Donnerstag, 7. Juni 2018

Vorstellungen, Teil 2 - Vorzeichen am Horizont

Am Wochenende nach der Geburtstagsfeier der zweitbesten Ehefrau von allen treibe ich mich nach vierwöchiger Abwesenheit wieder im Sporttempel herum. Man hatte mir in der Zeit davor in schönster Regelmäßigkeit das Familienauto entzogen, so daß das Erreichen des Sporttempels während dieser Zeit nur noch auf Wegen möglich war, die für mich keinerlei praktische Relevanz besaßen. Wenn ich wie ein ausgelutschtes Bonbon bei mir ohnehin nicht sehr zuträglichen Außentemperaturen aus dem Sporttempel rauskomme, will ich nicht noch ewig mit dem Bus unterwegs sein und auch noch umsteigen müssen. Am Wochenende sieht es hier auf dem Land mit den Busverbindungen eher übersichtlich aus. Wenn es dann auch noch darauf ankommt eine Anschlussfahrt zu erreichen, dann wird das schon mal eine Herausforderung.

Nach so einer Trainingsunterbrechung erwarte ich nicht, in meiner Leistung nahtlos da anzuknüpfen, wo ich stehen geblieben bin. Das Training beginne ich regelmäßig mit einer Stunde auf dem Fahrrad. Nach acht Minuten muss ich abbrechen. Ok, akzeptiert. Es gibt so Tage. Aber acht Minuten sind schon echt arm. Umso mehr freue ich mich auf den Kraftgeräteteil. Aber auch hier geht bereits nichts mehr, bevor ich auch nur zur Hälfte durch bin. Meine ursprünglichen Vorstellungen differieren also schon ein wenig von dem gerade Erlebten. Frustriert streiche ich die Segel.

Die Temperaturen und damit einhergehend die Schwüle ziehen in der folgenden Woche stetig an. Ich bin ja bekanntlich sowieso nicht der Mensch für hochsommerliche Hitzegrade, und die fangen für mich allerspätestens bei der 23-Grad-Marke an. Ein trockener Husten begleitet mich, aber das ist im Frühjahr normal. Eventuell habe ich eine Pollenallergie entwickelt, sah mich bislang aber nicht veranlasst, der Sache weiter nachzugehen. Es stört mich nicht weiter.

Donnerstag und Freitag spüre ich Schwindel im Büro; in größeren Abständen werde ich einen leichten, kaum spürbaren Schüttelfrost gewahr. Ich nehme das Wetter in die Verantwortung, mache jeweils früh Feierabend. Meine Ist-Zahlen decken sich vorzeitig mit den vorgegebenen Soll-Zahlen.   

Am Donnerstag werde ich von der zweitbesten Ehefrau von allen am Bahnhof abgeholt. Es ist unser Tag für den Wocheneinkauf. Doch statt zum Einkauf lasse ich mich vorsorglich lieber nach Hause kutschieren, da mir ein vernünftiger, aufrechter und gerader Gang aufgrund des anhaltenden Schwindelgefühls nicht möglich ist.

Freitags beginne ich in Absprache mit Frl. Hasenclever die Arbeit an einem mir durchaus sehr genehmen Sonderprojekt, welches dazu dienen soll, bestimmte Zahlen für unsere Außenstelle in den nächsten Monaten soweit zu drücken, daß wir den zu diesem Zeitpunkt vermuteten Blick des Herrn Geschäftsführers auf diese Thematik mit einer gewissen Gelassenheit entgegensehen können. In unserer Vorstellung würde ich das Projekt über einen Zeitraum von einigen Wochen nebenbei laufen lassen können. Rechtzeitige Vorarbeit tut hier Not, denn eine Lösung ist nur im Rahmen einer Langzeitstrategie möglich.

Das Wochenende meines Geburtstages ist da. Beginnend seit Mittwoch plagen mich permanente Kopfschmerzen. Die Schwindelanfälle legen sich nicht, das Wetter ist mörderisch. Die meiste Zeit verbringe ich liegend. Ich pflege meine Geburtstage ja nicht zu feiern. Es ist mir lästig, außerdem sehe ich keinen Sinn darin ein Ereignis festlich zu begehen, zu dem ich letztendlich nichts beigetragen habe als mit einem gewissen unaufhaltbaren Automatismus älter zu werden. Der Überlebenswille ist ein Grundbestandteil jeglichen Lebens und an sich in unserer Zeit als Mensch im Regelfall in diesen Bereichen keine Leistung. Der besondere Umstand, daß jetzt am Ende wieder einmal eine Null angezeigt wird, liegt auch nur darin begründet, daß die Evolution den Menschen mit zehn Fingern ausgestattet hat, welche Grundlage des Dezimalsystems wurde. Ja, man wird nur einmal 50. Man wird aber genauso oft 49. Es ändert nichts. Dennoch komme ich nicht um die Feststellung herum, daß ich mir den Tag zumindest etwas anders vorgestellt hatte als die ganze Zeit mit einer gewissen Handlungsunfähigkeit abwechselnd im Bett , wahlweise auch auf dem Monster-Sofa oder dem neuen Sessel im Metzelsaal zu verbringen und darauf zu warten, daß die Zeit vergeht.

Mein Appetit lässt sehr zu wünschen übrig. Getränke kippe ich in hoffentlich gerade ausreichender Menge aus purer Ratio in mich hinein, beim Essen sieht es anders aus.  Schon seit ein paar Tagen hatte ich kaum feste Nahrung zu mir genommen. Am Samstag esse ich ein kleines Paket Magerquark, mein Geburtstagsessen besteht aus einem halben Apfel, montags esse ich schließlich einen Keks, welcher mir besonders im Magen liegt.

Die zweitbeste Ehefrau von allen weist mich noch darauf hin, daß aktuell wohl wieder die Masern im Lande aktiv wären. In den zweifelhaften Genuss dieser Krankheit bin ich als Kind bereits gekommen und wähne mich daher dagegen immunisiert. Auch der Hinweis, dass sie in den letzten Wochen regelmäßig Kontakt zu einer Person mit Pfeifferschen Drüsenfieber hatte, sorgt bei mir nicht zu einer steigenden Unruhe. Die Symptomatik dieser Erkrankung wäre wohl eindeutiger zu erkennen gewesen.

Dennoch beschließe ich, am Montag mal freiwillig zum Arzt zu gehen. Der trockene Husten nimmt zu und verstärkt sich zu ganzen Anfällen, die mir die Luft zu nehmen drohen. Die Kombination von Hustenanfällen und Kopfschmerzen wirkt natürlich wie eine Bombe im Schädel. Immerhin melden sich weiterhin keine Schmerzen im Brustbereich. Doch auch nur an die Möglichkeit eines weiteren Einsatzes im Büro zu denken, kann ich als definitiv abwegig einsortieren.




4 Kommentare:

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    1. Alleine der Umstand, daß ich freiwillig und ohne jeglichen äußeren Anstoß zu einem Medizinmann gehe, spricht da für sich.

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  2. das Letztere denke ich auch lieber Paterfelis, du scheinst mir nicht der Typ mensch zu sein, der ständig zum Arzt rennt wie ich aus vielen deiner Erzählungen herauslese sondern eher einer, der den Weisskittel lieber von Hinten sieht::::*!
    Vielleicht ist es" eine Lungensache - angängige Bronchitis, doch eine Allergie gegen irgendetwas? Gegen den trockenen Husten - ein zeichen dass er sich nicht löst" könnte man einen heissen Umschlag mit Öl machen" sich damit einreiben...?altbewährtes Hausmittel das ich dir empfehle..
    Muss man sich Sorgen machen, dass deine Schreibe darunter leidet?das würde mich echt betrüben....
    schon mal, - bis dahin zu weiteren Nachrichten über dein befinden: gute Besserung....
    und halt dich schön bei der Hitze im DUNKLEN....
    herzlichst Angelface

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    1. Die Wohnung ist verrammelt. Und zur Not gibt es noch den Metztelsaal als Rückzgusort, da ist es immer kühler. Ansonsten nehme ich nichts vorweg. ;-)

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