Sonntag, 30. September 2018

Vorstellungen, Staffel 3, Teil 7 - Der Wurm steckt einfach drin

Die zweitbeste Ehefrau von allen nimmt ihren Termin beim orthopädischen Alt-Arzt wahr.  Am Empfang hat sich eine Schlange gebildet. Ein Typ drängt sich vorbei, er sieht es nicht ein, zu warten, er müsse nur eine AU-Bescheinigung abholen.

Die Mitarbeiterin am Empfang verweist ihn wieder auf das Ende der Schlange. Auch er müssen warten, auch andere „hätten nur mal eben…“. Nein, er bleibt dabei, daß er nicht zu warten habe, das alles nicht einsieht und überhaupt. Es wird laut am Empfang. Der Alt-Arzt erscheint, erkundet die Sachlage, verweist den Typen ebenfalls auf das Ende der Schlange. Nein, das käme weiterhin nicht für ihn in Betracht. Der Alt-Arzt bleibt hart und verweist ihn schließlich der Praxis, so daß der Typ wutentbrannt das Gebäude verlässt. Die Empfangsmitarbeiterin wusste zu berichten, daß er früher schon so aufgetreten sei. Wenn der Praxis-Nachfolger seinen Auftritt mitbekommen hat, wurde er immer direkt mit ins Sprechzimmer gebeten und hat bekommen, was er wollte. Da sei der Alt-Arzt konsequenter drauf.

Es passt ins Bild.

Im Behandlungszimmer beim Alt-Arzt bemerkt dieser bei einem Blick seinen Monitor, daß Besuche bei seinem Nachfolger von der zweitbesten Ehefrau von allen abgelehnt werden.

„Will ich wissen, was mein Kollege wieder gemacht hat?“

„Nein, besser nicht.“

Im Gegensatz zu seinem Praxis-Nachfolger sieht er sich die Aufnahme aus dem MRT auch tatsächlich selbst  an und erkennt ebenfalls sofort, daß man damit nichts anfangen kann. Er veranlasst, daß neue Aufnahmen angefertigt werden und vergrößert auch den gewünschten Bildausschnitt. Wieder werden einige Wochen ins Land gehen, bis ein Termin für das MRT steht. Der nächste Termin beim Orthopäden wird dann am Folgetag sein. Bis dahin wird die Lage unverändert bleiben.

Frl. Hasenclever erscheint mit einer als Sommergrippe titulierten Erkältung im Büro. Als ihre treue rechte Hand stecke ich häufiger den Kopf mit ihr zusammen, um organisatorische Dinge zu erörtern. Das hat gereicht, um mich anzustecken. Danke dafür. Ich werde später tatsächlich zwei Tage zu Hause bleiben, weil es nicht mehr anders geht.

Der angekündigte Anruf der Krankenkasse bleibt aus, dafür erhalte ich am Mittwoch, den 18.07. einen Brief der Firma Katzenfels, in dem sie ihren Besuch bei mir zu Hause für den 25.07. ankündigen. Natürlich wieder zu einer wenig arbeitnehmerfreundlichen Uhrzeit, irgendwann zwischen 8.00 und 10 Uhr. Um 8.00 Uhr bin ich normalerweise schon seit mindestens zwei Stunden am Arbeiten. Aber egal, ich will jetzt dabei sein und kündige im Büro für diesen Tag mein verspätetes Erscheinen an. Es ist kein Problem, allerdings bin ich wegen der doch – für meine Verhältnisse – gehäuften Ausfälle der letzten Zeit sowie der bereits feststehenden Ausfälle in den nächsten Wochen ziemlich genervt. Die Arbeit macht sich auch nicht von alleine, und noch habe ich auch die abenteuerliche und bereits jetzt absehbar vollkommen sinnlose Wiedereingliederung des Herr Harnischfeger an der Backe.

Dienstag werde ich, nachdem ich kurze Zeit geschlafen habe, mit Ohrenschmerzen wach. Zudem ist das Ohr zugeschwollen. Ich stehe auch, werfe den Rechner an und prüfe, wo sich hier in der Gegend Ohrenärzte befinden, welche sich der Sache zu entsprechender Uhrzeit annehmen könnten. Denn das, was ich da spüre, ist doch etwas zu heftig, als daß ich es entsprechend meiner sonstigen Gewohnheit zunächst wegignorieren könnte.

Während ich am Rechner hocke, kommt die zweitbeste Ehefrau von allen von ihrem letzten Kurs nach Hause zurück. Sie ist erkennbar erstaunt, daß ich nicht im Bett bin, und schaut sich nach kurzer Erläuterung der Umstände mein Ohr an.

„Nein, da warten wir nicht bis morgen. Es läuft Eiter aus. Wir fahren zur Notfallambulanz.“

Interessant, was sich in so kurzer Zeit entwickeln kann. Aber die Serie, die sich hier entwickelt, ist nicht mehr lustig. Zusätzlich wird meine sportlose Zeit weiter verlängert. Ich wage schon fast gar nicht mehr daran zu denken, wie ich da wieder einsteigen soll.

Die Sache mit der Notfallambulanz bzw. der Notfallpraxis ist hier sehr schön geregelt. In dem Krankenhaus, in dem ich auch mit der Lungenentzündung gelegen hatte, befindet sich neben der Notaufnahme auch die Notfallambulanz, welche von der örtlichen Ärzteschaft im Bereitschaftsdienst betrieben wird. Gut zu erreichen. Und in einem sinnvollen Austausch mit der Notaufnahme des Krankenhauses. In beide Richtungen.

Es ist noch mehr als warm draußen. Am Tag hatten wir die 39 Grad-Marke erreicht. Die Hitzewelle ist da.

Im Krankenhaus melde ich mich am Empfang und schildere mein Begehr. Der Mitarbeiter erklärt, daß die Notfallambulanz bereits geschlossen sei und ich mich zur Notaufnahme begeben möge. Eine so früh geschlossene Notfallambulanz ist mir neu, es ist noch weit vor Mitternacht. Die hatte mal bis fünf Uhr morgens geöffnet.

Die Umbauarbeiten der Notaufnahme sind inzwischen abgeschlossen.  Die neue Notaufnahme ist sehr offen und irgendwie freundlich gestaltet. Der Wartebereich ist leer, am dortigen Empfang wuselt eine Mitarbeiterin offenkundig jedoch höchst beschäftigt herum, während sie immer wieder im rückwärtigen Bereich verschwindet. Freundlich erklärt sie, daß es noch etwas dauern könne, sie aber schon mal abfragen wolle, was mich zur Notaufnahme führt. Ich erkläre den Sachverhalt. Sie sagt, daß das wohl eher ein Fall für die Notfallambulanz wäre, was ich aus meinem Ermessen durchaus auch so sehe, aber die sei bereits geschlossen.

Man zeigt sich etwas erstaunt, meint, der Arzt sei noch da und greift direkt zum Telefon. Es wird abgenommen und vereinbart, daß man mich noch rüberschicken könne, es sei überhaupt kein Problem.

Auch in der Notfallambulanz ist es ruhig. Niemand wartet. Der Arzt, ein freundlicher älterer Herr, seines Zeichens niedergelassener Chirurg, nimmt sich meiner direkt an. Während er die Untersuchungen vornimmt, erweist er sich als durchaus gesprächig, scherzte herum, erzählt von seiner Enkelin, die ihn ohne weiteres schon jetzt um den Finger wickeln könne. Kürzlich habe sie ihren Schnuller irgendwo verlegt. Der Opa habe ihn zu suchen. Und natürlich hat auch der Opa später daran Schuld gehabt, daß sie jetzt weiter ohne Schnuller sei, denn er sei es schließlich gewesen, der den Schnuller trotz Suche nicht gefunden habe.

Alle gleich.

Es wird eine Mittelohrenzündung diagnostiziert. Ich bekomme ein Antibiotikum verordnet. Die Notdienstapotheke befindet sich ebenfalls in nicht allzu weiter Entfernung und hat das verordnete Mittel auch nach vorheriger telefonischer Abklärung vorrätig. Ein Glied greift hervorragend ins andere. Das ist meine Vorstellung von einer Notfallbehandlung.

Ich nehme noch ein paar Stunden Schlaf mit und gehe am nächsten Tag wieder zur Arbeit.



4 Kommentare:

  1. Oooh da ist es. Was hab ich damals alles überlegt? *nachschau*

    Auf Grund der Vorgeschichte Behandlung abgelehnt: check
    Randaliert: check - im weitesten Sinne zwar, aber wie sollte man "nach mehrmaliger Aufforderung immer noch nicht seinen Platz in der Schlange einnehmen" kurz umschreiben?

    Und schön das Alt-Dok von seinem Ersatz-Dok so begeistert ist. *lol* Vielleicht versucht er ihn ja noch ein wenig zu erziehen... seine Nochhelferinnen werden es ihm danken.

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