Die Krankenkasse unterhält in Neustadt ein Kundencenter. Die
zweitbeste Ehefrau von allen und ich beschließen, es aufzusuchen. Aus
terminlichen Gründen war es ursprünglich vorgesehen, daß die zweitbeste Ehefrau
von allen auch dort ohne mich aufschlägt, aber die Umstände haben es anders
möglich gemacht.
Wir begeben uns zunächst in das nächstgelegene Parkhaus,
welches schon älteren Datums ist. Die Parkbuchten sind eng und für die heute
üblichen Autos mitunter sehr knapp bemessen. Für uns ist es an sich kein
Problem, unseren Balduin da ordentlich unterzubringen, was aber dennoch
erfordert, daß der Rest der in diesem Parkhaus weilenden Menschheit ihre
Dreckskarren ordentlich abstellt.
Eine aberwitzige, ja geradezu absurde Vorstellung. Der
durchschnittliche SUV-Fahrer benötigt eben zwei Parkplätze und untermauert
dies, indem er den Trennstreifen zwischen zwei Standard-Parkplätzen als
Mittellinie für sein Gefährt nutzt und ebenso mittig darauf parkt.
Es gibt viele SUVs und ähnliche dimensionierte Fahrzeuge
in Neustadt.
Schließlich findet sich einer der noch wenigen freien
Plätze. Hier ist es aber nicht möglich, den Wagen hinzustellen und so zu stehen,
daß Fahrer- und Beifahrertür gleichzeitig geöffnet werden können. Auch nicht
nacheinander, denn das hätte wieder erfordert, zu rangieren. Ich steige also
vor Abstellen des Wagens aus, währen die zweitbeste Ehefrau von allen ihn
bestmöglich parkt. Doch selbst das hat zur Folge, daß der Parkbachbar mit
seinem etwas breiter geratenen Wagen nicht mehr hätte einsteigen können.
So beschließe ich, alleine zum Kundencenter zu gehen und die
zweitbeste Ehefrau von allen für den Fall der Fälle bei Balduin zu lassen. Die
von mir zuvor für sie ausgestellte Vollmacht, nach der sie den Termin im
Kundencenter auch alleine hätte wahrnehmen können, verbleibt im Auto. Wozu
hätte ich sie auch mitnehmen sollen?
Der nächstgelegene Aufzug des Parkhauses hatte seinen Dienst
aufgegeben, so daß ich mich in Richtung Treppenhaus begebe. Auf dem Weg finde
ich einen schönen Parkplatz mit anständigen Parknachbarn. Also dirigiere ich
die zweitbeste Ehefrau von allen hierhin, damit sie mich letztendlich doch
begleiten könne. Auch wenn ich mich durchaus in der Lage sehe, derartige
Gespräche wie das Anstehende ergebnisorientiert und sicher alleine zu führen,
scheint mir ihre Anwesenheit hier doch sinnvoll zu sein, da sie den vorherigen
Termin mit der Firma Katzenfels aufgrund des eigenen Erlebens besser
wiedergeben kann als ich.
Im Kundecenter ist es angenehm temperiert, während die anstehende
Hitzewelle draußen bereits erste Auswirkungen zeigt. Doch noch sind wir nicht
soweit, daß wir den Sommer 2018 mit Temperaturen um 40 Grad auch nur erahnen
können. Das Überschreiten der 30 Grad-Marke in diesen Tagen reicht uns
vollkommen aus.
Wir müssen nicht lange warten und werden zum Gesprächsplatz
gerufen. Die Mitarbeiterin ist sehr freundlich. Ich eröffne das Gespräch und
leite dann zur zweitbesten Ehefrau von allen über. Mit hochgezogener
Augenbrauch, Mr. Spock nicht unähnlich, nimmt sie das Geschehen zur Kenntnis.
Ich betone, daß ich nicht zu der Sorte Mensch gehöre, der jetzt unbedingt genau
das verordnete Gerät haben will, sondern ein Gerät, mit dem ich klarkomme. Mir
ist auch egal, ob die weißen Tabletten aus der Apotheke plötzlich gelb gefärbt
sind.
Sie ruft beim zuständigen Sachbearbeiter an, erklärt ihm die
Situation und leitet einen Ausdruck der abfotografierten Verordnung per E-Mail
weiter. Der Sachbearbeiter werde sich mit uns telefonisch in Verbindung setzen.
Wir äußern den Wunsch, daß der Rückruf sinnvoller Weise auf dem Handy der
zweitbesten Ehefrau von allen erfolgen soll, da ich im Büro eben nicht immer so
gut erreichbar wäre.
Die Mitarbeiterin der Krankenkasse erklärt leicht
angespannt, daß es dazu eventuell notwendig sei, eine Vollmacht zu erteilen.
Die neue Datenschutzgrundverordnung eben. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich
grinsen nur breit. Ich erkläre, wo ich arbeite, die zweitbeste Ehefrau von
allen schildert ihre ureigensten Probleme als Selbständige im Zusammenhang mit
dieser Absurdität. Schon bei der Nennung meines Arbeitgebers entspannt die
Mitarbeiterin der Krankenkasse sichtbar und schaltet ihre ohnehin schon bislang
nicht zu beanstandende geschäftsmäßige Freundlichkeit noch eine Stufe höher. Sie
berufsmäßige Vergeschwisterung ist offensichtlich.
Natürlich schlage ich innerlich mit dem Kopf auf die
Tischplatte, liegt die gewünschte Vollmacht doch auf dem Armaturenbrett im
Auto. Ok, wir verabschieden uns, während ich noch eben ankündige, eben jene
Vollmacht in einigen Minuten in den Hausbriefkasten zu werfen. So weit ist der Fußweg jetzt ja auch wieder
nicht.
Insgesamt entspricht der Besuch in dem Kundencenter genau
meinen Vorstellungen. Eine endgültige Lösung hatte ich noch nicht erwartet,
aber zumindest ist weiter Bewegung in der Sache.
Am nächsten Tag, also freitags, erfolgt der angekündigte
Rückruf des Sachbearbeiters. Nach Angabe der Firma Katzenfels sei man in der
Sache in Klärung. Nach Aussage des Sachbearbeiters sei dies eine bekannte
Ausrede des Unternehmens, man habe häufiger Probleme mit ihnen. Ein neuerlicher
Rückruf bei uns werde dann erfolgen, sobald man weiter sei.
Wir harren der Dinge.
Das Abenteuer geht weiter.
AntwortenLöschenUnaufhaltsam.
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