„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.“
Der Jahresablauf trällert sein wohlbekanntes Lied.
Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich tummeln sich auf
der Suche nach Stoffen und bestimmten Nähutensilien in Neustadt. Meine
Angetraute hat die Vorstellung, in ihren Geburtstag hineinzufeiern und dann den
eigentlichen Tag, den ich mir frei nehmen würde, mit mir zusammen in einem
Saunaparadies zu verbringen. Zu diesem Zweck wollte sie sich noch einen
Saunarock nähen. Wir werden im örtlichen Kaufhaus auch fündig.
Auf dem Weg zur Kasse treffen wir auf Yvonne, der besten
Freundin meiner Schwiegermutter. Sie habe ich irgendwie in mein großes, weiches
Herz geschlossen. Natürlich kommen wir auf die anstehenden Ereignisse zu
sprechen.
„Seid ihr auch an dem Samstag bei der Feier dabei?“
„Nein, wir feiern schon Donnerstag zusammen mit Paterfelis‘
Eltern. Auf die Großveranstaltung hat Paterfelis ohnehin keine Lust
und würde sich nicht wohlfühlen. Und ich bin sowieso
nicht da, sondern auf dem Tribal-Festival in Hannover.“
beantwortet die zweitbeste Ehefrau von allen
die Frage.
„Oh nö, dann lasst ihr mich da ja mit Gustav und Greta
alleine. Das könnt ihr mir nicht antun.“ Gustav und Greta sind weitere Freunde
meiner Schwiegereltern. Insbesondere Gustav erweist sich immer wieder als
ausgesprochen anstrengender Typ. Zur Schließung eventueller Informationslücken
verweise ich auf die Verlinkung im vorherigen Absatz.
„Vielleicht können wir es ja regeln, daß du mit uns zusammen
schon am Donnerstag dabei bist. Wir können behaupten, daß du Samstag arbeiten
musst und nicht tauschen kannst.“ Eine durchaus glaubwürdige Aussage, ist
Yvonne doch Verkäuferin in dem Kaufhaus, in dem wir uns gerade aufhalten. Ihre
Augen leuchten auf. „Ja, das machen wir
so. Das wäre natürlich obergeil.“ Auch
uns käme das sehr entgegen. So hätten wir auch noch jemanden am Tisch, auf den
man sich konzentrieren kann, wenn Eltern oder Schwiegereltern mal wieder anstrengend
werden sollten, was durchaus mal vorkommen kann, oder es mal wieder nichts zu
erzählen gibt, weil man ja doch immer wieder im Austausch steht und alle
Belanglosigkeiten bereits gesagt worden sind. Ja, die Vorstellung gefiel uns.
Die Tage ziehen unaufhaltsam ins Land.
Nichts wird so hart gegessen wie das Ei gekocht wird. Oder
so ähnlich. Die Geburtstagsfeier der zweitbestehen Ehefrau von allen findet
dann doch hier bei uns statt. Mit einigen ihrer Mädels feiert sie bei uns zu
Hausen in den denkwürdigen Tag hinein. Bis zur Eröffnung des kalt-warmen
Buffets verweile ich bei den Anwesenden, um mich dann bis kurz vor Mitternacht
in den Metzelsaal zurückzuziehen und auf das Vergehen der Zeit zu warten. Eigentlich
war es meine Vorstellung, hier etwas zu lesen oder mich mit den neu erworbenen
Spielen zu beschäftigen.

Doch der Hühnerhaufen eine Etage über mir macht genug Radau,
um mich nachhaltig davon abzuhalten, ein mehr oder weniger gutes Buch zu lesen
oder auch nur ansatzweise etwas zu tun, was eine gewisse Konzentration verlangt.
Aber als jemand, der schon seit Jahrzehnten regelmäßig den ÖPNV nutzt, bin ich
durchaus in der Lage, auch längere Zeiträume alleine mit mir selbst und meinen
Gedanken zu verbringen. Dazu benötige ich als praktizierender Dinosaurier noch
nicht mal ein Smartphone. Eine heutzutage abstruse Vorstellung, ich weiß.
Die Planung für die letzte Maiwoche steht auch. Ich stellte
mir vor, an meinem Geburtstag, den ich aus kalendarischen Gründen frei haben
sollte, einige Stunden im Sporttempel und die restliche Zeit ohne viel Tamm
Tamm zu Hause zu verbringen. Mandy,
welche von jenem historischen Ereignis wusste, hatte eine Gratulation per
WhatsApp angedroht, ansonsten war nicht viel Theater zu erwarten.
Mittwochs würden meine Eltern mit dem Zug in Neustadt
eintreffen. Da ich in dieser Woche keinen Urlaub bekommen kann und die
zweitbeste Ehefrau von allen ihre eigenen Verpflichtungen im Rahmen Ihrer Kurse
hat, war es unsere Vorstellung, dass wir uns am Donnerstagabend, der hier
ohnehin Feiertag ist, beim Chinamann treffen würden. Hier gedachte ich – und hatte kürzlich auch
noch Raissa und die Azubinette vorgewarnt – mein Essen am Mongolengrill mit
reichlich Knoblauch-Öl anzureichern, damit ich am Freitag, folgerichtig einem
Brückentag, im Büro die Fahne im durchaus mehrfach übertragbaren Sinne
hochhalten könne, um mit den gewürzbedingten Ausdünstungen an den Türen zu
unserem Raum eine halbmassive Knoblauchwand zu errichten und damit ungestörtes
Arbeiten zu ermöglich. Die beiden jungen Damen hatten also ihre Chance,
entsprechende Vorbereitungen zu treffen und mitzuziehen. Ich bin ja fair, was
so etwas angeht. Meine Eltern würden nach Hause in Richtung Duisburg aufbrechen,
die zweitbeste Ehefrau von allen sich hingegen in Hannover tummeln. Ein sturmfreies Wochenende sollte
mich erwarten, welches ich in gewisser Dekadenz mit einem Herr-der-Ringe-Filmmarathon und
selbstgemachten Burgern zu verbringen gedachte.
Ein guter Plan, wie ich beim nochmaligen Lesen erneut
feststellen darf.
Was, um Himmels Willen, ist ein Saunarock? Ich dachte, da sind immer alle nackt?
AntwortenLöschenIn der Sauna ist man, so man sich in Deutschland befindet, nackt. Ich weiß nicht, wie man es in manchen Ländern aushält, mit Badekleidung oder in ein Tuch gewickelt in eine Sauna zu gehen. Aber in der Zeit zwischen den Saunagängen bekleidet man sich in der Regel mit einem Bademantel oder wickelt ein Tuch um sich. Ein Saunarock ist vereinfacht gesagt ein großes Stück Stoff, welches man um sich wickelt, ergänzt um einen Verschluss.
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