Sonntag, 27. Januar 2013

Heidrun (2)

Wurdet ihr auch schon mal von der Polizei aus einer Disco oder einem Club früh morgens nach Hause gebracht? So richtig in dem schicken Auto mit der blauen Lampe auf dem Dach? Nicht? Ich schon. Und das kam so:

Heidrun kennt ihr jetzt ja schon. Sie war ausnehmend geschwätzig. Zumindest aus meiner Sicht. Ich neige ja eher dazu ein Typ zu sein, der dem Prinzip vom Schweigen der Männer  huldigt. Zwar nicht immer und überall, aber doch tendentiell. Ich habe ja auch nicht viel zu erzählen. In meinem Leben passiert nicht so viel Erzählenswertes. Gut, in anderen Leben ist das nicht anders, hält die Betroffenen aber nicht davon ab, trotzdem viel zu erzählen. Ich kann das aber nicht. Vielleicht kann ich viel über nichts schreiben, aber nicht erzählen. So mit gesprochenen Worten. Egal. Wir waren bei Heidrun. Frauen mögen Heidrun anders einschätzen; über die Gründe möchte ich mich hier vorsorglich nicht weiter auslassen.

Unsere tägliche Tour zur Arbeit und wieder zurück dauerte im Schnitt eine Stunde. Morgens neigte Heidrun dazu, im Auto noch etwas weiterzuschlafen, aber auf dem Rückweg war Konversation angesetzt. Das heißt im Klartext, daß sie auf mich einredete und ich die üblichen männlichen Geräusche von mir gab, welche Aufmerksamkeit signalisieren sollten. Gelegentlich gab ich auch mal einen Kommentar zu dem eben Gehörten ab, doch sollte das die Ausnahme bleiben. Es gibt ja so Leute, die können minutenlang reden, ohne Luft zu holen, und meine einzige Chance auf einen Kommentar war nun mal so eine Atempause. Die Pausen waren aber nie so lang, daß es sich gelohnt hätte, mehr als einen Satz zu äußern, so daß ich aus der Nummer schnell wieder raus war.

Heidrun erzählte alles, beginnend mit dem Abendessen von gestern, Klatsch aus dem Büro, ihrer Drüsenfehlfunktion, welche dafür sorgte, daß bei ihr Milch einschoß, obwohl sie nicht schwanger war bis hin zum Thema Intimrasur. Als langjähriger Saunagänger, der sich bei selbiger Gelegenheit durchaus mal mit Kollegen oder Bekannten vor Ort trifft und sich von daher schon zwangsweise mit deren entsprechenden Ansichten zu letzterem Thema konfrontiert sieht, gehe ich damit ziemlich entspannt um, bin aber dennoch der Meinung, daß ich mich nicht mit jedem über alles unterhalten muß. Aber als höflicher Mensch habe ich natürlich auch diesen Ausführungen zugehört. Man nimmt ja Anteil.

So war ich auch über Heidruns Ansichten zu ehelicher Treue informiert. Da war sie knallhart. Ihre stets verkündete Meinung war, daß ein Mann, welcher an eine andere Frau denkt, während er gerade mit seiner Frau kuschelt oder sonst wie zur Sache geht, ein elender Fremdgeher und Ehebrecher ist und daß diese wirklich verabscheuungswürdige Tat härteste Bestrafung nach sich zu ziehen hat.

Allerdings hat es sich ergeben, daß Heidrun einen Kellner aus der Disco des Nachbarortes durchaus unterhaltsam fand und etwas mit ihm angefangen hat. Das war etwas, was ihren Mann an sich gar nichts anginge, denn wenn sie mit dem Kellner in der Koje oder sonst wo lag, dann machte sie das mit IHREM Körper, und was sie mit selbigem macht, war IHRE Sache und hätte ihren Mann, wie bereits erwähnt, so absolut gar nichts anzugehen.

Ok, es ist ein freies Land und jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Meine behielt ich für mich.

Wir näherten uns dem Jahreswechsel. Im Rahmen unserer zwischenzeitlich erweiterten Fahrgemeinschaft wurde über die anstehenden Feierlichkeiten gesprochen. Ich hatte an sich vor, Silvester auf die mir genehmste Weise zu begehen, nämlich alleine zu Hause. Die Damen ließen aber keine Ruhe und beschlossen, mich in die Großdisco des Nachbarortes mitzuschleppen. Jauuuuuu, richtig was für mich. Ich bin nicht übertrieben gesellig, hasse Massenveranstaltungen, werfe mich nicht gerne in Schale und bin überzeugter und nach Ansicht nicht nur der zweitbesten Ehefrauen von allen, sondern auch einiger Kolleginnen, welche schon versucht hatten, mir ein paar Tanzschritte beizubringen, ein perfekter Nichttänzer. Gehen wir also in die Disco.

Der Türsteher hat mich tatsächlich reingelassen. Also echt, einem Schuppen, der mich zum Feiern reinlässt, würde ich schon mal gar nicht trauen. Meine letzte Chance, dem Übel zu entgehen, war vertan. Wie erwartet, war es für mich total langweilig. Ich schaffte noch nicht mal den Mindestverzehr an Getränken. Alkohol trinke ich ja auch so gut wie gar nicht, worüber meine Begleiterinnen zwar informiert waren, was sie aber nicht davon abhielt, auf gemeinsame Rechnung eine Flasche Sekt zum Anstoßen um Mitternacht für 50 DM zu erwerben. Nö, da habe ich dann doch Abstand von genommen. Nennt mich ruhig Spaßbremse, ich kann damit leben.

Heidrun war an diesem Abend sehr zufrieden, war doch ihr persönlicher Kellner heute Abend zum Dienst eingeteilt. Der Herr Gemahl wusste zwischenzeitlich um das bestehende Verhältnis, was in der bestehenden Ehe durchaus zu gewissen Spannungen geführt hatte. Doch hatte Heidrun versichert, daß das Thema zwischenzeitig erledigt sei.

Der Morgen brach so langsam an, als die Damen soweit waren, den Weg nach Hause antreten zu wollen. Für unsere Heimkehr war gesorgt. Heidruns Ehemann, seines Zeichens Polizist, konnte an unserer wilden Feier in das neue Jahr nicht teilnehmen, weil er Dienst schieben musste. Aber er hatte sich bereit erklärt, uns nach Hause zu fahren, falls er gerade nicht im Einsatz war. Und das war er gerade nicht. So kam es dann, daß er uns mit dem Streifenwagen abholte und nach Hause brachte. Heidrun konnte ihn dankenswerterweise nicht dazu überreden, dieses mit eingeschaltetem Blaulicht und Taterütata zu machen. Im Wagen selbst verplapperte sich unsere erweiterte Fahrgemeinschaft dummerweise über die Anwesenheit von Heidruns Lieblingskellner, was dazu führte, daß die Heimfahrt von diesem Zeitpunkt an etwas ruppiger wurde.

Es erübrigt sich zu sagen, daß die Ehe von Heidrun und ihrem Polizisten nicht mehr von längerem Bestand war.

Tja, das war jetzt die Geschichte, wie ich im Polizeiwagen nach Hause gebracht wurde. Heh, niemand hat gesagt, daß die Sache spektakulär sein würde. :-D


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