„Ich hasse die Kundschaft.“
Die Azubinette hatte soeben ein Telefonat mit einem Kunden
beendet, welcher sich eher als schwer von Begriff und dazu durchaus aggressiv darstellte.
Ich war doch sehr beeindruckt, wie sie mit ihrer nur geringen Berufserfahrung
und dem noch jungen Alter mit der Situation umgegangen ist. Sonst eher
schüchtern wirkend, hat sie ihrer Stimme am Telefon einen wirklich sehr
energischen Klang verliehen. Die Wortwahl war nicht zu beanstanden und der
Situation angemessen.
Sie traute sich allerdings zunächst nicht, das Gespräch
ihrerseits abzubrechen, nachdem der Kunde zunehmend unsachlicher wurde – um es
mal nüchtern auszudrücken. Während einer Monologphase des Anrufers deckte sie
mit der Hand das untere Ende des Telefonhörers ab und fragte mich, ob sie das von
mir mitgehörte Gespräch ihrerseits beenden dürfe.
Ich erklärte ihr kurz, daß es bei einem solchen Verhalten
möglich sei, sie dem Kunden aber eine Chance geben müsse. Sie musste ihm einen
Hinweis geben, sich zu mäßigen, da sie andernfalls das Gespräch beenden würde. Trotz
meines Einverständnisses traute sie sich zunächst weiterhin nicht, aber schließlich war
es soweit. Nach ihrer Ankündigung legte sie auf.
„Das ging jetzt aber schnell.“
„Der Idiot hat selber aufgelegt. Aaaaah, ich könnte um mich
hauen.“
„Warten Sie, ich rufe Sven. An dem können Sie sich austoben.
Er ist doch hier unser Schuldbeauftragter.“
„Nein, mache ich nicht.“
Ich halte ja auch hin und wieder mal meinen Oberarm hin,
damit sich die eine oder andere Dame abreagieren kann,
aber noch nicht bei der Azubinetten. Das kommt dann später erst. Außerdem habe
ich nicht so ausgeprägte masochistische Tendenzen.
Als guter Vorgesetzter bin ich aber selbstverständlich auf
alles vorbereitet. Ich denke nur nicht immer rechtzeitig daran. So verschwand
die Azubinette in ihrer Mittagspause, als ich mich an ein Gerät erinnerte,
welches mir die zweitbeste Ehefrau von allen aus bestimmten Gründen mal hat zukommen
lassen.
Ich öffnete meinen Schrank und holte es heraus. Ja, alles in
Ordnung und funktionsfähig. Also positionierte ich es auf dem freien Platz auf
dem Schreibtisch der Azubinetten.
Als sie aus der Pause kam ermunterte ich sie, sich daran
auszutoben.
Sie holte aus.
Pöck.
„Fester!“
Pöff.
„Jetzt aber mal richtig!“
BÄMM!
Na also, geht doch. Auch ohne blaue Flecken für mich.

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