Freitag, 28. September 2018

Vorstellungen, Staffel 3, Teil 5 - Gespräche

Die Krankenkasse unterhält in Neustadt ein Kundencenter. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich beschließen, es aufzusuchen. Aus terminlichen Gründen war es ursprünglich vorgesehen, daß die zweitbeste Ehefrau von allen auch dort ohne mich aufschlägt, aber die Umstände haben es anders möglich gemacht.

Wir begeben uns zunächst in das nächstgelegene Parkhaus, welches schon älteren Datums ist. Die Parkbuchten sind eng und für die heute üblichen Autos mitunter sehr knapp bemessen. Für uns ist es an sich kein Problem, unseren Balduin da ordentlich unterzubringen, was aber dennoch erfordert, daß der Rest der in diesem Parkhaus weilenden Menschheit ihre Dreckskarren ordentlich abstellt.

Eine aberwitzige, ja geradezu absurde Vorstellung. Der durchschnittliche SUV-Fahrer benötigt eben zwei Parkplätze und untermauert dies, indem er den Trennstreifen zwischen zwei Standard-Parkplätzen als Mittellinie für sein Gefährt nutzt und ebenso mittig darauf parkt.

Es gibt viele SUVs und ähnliche dimensionierte Fahrzeuge in  Neustadt.

Schließlich findet sich einer der noch wenigen freien Plätze. Hier ist es aber nicht möglich, den Wagen hinzustellen und so zu stehen, daß Fahrer- und Beifahrertür gleichzeitig geöffnet werden können. Auch nicht nacheinander, denn das hätte wieder erfordert, zu rangieren. Ich steige also vor Abstellen des Wagens aus, währen die zweitbeste Ehefrau von allen ihn bestmöglich parkt. Doch selbst das hat zur Folge, daß der Parkbachbar mit seinem etwas breiter geratenen Wagen nicht mehr hätte einsteigen können.

So beschließe ich, alleine zum Kundencenter zu gehen und die zweitbeste Ehefrau von allen für den Fall der Fälle bei Balduin zu lassen. Die von mir zuvor für sie ausgestellte Vollmacht, nach der sie den Termin im Kundencenter auch alleine hätte wahrnehmen können, verbleibt im Auto. Wozu hätte ich sie auch mitnehmen sollen?

Der nächstgelegene Aufzug des Parkhauses hatte seinen Dienst aufgegeben, so daß ich mich in Richtung Treppenhaus begebe. Auf dem Weg finde ich einen schönen Parkplatz mit anständigen Parknachbarn. Also dirigiere ich die zweitbeste Ehefrau von allen hierhin, damit sie mich letztendlich doch begleiten könne. Auch wenn ich mich durchaus in der Lage sehe, derartige Gespräche wie das Anstehende ergebnisorientiert und sicher alleine zu führen, scheint mir ihre Anwesenheit hier doch sinnvoll zu sein, da sie den vorherigen Termin mit der Firma Katzenfels aufgrund des eigenen Erlebens besser wiedergeben kann als ich.

Im Kundecenter ist es angenehm temperiert, während die anstehende Hitzewelle draußen bereits erste Auswirkungen zeigt. Doch noch sind wir nicht soweit, daß wir den Sommer 2018 mit Temperaturen um 40 Grad auch nur erahnen können. Das Überschreiten der 30 Grad-Marke in diesen Tagen reicht uns vollkommen aus.

Wir müssen nicht lange warten und werden zum Gesprächsplatz gerufen. Die Mitarbeiterin ist sehr freundlich. Ich eröffne das Gespräch und leite dann zur zweitbesten Ehefrau von allen über. Mit hochgezogener Augenbrauch, Mr. Spock nicht unähnlich, nimmt sie das Geschehen zur Kenntnis. Ich betone, daß ich nicht zu der Sorte Mensch gehöre, der jetzt unbedingt genau das verordnete Gerät haben will, sondern ein Gerät, mit dem ich klarkomme. Mir ist auch egal, ob die weißen Tabletten aus der Apotheke plötzlich gelb gefärbt sind.

Sie ruft beim zuständigen Sachbearbeiter an, erklärt ihm die Situation und leitet einen Ausdruck der abfotografierten Verordnung per E-Mail weiter. Der Sachbearbeiter werde sich mit uns telefonisch in Verbindung setzen. Wir äußern den Wunsch, daß der Rückruf sinnvoller Weise auf dem Handy der zweitbesten Ehefrau von allen erfolgen soll, da ich im Büro eben nicht immer so gut erreichbar wäre.

Die Mitarbeiterin der Krankenkasse erklärt leicht angespannt, daß es dazu eventuell notwendig sei, eine Vollmacht zu erteilen. Die neue Datenschutzgrundverordnung eben.  Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich grinsen nur breit. Ich erkläre, wo ich arbeite, die zweitbeste Ehefrau von allen schildert ihre ureigensten Probleme als Selbständige im Zusammenhang mit dieser Absurdität. Schon bei der Nennung meines Arbeitgebers entspannt die Mitarbeiterin der Krankenkasse sichtbar und schaltet ihre ohnehin schon bislang nicht zu beanstandende geschäftsmäßige Freundlichkeit noch eine Stufe höher. Sie berufsmäßige Vergeschwisterung ist offensichtlich.

Natürlich schlage ich innerlich mit dem Kopf auf die Tischplatte, liegt die gewünschte Vollmacht doch auf dem Armaturenbrett im Auto. Ok, wir verabschieden uns, während ich noch eben ankündige, eben jene Vollmacht in einigen Minuten in den Hausbriefkasten zu werfen. So weit ist der Fußweg jetzt ja auch wieder nicht.

Insgesamt entspricht der Besuch in dem Kundencenter genau meinen Vorstellungen. Eine endgültige Lösung hatte ich noch nicht erwartet, aber zumindest ist weiter Bewegung in der Sache.

Am nächsten Tag, also freitags, erfolgt der angekündigte Rückruf des Sachbearbeiters. Nach Angabe der Firma Katzenfels sei man in der Sache in Klärung. Nach Aussage des Sachbearbeiters sei dies eine bekannte Ausrede des Unternehmens, man habe häufiger Probleme mit ihnen. Ein neuerlicher Rückruf bei uns werde dann erfolgen, sobald man weiter sei.

Wir harren der Dinge.




2 Kommentare:

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