Montag, 7. Juli 2014

Umfangreiche Randbemerkung - Eine ordentliche Größe

Ich stehe mit meinem Vater im Eingangsbereich eines ehemaligen Kaufhauses. Hier findet heute ein Modellbahnmarkt statt. Diese werden in zahlreichen Städten mehr oder weniger regelmäßig veranstaltet. Eigentlich soll es eine Gebrauchtwarenbörse mit An- und Verkauf sein, aber es sind auch immer wieder semiprofessionelle Anbieter mit Neuwaren anwesend. Und an Ankäufen ist meistens kaum jemand unter den Händlern interessiert. Dieser Markt hier ist ungewöhnlich groß, er findet über drei Etagen des ehemaligen Kaufhauses statt.

Mein ehemaliger Modellbahnhändler erscheint ebenfalls als Besucher. Er wird von der Menge jubelnd begrüßt. Während er mit meinem Vater spricht, gehe ich schon los in Richtung des ersten Verkaufsstandes. Begleitet werde ich von einem kleinen Jungen. Ich kenne ihn nicht, aber er scheint dazu zu gehören.

Aufgeregt erzählt er dem Händler von der in meinem Elternhaus stehenden riesigenModellbahn. Der Kleine scheint ein Güterzugfreak zu sein; ich muß unbedingt aufzählen, von welchen Güterwagen dort am meisten herumstehen. Ich beginne mit den KKt 57Klappdeckelwagen, danach folgen zweiachsige Niederbordwagen Xlm 57. „Und sonst?“ fragt der Kleine aufgeregt nach. Nur noch vereinzelte Wagen. Das stimmt zwar bei weitem nicht, aber mir will gerade nicht mehr einfallen.

Weiter geht es. An einem Hochregal sehe ich Kartons mit fertig aufgebauten Modellbahnanlagen im Format 10 x 2 Meter. Ich wundere mich noch nicht mal über die Größe. Verdammt, wie bekomme ich die ins Auto? Dann schaue ich mir den Aufbau näher an. Ein kleines Betriebswerk wurde ziemlich Abseits des Bahnhofes inmitten eines Gebirges eingerichtet. Dies entspricht nicht meinem Anspruch an eine realistisch aufgebaute Modellbahn. Ich ärgere mich – und werde wach.

Nach diesem hier schon wieder ein Traum, in dem es um Dinge geht, mit denen ich mich früher regelmäßig beschäftigt habe. Und für die ich mich heute noch begeistere. Nur sprechen die Umstände dagegen.

Wenn ich mich mal wieder richtig runterziehen will, schaue ich mir im Internet Modellbahnbilder oder -videos an und denke an all die Lokomotiven und Wagen, die ich selbst noch eingelagert habe. Und dann gucke ich mir als Steigerung noch an, was mein Hersteller aktuell so zu bieten hat.

Von der Frage des benötigten Platzes mal ganz abgesehen, sind die Preise für das Modell-Material kaum noch zu stemmen. Aufbau und Betrieb einer ansehnlichen Modellbahn können sich heute nur noch Vereine oder besser Betuchte leisten. Ein einzelnes, gewöhnliches Flügelsignal schlägt schon mit fast 80 Euro zu Buche.

Und da wundert sich die Branche, daß es mit ihr den Bach runtergeht.





11 Kommentare:

  1. Noch ein Ex-Modeller :-) Ich hab einige Jahre mit Exemplaren der größe TT verbracht, was mir hier im Westen Deutschlands teilweise höhnisches Gelächter eingefahren hat. Aber ich finde den Maßstab immer noch sehr passend für moderne Anlagen, weil man nicht so riesenhaft bauen muss wie mit H0 und nicht so zwergig wie mit N oder Z.- Vor einigen Jahren hab ich die gesamte Sammlung aber abgegeben, bis auf eine einzige Lok im Fotolack und einen alten Säuretopfwagen mit Bremserhäuschen, an dem ich selbst herumgebastelt habe. Manchmal hol ich sie noch raus und werde ein bisschen wehmütig. Schlussendlich ausgestiegen bin ich aber auch wegen der irren Preise für alles, was nicht alt-TT (also DDR) war. Und aus dem Grund, dass Modelleisenbahnen und Katzen sich nur sehr einseitig miteinander anfreunden.

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    1. Oh, eine ehemalige Modellbahnerin. Da bist du ja eine echte Exotin. Meine Angetraute ist das übrigens ebenfalls. Sie hat später sogar mit den Vorbildern fahren dürfen. Und dafür auch noch Geld bekommen.

      Der TT-Maßstab ist mir aus den von dir genannten Gründen auch sehr sympathisch. Von Hause aus war ich aber schon auf H0 geprägt.

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  2. Das nannte sich ARBEIT mein Lieber!!!
    Und das war es auch!
    Überleg mal was ich da für Schichtzeiten hatte...
    Und wie fertig ich manchmal im Bett gelegen habe.
    Ich sage nur "Staubsauger" und "Bett"!!! :-P

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    1. Eisenbahnen ... können sehr traumatisch sein :-)

      Hat sich geklärt wo der kleine Junge hingehört?

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    2. Jetzt bin ich freiberufliche Fitness- und Tanztrainerin. :-D
      Und helfe in der Trainerakademie von Rajiv aus.

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  3. Das sind die Medikamente, ich sags gern noch mal ;) Alle Schuld den Tabletten.

    Und Eisenbahn - oh ja, ich erinnere mich auch noch an eine H0 von Märklin.Immer wieder auf- und abgebaut und später brüderlich aufgeteilt ;)

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    1. Brüderlich? Also hat der Stärkere alles bekommen? ;-)

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  4. Schon einmal den Miniatur Wunderland in Hamburg einen Besuch abgestattet? Oder zu vele Menschen?

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    1. Ich würde mir das schon gerne mal ansehen. Die Frage, ob ich das auch könnte, ist nicht so leicht zu beantworten. In Begleitung der zweitbesten Ehefrau von allen wäre es jedenfalls wahrscheinlicher als ohne.

      Als erstes Problem ist da der Umstand, daß ich ohne Not und Zwang in eine mir vollkommen fremde Umgebung reisen müsste. Das habe ich zwar in der Vergangenheit auch schon geschafft, aber es war nie besonders angenehm. Zumindest bis ich mich an das Umfeld und die dort vorherrschenden Spielregeln gewöhnt hatte und somit sicher sein konnte, nicht aufzufallen. Das dauert schon mal ein paar Tage.

      Der Besuch des Wunderlandes selber ist dann eine Frage der Tagesform. Gehen wir von einer übersichtlichen, sich verteilenden Menschenmenge vor Ort aus, hätte ich vermutlich nur wenige Probleme. Das wäre dann mit einem Einkauf zu vergleichen.

      Sollte ich an dem Tag schlecht zurecht sein und ständig vor Augen haben, daß sich auch jederzeit individuelle Situationen ergeben können, in denen ich an eine Kontaktaufnahme nicht vorbeikomme, wäre das ziemlich unglücklich. Den gleichen Effekt hätte es, wenn es da vollkommen überlaufen wäre, so daß es zu einem Geschiebe und Gedränge käme. Also ungefähr wie auf einem gut besuchten Weihnachts- oder Trödelmarkt. Ich brauche meine Bewegungsfreiheit und – vermutlich als Gedanke im Hinterkopf – eine potentielle Fluchtmöglichkeit.

      Im Gegensatz dazu würde ich einen Museumsbesuch in einer mir vertrauten Umgebung auch alleine hinbekommen. Habe ich schon gemacht und lief stets nach einer gewissen Vorbereitung weitgehend problemlos. Museen tendieren aber auch dazu, höchst selten überlaufen zu sein. Man muß da ja nicht in den ersten Tagen einer neuen Ausstellung aufschlagen.

      Grundsätzlich macht es das Anschauen natürlich interessanter und angenehmer, wenn kaum was los ist. Das dürfte aber keine Sache der Phobie sein.

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