Donnerstag, 6. September 2018

Auf alles vorbereitet

Hier noch ein Nachtrag aus der guten alten Zeit, als mir noch die Azubinette gegenüber saß, welche ja zwischenzeitlich durch die Bachelorette abgelöst wurde.



„Ich hasse die Kundschaft.“

Die Azubinette hatte soeben ein Telefonat mit einem Kunden beendet, welcher sich eher als schwer von Begriff und dazu durchaus aggressiv darstellte. Ich war doch sehr beeindruckt, wie sie mit ihrer nur geringen Berufserfahrung und dem noch jungen Alter mit der Situation umgegangen ist. Sonst eher schüchtern wirkend, hat sie ihrer Stimme am Telefon einen wirklich sehr energischen Klang verliehen. Die Wortwahl war nicht zu beanstanden und der Situation angemessen.

Sie traute sich allerdings zunächst nicht, das Gespräch ihrerseits abzubrechen, nachdem der Kunde zunehmend unsachlicher wurde – um es mal nüchtern auszudrücken. Während einer Monologphase des Anrufers deckte sie mit der Hand das untere Ende des Telefonhörers ab und fragte mich, ob sie das von mir mitgehörte Gespräch ihrerseits beenden dürfe.

Ich erklärte ihr kurz, daß es bei einem solchen Verhalten möglich sei, sie dem Kunden aber eine Chance geben müsse. Sie musste ihm einen Hinweis geben, sich zu mäßigen, da sie andernfalls das Gespräch beenden würde. Trotz meines Einverständnisses traute sie sich zunächst weiterhin nicht, aber schließlich war es soweit. Nach ihrer Ankündigung legte sie auf.

„Das ging jetzt aber schnell.“

„Der Idiot hat selber aufgelegt. Aaaaah, ich könnte um mich hauen.“

„Warten Sie, ich rufe Sven. An dem können Sie sich austoben. Er ist doch hier unser Schuldbeauftragter.“

„Nein, mache ich nicht.“

Ich halte ja auch hin und wieder mal meinen Oberarm hin, damit sich die eine oder andere Dame abreagieren kann, aber noch nicht bei der Azubinetten. Das kommt dann später erst. Außerdem habe ich nicht so ausgeprägte masochistische Tendenzen.

Als guter Vorgesetzter bin ich aber selbstverständlich auf alles vorbereitet. Ich denke nur nicht immer rechtzeitig daran. So verschwand die Azubinette in ihrer Mittagspause, als ich mich an ein Gerät erinnerte, welches mir die zweitbeste Ehefrau von allen aus bestimmten Gründen mal hat zukommen lassen.

Ich öffnete meinen Schrank und holte es heraus. Ja, alles in Ordnung und funktionsfähig. Also positionierte ich es auf dem freien Platz auf dem Schreibtisch der Azubinetten.






Als sie aus der Pause kam ermunterte ich sie, sich daran auszutoben.

Sie holte aus.

Pöck.

„Fester!“

Pöff.

„Jetzt aber mal richtig!“

BÄMM!

Na also, geht doch. Auch ohne blaue Flecken für mich.



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