Am Wochenende nach der Geburtstagsfeier der zweitbesten
Ehefrau von allen treibe ich mich nach vierwöchiger Abwesenheit wieder im
Sporttempel herum. Man hatte mir in der Zeit davor in schönster Regelmäßigkeit
das Familienauto entzogen, so daß das Erreichen des Sporttempels während dieser
Zeit nur noch auf Wegen möglich war, die für mich keinerlei praktische Relevanz
besaßen. Wenn ich wie ein ausgelutschtes Bonbon bei mir ohnehin nicht sehr
zuträglichen Außentemperaturen aus dem Sporttempel rauskomme, will ich nicht
noch ewig mit dem Bus unterwegs sein und auch noch umsteigen müssen. Am
Wochenende sieht es hier auf dem Land mit den Busverbindungen eher
übersichtlich aus. Wenn es dann auch noch darauf ankommt eine Anschlussfahrt zu
erreichen, dann wird das schon mal eine Herausforderung.
Nach so einer Trainingsunterbrechung erwarte ich nicht, in
meiner Leistung nahtlos da anzuknüpfen, wo ich stehen geblieben bin. Das
Training beginne ich regelmäßig mit einer Stunde auf dem Fahrrad. Nach acht
Minuten muss ich abbrechen. Ok, akzeptiert. Es gibt so Tage. Aber acht Minuten
sind schon echt arm. Umso mehr freue ich mich auf den Kraftgeräteteil. Aber
auch hier geht bereits nichts mehr, bevor ich auch nur zur Hälfte durch bin. Meine
ursprünglichen Vorstellungen differieren also schon ein wenig von dem gerade Erlebten.
Frustriert streiche ich die Segel.
Die Temperaturen und damit einhergehend die Schwüle ziehen
in der folgenden Woche stetig an. Ich bin ja bekanntlich sowieso nicht der
Mensch für hochsommerliche Hitzegrade, und die fangen für mich allerspätestens bei
der 23-Grad-Marke an. Ein trockener Husten begleitet mich, aber das ist im
Frühjahr normal. Eventuell habe ich eine Pollenallergie entwickelt, sah mich
bislang aber nicht veranlasst, der Sache weiter nachzugehen. Es stört mich
nicht weiter.
Donnerstag und Freitag spüre ich Schwindel im Büro; in
größeren Abständen werde ich einen leichten, kaum spürbaren Schüttelfrost gewahr.
Ich nehme das Wetter in die Verantwortung, mache jeweils früh Feierabend. Meine
Ist-Zahlen decken sich vorzeitig mit den vorgegebenen Soll-Zahlen.
Am Donnerstag werde ich von der zweitbesten Ehefrau von
allen am Bahnhof abgeholt. Es ist unser Tag für den Wocheneinkauf. Doch statt
zum Einkauf lasse ich mich vorsorglich lieber nach Hause kutschieren, da mir
ein vernünftiger, aufrechter und gerader Gang aufgrund des anhaltenden
Schwindelgefühls nicht möglich ist.
Freitags beginne ich in Absprache mit Frl. Hasenclever die
Arbeit an einem mir durchaus sehr genehmen Sonderprojekt, welches dazu dienen
soll, bestimmte Zahlen für unsere Außenstelle in den nächsten Monaten soweit zu
drücken, daß wir den zu diesem Zeitpunkt vermuteten Blick des Herrn
Geschäftsführers auf diese Thematik mit einer gewissen Gelassenheit
entgegensehen können. In unserer Vorstellung würde ich das Projekt über einen
Zeitraum von einigen Wochen nebenbei laufen lassen können. Rechtzeitige
Vorarbeit tut hier Not, denn eine Lösung ist nur im Rahmen einer Langzeitstrategie
möglich.
Das Wochenende meines Geburtstages ist da. Beginnend seit
Mittwoch plagen mich permanente Kopfschmerzen. Die Schwindelanfälle legen sich
nicht, das Wetter ist mörderisch. Die meiste Zeit verbringe ich liegend. Ich
pflege meine Geburtstage ja nicht zu feiern. Es ist mir lästig, außerdem sehe
ich keinen Sinn darin ein Ereignis festlich zu begehen, zu dem ich letztendlich
nichts beigetragen habe als mit einem gewissen unaufhaltbaren Automatismus älter
zu werden. Der Überlebenswille ist ein Grundbestandteil jeglichen Lebens und an
sich in unserer Zeit als Mensch im Regelfall in diesen Bereichen keine Leistung.
Der besondere Umstand, daß jetzt am Ende wieder einmal eine Null angezeigt
wird, liegt auch nur darin begründet, daß die Evolution den Menschen mit zehn
Fingern ausgestattet hat, welche Grundlage des Dezimalsystems wurde. Ja, man
wird nur einmal 50. Man wird aber genauso oft 49. Es ändert nichts. Dennoch
komme ich nicht um die Feststellung herum, daß ich mir den Tag zumindest etwas
anders vorgestellt hatte als die ganze Zeit mit einer gewissen
Handlungsunfähigkeit abwechselnd im Bett , wahlweise auch auf dem Monster-Sofa
oder dem neuen Sessel im Metzelsaal zu verbringen und darauf zu warten, daß die
Zeit vergeht.
Mein Appetit lässt sehr zu wünschen übrig. Getränke kippe
ich in hoffentlich gerade ausreichender Menge aus purer Ratio in mich hinein,
beim Essen sieht es anders aus. Schon
seit ein paar Tagen hatte ich kaum feste Nahrung zu mir genommen. Am Samstag
esse ich ein kleines Paket Magerquark, mein Geburtstagsessen besteht aus einem
halben Apfel, montags esse ich schließlich einen Keks, welcher mir besonders im
Magen liegt.
Die zweitbeste Ehefrau von allen weist mich noch darauf hin,
daß aktuell wohl wieder die Masern im Lande aktiv wären. In den zweifelhaften
Genuss dieser Krankheit bin ich als Kind bereits gekommen und wähne mich daher
dagegen immunisiert. Auch der Hinweis, dass sie in den letzten Wochen
regelmäßig Kontakt zu einer Person mit Pfeifferschen Drüsenfieber hatte, sorgt
bei mir nicht zu einer steigenden Unruhe. Die Symptomatik dieser Erkrankung
wäre wohl eindeutiger zu erkennen gewesen.
Dennoch beschließe ich, am Montag mal freiwillig zum Arzt zu
gehen. Der trockene Husten nimmt zu und verstärkt sich zu ganzen Anfällen, die
mir die Luft zu nehmen drohen. Die Kombination von Hustenanfällen und
Kopfschmerzen wirkt natürlich wie eine Bombe im Schädel. Immerhin melden sich
weiterhin keine Schmerzen im Brustbereich. Doch auch nur an die Möglichkeit
eines weiteren Einsatzes im Büro zu denken, kann ich als definitiv abwegig
einsortieren.
Klingt nicht gut.
AntwortenLöschenAlleine der Umstand, daß ich freiwillig und ohne jeglichen äußeren Anstoß zu einem Medizinmann gehe, spricht da für sich.
Löschendas Letztere denke ich auch lieber Paterfelis, du scheinst mir nicht der Typ mensch zu sein, der ständig zum Arzt rennt wie ich aus vielen deiner Erzählungen herauslese sondern eher einer, der den Weisskittel lieber von Hinten sieht::::*!
AntwortenLöschenVielleicht ist es" eine Lungensache - angängige Bronchitis, doch eine Allergie gegen irgendetwas? Gegen den trockenen Husten - ein zeichen dass er sich nicht löst" könnte man einen heissen Umschlag mit Öl machen" sich damit einreiben...?altbewährtes Hausmittel das ich dir empfehle..
Muss man sich Sorgen machen, dass deine Schreibe darunter leidet?das würde mich echt betrüben....
schon mal, - bis dahin zu weiteren Nachrichten über dein befinden: gute Besserung....
und halt dich schön bei der Hitze im DUNKLEN....
herzlichst Angelface
Die Wohnung ist verrammelt. Und zur Not gibt es noch den Metztelsaal als Rückzgusort, da ist es immer kühler. Ansonsten nehme ich nichts vorweg. ;-)
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