Sonntag, 20. Juli 2014

Paterfelis spielt - Warhammer und vieles andere (2)

Tatsächlich konnte ich mich überwinden und bin auch zu unserer Verabredung in Michaels Wohnung erschienen. Für mich war das schon eine überaus beachtenswerte Leistung. Aber ich gehöre zu jenen Menschen, die dazu neigen, Zusagen einzuhalten. Die Erkenntnis, daß ich die Organisation von Spielterminen über Online-Foren locker treffen konnte und diese dann, wenn auch nicht immer leichten Herzens, einhalten würde, machte mir das, was sich später noch ergeben sollte, überhaupt erst möglich.

Michael erwies sich als durchaus sympathischer Kerl, ebenso seine bei ihm lebende Freundin, welche zufällig auch noch Sekretärin in dem Unternehmen unseres damaligen Vermieters war. Die Welt im Neustädter Ländchen kann schon klein sein. Unser erstes Spiel allerdings habe ich in der Nachschau in sehr zwiespältiger Erinnerung. Mir wurden einige Dinge erklärt, einiges hatte ich mir ja auch schon zuvor angelesen, aber Warhammer zu spielen lernt man am besten in der Praxis. Ohne mich jetzt zuviel in Details zu verlieren möchte ich nur erwähnen, daß Michael eine harte Strategie fuhr, mich an vielen Stellen auflaufen ließ, mein Nichtwissen gnadenlos ausnutzte und auch einige Regeln zu seinen Gunsten umgebogen hatte. Dies fiel mir aber erst später auf, als ich selbst mit dem Spiel vertrauter war.

Michael war ein siegorientierter Turnierspieler. Es gibt auch andere, ich weiß. Aber ihm ging es wohl nur darum, eine möglichst harte Armeeliste aufzustellen und damit zu siegen. Gelang ihm dies nicht oder – zum Beispiel aufgrund von Regeländerungen – nicht mehr mit seiner Armee, so hatte er kein Problem damit, diese zu verkaufen und sich eine neue anzuschaffen. Eben eine solche, die gerade auf Turnieren oder in den Foren als schlagkräftigste angesagt ist.

In späteren Zeiten, als ich selbst begonnen hatte, Spieler in das Regelwerk einzuführen, bin ich anders vorgegangen. Es macht keinen Sinn, einen Anfänger ins offene Messer laufen zu lassen. Meine Vorgehensweise war, meinen Gegenspieler zwar weitgehend mit kurzen Hinweisen über das Mögliche machen zu lassen, ihn in kritischen Situationen aber konkret darauf anzusprechen, ob das, was er da vorhat, wirklich Sinn macht, habe Optionen aufgezeigt und bin theoretisierend mal durchgegangen, was sich aus seinem unklugen Zug alles ergeben würde. Oder ich habe ihn zwar ins offene Messer laufen lassen, ihn die Folgen zu spüren gegeben und dann alles wieder zurückgenommen, um ihn sich neu entscheiden zu lassen. In derartigen Einführungsspielen geht es nicht um den blanken Sieg.

An dieser Stelle aber machten sich unsere verschiedenen Philosophien schon frühzeitig bemerkbar.

Michael zeigte sich auch an Mortheim interessiert. Er erwähnte, daß er gerade dabei sei, ein Forum für eine noch zu gründende regionale Spielergruppe aufzubauen. Ich war sehr beeindruckt. Ein eigenes Forum. Tolle Sache. So gut kannte ich mich in den Weiten des Internets nicht aus und hatte keine Ahnung, wie wenig kompliziert dies von der technischen Seite gesehen aus ist. Ich wusste, daß Michael beruflich ein IT-Mensch war und wähnte, daß es schon derartige Kenntnisse erforderte, um ein Forum ins Leben zu rufen.

Über seinen Aufruf bekam ich nun auch Kontakt zu anderen Spielern, teilweise Anfänger wie ich, teilweise erfahrene Turnierspieler. Michael und ich beschlossen, neben den Warhammer-Spielen auch eine Mortheim-Kampagne an den Start zu bringen. Dies sollte sich mit meinen Mortheim-Spielern durchaus verbinden lassen. Über eine eigene Homepage könnte man da organisatorisch auch was regeln. Eine eigene Homepage! Natürlich nicht meine, sondern Michaels. Wiederum war ich beeindruckt.

Ich entwarf die Kampagnenregeln, besorgte noch ergänzende Regeln, welche durch den Spielehersteller zur Verfügung gestellt wurden, übersetzte diese ins Deutsche und bereitete alles auf. Schon damals war ich ein Schreibmonster, und Michael zeigte sich schon leicht genervt von den ganzen Aktualisierungen, die ich immer wieder – schon vor Kampagnenstart – erstellte und die er in unseren Datentank einpflegen sollte. Auch ich fand es etwas unbefriedigend, daß ich da selbst keine Hand drauf hatte und immer auf ihn angewiesen war.

In Bezug auf sein Forum gab es unterschiedliche Ansichten darüber, wie die Organisation und Atmosphäre ausfallen sollte. Er war da der eher nüchterne Typ, ich wünschte hingegen einige Bereiche, in denen man sich freier austoben konnte. Mortheim ist ein Spiel, welches auch von seiner rollenspielartigen Atmosphäre lebt. Diese Atmosphäre konnte man gut außerhalb der eigentlichen Spiele weiterpflegen. Wieder zeigten sich unsere unterschiedlichen Philosophien, an die Spiele heranzugehen. Ob dies zu einer gegenseitigen Ergänzung oder aber in den Untergang führt, sollte die Zukunft zeigen.


(wird in loser Folge fortgesetzt)




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