfallenen Anteil, aber da will ich mal großzügig sein.

„Zu den Frikadellen wollte ich mir zu Hause auch noch Kartoffeln mit Möhren (Bäh! Anm. d. Red.) machen.“ wurde ich aufgeklärt. „Aber ich hatte keinen Kartoffelschäler. Also bin ich eben losgegangen und habe mir einen besorgt. Funktioniert hat das aber überhaupt nicht.“

Was schon irgendwie eine Kunst ist.

Haben Sie mal überlegt, die Kartoffeln mit Schale zu essen? Machen wir immer, sofern die Schale nicht so fies dick ist.“

„Ähm, da hätte man ja drauf kommen können. Oder sie kochen wie Pellkartoffeln, dann ginge das ja auch einfacher mit dem Schälen.“

Ja, für einen Plan B scheint mir das akzeptabel zu sein.

„Ich habe dann versucht, die Kartoffeln so wie meine Mutter das immer macht zu schälen. Mit dem kleinen Messer.“

Ein Pittermesser, wie man in meiner Heimat zu sagen pflegt. Ich ahne arges.

„Da ist bestimmt nur ein Viertel von den Kartoffeln übrig geblieben.“

Betrachten wir das mal als kleine stilistische Übertreibung Tanjas. Ich setzte auf die Hälfte.

„Dann bin ich noch zu meinen Eltern gefahren und habe meiner Mutter den Schäler überlassen. Wissen Sie, was die sagte?“

Ähm, nein. Aber ich bekomme Angst.

„Warum ich denn einen Spargelschäler gekauft habe?“

Was allerdings eher unpraktisch gewesen sein dürfte.

„Jetzt habe ich den alten Kartoffelschäler von meiner Mutter geschenkt bekommen. Die braucht ihn ja ohnehin nicht.“

Ende gut, alles gut.

Ist es nicht schön, wie sie langsam die Welt entdecken?!




Mittwoch, 3. März 2021

Frikadellen

Frikadellen, auch bezeichnet als Fleischklopse, Fleischpflanzerln, Buletten, Rundstücke oder Hackbällchen. Die Basis einer gesicherten Ernährungsgrundlage. Mein Lieblingsessen. Gut, eines meiner Lieblingsessen, aber im Falle einer spontan erforderlichen Auflistung einiger Beispiele aus besagter Kategorie doch immer ganz vorne mit dabei. Und auf jeden Fall zuerst genannt.

Tanja, meine Ex-Azubinette und nunmehrige ganz frische Co-Moderatorin Ausbilderin in unserem kleinen gemütlichen Büro inmitten der Stadt, hat ihre erste Wohnung bezogen. Sven und ich lagen ihr, wie zuvor schon ganzen Generationen von Auszubildenden, Anwärtern, Bachelor und auch ausgelernten Kollegen mit unserem penetranten Wunsch nach Frikadellen im Ohr. Und wie kann man die erste eigene Küche denn besser einweihen als mit der Zubereitung von Frikadellen für die Lieblingskollegen? Eben!

„Ich habe ja meistens für meine Eltern gekocht, als ich noch bei ihnen wohnte, aber Frikadellen habe ich noch nie gemacht.“

Ja, das ist traurig. Diese Worte musste ich schon seinerzeit von Frau Schlüter vernehmen, als sie ebenfalls ankündigte, die Produktion von Bürofrikadellen aufnehmen zu wollen.

„Aber ich trau mich jetzt daran.“

Eine sehr gute Entscheidung.

„Bevor ich die mitbringe, muss mein Vater aber probieren, ob die lecker sind.“

Ebenfalls nicht verkehrt. Man will ja kein Versuchskaninchen sein.

Der große Tag war gekommen. Sehr zum Leidwesen von Sven, denn der befand sich im Homeoffice und durfte nebenbei die Homeschooling-Aktivitäten seines Stiefsohnes überwachen, welchen er eher nur so semi-begeistert nachging. Da war dann nichts mit Büro-Frikadellen. Zumindest nicht für ihn. Um so mehr sollten dann für die wirklich Bedürftigen verbleiben. Also für mich. Dennoch ließ Tanja ihn per Telefon wissen, dass es solche heute geben würde. Mit der Folge, dass er sie fernmündlich in durchaus zutreffender Weise als Sadistin titulierte.

Pech. Warum vergnügt der Herr sich auch zu Hause, während ich jeden Tag den lebensgefährlichen Weg inmitten der Seuche auf mich nehme, um meine Präsenz im Büro wahrzunehmen? Kritische Infrastruktur, da kann kommen was wolle. Einer muss immer ran, um das Land am Laufen zu halten. Also ich. Und deswegen bekomme ich Frikadellen und Sven nicht. Vom Ökoklaus ganz zu schweigen, den ich im Laufe der letzten 13 Monate nur einmal gesehen habe, als er sein technisches Equipment für das Homeoffice abgeholt hat, seitdem als "die Stimme aus dem Telefon" auftritt und einige unserer neuen Kollegen noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen hat.

Doch zurück zu den wichtigen Dingen.

„Herr Paterfelis, Sven hat gerade gesagt, es gäbe viele Varianten, Frikadellen zuzubereiten. Es würde auch etwas ausmachen, ob man Schweinehack, Rinderhack oder Lammhack verwendet. Und es gäbe auch Leute, die würden Maggi in ihre Frikadellen tun.“

„Ja, von der Maggi-Variante habe ich auch schon  mal was mitbekommen. Wenn man es etwas kultivierter angeht, nimmt man aber statt Maggi besser Liebstöckel. Das hört sich mehr nach guter Küche an.“

Tanja und die Azubinette waren sich dahingehend einig, dass sie von Liebstöckel noch nie gehört hatten. Womit wir wieder bei der legendären Folge der Simpsons wären, in welcher Marge Simpson beim Einkaufen ein zu erwerbendes Regal mit Platz für acht Gewürze sieht und bemerkt, dass dann ja wohl einige doppelt da rein müssten. Homer baut ihr dann ein solches, wie ich es nicht hätte besser machen können.

Also erklärte ich, was Liebstöckel ist und zählte noch zahlreiche Variationen auf, in welcher sich Frikadellen anfertigen ließen. Es begann ganz profan mit der Ergänzung der Hackvarianten um Putenhack, dazu dann die Würzbasierungen a la Mama, also die Fertigwürzmischung aus der Tüte für Hackbraten aber auch auf Basis von Zwiebeltütensuppen Zwiebelsuppentüten Zwiebelsuppenpulver aus der Tüte, dann die Variationen mit eingeweichten Brötchen, Toast oder Paniermehl, mit Kräutern und Gewürzen wie Majoran und Petersilie, mit zuvor mit Himbeersauce mariniertem Hackfleisch, der Beimengung von Reis, Haferflocken oder Kichererbsen, der Nutzung von Tabasco, Liquid Smoke oder Teriyaki-Sauce und nach einigen weiteren Aus- und Einlassungen sowie Erklärungen, der Nutzung von Pfanne oder Backofen und schlussendlich auch der Verwendung von geriebenem Parmesan.

„Wozu dient denn der geriebene Parmesan?“

Dem Geschmack. Einfach nur dem Geschmack.“

„Sie und Sven könnten ja ein Frikadellen-Kochbuch schreiben.“

Diese voller wahrhaftiger Ehrfurcht ausgesprochenen Worte lassen sich natürlich zweifelsohne nur als zutreffend beschreiben. Doch gibt es dabei ein Problem.

Vermutlich, aber damit wird man nicht reich und berühmt. Also belassen wir es mal dabei.“

Gut, auf den Ruhm kann ich gut verzichten, besteht doch die Hauptintention meines Lebens immer noch im Kern darin, vom Rest der Welt in Ruhe gelassen zu werden. Mit potentiellem Reichtum hingegen könnte ich mich durchaus in gewisser Weise anfreunden. Zumindest aber würde ich mich nicht aktiv dagegen wehren.

Die Erstlingswerke wurden schließlich bei nächster Gelegenheit intensiv getestet und für gut befunden.













Etwas salzarm – typisch für die ersten Versuche – aber durchaus genießbar. Und immerhin nicht der Klassiker aus der Tüte. Obwohl ich auch diesen nicht verschmähe und hin und wieder mal zubereite. Manchmal brauche ich das auch.

Doch warum werden die Vielzahl der selbst gemachten Frikadellen in so einer kleinen Größe hergestellt? Ich bevorzuge schon größere Exemplare, angebraten bis kurz vor dem Verbrennen. Wegen der Röstaromen und dem Knuspergefühl auf der Zunge. Ihr wisst schon.

Hoffe ich jedenfalls.



Samstag, 27. Februar 2021

IT

Mit der uns zur Verfügung gestellten IT sind wir im LASA in keinster Weise zufrieden. Zumindest nicht wir, die an vorderster Front damit umgehen müssen. Alles ist langsam, fehleranfällig, nicht anwenderfreundlich, wenig übersichtlich. Alleine schon das Programm, mit dem wir seit einiger Zeit unsere Briefe erstellen, ist eine vollkommene Katastrophe. Will man an einer Stelle eines Formulartestes irgend etwas ergänzen oder ändern, weil es auf den Sachverhalt einfach nicht passt, kann ich den Text nicht verwenden und muss entweder alles komplett frei formuliert erstellen. Oder ich muss ein zweites Schreiben an den gleichen Adressaten erstellen, mit dem ich meine weiteren Wünsche oder was auch immer formuliere. Mit etwas Glück kommen beide Schreiben in den gleichen Briefumschlag. Aber nur, wenn die Technik das gerade mitmacht. Ansonsten gibt es halt zwei Mal Post vom gleichen Absender.

So ist das eben in den 2020er Jahren. Zumindest bei uns.

Sven hatte aus Gründen ein Telefonat mit unserem Benutzer-Helpdesk. Später berichtete er mir von der Kernaussage.

„Der Typ vom Helpdesk meinte schließlich, dass ich, wenn ich hier Hardware aus dem Fenster schmeißen will, selbiges bitte vorher schließen möge, damit kein vorbeilaufender Kunde getroffen wird.“

Der IT-Mensch sitzt in einem Hochhaus mit entsprechend stabilen Fenstern.

Ich halte jede Wette, dass die Fenster unserer Außenstelle einem fliegenden Drucker nicht Stand halten würden.

Der Praxistest bleibt abzuwarten.

Bald...

Samstag, 20. Februar 2021

Homeschooling

Die Jahre im Büro kommen und gehen, Damit einhergehend gibt es auch ein gewisses Maß an Fluktuation von Mitarbeitern im Büro, welche dann zu ersetzen sind. Seit Beginn dieses Blogs haben viele der damals namentlich aufgeführten Kollegen das Haus verlassen. Unsere Außenstelle wurde vor 20 Jahren eingerichtet, und ich bin von Anfang an dabei gewesen. Die beiden Fachbereiche, welche auf unserer Etage angesiedelt sind, haben eine Sollstärke von ungefähr 30 bis 40 Personen. Das schwankt immer wieder mal. Aus der Zeit, als ich mein Zelt dort aufgeschlagen habe, gibt es nur noch eine weitere Kollegin im aktiven Dienst. Alle anderen aus jenen Tagen sind schon lange weg. Die meisten haben gekündigt oder sind entlassen worden, einige wurden versetzt oder weggelobt, und tatsächlich haben wir drei Mal mehr Tote zu beklagen als Kollegen, welche die Altersrente erreicht haben.

Einer der neuen Namen ist Frau Meier. Frau Meier ist ihres Zeichens ehemaliges Nordlicht, Sachbearbeiterin und war vor vielen Jahren schon mal bei uns. Ich durfte sie zu Ihrer Ausbildungszeit als Anwärterin betutteln. Danach wurde sie in einer anderen Außenstelle eingesetzt, verschwand einige Jahre in Elternzeit und ist nun zu uns zurückgekehrt. Sie zeigte sich angemessen entsetzt, dass ich ihr noch ein Foto präsentieren konnte, welches sie in ihrer damaligen schwarzen Zeit zeigte: schwarze Kleidung, schwarze Haare, schwarze Seele. Heute präsentiert sie sich in einem natürlichen rot-blonden Farbton und ansonsten auch eher unauffällig.

Eine Freundin von ihr, welche stolze Mutter von drei Kindern ist, benennt diese als das A-Team, als da sind Anja, Andreas und Andrea. Frau Meier konnte dem Team-Gedanken nicht widerstehen.

„Dann sind meine wohl das Z-Team.“ erklärte sie mir mal.

„Das Z-Team?“

„Ja. Die Zicke und der Zerstörer.“

Elternglück. Mir genügt die Katzenbande.

Es war der Mittwoch vor dem ausgefallenen Karnevals-Faschings-Fastnachtstreiben, als Frau Meier sich für den Rest der Woche nach Hause verabschiedete.

„Ich würde ja viel lieber arbeiten kommen.“ meinte sie im Türrahmen stehend mit sichtbar gequältem Gesicht.

„Ich bin jetzt dran mit Homeschooling. Morgen ist in der Schule die Kinderkarnevals-Faschings-Fastenabends-Party über Zoom. Und heute muss ich mit dem Zerstörer dafür noch einen Tanz einüben. Es wird so schrecklich.“

In mir regte sich ein gewisses Maß an Mitgefühl.

Wieviele Flaschen Sekt brauchen Sie, um das zu überstehen?“

„Oh, das geht eigentlich. Ich vertrage nicht viel; nach einer halben Flasche merke ich nichts mehr.“

Dann besteht ja noch Hoffnung.

Sonntag, 14. Februar 2021

Vorjahressorgen

Rebecca ist aus der Elternzeit zurückgekehrt und wird nun von mir wieder für die Büroarbeit fit gemacht. Natürlich läuft das alles – wie üblich - parallel zu meiner normalen Arbeit, diversen Zusatzarbeiten, welche mir aufgedrückt wurden, und nicht zuletzt der Bespaßung einer neuen Azubinetten.

Wir philosophierten über den Ausfall des diesjährigen Karnevals-Faschings-Fastnachtstreibens, welches bei uns im Büro eher weniger Folgen hat, denn mit wenigen Ausnahmen wurde nicht viel veranstaltet. Menschen mit lustigen albernen Hütchen und seltsamer Kleidung waren hier immer schon deutlich in der Minderheit. Außerdem würde ich an den üblichen Höhepunkten der tollen Tage endlich mal nicht in einem eingesifften und vollgekotzten Zug nach Hause fahren müssen, was auch durchaus seinen Wert hat.

„Hach, vor einem Jahr hatte ich ganz andere Sorgen.“

Da war das Baby noch ganz frisch.

„Die Kleine hatte da eine Schreiphase. Ich wollte sie ja umtauschen, aber mein Mann meinte, das Hinterlegen in einer Babyklappe würde genügen.“

Da musste noch was kommen. Und dem war auch so.

„Ich habe ihm dann gesagt habe, dass sein Plan nicht funktionieren könne, weil die Kleine mittlerweile zu groß dafür sei. Da brummelte er nur, dass es wohl ausreiche, einen Teil von ihr da reinzustecken, um den Willen erkennbar zu machen.“

Ähm, ja.

Mittlerweile sieht die Sache wohl ein wenig anders aus, denn ich hörte von bitteren Tränen, welche Rebecca vergossen hatte, als sie mal einen Tag lang mit Nadja unterwegs war und die Kleine alleine bei Ihrem Mann gelassen hatte. Der erste Tag ohne sie. Die erste kurzzeitige Trennung.

Dem Vernehmen nach hat er auch nichts an ihr kaputt gemacht.




Freitag, 12. Februar 2021

Steine! Wir brauchen mehr Steine!

Ist es denn so schwierig darauf zu achten, dass die Haustür ins Schloss gefallen ist?

Ach, was rege ich mich darüber überhaupt noch auf? Es gibt ja auch noch genügend andere Themen, die zum gepflegten Eskalieren taugen.




Freitag, 5. Februar 2021

Eine Ansprache im Geiste

Werte Nachbarn,

Sie sind eingezogen. Das ist schön. Mehr oder weniger. Es konnte erwartet werden. Wäre auch zu schön gewesen, wenn es anders gelaufen wäre.

Natürlich macht es Geräusche, wenn man sich in einer Wohnung einrichtet. Gar keine Frage. Bohren, saugen, Dinge schieben. Kein Problem. Das geht vorbei. Mit einem Hammer hantieren auch. Ganz bestimmt. Da mache ich mir keine Sorgen.

Aber man muss innerhalb der Wohnung befindliche Treppen nicht auf den Hacken rauf- und runterlaufen, geschweige denn Rennen. Oder das alles mit Holzpantinen an den Füßen veranstalten. Zumindest hört es sich so an. Bis in den Keller. Das geht auch leise. Ihre Vorgänger haben wir nie gehört, wenn sie sich innerhalb der Wohnung aufgehalten haben. Bei Ihnen – beide Etagen – können wir jederzeit lokalisieren, wo Sie sich gerade aufhalten. Problemlos.

Das gilt auch Sie, Frau Nachbarin, wenn Sie morgens aufstehen und aufs Klo müssen. Sie müssen den Toilettendeckel nicht doppelt gegen die Wand donnern. Der hält auch so, wenn man ihn anlehnt. Ganz bestimmt. Einfach mal versuchen.

Bei der Gelegenheit: Entgegen Ihrer Aussage verlassen Sie nicht FRÜH das Haus. Und Sie kommen auch nicht SPÄT wieder zurück.

8 Uhr ist nicht FRÜH.

18 Uhr ist nicht SPÄT.

Aber trotzdem muss man die Haustür nicht zuknallen lassen.

Besonders begeistert sind wir auch nicht, wenn direkt zu Beginn hier alles möglich geändert werden soll, was einen Beschluss der Hausgemeinschaft erfordert. Früher war das einfach. Da wohnten alle Eigentümer hier und man sprach sich ab. Heute wohnen nicht mehr alle Eigentümer hier. Alles läuft über die neue Hausverwaltung. Und die nimmt für jeden abzustimmenden Beschluss außerhalb der regulären Eigentümerversammlung Geld. 50 Euro. Man kann auch mal Dinge abwarten. Kein Problem. Echt nicht. Man nennt es „Geduld aufbringen“. Müssen Sie mal versuchen; es lohnt sich. Auf jeden Fall aber zahlt es sich aus.

Und übrigens: Der Restmüll gehört nicht in die Biotonne, auch wenn diese leer ist und die Restmülltonne gerade voll. Umgekehrt kann man es mal machen. Aber nicht in dieser Reihenfolge.

Ausgediente Lampen sind Elektroschrott. Elektroschrott ist nix Restmüll.

Und noch etwas: Ja, Styropor gehört in die Wertstofftonne. Haben Sie auch brav gemacht. Und damit die beiden Tonnen bis über den Rand ihrer Kapazitäten gebracht. Es stört ja auch überhaupt nicht, dass die Dinger erst wieder in zwei Wochen geleert werden. Mit etwas Nachdenken wäre Sie auf die Überlegung gekommen, das Styropor in normalen, durchsichtigen Mülltüten zu lagern und bei der Abholung bei den Tonnen zu platzieren. Das wird dann kostenlos mitgenommen, machen Sie sich da mal keine Sorgen. Jetzt aber können wir zwei Wochen lang riechen, wo der stinkende wiederverwertbare und ebenfalls in die gelben Tonnen gehörende Haushaltsmüll lagert. Sein Sie dankbar, dass gerade nicht Sommer ist. Das hält die Insekten im Zaum.

Boaaah ne, Leute. Einfach mal bis über die Nasenspitze hinaus denken. Ihr seid doch nicht gerade bei Mama ausgezogen.

Ich werd’ hier noch wahnsinnig.


Mittwoch, 3. Februar 2021

Entspannung

Die Reaktionen der Kundschaft auf bestimmte Erfordernisse der öffentlichen Verwaltung sind mitunter – befremdlich. Lebensfern. Manchmal aber auch verständnisvoll. Und Dankbarkeit für unser Handeln erfahren wir auch. Natürlich thematisieren wir untereinander immer mal wieder Abweichungen von der Norm. Und irgend jemand kommt garantiert zu dem Fazit, nachdem jeder Mensch anders sei.

Natürlich ist es wichtig, dass jeder Mensch anders ist.“ schloss ich den Themenbogen wieder mit einer auf etwas niedrigerem Niveau angelegten Messlatte ab. „Wenn alle Menschen so wären wie ich, dann wäre die Welt perfekt. Aber auch langweilig.“

Tanja hatte hierzu noch eine Anmerkung.

„Herr Paterfelis, wenn alle Menschen so wären wie Sie, dann wäre die Welt wesentlich entspannter.“

Nein, entspannt bin ich ganz und gar nicht.

Ich tu nur so.

Aber das wohl erfolgreich.

Sonntag, 31. Januar 2021

Sie ist wie sie ist

Die Zeit verging, und wie üblich selten geworden arbeiteten Tanja, Rebecca und ich ruhig vor uns hin. Das Radio dudelte. Ich glaube, das steht seit Anbeginn meiner Zeiten hier in der Höhle im Schicksalsberg an diesem Platz, aber es lief so gut wie nie. Zumindest seit Mandy nicht mehr hier im Raum sitzt. Erst seit den Zeitpunkt als es darum ging, einen orangefarbenen Hamster aus seinem Bau zu entfernen, hatte ich es wieder regelmäßig in Betrieb genommen. Tatsächlich in erster Linie wegen der Nachrichten und weniger wegen der Musik. Immerhin gibt es diesen unsäglichen Gute-Laune-Moderator nicht mehr. Wohl aber wird weiterhin dieses Lied aus der Hölle gespielt. Und dieses nicht minder schlimme, in meinen Ohren tatsächlich Schmerz verursachende Lied auch: *klick mich*

Dabei durfte ich dann auch feststellen, dass meine Mitmenschen augenscheinlich auch in hochbrisanten Zeiten nicht so wirklich an aktueller Berichterstattung interessiert sind, denn fast immer wenn sich eine mutmaßlich interessante Meldung ankündigte, stand irgend jemand an meinem Tisch und hat mich angetextet, klingelte ein Telefon anhaltend, fing ein Drucker an zu arbeiten (seit Einführung des doppelseitigen Drucks bei uns wurde das noch zeitintensiver als vorher) oder aber es fuhr ein extra langer Güterzug vorbei. Mit Gegenverkehr. Die Welt und ich – zwei Dinge, die wohl nie so richtig zusammenkommen.

Wenn wir aber schon beim Stichwort „kommen“ sind: Es kam wie es kommen musste. In Form von Frau Schlüter, welche uns auf dem Weg irgendwohin freundlicher Weise eben die Tageszeit sagen wollte.

„Oh, Sie haben ja jetzt Ihr Radio an.“

Rebecca mischte sich direkt ein.

„So ohne Radio geht es doch hier nicht. Ich habe das auch immer an.“

Doch, geht es wohl. Aber damit gehöre ich wohl auch zu einer aussterbenden Art. Denn missen kann ich es im Büro durchaus auch weiterhin.

„Bei uns unten warte ich auch immer sehnsüchtig, bis es viertel vor vier ist. Dann mache ich es bei mir auch endlich an.“

Klar, Frau Schlüter arbeitet ja auch mit Kundenverkehr. Da ist das mit dem Radio natürlich eher schlecht. Und zur genannten Uhrzeit ist die Kundschaft weg. Da kümmert sich Frau Schlüter um den deutlich wichtigeren Teilaspekt ihrer Funktion: dem Führen der Statistiken.

„Letztens habe ich, als alle weg waren, mal so richtig aufgedreht und zu Wolfgang Petri Headbanging gemacht.“

Was bestimmt mit der Mähne durchaus eindrucksvoll ausgesehen haben dürfte.

„Da kam auf einmal Herr Holzmann rein und wollte sich auf dem Weg nach draußen eben noch verabschieden. Der hat entgegen seiner sonstigen Gewohnheit nur kurz ‚Tschüss‘ gesagt und ist dann abgezogen. Jetzt denkt er bestimmt, dass ich vollkommen durchgeknallt bin.“

Irgendwie ein naheliegender Gedanke...



Mittwoch, 27. Januar 2021

Kuchen und so

Raissa hatte Geburtstag. Ein Vierteljahrhundert plus Eins ist sie geworden. Wie den letzten verbliebenen Leser aus der guten alten Zeit dieses Blogs eventuell noch bekannt sein könnte, habe ich mit dem ganzen Rummel, der um solche Daten im Kalender gemacht wird, nicht so viel zu tun. Dennoch ließ es sich Raissa nicht nehmen, mir ein Stück ihres selbst gebackenen Schokoladenkuchens an den Tisch zu bringen. Da kann man ja nicht nein zu sagen.

Der Klang der sich öffnenden Aufzugstüren erreichte mich, welcher durch das Geräusch fest auftretenden Schuhwerks abgelöst wurde. Seit Maria in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist und auch Frau von Weißenfels hier nicht mehr ihr Unwesen treibt, kann es nur noch eine geben, welche derart ihr Erscheinen ankündigt:

Frau Schlüter!

Nicht mal Augenblicke später schob sich ein mittelgroßes Geschenkpaket in unser Büro, gefolgt von einer nicht unimposanten weiblichen Oberweite und einer weiter oben befindlichen dunklen Haarmähne. Japp, Theorie bestätigt.

„Schönen guten Morgen! Ach Mist, hier bin ich ja verkehrt.“

Stimmt auffallend, denn Raissa sitzt jetzt ja woanders.

Frau Schlüter machte auf dem Absatz kehrt, als ich mich in die Gefahr begab, welche dazu neigt einen umzubringen. Vielleicht. Weiß man ja nicht so genau. Ich rief Frau Schlüter etwas hinterher.

Frau Schlüter, das Geschenk für mich wäre jetzt aber nicht nötig gewesen.“

Mein bodenloser Leichtsinn wurde direkt bestraft. Frau Schlüter kam zurück.

„Herr Paterfelis, SIE würden ja auch ein Paket von mir bekommen, wenn Sie denn endlich mal sagen, wann Sie Geburtstag haben.“

Aus der Nebenrichtung war Tanjas Stimme zu vernehmen.

„Stimmt, von Ihnen kenne ich das Datum ja auch nicht.“

Sehr richtig. Und das Datum steht auch nicht auf der öffentlich zugänglichen Geburtstagsliste, was hoffentlich so bleibt.“

Staatsgeheimnis Nummer Eins sozusagen. Wobei ich zumindest aus meinem Jahrgang kein Geheimnis mache, aber aus den weiteren schmutzigen Details.

„Sehen Sie, Herr Paterfelis, darum gibt es auch kein Geschenk. Und jetzt gehe ich mir Kuchen holen.“

Kennen Sie eigentlich den großen Unterschied zwischen uns, Frau Schlüter?“

„?“

ICH bekam den Kuchen serviert. SIE nicht. Denken Sie mal drüber nach.“

Es war übrigen ein sehr leckerer Kuchen. Den hätte man nur noch durch Zugabe einer anständigen Menge Rum verbessern können. Aber Alkohol im Dienst – nö, das machen wir nicht.

Auch, wenn es hier manchmal im Suff vermutlich durchaus besser zu ertragen wäre.


Sonntag, 24. Januar 2021

Sie ist wieder da

Es war ruhig in der Höhle im Schicksalsberg. Tanja und ich arbeiteten vor uns hin, als eine länger nicht mehr gehörte aber dennoch vertraute Stimme die Stille unterbrach.

„Schönen guten Morgen.“

Rebecca stand in der Tür.

Nein! Ich dachte immer, Frl. Hasenclever hätte mich nur verarscht. War wohl nichts, du bist ja wirklich wieder da.“

Ich grinste Rebecca an, die frisch aus der Elternzeit kommend unser Büro betreten hatte.

„Ja, bin ich. Und endlich wieder mal in diesem Büro hier.“

Nach mehr als einjähriger Abwesenheit dürfte so einiges bei ihr eingerostet sein. Und auch den bei uns erfolgten Digitalisierungsschub hat Rebecce nur so ganz am Rand mitbekommen, bevor ihre Auszeit losging. Also ist es an mir, ihre ersten Schritte nach der Rückkehr zu begleiten. Das kam dann doch eher überraschend, denn aufgrund einer kurzfristigen Entscheidung wichtiger Persönlichkeiten soll Rebecca nun doch wieder bei uns eingesetzt werden. Und - wenn die Eingewöhnung von Rebeccas Kind in der Kita gut läuft - auch ohne zweite Runde Elternzeit.

Dann ist es mit der heiligen Ruhe hier wohl vorbei.“seufzte ich.

Zumindest stand das zu befürchten. Und ich würde niemanden finden, der bei einer potentiellen Wette dagegen hält. So bekloppt kann keiner sein.

„Ich habe meinem Mann erzählt, dass ich schon mal bei dir saß. Damals, als wir unsere Hochzeit geplant haben. Der meinte nur ‚Das hat er alles mitbekommen?‘. Und er lässt dir sein tiefes Mitgefühl ausrichten.“

Männer verstehen sich eben, auch wenn sie sich noch nie gesehen haben.

„Jetzt kann ich nur noch Kindergeschichten erzählen.“

Reicht auch.

Etwa zwei Stunden waren vergangen, als Herr Holzmann hereinkam, um Rebecca ebenfalls willkommen zu heißen. Die üblichen Floskeln wurde ausgetauscht, als Rebecca erwähnte, dass sie ja schon mal bei mir gesessen habe. Das war mein Stichwort.

Herr Holzmann, können sie sich eigentlich vorstellen wie es ist, wenn eine Frau an dem Schreibtisch gegenüber sitzt, die ihre Hochzeit plant?“

„Da habe ich so den Hauch einer Ahnung.“

Ja. Beneidenswert. Ich aber habe das Wissen.

Und auch ohne Hochzeitsplanung wurden in den zwei Stunden ihrer Anwesenheit hier mehr Worte gewechselt als sonst in einer ganzen Woche.

Wieso immer ich?

Wie würde es Frl. Hasenclever ausdrücken?

„Sie sind der Seniorsachbearbeiter. Das gehört zu Ihrem Job.“

Dafür bekomme ich ja auch eine etwas höhere Vergütung. Aber warum drängt sich mir jetzt wieder der Begriff „Schmerzensgeld“ auf?


Donnerstag, 21. Januar 2021

Erwartungen

„Na, Herr Paterfelis. Sie arbeiten jetzt seit einem Jahr mit unserem digitalen Aktensystem. Was sagen Sie denn dazu?“

„Herr Abteilungsleiter, das System hat meine Erwartungen in jeder Beziehung erfüllt.“

Meine Erwartungen waren, dass es langsam, unübersichtlich und wenig anwenderfreundlich sein wird. Aber das wollte der Herr Abteilungsleiter schon nicht mehr wissen.



Sonntag, 17. Januar 2021

Zwillinge

Raissa arbeitet an ihrer Karriere. Sie nimmt an einer zweijährigen hausinternen Fortbildung teil und wird dann im Idealfall bei uns als Sachbearbeiterin eingesetzt. Die Veranstaltung findet jeweils ganztägig an einem Tag in der Woche in der LASA-Hauptverwaltung in Bad Husten statt. Insgesamt wird sie zwei Jahre damit beschäftigt sein. Normalerweise, denn die Pandemie wirft natürlich auch mit unseren Aus- und Fortbildungen einiges durcheinander. Auf jeden Fall aber muss sie die Arbeit von fünf Tagen nun in vier Tagen schaffen, denn umfangreiche Vertretung für die Zeiten ihrer Abwesenheit ist aufgrund der ohnehin dünnen Personaldecke nicht zu schaffen. Das bedeutet natürlich, dass sie die zusätzliche Belastung, mit mir zusammen unsere Auszubildenden zu bespaßen, nicht auch noch schaffen kann. Also hat sie nach drei Jahren der Zusammenarbeit den Platz bei mir im Zimmer, der Höhle im Schicksalsberg, geräumt.

An ihre Stelle ist Tanja getreten. Tanja hat ihre Ausbildung erst letztes Jahr abgeschlossen und benötigt ebenfalls noch Zeit und Erfahrung, um diese Aufgabe wirklich stemmen zu können. Unter dem Strich wird sie bei mir noch einiges dazulernen müssen. Im Doppelpack mit einem der für Anfang Februar bei mir angekündigten Auszubildenden. Sie weiß schon, wie es bei mir zugeht, denn vor einem Jahr zu dieser Zeit hat auch sie für einige Monate unter meiner Fuchtel verbracht. Und so kamen wir natürlich auch ins Reden.

„Herr Paterfelis, wissen Sie eigentlich, dass ich eine Zwillingsschwester habe?“

Jetzt schon.“

„Ja aber die ist so ganz anders als ich.“

Ach, dann ist Ihre Schwester also die Nette?!“

„Boaaaahhh!“

Nun, diesen Schlachtruf hat sie schon von Frl. Hasenclever gelernt. Ich bin also guter Dinge.


Sonntag, 10. Januar 2021

Laden, zielen, Feuer frei

Nein, wir sind nicht mehr bei Herrn Holzmann und seiner Affinität zu schweren Waffen. Es geht viel mehr mal wieder um die Verteidigung der Wohnhöhle.

Mittwoch hatte Einstein den letzten Einsatz des Bodenschleifgerätes zum wie angekündigt Abschluss gebracht. Am Donnerstag war am Vormittag Radau im Treppenhaus zu vernehmen. Nach Auskunft der zweitbesten Ehefrau von allen war Einstein damit beschäftigt, das Gerät durch das Treppenhaus nach draußen zu wuchten, was durch nur mäßigen Einsatz seines Geschickes wohl auf eher wenig elegante Weise geschah. Das Treppenhaus sah danach jedenfalls aus wie Sau. Unter aller Sau, um es genau zu sagen. Davon konnte ich mich selbstpersönlich überzeugen, als ich nachmittags nach Hause gekommen war.

Die zweitbeste Ehefrau von allen stand spürbar wieder kurz vor dem Platzen.

„Mal sehen, ob er den Dreck noch wegmacht. Wenn ich gleich höre, dass er das Haus verlässt und das hier immer noch so aussieht, renne ich hinterher und schnappe ihn mir.“

Ja, da möchte man nicht in der Haut des potentiellen Opfers stecken. Ist meine Angetraute doch in der Tendenz ansonsten eher pazifistisch eingestellt, hat sie mich im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen doch wiederholt nach dem aktuellen Lagerort meines Baseballschlägers gefragt. Vermutlich würde ich mit etwas Glück gegenwärtig sogar meinem dauerhaft gehegten Wunsch nach einer benzinbetriebenen Kettensäge mit extra langem Blatt erfüllt bekommen, wenn ich diese nur sachgerecht zum Einsatz brächte – wobei sachgerecht zur Zeit ein durchaus dehnbarer Begriff sein dürfte.

Es wurde 20.00 Uhr. Wir hatten weder die Tür der über uns gelegenen Wohnung als auch die des Treppenhauses gehört. Allerdings vermochten wir uns auch beide nicht vorzustellen, dass sich Einstein immer noch vor Ort befände. Also begab ich mich in die Kälte, warf einen Blick in den zur Wohnung gehörenden Carport und durfte feststellen, dass sein dort sonst abgestellter Wagen und auch der Anhänger, mit dem er seine Gerätschaften transportierte, verschwunden waren. Also hat er sich doch geräuschlos aus dem Haus geschlichen, was ihm sonst zuvor noch nie gelungen war. Hinterlassen hat er dafür das Chaos im Treppenhaus.

Damit war der Punkt erreicht, an dem es keine Rückkehr mehr gibt. Der letzte Tropfen war gefallen; das Fass war übergelaufen. Ich begab mich an den Rechner und grub die Mailadresse des Investors aus, welcher die Wohnung über uns gekauft hatte. In einem längeren Text beschrieb ich die Zustände und bedauerte vor allen Dingen die mangelnde Kommunikation. Ich ließ durchblicken, dass das (nur vorgeschobene, denn ich mache das nicht) Arbeiten im Homeoffice (Erinnerung: Wir haben Pandemie und Lockdown, da könnte man ja mal von alleine darauf kommen, dass es Menschen gibt, die das machen) mit erforderlichen Telefonaten und Videokonferenzen spürbar mit dem ganzen Lärm erschwert sei und dass man bei vorherigem Bekanntsein der Arbeiten durchaus auch meinerseits einige zuvor vereinbarte Termine hätte verschieben können. Und selbst bei purer Freizeitgestaltung in der eigenen Wohnhöhle sei ein Verlassen derselben möglich gewesen, was im Lockdown jedoch so spontan nicht ganz so einfach wäre. Zumindest nicht, wenn man sich außerhalb über Stunden irgendwie beschäftigen müsse. Darüber hinaus bemängelte ich, dass mir weiterhin jeglicher Ansprechpartner in der Sache unbekannt sei, da ich ja noch nicht wisse, wer dafür verantwortlich zeichne – er als Eigentümer oder der mir weiterhin unbekannte neue Mieter. Auf jeden Fall aber würden wir die kurzfristige Beseitigung des hinterlassenen Drecks erwarten.

Da war Adrenalin im Blut, und durchaus am ganzen Leib zitternd schickte ich die Mail ab.

Freitags kam ich an frühen Nachmittag nach Hause. Die zweitbeste Ehefrau von allen zeigte sich planmäßig abwesend, so dass ich keine Zwischenmitteilung über eventuelle Ereignisse des Tages erhalten hatte. So öffnete ich die Haustür. Mich umschmeichelte ein frischer Zitrusduft und ein – überwiegend, aber nicht in allen Details – glänzendes Treppenhaus. Geht doch.

Auf dem Rechner fand ich die Antwortmail des Investors vor. Offenkundig schnell runtergetippt aber verbindlich in der Aussage und im angemessenen Tonfall und Ausdruck des Bedauerns.

Eine weitere Mail stammte von dem Inhaber des Handwerksbetriebes, welcher alle Schuld auf sich nahm, die Erfordernisse und Lage der obigen Arbeiten darstellte, die Reinigung in Aussicht stellte und die Planung der weiteren Arbeiten darstellte.

Sehr schön, warum nicht gleich so?!

Ich nutzte die Gelegenheit der Abwesenheit meiner Angetrauten, um endlich mal wieder einen männertauglichen amerikanischen Kulturfilm anzusehen, als es klingelte. In zuletzt gut geübter Praxis schwang ich mich zur Tür und öffnete. Vor mit stand ein mir unbekannter Typ, welcher mich mit einem freundlichen „Hallo“ grüßte und erwartungsvoll anstrahlte, also ob ich ihn kennen müsste. Meine interne Datenbank abrufend konnte ich das Gesicht aber nirgends einordnen. Schließlich stellte er sich als Herr Hassenichgesehen vor. Ja, der Name war irgendwo in meinem Gedächtnis als „Hast-du-schon-mal-gehört-ist-aber-nicht-wichtig“ abgelegt. Er fragte direkt weiter, ob ich seine Mail schon gelesen habe. Ach ja, der Inhaber des Handwerksbetriebs persönlich. Niemand, der aufgrund seiner ganzen Ausstrahlung bei mir Sympathien wecken könnte. Eher so ein leicht schmieriger Vertreter-Typ, allerdings ohne Anzug.

Er entschuldigte sich nochmals wortreich für die entstandenen Unannehmlichkeiten, gab den Inhalt seiner Mail nochmal in eigenen Worten wieder und überreichte mir als kleine Entschädigung eine Falsche Wein. Noch nicht mal ein schlechter oder billiger, wie eine spätere Ermittlung im Internet ergab. Die hatte er bestimmt noch von irgend einem Mallorca-Urlaub übrig, denn die Beschriftung des Etiketts war ausschließlich in spanischer und englischer Sprache. Gut, Thema an dieser Stelle auch erledigt.

Erneut widmete ich mich dem Studium amerikanischer Lebenskultur zu, als mich kurz vor der finalen Aussage des cineastischen Werkes erneut ein Türklingeln störte. Ich hatte kurz zuvor gehört, wie ein Auto in unsere Straße eingefahren war und mutmaßte, dass es sich um die heimkehrende zweitbeste Ehefrau von allen handelte. Sie hat so ein Gespür dafür, wann es sich am nachhaltigsten lohnt, mich bei meinen fernsehlichen Aktivitäten zu unterbrechen. Aber nein, vor der Tür stand eine Dame mittleren Alters, bei der es sich eindeutig nicht um die Angetraute handelte.

Sie stelle sich als die neue Nachbarin vor, deren Name ich natürlich sofort wieder vergaß. Um mir Dinge zu merken, muss ich sie lesen. Ist einfach so. Auch sie bedauerte die unschönen Umstände, entschuldigte sich mehrfach und hoffte auf eine gute Nachbarschaft. Klar, kein Problem. Solange wir miteinander reden, ist alles im grünen Bereich. Da sehen wir unsererseits keine Probleme. Sie fragte ich, ob ich denn heute Ruhe bei der Arbeit gehabt hätte – ein klarer Hinweis darauf, dass auch sie nicht zufällig geklingelt hatte, sondern ebenfalls vom Investor einen dezenten Hinweis auf ein sich anbahnendes Problem erhalten haben müsste. Also auch hier erst mal alles in Ordnung. Die Gelegenheit beim Schopfe packend warnte ich sie direkt vor, dass die zweitbeste Ehefrau von allen als Tanz- und Fitnesstrainerin während des Lockdowns den Unterricht für ihre Kurse aus dem heimischen Wohnzimmer online übertragen würde und es daher durchaus möglich wäre, dass an zwei oder drei Tagen in der Woche Musik nach oben schallen könne. Alles kein Problem. Jegliche andere Aussage hätte mich jetzt auch sehr befremdet.

Allerdings gab es von ihr keinen Wein. Macht nichts. Wein trinken wir ohnehin nicht.


Samstag, 9. Januar 2021

Mal was ganz anderes

Erinnert sich noch jemand an Frau von Weißenfels? Viel habe ich nicht über sie berichtet. Sie ist kurz vor meiner Blogpause unsere neue Außenstellenleiterin geworden. Mittlerweile ist oder wurde sie gegangen, man weiß es nicht so genau. Ihr nunmehriges Tätigkeitsfeld befindet sich in der LASA-Hauptverwaltung in Bad Husten. Eine weiterhin leitende Funktion vermag ich in der neuen Position nicht zu erkennen, aber ich kann mich ja auch irren.

Da es keine Freiwilligen gab, welche ihre Position in Neustadt einnehmen wollten, wurde Herr Holzmann bequatscht, diese befristet einzunehmen. Auf ein Jahr hat er sich dazu bereiterklärt, keinen Tag länger.

Herr Holzmann ist für uns kein Unbekannter. Er war früher Zeitsoldat und wurde nach Ablauf seiner Dienstzeit, welche er zuletzt mit einer immer wieder geäußerten Begeisterung in Afghanistan verbrachte, bei uns als Anwärter für den gehobenen Dienst eingestellt. Im Rahmen seiner Ausbildung verbrachte er auch einige Monate unter meiner Fittiche. Er ist ein Typ. Kein unangenehmer Kerl, aber wirklich ein Typ. Unverkennbar in seiner Art. Und endlich mal mit einem ordentlichen Führungsstil. Kein ewig langes Herumgeschwalle, sondern klare und verbindliche Ansagen mit überwiegend auch nachvollziehbaren Inhalten und Hintergründen. Schnelle Entscheidungen. Und schnelles Bearbeiten der ihm vorgelegten Vorgänge. darüber hinaus unterstützt er die Sachbearbeitung unmittelbar im Rahmen seiner Möglichkeiten. Nicht so wie seine beiden Vorgängerinnen im Amt. Zumindest mein Fachbereich würde es gerne sehen, wenn er bei uns bleibt. Auf der anderen Seite des Ganges sieht man es vermutlich anders, denn Nadja, das dortige Pendant zu Frl. Hasenclever, hat nach meinem Empfinden durch sein Erscheinen einiges an Einfluss auf die Führung des Hauses verloren.

Ich werkelte an meinem Schreibtisch vor mich hin. Das Zimmer war ansonsten leer, denn Raissa hat noch Urlaub, neue Auszubildende sind erst angekündigt und ansonsten dürfen hier gerade nicht mehr Plätze besetzt werden. Ihr wisst schon – wir fahren gerade mit Abstand am Besten. Unvermutet tauchte Herr Holzmann mit einem Tablett Süßigkeiten auf.

„Bedienen Sie sich, Herr Paterfelis.“

Ich grinste ihn an.

Hach ja, bevor Sie mich schlagen.“

„Herr Paterfelis, Sie wissen doch, dass ich gegen Gewalt bin – außer mit Schusswaffen, die gehen immer.“

Sollte ich vergessen haben zu erwähnen, dass er – immer noch – Reserveoffizier in einer Panzerkompanie ist?

Dienstag, 5. Januar 2021

*** Breaking News *** Einstein lebt!

Meine Angetraute hatte etwas außerhalb der Wohnhöhle zu tun gehabt und mich bei der Gelegenheit auf dem Rückweg im Büro aufgegabelt und eingepackt. Wir waren in den letzten Zügen, einige soeben angeschleppte Dinge wegzuräumen, als es – vor wenigen Minuten - an der Tür klingelte. Wiederum war ich es, der sich in Bewegung setzte, da die zweitbeste Ehefrau von allen noch in der Küche hantierte. Einen Blick durch den Türspion ersparte ich mir, denn es konnte nur EINEN geben, der dem Klang der Türklingel sowie den bis vor nicht allzu langer Zeit noch vernehmbaren durchdringenden Geräuschen des Bodenschleifgerätes nach zu urteilen im Treppenhaus vor der Wohnungstür stand: ER! Der Typ aus dem ersten Stock! Nein, mit der neuen Nachbarin persönlich rechneten wir nicht. Und mit was? Mit Recht!

Also öffnete ich mit einem reflexartig in meinem Gesicht erscheinenden Lächeln (eine Nebenwirkung der Soziophobie) und sah vor mir – Einstein. Albert Einstein. In Handwerkerklamotten. Aber mit unverkennbarem Bart und Wuschelfrisur.

Man stellte sich als derjenige vor, welcher uns nun schon seit zwei Tagen mit Lärm beglückte und erkundigte sich, ob wir denn tagsüber zu Hause wären. Ja, meine Angetraute schon. Die hätte jetzt bestimmt unter seinen Aktivitäten gelitten? Ja, sie sei nicht sehr amüsiert gewesen. Wenn man das vorher gewusst hätte, dann wäre ja eine räumliche Umorientierung in Richtung eines weit entfernten Ortes möglich gewesen, so aber leider wohl nicht. Oh, ja, dann könne er nur dahingehend beruhigen, dass er nur noch einen Tag benötige, um das Werk zu vollenden.

Ach ja, und er habe vermutlich das Fliegengitter an unserem Fenster versehentlich beschädigt. Nö, eher nicht. Das hatte vorher schon ein größeres Loch.

Nun denn, auch wenn wohl nur der vermeintlich verursachte Schaden der Aufhänger war, um hier mal vorbeizukommen, dann hat es wohl genügt, um meine Botschaft auf freundliche Weise abzusetzen.

Die neue Nachbarin kennen wir aber immer noch nicht. Noch nicht mal ihren Namen.

Und die zweitbeste Ehefrau von allen hat sich für morgen das Auto gesichert, mit dem ich eigentlich selbst unterwegs sein wollte.

Aber irgend etwas ist ja immer.


PS: Der Typ hatte heute seinen Glückstag. Denn wenn die zweitbeste Ehefrau von allen vor mir an der Tür gewesen wäre...



Montag, 4. Januar 2021

Vom Klingeln und von Steigerungsfähigkeiten

Es klingelte am Wochenende an unserer Tür, kurz nachdem der Lärm, welcher ziemlich eindeutig von der neuen Nachbarschaft aus dem ersten Stock verursacht wurde abgeebbt hatte, an unserer Tür. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich schauten uns an. Es würde doch wohl nicht das Unfassbare geschehen? Nämlich dass man sich eventuell doch mal vorzustellen gedenkt? Schwerfällig erhob ich meinen geschundenen, nach nun doch schon aufgrund einer Nabelbruch-OP sowie anschließender Pandemie viel zu lange andauernder Unterbrechung jeglicher sportlicher Aktivitäten doch spürbar weniger trainierten irdischen Körper von unserem Monster und bewegte mich in Richtung Wohnungstür, um diese mit einem gekonnten Griff zu öffnen.

Im Treppenhaus fand sich allerdings Herr Schwiensberg, der neue Nachbar aus dem zweiten Stock vor, dessen Anwesenheit sowohl die zweitbeste Ehefrau von allen als auch ich tatsächlich nicht auf dem Schirm hatten. Der muss sich während des Radaus ins Haus geschlichen haben, sonst hätten wir es mitbekommen. Er hätte da ein paar Fragen zum örtlichen Internet-Anschluss. Jau, die moderne Technik des Hauses und darüber hinaus. Voll mein Thema. Also beorderte ich meine persönliche technische Beauftragte in Gestalt der Angetrauten zu mir, auf dass sie das Problem mit Herrn Schwiensberg erörtern konnte. Denn tatsächlich vermochte ich nicht zu mehr Umständen Auskunft geben zu können als zur Frage, über welchen Anbieter wir unseren Online-Zugang hätten.

Es entwickelte sich ein angenehmes Gespräch, während dessen es Herr Schwiensberg gelang, Punkte auf seinem bei uns geführten Konto gut zu machen. Sehr schön. Im Rahmen der Unterhaltung erzählte er, dass er der neuen Mieterin im Keller begegnet sei. Damit war er uns etwas voraus, denn wir wissen weder, wie sie heißt noch wie sie aussieht, geschweige denn, dass sie scheinbar alleine oben einzuziehen gedenke. Herr Schwiensberg meinte, es sei eine Dame mittleren Alters, also wohl etwa Mitte 40, wobei er dann doch etwas stockte und herumeierte, wusste er doch weder mich noch die zweitbeste Ehefrau von allen altersmäßig einzuschätzen und wollte es sich nicht direkt mit letzterer verderben. Nachdem diese ihn dahingehend beruhigte, dass sie selbst sich auch grob in diesem Jahrgängen befände und sich durchaus auch als im mittleren Alter befindlich ansehe, war eine gewisse Erleichterung auf Seiten des Gesprächspartners wahrlich nicht zu übersehen. Dies galt umso mehr, als dass ich bestätigten konnte, dass wir nicht kompliziert im Umgang seien und er sich über solche Bemerkungen mal keine Sorgen machen müsse.

Steigerungsfähig zeigte sich auch am heutigen Tag das Verhältnis zur neuen Nachbarschaft aus dem ersten Stock. Allerdings eher absteigend. Pünktlich am Montag um 11.30 Uhr begann man dort, mit Hilfe einer das ganze Haus erschütternden Maschine anhaltenden Krach zu machen. Lauter, intensiver und anhaltender als zuletzt. Natürlich wieder ohne Vorankündigung. Denn hätte es eine solche gegeben, wäre ich nicht ausnahmsweise mal mit Balu zur Arbeit gefahren, sondern hätte diesen der zweitbesten Ehefrau von allen überlassen, damit diese sich selbst zu ihren Eltern hätte evakuieren können. So aber fand ich, als ich nach Hause kam und schon durchaus angesäuert war, weil man es seitens der neuen Nachbarschaft nicht für nötig befunden hatte, die Haustür zu schließen, sondern aller Welt unbewachten offenkundigen Zugang zu unserem Haus zu gewährte, meine zornbebende Angetraute im Metzelsaal vor. Eine mit Sicherheit verständliche Stimmungslage. Sie erwog die Option, die im Hausanschlussraum befindliche Hauptsicherung zur obigen Wohnung zu zerstören und stellte die Frage in den Raum, ob dies in irgendeiner Form gemein wäre. Nun ja, gemein nicht, aber nach meinem Dafürhalten wären damit die Kriegshandlungen endgültig eröffnet worden.

Nun denn, genug dazu für heute. Ich sitze jetzt weiterhin auf dem Monster im Wohnzimmer, meine Angetraute auf dem Sessel im Metzelsaal, und beide versuchen wir, uns in den nur kurzen Augenblicken relativer Ruhe verbalkommunikativ zu verständigen.

Solltet ihr heute noch hier kommentieren wollen, müsstet ihr das bitte etwas lauter machen. Uns werden die Ohren wohl noch etwas nachklingeln.


Samstag, 2. Januar 2021

Jetzt aber mal ehrlich...

Alles wird anders. Zumindest steht das zu befürchten. Nein, nix jetzt wieder mit dem bösen C-Wort. Oder P-Wort. Wegen meiner auch das L-Wort. Es gibt noch andere Dinge im Leben.

Zum Beispiel neue Bewohner im Haus.

Das Elend begann mit dem tragischen Ableben Herrn Knutsens. Krebs. Aufgrund nicht durchgeführter Vorsorgeuntersuchungen zu spät entdeckt. Damit stand die Wohnung über uns zunähst mal leer. Die Erben wohnen sonst wo und haben keine eigene Verwendung für den mittleren Teil des Wohngemäuers. Unsere Befürchtung, dass einer der Enkel hier zumindest vorübergehend residiert, hat sich zerschlagen. Selbiger studiert in einer zumindest in Reichweite liegenden Großstadt, so dass die Annahme nicht ganz unbegründet schien. Der Fokus lag auf „Befürchtung“, weil wir die beiden Enkel ja nun auch schon seit ihrem zarten Jugendalter mehr oder weniger kennen, zumindest aber erleben durften. Und die seitens Herrn Knutsens im Rahmen einer Beschimpfung selbiger Nachkommen seiner Nachkommen verwendete Wortwahl, nach denen es sich bei den Burschen um „zwei ganz schlimme Lauselümmel“ handeln würde, kommt nicht von ungefähr. Er hat in dem Zusammenhang übrigens nie erfahren, dass einer der besagten Lauselümmel es sich nicht hat nehmen lassen, einst auf der Straßenseite des Hauses in unseren gut einsehbaren Garten zu pinkeln…

Später teile Herr Wolf von ganz oben unter dem Dach uns mit, dass die Knutsen-Wohnung wohl verkauft werde, und dass man selber auch zu verkaufen gedenke, um den Ruhestand in zwei oder drei Jahren dann anderen Ortes zu genießen. Dies war dann der Grund für die zweitbeste Ehefrau von allen, auch eine baldmögliche Veräußerung der eigenen Wohnung in Erwägung zu ziehen. In der Nachbarschaft einer Freundin gebe es gerade ein Haus… Ähm, nein. So schnell schießen die Preußen nicht. Zumindest ich nicht.Ist ja nicht zuletzt auch eine Geldfrage. Und eine Frage der Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und überhaupt. Ich bin bodenständig. Im Gegensatz zu meinen Schwiegereltern, welche bis zum Erwerb des eigenen Hauses dem Vernehmen nach wohl alle zwei Jahre die Wohnung gewechselt haben, weil irgend etwas nicht passte. Nach aktuellen Angaben der zweibesten Ehefrau von allen habe sich vom erste Zusammenziehen bis zum Bezug des eigenen Hauses nur um sieben Umzüge gehandelt; sie seien also nicht schlimm gewesen.

Später im Jahr erreichte uns die Botschaft Herrn Wolfs, dass die Knutsen-Wohnung an einen Investor verkauft und dann vermietet werden solle. Einer der verblieben potentiellen Käufer, von denen es eine durchaus stattliche Auswahl gab, so dass man aus ihnen auswählen konnte, habe dann von den Verkaufsabsichten Herrn Wolfs erfahren und zum Zwecke der Eigennutzung ebenfalls kaufender Weise zugeschlagen und somit die Wohnung Herrn Wolfs erworben. Alles ging etwas schneller als geplant, weil man in der zukünftigen Wohngegend der Wahl überraschender Weise fündig geworden sei.

Tja.

Damit war es auch vorbei mit dem selbst verwalteten Wohneigentum. Bislang haben wir dies in ausgesprochen harmonischer Kooperation selbst geregelt, aber mit zwei neuen unbekannten Parteien im Haus, von denen eine noch gesplittet auf Mieter und einem ziemlich weit entfernt wohnenden Vermieter ist, muss ich mir das nicht antun. Ein professioneller Immobilienverwalter war zu berufen. Und endlich tat sich wieder eine Möglichkeit auf, einen zusätzlichen monatlich Festbetrag in den bundesdeutschen Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Man weiß ja sonst nicht, wohin mit der ganzen Kohle, die zinslos auf dem Konto liegt und mit Sicherheit Patina ansetzen würde.

Die erforderlichen Abwicklungen der angekündigten Handelsvereinbarungen zogen sich aufgrund bestimmter weltweiter Einschränkungen etwas hin, aber schließlich war alles bis Dezember erledigt. Die Neuen können kommen.

Heilig Abend wurde es laut im Treppenhaus. Irgendwelche uns unbekannten Menschen schleppten Material ins Dachgeschoss sowie in den Keller, bauten daselbst geräuschvoll ein metallenes Schwerlastregel auf – und lösten bei dieser Gelegenheit aus nicht nachvollziehbaren Gründen zwei Mal den Rauchmelder aus. Über die Weihnachtsfeiertage wurde auch weiter fleißig und durchaus geräuschintensiv gewerkelt, ohne dass mal irgend jemand es für nötig befunden hätte, sich hier als neuer Mitbewohner vorzustellen. Wir konnten auch die Bewegungen innerhalb der Wohnung über die Schritte nachvollziehen. Man bedenke, dass es sich um die Wohnung im 2. Obergeschoss handelte, während unsere Wohnhöhle im Erdgeschoss liegt. So etwas hatten wir bei den früheren Mitbewohnern nicht erlebt.

Zwischenzeitlich brachten die Paketboten auch die ersten Lieferungen, welche wir für die unbekannte Nachbarschaft entgegennehmen konnten. Auch hier wäre eine Vorab-Information ja mal durchaus nett gewesen. Aber nein, wozu auch?

Zwischen den Feiertagen begannen dann Arbeiten in der Wohnung über uns. Man begann den Geräuschen nach zu urteilen den Teppich zu entfernen. Die Uhrzeiten, zu denen die Arbeiten ausgeführt wurden, sprachen nicht für eine gewerbliche Tätigkeit. Auch hier hielt man es nicht für nötig, sich mal vorzustellen oder zumindest im Briefkasten einen Information zu hinterlassen.

Ist da denn zu viel verlangt? Wir leben hier nicht in einem gigantischen Wohnblock, sondern in einem Dreifamilienhaus. Und das zur Zeit als einzige Bewohner.

Zu Neujahr klingelte es. Oh, die neuen angehenden Mitbewohner von ganz oben. Dem Dialekt nach Nordlichter. Ok, immerhin ein kleiner Pluspunkt. Und es gab eine Schachtel Pralinen. Nicht die billigen vom Discounter, sondern schon etwas bessere Ware. Der persönliche Eindruck war immerhin auch nicht verkehrt, aber das Konto ist noch im Minus. Harren wir der Dinge. Der Einzug ist für Mitte Januar geplant.

Heute schließlich waren wieder Geräusche zu vernehmen. Der unmittelbar neben dem Haus befindliche Carport wurde befahren, was ein eindeutiger Hinweis auf das Vorhandensein des neuen Mieters in der Wohnung über uns sein sollte. Wiederum wurde im Treppenhaus etwas geschleppt; weiteres Material in Form von Balkonmöbeln (sinnvoll) und eines gerahmten Bildes (zum jetzigen Zeitpunkt???) steht nunmehr seit einigen Stunden außen vor dem Haus neben der Eingangstür. Kann man vielleicht verstehen, muss man aber nicht. Und wiederum kein freundlicher Hinweis, wer man sei. Was man aber oben macht, ist durchaus vernehmbar. Die letzten Reste des Teppichs werden mit maschineller Hilfe entfernt. Gut, das ist legitim. Aber trotzdem…

Zu guter Letzt habe ich die Handynummer unserer neuen Verwalterin in meine Kontaktliste des Handys Smartphones eingegeben und mir mal das hübsche Bildchen angesehen, welches sich beim geschäftlich genutzten Messenger finden lässt.

Es zeigte die ziemlich herausgeputzte Dame mit Kippe in der Hand angeschmiegt an den ebenfalls Kippe tagenden Herrn Gemahl, während dieser gut sichtbar seine Hand dazu verwendet, den Hintern seiner Gattin fest zu halten. Im Kommentarfeld gab es dazu ein Herzchen.

Ich glaube, ich bin zu alt für diese moderne Welt.