Während Frl. Hasenclever und Rebecca bei uns im kleinen
gemütlichen Büro am Rande der Stadt, gemeinhin auch bekannt als die Höhle im
Schicksalsberg, aus unterschiedlichen Gründen innehielten, stellte die
Bachelorette eine für ihre weitere Integration in unserem Team sehr wichtige Frage:
„Sagen
Sie mal, gibt es hier eigentlich Vegetarier?“
Bevor Raissa und ich auch nur Luft holen konnten, gab
Rebecca die einzige richtige Antwort auf diese Frage: „Nein, Fleisch ist unser
Gemüse.“ Eine Aussage, in der sie durch Frl. Hasenclever nach Kräften
unterstützt wurde. Denn schließlich ist Fleisch bekanntlich eine streng
biologische Veredelung von jeglichem Grünzeug, also quasi der finale verzehrbereite
Zustand eines Gemüses.
„Das ist gut, denn dann werde ich zu meinem Einstand, wenn
ich meine eigene Zuständigkeit bekomme, Frikadellen mitbringen. Selbstgemachte
natürlich.“
Was ich als eine sehr gute Entscheidung empfunden habe.
„Mal sehen, ob ich das hinbekomme.“
Oh, da muß ich den Papabär in mir mal wieder rauslassen.
„Natürlich bekommen
Sie das hin. Frikadellen kann man übrigens auch hervorragend im Ofen machen.
Das stinkt nicht so und Sie sauen ihre neue Küche nicht so ein. Außerdem
schaffen Sie so mehr auf einmal.“
„Habe ich ja noch nie gehört. Danke, das versuche ich dann
mal.“
Nach diesem Geschehnis vergingen noch einige kurze Wochen,
bis der große Tag da war: Nach monatelanger Arbeit, einem harten Sommer und
einem ebensolchen Herbst entließ ich meine Bachelorette in die Wirklichkeit
unseres Arbeitslebens. Sie würde den Arbeitsplatz sowie im Wesentlichen die
Vorgänge von Frau Kuchenbäcker übernehmen, die nunmehr seit fast anderthalb
Jahren erkrankt ist und mit deren Rückkehr bei uns niemand mehr rechnet.
Die Bachelorette verab…. Ähm, halt. So geht das
nicht.
Da die Bachelorette seit Monaten keine solche mehr ist,
schließlich hat sie ihre Prüfung schon seit dem Sommer in der Tasche, und
nunmehr zu unserem festen Personalstamm zählt, ist es an der Zeit, ihr auch
hier im Blog einen Namen zu geben. Ich taufe sie also feierlich auf den Namen „Frau
Schlüter“. Irgendwie muß sie ja heißen, damit die Bezeichnung „Bachelorette“
hier auch mal wieder für einen neuen Schützling frei wird. Wenn denn mal wieder
einer bei mir aufschlägt.
Frau Schlüter also verabschiedete sich am Freitag, nachdem
sie ihren neuen Platz seit ein paar Tagen eingenommen hatte, mit den Worten, daß
ich am Dienstag, wenn ich während der weiteren Inanspruchnahme von
Resturlaubstagen des Jahres 2017 dennoch zum Spielenachmittag im Büro erscheinen
werde, gefälligst Hunger mitzubringen habe. Sie gedenke ihr Versprechen
wahrzumachen und uns mit Frikadellen zu versorgen.
Schon machte sich in mir der Gedanke an ein Frikadellengebirge
breit, und auch Raissa bekam glänzende Augen.
„Ich werde zwei Kilo Hack verarbeiten.“
So sprach Frau Schlüter und entschwand in den Feierabend.
Raissa und ich sahen uns entgeistert an.
Zwei Kilo Hack. Frikadellen für eine zweistellige Zahl an
Mitarbeitern. Darunter Frl. Hasenclever und Ludwig. Und ich natürlich. Den Ökoklaus wollen wir auch nicht vergessen. Das ist eine Herausforderung. Und und zwar für unsere Selbstbeherrschung, wenn jeder was bekommen soll.
Vermutlich werde ich wohl doch vorher einen größeren Imbiss
zu mir nehmen.
Also sie zeigt sich ja durchaus viel versprechend.
AntwortenLöschenAllerdings, mengenmäßig ist sie noch etwas fehlerhaft sozialisiert.
Oh ja, ich bin durchaus angetan. Und was Haushaltsführung angeht, beginnt sie jetzt bei uns auch richtig zu lernen. So konnten wir ihr vermitteln, daß auch ganz normale Brötchen vom Bäcker eingefroren werden können, falls mal Reste angefallen sind. So gesehen gibt es von uns das Rundum-Sorglospaket. :-)
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