Freitag, 16. Februar 2018

Vom Zustand einer Erregung

Der Vormittag neigte sich seinem Ende entgegen, folgerichtig ging es langsam auf die Mittagszeit zu. Die Höhle im Schicksalsberg war mit Ausnahme meiner höchst eigenen Person schon den ganzen Tag über verwaist, ebenso das Nachbarbüro. Ich musste mal etwas anderes sehen, also begab ich mich – noch nicht mal mit einem Vorwand – in Frl. Hasenclevers Kemenate.

Dort traf auch erwartungsgemäß auf meine Vorgesetzte, die sich in einem Zustand sichtbarer Erregung befand. Nein, nicht so eine Erregung. Eine andere. Mehr so wie diese hier.

„Darf ich Ihnen mein Leid klagen, Herr Paterfelis?“

„Machen Sie ruhig.“

So erzählte sie mir von einer Personalquerele. Wie meistens, eine an sich überflüssige Sache. Gekränkte Eitelkeiten. Leicht vermeidbar, aber durchaus risikobehaftet in den möglichen Auswirkungen. Ein Eingriff dürfte erforderlich sein.

„Ich bin stocksauer. Sie glauben gar nicht, wie ich jetzt noch zittere.“

„Oh doch, das glaube ich durchaus.“

Meine Antwort war eine glatte Untertreibung, hatte ich doch den sichtbaren Beweis vor mir sitzen. Und ein Beweis  macht den Glauben in der Sache durchaus entbehrlich.

„Sie sollten sich abreagieren. Los, Sie dürfen mir einmal auf den linken Oberarm boxen.“

Ich hielt das genannte Körperteil so, daß Frl. Hasenclever es bequem erreichen konnte. Sie holte aus, ihre geballte Faust näherte sich und…

*pöck*.

„He, machen Sie sich nicht lächerlich. Hauen Sie ordentlich zu, sonst bringt das nichts.“

*puff*

„Wie niedlich war das denn jetzt!? Tun Sie mal so, als ob ich ihr Ex-Freund sei und langen richtig zu.“

„Den habe ich aber nicht gehauen.“

„Sondern?“

„Ich habe ihn gebissen.“

„Das lassen Sie jetzt mal lieber, auf Beißen stehe ich nicht so.“

„Er auch nicht.“

Sie grinste.

Ich wandte mich ab, um die Kemenate wieder zu verlassen.

„Danke für alles, Herr Paterfelis.“

Immer wieder gerne.




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