Sonntag, 27. Januar 2013

Finde die Frage

Der Zeiger der Uhr… nein, blöder Anfang. In meinem Sichtfeld im Büro befindet sich keine Uhr mit Zeiger. Es gibt lediglich digitale Zeitanzeigen, und zwar auf dem Telefon (so lange es nicht durch aufdringliche Lautzeichen nervtötend auf sich aufmerksam macht), auf meinem Uralthandy sowie in der oberen rechten Ecke des Fensters unseres Hauptprogramms. Wie dem auch sei, die Zeit kroch wieder nur so vor sich hin. Mir war warm und ich musste dringend wieder Sauerstoff aufnehmen. Also stand ich auf und begab mich in das stets gut durchlüftete Zimmer des Kollegen Ökoklaus, bei dem ich ohnehin noch ein paar Akten loszuwerden gedachte.

Man erwartete mich bereits sehnsüchtig, ein durchaus nicht allzu seltener Zustand, der zumeist mit Arbeit für mich verbunden ist. Der Ökoklaus hielt mir eine Akte entgegen und offenbarte sein Begehr, welches sich dergestalt äußerte, daß ich mal einen oder auch mehrere Blicke in den Vorgang werfen möge. Dieser gehöre eigentlich Sven, welcher ihn der zuständigen Helga zur Unterschrift vorgelegt habe. Helga sei jedoch auf ein Problem gestoßen, welches sie selbst nach intensiver Durchsicht des aktuellen und auch der Altvorgänge nicht in den Griff bekommen habe.

Daraufhin habe sich Helga an den Ökoklaus mit der Bitte um Amtshilfe gewandt. Dieser habe in Folge den Vorgang ebenfalls intensiv begutachtet, ohne jedoch zu einer weiterführenden Erkenntnis gelangt zu sein, weswegen er in einem Akt der Verzweiflung meine stets herausragenden Fähigkeiten in Anspruch nehmen wolle, gehörte doch die Thematik dieses Vorgangs zu meinen ganz speziellen Vorlieben und als ausgewiesener Experte wäre doch wohl nur noch ich in der Lage, zu einer allgefälligen Lösung zu gelangen. Deswegen bin ich ja auch in der hervorgehobenen Position des  Seniorsachbearbeiters.

Derart geschmeichelt nahm ich den Vorgang in aller Bescheidenheit an mich und fragte kurz, welche Frage denn da wohl zu klären sei. Der Ökoklaus schilderte mir kleinlaut, daß die Sache nunmehr schon so lange bei ihm weilte, daß er das tatsächlich vergessen habe. Und ihm sei auch zu seinem größten Bedauern nicht mehr gegenwärtig, um welche Antwort es dabei ging. Sven hat den Inhalt des Vorganges schon vor Wochen verdrängt, und Helga weilte nicht im Büro, sondern ging ihren mütterlichen Verpflichtungen nach. Aber man sei sich wenigstens einig, daß dieser Vorgang eine zu klärende Frage beinhalte, welche meines Genius bedürfe.

Na prima. Andere Menschen, welche sich mit dem Problem zu stellender Fragen beschäftigen, haben wenigstens Antworten auf die zu ermittelnden Fragen präsentiert, schrieben dazu eine Hörspielreihe, erweitern diese um eine Buchreihe, entwickeln diese zu einer mittlerweile fünfbändigenTrilogie und lassen eine Fernsehverfilmung und einen Spielfilm folgen, scheffeln Unmengen an Geld und erhalten einen eigenen Gedenktag.

Und ich? Ich darf mich mit dem noch größeren Problem beschäftigen, neben der Antwort auch noch die Frage zu finden, bekomme dafür nichts außer dem ewigen Dank meiner Kollegen, erhalte Kultstatus im Büro und freue mich weiterhin auf meinen in wenigen Jahrzehnten geplanten Rentenbeginn, wenn mir unsere jetzige und die künftigen Regierungen sowie die allseits beliebten Vogonen nicht auch noch einen Strich durch die Rechnung machen.

In diesem Sinne: 42!



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