Ich bekräftige meinen Entschluss, am Mittwoch wieder
arbeiten zu gehen und setze diesen auch erfolgreich um. Hier erfahre ich
direkt, was man aus meiner zuvor geäußerten Ankündigung, daß ich es ruhig angehen lassen muß, gemacht hat.
Frl. Hasenclever befindet sich seit Montag im geplanten
Urlaub. Er sei ihr gegönnt. Während meiner Abwesenheit hat sie sich um die
Wiedereingliederung Herrn Harnischfegers gekümmert und seine Akten geprüft. Am
Montag und Dienstag wurden zwei andere Kollegen außer der Reihe befugt,
gemeinsam ihre Vertretung zu übernehmen. Dafür hat einer der beiden seinen
eigenen Urlaub verschoben, was aber auch nur maximal eine Woche lang möglich
gewesen wäre. Allerdings sind die Akten Herrn Harnischfegers so lange liegen
geblieben.
So beginnt mein ruhiger Einstieg damit, meine eigenen
teilweise liegen gebliebenen Akten nachzuarbeiten, Frl. Hasenclever zu
vertreten und die laufenden Vorgänge sowie die Reste Herrn Harnischfegers zu
prüfen und meine neuen Fälle liegen zu lassen. Dazu gibt es direkt einige
Gespräche zu führen, welche ich aber auf die nächsten Tage verteile. Dennoch
bleibe ich meinem Vorsatz treu und arbeite keinen Tag länger als acht Stunden,
teilweise sogar weniger. Frau Schubert zeigt vollstes Verständnis und gewährt
mir alle Zeit, die ich brauche. Was liegen bleibt, bleibt liegen. Mehr würde
ich auch noch nicht schaffen, das merke ich sehr deutlich. Nadja, die während
Frl. Hasenclevers Abwesenheit in personellen Dingen meine zuständige
Vorgesetzte ist, erklärt mir, daß sie sehr nachhaltig dafür Sorge tragen wird,
daß ich das Haus pünktlich verlasse. Wobei die Ansage durchaus ein Grund gewesen
wäre, länger zu bleiben um festzustellen, wie Nadja das anstellen will.
Die Tage ziehen sich dennoch für mein Empfinden ungewöhnlich
lange hin. Die Erschöpfung ist noch da, und der Umstand, daß weder die Schlaf-
noch die Sauerstofftherapie in Fahrt kommen, wirkt hier auch nicht förderlich.
Am Donnerstag spricht ein Herr der Firma Katzenfels auf den
Anrufbeantworter. Die zweitbeste Ehefrau von allen weilt zu diesem Zeitpunkt
woanders und kann das Gespräch nicht annehmen. Man bittet mich im Rückruf im
örtlichen Büro in Neustadt. Da die Öffnungszeiten des Büros zum Zeitpunkt des Abhörens
des Anrufbeantworters bereits verstrichen sind, nehme ich diesen Punkt in meine
To-do-Liste für Freitag auf.
Am Freitag versuche ich wunschgemäß im Büro der Firma Katzenfels anzurufen. Dort ist entweder besetzt oder ein Anrufbeantworter erzählt mir nach fünfmaligem Klingeln, daß ich außerhalb der Service-Zeiten anrufe. Diese werden mir in Folge ausführlich dargestellt. Ich vergleiche die mir so bekannt gegebenen Service-Zeiten mit sämtlichen Uhren in meinem Umfeld und stelle fest, daß ich mich mit hundertprozentiger Sicherheit innerhalb des genannten Zeitrahmens befinde. Meine in Viertelstundentakt durchgeführten Versuche breche ich nach Ablauf dieser Service-Zeiten ab. Wieder ein Tag verloren.
Am Wochenende findet ein von der zweitbesten Ehefrau von allen organisierter Workshop einer auswärtigen Trainerin statt, welche auch bei uns zu Hause nächtigt. Wir kennen uns mittlerweile, denn es ist nicht die erste Veranstaltung dieser Art und wird auch nicht die letzte bleiben. Alleine in diesem Jahr sind noch mehrere geplant. Ich komme mit dem Umstand zurecht.
Dummerweise bedarf es einiger Vorbereitungen. Dazu gehört auch, daß wir einige Sitzgelegenheiten in Form von Bierzeltgarnituren heranzukarren haben. Genauer gesagt sind es vier Bänke und zwei Tische, an denen sich die Teilnehmerinnen hinsetzen und einige Schreibarbeiten erledigen können. Wir holen das Mobiliar bei meinen Schwiegereltern ab und sind wieder sehr froh, daß Balduin genug Kapazitäten hat, um diese vollständig in ihm zu verstauen. Dazu kommen noch einige Taschen und sonstige benötigte Dinge. Mein Problem ist es allerdings, daß all diese Dinge in den ersten Stock des Veranstaltungsgebäudes zu schleppen sind und auch am nächsten Tag wieder hinunterbefördert werden müssen.
Aufgrund ihrer anhaltenden Schmerzen im Fuß ist die zweitbeste Ehefrau von allen hierbei kaum eine Hilfe, also schleppe ich zumindest die Bierzeltgarnitur alleine. War dies in der Vergangenheit kaum ein Problem, bringt es mich im Moment tatsächlich an die Grenze meiner körperlichen Belastbarkeit. Ich schaffe es schließlich, fühle mich aber auch entsprechend.
Montag schließlich versucht die zweitbeste Ehefrau von allen, das Büro der Firma Katzenfels zu erreichen. Bereits nach dem ersten Klingeln wird abgenommen und meine Frau mit den Worten „Hallo Herr Paterfelis“ begrüßt. Man hatte sich dem Vernehmen nach die Nummern notiert, deren Rückruf erwartet wird. Die Telefonnummern meines Handys bzw. meines Bürotelefons gehörten eindeutig nicht dazu. Nach kurzem Bedauern der bisherigen Nichterreichbarkeit wurde ein Terminvorschlag gemacht, der aufgrund der Beendigung meiner Arbeitsunfähigkeit nicht einzuhalten ist. Tatsächlich kann ich keinen Terminvorschlag der Firma Katzenfels wahrnehmen, da die Service-Zeiten offensichtlich nicht auf die arbeitende Bevölkerung abgestimmt sind. Und es ist mir gerade nicht möglich, zu den Service-Zeiten mal eben wieder frei zu nehmen. Der Herr versucht zu klären, ob es ihrerseits irgendwie möglich sei, zu späterer Stunde am Nachmittag einen Termin zu organisieren. Er würde sich wieder melden.
Begeben wir uns wieder in die Nebenhandlung. Die zweitbeste Ehefrau von allen nimmt zwei ihrer drei bestehenden Montagskurse wahr. Den dritten hat sie bis zum Beginn der neuen Saison nach den Sommerferien, wenn sie hoffentlich wieder genesen ist, an Anne, einer Teilnehmerin des Kurses übertragen. Praktischerweise ist eben jene Teilnehmerin eine frühere Leiterin dieses Kurses – und Orthopädin. Leider arbeitet sie nicht in einer eigenen Praxis und kann somit nicht zu unserer Haus- und Hof-Orthopädin mutieren.
An diesem Tag hatte die zweitbeste Ehefrau von allen vor Kursbeginn eine Verabredung mit Anne, welche sich den Boom-Master 3000, der mobilen Musikanlage der zweitbesten Ehefrau von allen ausleihen wollte. Dieser würde für ein Wochenende durchaus entbehrlich sein, denn für die anstehenden Kurse außerhalb des Wochenendes stehen an den Veranstaltungsorten eigene derartige Anlagen zur Verfügung. Am Sonntag soll die Rückgabe erfolgen.
Natürlich besprach man den Besuch beim Orthopäden. Anne zeigte sich hellauf entsetzt, stellte die Diagnose nach Kenntnis aller Umstände massiv als kaum denkbar in Zweifel und hielt auch – wie zuvor die Mitarbeiterinnen des beauftragten Sanitätshauses, welche einige spürbare Änderungen an der Verordnung herbeiführen wollen – die Verordnung der Kompressionsstrümpfe in der vorliegenden Form für aberwitzig, ja sogar für ausnehmend unzweckmäßig und so keinesfalls als zielführend. Und das mal ganz abgesehen von der Ansage, diese 23 Stunden täglich tragen zu müssen. In weiser Voraussicht hatte die zweitbeste Ehefrau von allen eine Kopie der im MRT gemachten Aufnahmen dabei, um diese Anne zu überlassen. Diese wollte sie sich gerne ansehen und hatte bereits - wie erwartet - unaufgefordert danach gefragt. Sollte sie nicht weiterkommen, würde sie einige andere Ärzte in dem Krankenhaus, in dem sie arbeitet, nach ihren Meinungen fragen.
Irgendwie muß man ja mal weiterkommen.
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