Mittwoch, 6. Juni 2018

Vorstellungen, Teil 1 - Letzte Planungen

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.“

Der Jahresablauf trällert sein wohlbekanntes Lied.

Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich tummeln sich auf der Suche nach Stoffen und bestimmten Nähutensilien in Neustadt. Meine Angetraute hat die Vorstellung, in ihren Geburtstag hineinzufeiern und dann den eigentlichen Tag, den ich mir frei nehmen würde, mit mir zusammen in einem Saunaparadies zu verbringen. Zu diesem Zweck wollte sie sich noch einen Saunarock nähen. Wir werden im örtlichen Kaufhaus auch fündig.

Auf dem Weg zur Kasse treffen wir auf Yvonne, der besten Freundin meiner Schwiegermutter. Sie habe ich irgendwie in mein großes, weiches Herz geschlossen. Natürlich kommen wir auf die anstehenden Ereignisse zu sprechen.

„Seid ihr auch an dem Samstag bei der Feier  dabei?“

„Nein, wir feiern schon Donnerstag zusammen mit Paterfelis‘ Eltern. Auf die Großveranstaltung hat Paterfelis ohnehin keine Lust und würde sich nicht wohlfühlen. Und ich bin sowieso nicht da, sondern auf dem Tribal-Festival in Hannover.“ beantwortet die zweitbeste Ehefrau von allen die Frage.

„Oh nö, dann lasst ihr mich da ja mit Gustav und Greta alleine. Das könnt ihr mir nicht antun.“ Gustav und Greta sind weitere Freunde meiner Schwiegereltern. Insbesondere Gustav erweist sich immer wieder als ausgesprochen anstrengender Typ. Zur Schließung eventueller Informationslücken verweise ich auf die Verlinkung im vorherigen Absatz.

„Vielleicht können wir es ja regeln, daß du mit uns zusammen schon am Donnerstag dabei bist. Wir können behaupten, daß du Samstag arbeiten musst und nicht tauschen kannst.“ Eine durchaus glaubwürdige Aussage, ist Yvonne doch Verkäuferin in dem Kaufhaus, in dem wir uns gerade aufhalten. Ihre Augen leuchten auf.  „Ja, das machen wir so. Das wäre natürlich obergeil.“  Auch uns käme das sehr entgegen. So hätten wir auch noch jemanden am Tisch, auf den man sich konzentrieren kann, wenn Eltern oder Schwiegereltern mal wieder anstrengend werden sollten, was durchaus mal vorkommen kann, oder es mal wieder nichts zu erzählen gibt, weil man ja doch immer wieder im Austausch steht und alle Belanglosigkeiten bereits gesagt worden sind. Ja, die Vorstellung gefiel uns.

Die Tage ziehen unaufhaltsam ins Land.

Nichts wird so hart gegessen wie das Ei gekocht wird. Oder so ähnlich. Die Geburtstagsfeier der zweitbestehen Ehefrau von allen findet dann doch hier bei uns statt. Mit einigen ihrer Mädels feiert sie bei uns zu Hausen in den denkwürdigen Tag hinein. Bis zur Eröffnung des kalt-warmen Buffets verweile ich bei den Anwesenden, um mich dann bis kurz vor Mitternacht in den Metzelsaal zurückzuziehen und auf das Vergehen der Zeit zu warten. Eigentlich war es meine Vorstellung, hier etwas zu lesen oder mich mit den neu erworbenen Spielen zu beschäftigen.






Doch der Hühnerhaufen eine Etage über mir macht genug Radau, um mich nachhaltig davon abzuhalten, ein mehr oder weniger gutes Buch zu lesen oder auch nur ansatzweise etwas zu tun, was eine gewisse Konzentration verlangt. Aber als jemand, der schon seit Jahrzehnten regelmäßig den ÖPNV nutzt, bin ich durchaus in der Lage, auch längere Zeiträume alleine mit mir selbst und meinen Gedanken zu verbringen. Dazu benötige ich als praktizierender Dinosaurier noch nicht mal ein Smartphone. Eine heutzutage abstruse Vorstellung, ich weiß.

Die Planung für die letzte Maiwoche steht auch. Ich stellte mir vor, an meinem Geburtstag, den ich aus kalendarischen Gründen frei haben sollte, einige Stunden im Sporttempel und die restliche Zeit ohne viel Tamm Tamm zu Hause zu verbringen. Mandy, welche von jenem historischen Ereignis wusste, hatte eine Gratulation per WhatsApp angedroht, ansonsten war nicht viel Theater zu erwarten.

Mittwochs würden meine Eltern mit dem Zug in Neustadt eintreffen. Da ich in dieser Woche keinen Urlaub bekommen kann und die zweitbeste Ehefrau von allen ihre eigenen Verpflichtungen im Rahmen Ihrer Kurse hat, war es unsere Vorstellung, dass wir uns am Donnerstagabend, der hier ohnehin Feiertag ist, beim Chinamann treffen würden.  Hier gedachte ich – und hatte kürzlich auch noch Raissa und die Azubinette vorgewarnt – mein Essen am Mongolengrill mit reichlich Knoblauch-Öl anzureichern, damit ich am Freitag, folgerichtig einem Brückentag, im Büro die Fahne im durchaus mehrfach übertragbaren Sinne hochhalten könne, um mit den gewürzbedingten Ausdünstungen an den Türen zu unserem Raum eine halbmassive Knoblauchwand zu errichten und damit ungestörtes Arbeiten zu ermöglich. Die beiden jungen Damen hatten also ihre Chance, entsprechende Vorbereitungen zu treffen und mitzuziehen. Ich bin ja fair, was so etwas angeht. Meine Eltern würden nach Hause in Richtung Duisburg aufbrechen, die zweitbeste Ehefrau von allen sich hingegen in Hannover  tummeln. Ein sturmfreies Wochenende sollte mich erwarten, welches ich in gewisser Dekadenz  mit einem Herr-der-Ringe-Filmmarathon und selbstgemachten Burgern zu verbringen gedachte.

Ein guter Plan, wie ich beim nochmaligen Lesen erneut feststellen darf.




Kommentare:

  1. Was, um Himmels Willen, ist ein Saunarock? Ich dachte, da sind immer alle nackt?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In der Sauna ist man, so man sich in Deutschland befindet, nackt. Ich weiß nicht, wie man es in manchen Ländern aushält, mit Badekleidung oder in ein Tuch gewickelt in eine Sauna zu gehen. Aber in der Zeit zwischen den Saunagängen bekleidet man sich in der Regel mit einem Bademantel oder wickelt ein Tuch um sich. Ein Saunarock ist vereinfacht gesagt ein großes Stück Stoff, welches man um sich wickelt, ergänzt um einen Verschluss.

      Löschen

Es ist erlaubt und gewünscht, meine Beiträge zu kommentieren. Die Kommentare werden von mir moderiert. Kein Kommentar wird freigeschaltet, ohne daß ich ihn zuvor gelesen habe. Solltest du also vorhaben, hier herumzupöbeln, zu trollen oder dich sonst wie unangemessen zu äußern, so empfehle ich dir, die Arbeit zu sparen.

Haltet euch bitte an die Grundsätze eines anständigen Miteinanders, damit wir hier eine schöne Zeit zusammen verbringen können.

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.