Freitag, 5. Februar 2021

Eine Ansprache im Geiste

Werte Nachbarn,

Sie sind eingezogen. Das ist schön. Mehr oder weniger. Es konnte erwartet werden. Wäre auch zu schön gewesen, wenn es anders gelaufen wäre.

Natürlich macht es Geräusche, wenn man sich in einer Wohnung einrichtet. Gar keine Frage. Bohren, saugen, Dinge schieben. Kein Problem. Das geht vorbei. Mit einem Hammer hantieren auch. Ganz bestimmt. Da mache ich mir keine Sorgen.

Aber man muss innerhalb der Wohnung befindliche Treppen nicht auf den Hacken rauf- und runterlaufen, geschweige denn Rennen. Oder das alles mit Holzpantinen an den Füßen veranstalten. Zumindest hört es sich so an. Bis in den Keller. Das geht auch leise. Ihre Vorgänger haben wir nie gehört, wenn sie sich innerhalb der Wohnung aufgehalten haben. Bei Ihnen – beide Etagen – können wir jederzeit lokalisieren, wo Sie sich gerade aufhalten. Problemlos.

Das gilt auch Sie, Frau Nachbarin, wenn Sie morgens aufstehen und aufs Klo müssen. Sie müssen den Toilettendeckel nicht doppelt gegen die Wand donnern. Der hält auch so, wenn man ihn anlehnt. Ganz bestimmt. Einfach mal versuchen.

Bei der Gelegenheit: Entgegen Ihrer Aussage verlassen Sie nicht FRÜH das Haus. Und Sie kommen auch nicht SPÄT wieder zurück.

8 Uhr ist nicht FRÜH.

18 Uhr ist nicht SPÄT.

Aber trotzdem muss man die Haustür nicht zuknallen lassen.

Besonders begeistert sind wir auch nicht, wenn direkt zu Beginn hier alles möglich geändert werden soll, was einen Beschluss der Hausgemeinschaft erfordert. Früher war das einfach. Da wohnten alle Eigentümer hier und man sprach sich ab. Heute wohnen nicht mehr alle Eigentümer hier. Alles läuft über die neue Hausverwaltung. Und die nimmt für jeden abzustimmenden Beschluss außerhalb der regulären Eigentümerversammlung Geld. 50 Euro. Man kann auch mal Dinge abwarten. Kein Problem. Echt nicht. Man nennt es „Geduld aufbringen“. Müssen Sie mal versuchen; es lohnt sich. Auf jeden Fall aber zahlt es sich aus.

Und übrigens: Der Restmüll gehört nicht in die Biotonne, auch wenn diese leer ist und die Restmülltonne gerade voll. Umgekehrt kann man es mal machen. Aber nicht in dieser Reihenfolge.

Ausgediente Lampen sind Elektroschrott. Elektroschrott ist nix Restmüll.

Und noch etwas: Ja, Styropor gehört in die Wertstofftonne. Haben Sie auch brav gemacht. Und damit die beiden Tonnen bis über den Rand ihrer Kapazitäten gebracht. Es stört ja auch überhaupt nicht, dass die Dinger erst wieder in zwei Wochen geleert werden. Mit etwas Nachdenken wäre Sie auf die Überlegung gekommen, das Styropor in normalen, durchsichtigen Mülltüten zu lagern und bei der Abholung bei den Tonnen zu platzieren. Das wird dann kostenlos mitgenommen, machen Sie sich da mal keine Sorgen. Jetzt aber können wir zwei Wochen lang riechen, wo der stinkende wiederverwertbare und ebenfalls in die gelben Tonnen gehörende Haushaltsmüll lagert. Sein Sie dankbar, dass gerade nicht Sommer ist. Das hält die Insekten im Zaum.

Boaaah ne, Leute. Einfach mal bis über die Nasenspitze hinaus denken. Ihr seid doch nicht gerade bei Mama ausgezogen.

Ich werd’ hier noch wahnsinnig.


6 Kommentare:

  1. Denken ist illegal geworden.

    Könnte man meinen, wenn man bedenkt, wie sparsam manche Leute damit umgehen.

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  2. lieber Paterfelis,
    na, ! da scheint ja bei euren N e u z u g ä n g e r n sämtliches Bewusstsein als MITBEWOHNER einer Wohngemeinschaft/Anlage/Hausgemeinschaft zu fehlen...
    ist dafür nicht die Hausverwaltung zuständig in irgendeiner Form für Abhilfe zu sorgen?????
    wie lange wollt Ihr das anstehen lassen Euch dazu zu "äußern" denn nix gesagt heißt: ! : °°° das dulden und akzeptieren wir....
    einfach nur gräßlich und schimpfen ändert NICHTS an der Gesamtlage dass da Rücksichtslose eingezogen sind.
    ich habs ja gleich gesagt, die passen so gar nicht zu Euch..
    und lustig ist das längst schon nicht mehr.
    ich hoffe sehr IHR müsst nun nicht ständig mit diesem Ärgernis und ähnlich Rücksichtslosem rechnen.
    herzlich Angelface.

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    1. Die Frage der Fehlwürfe in den Mülltonnen und der nicht verschlossenen Haustür (siehe nächster Eintrag) wurden zwischenzeitlich zur Zufriedenheit erörtert. Bei den überladenen Wertstofftonnen sollte sich die Erkenntnis von alleine aufdrängen, dass der Plan da nicht ganz so toll war, denn die Nachbarn sind ja auch aktuell selber Opfer ihrer selbst. Auch die Sache mit dem Klodeckel hat sich inzwischen von alleine gegeben. Das laute Laufen auf der Wohnungstreppe überlassen wir zunächst mal der Dame über uns, denn die wohnt näher dran und dürfte noch mehr vom Krach mitbekommen. Und was künftige Umlaufbeschlüsse angeht, die nicht dringend sind, werden wir uns einfach sperren, dann ist die Sache auf jeden Fall bis zur nächsten Eigentümerversammlung vom Tisch. Tatsächlich bin ich zuversichtlich, was gewisse Dinge angeht.

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