Sonntag, 4. Februar 2018

Oliver

Es gibt kaum schönere Dinge im Leben als der Besuch eines in einer ehelichen Beziehung stehenden Menschen bei seinen Schwiegereltern. Muß halt sein.

Während ich auf dem neu erstandenen schwiegerelterlichen Sofa gelangweilt vor mich hindümpelnd den Verlauf der Zeit nahezu unter körperlichen Schmerzen eingedenk des vom Universum gewählten Kriechganges wahrnehme und nebenbei dem Schwiegerkater über das Fell streichle, komme ich nicht umhin, Zeuge der nachfolgenden Szene zu werden. Als Protagonisten fungieren Schwiegermutter und Schwiegervater.

Schwiemu: „Du musst noch Oliver anrufen!“

Schwieva: „???“

Schwiemu: „Der hat heute Geburtstag.“

Schwieva: „Ja.“


Schwiemu: „Denkst du bitte daran, Oliver anzurufen!“

Schwieva: „Ja.“


Schwiemu: „Würdest du bitte JETZT Oliver anrufen!“

Schwieva: „Ja.“


Schwiemu: „XXX (setze männlichen Vornamen nach eigenem Gusto in GROSSBUCHSTABEN ein, Anm. d. Red.), jetzt rufe endlich Oliver an! Der hat Geburtstag!“

Wenn die wiederholte Nutzung mehrerer Ausrufungszeichen hintereinander nicht so ausgesprochen sinnlos wäre und augenbeleidigend scheiße aussehen würde, scheint es bei den beiden voranstehenden Sätzen eigentlich durchaus angebracht zu sein, eine derartige Wiederholung anzubringen. Denkt sie euch einfach, ich bringe es nicht über das Herz, selbiges umzusetzen.

Schwieva: „Ja.“

Schwiegervater greift zum Telefon, wählt, wartet. Das Freizeichen ertönt für alle Anwesenden deutlich wahrnehmbar.

Fünf mal.

Zehn mal.

Zwanzig mal.

Weg.

Stille breitet sich aus.

Schwieva: „Jetzt hat er mich weggedrückt.“

Schwiemu: „Ja, das kann sein. Er hat ja schon immer gesagt, daß er an seinem Geburtstag seine Ruhe haben möchte.“

Wo hatte ich mein Raumschiff geparkt?



Kommentare:

  1. Okay... das würde mir Angst machen... wirklich Angst...

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    1. Es ist jahrelange Praxis. Als beruhigend empfinde ich, daß die zweitbeste Ehefrau von allen keine Zeichen eines solchen Verhaltens an den Tag legt.

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  2. DAS sind die Momente, die mich daran zweifeln lassen, dass es die Menschheit bis hierher ohne außerirdische Hilfe geschafft hat.

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    1. Man sollte ein Buch... ach ne, gibt es ja schon.

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  3. Raumschiff steht links neben der Tür.
    Nee, doch nich, ist die Mülltonne.

    Aber solche Dialoge kenn ich auch zur Genüge....

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  4. Es ist natürlich auch möglich, dass er gar nicht erst rangegangen ist. Nach 20 Mal ertönt dann das Besetztzeichen.

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    1. So rein subjektiv betrachtet stelle ich die Behauptung in den Raum: Heutige Telefone klingeln mindestens 50 mal, bis die Leitung von Amts wegen getrennt wird. Zumindest scheint mir das im Büro so zu sein.

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  5. Und schön, dass du wieder bloggst. Ich habe wohl länger den Cache gesehen und das erst jetzt bemerkt.

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    1. Soooo lange bin ich ja auch noch nicht wieder am Start.

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