Bildet euch bloß nicht ein, daß ich hier die Zeit, welche ich kränkelnd mit Bettruhe zu Hause verbringen muß, bislang genießen konnte oder noch kann. Nicht alleine daß mir stinklangweilig ist, plagt mich auch noch das Gewissen. Ich denke an meine Kollegen, die es irgendwie hinbekommen müssen,
mich zu vertreten die temporäre Umverteilung aller anfallenden Akten auf alle Anwesenden vorzunehmen. Da ja heutzutage alles eilig und superwichtig ist – man denke nur an die Statistiken für das
Benchmarking – darf ja nichts liegen bleiben. Wird es aber, es geht nicht anders. Also keine Vorwürfe, werte mitlesenden Kollegen. Das wisst ihr ja.
Tja, und hier? Die zweitbeste Ehefrau von allen jammerte mir wiederholt vor, daß ich ihren wohlstrukturierten Tagesablauf durcheinanderbringen würde. Und sie nicht lernen könne, wenn ich anwesend sei. Was im Übrigen auch in den Vorwochen schon nicht geklappt hat, als ich noch im Krankenhaus lag, weil sie die Zeit statt mit Lernen damit zugebracht habe, mich dort zu besuchen. Na toll, das machte es natürlich für mich auch nicht besser.
Wozu diese ganzen Umtriebe? Nun, meine
Angetraute besucht – wie die geneigte Leserschaft sich wohl zu erinnern vermag – die
Fitnesstrainerschule von Rajiv. Und dies mit dem Ziel, eben eine solche Trainerin zu werden.
Und gerade jetzt kam natürlich vollkommen unpassend die Zeit, zu der man an so etwas wie Prüfungen zu denken hatte. Bei uns kommt schon traditionell halt immer alles zusammen, wenn es gerade so gar nicht passt.
Das anstehende Konstrukt muß ich jetzt mal etwas auseinanderdröseln. Zunächst mal geht es darum, welche Qualifikation man so zu erwerben wünscht. Ich vereinfache das mal ein wenig. Als unterste im wirklich und wahrhaftigen Leben sowie für die späteren Ambitionen meiner Angetrauten noch relevante Stufe wäre die Qualifikation Group Fitness Banzusehen, gefolgt von Group Fitness A. Ebenfalls im Auge des Interesses ist die Qualifikation eines Personal Trainers. Als Krönung könnte man die Qualifikation eines Medical Fitness Coachs ansehen. Dies wäre die oberste erreichbare außeruniversitäre Stufe. Aber alles zu seiner Zeit, und ein Hochschulstudium ist hier nicht geplant. Jedenfalls nicht konkret. Nicht so richtig. Noch nicht, wie man mich gerade beim Korrekturlesen aufklärt. Aber es ist in Erwägung gezogen. Aha.
Die theoretische Prüfung zur B-Lizenz wurde von meiner Angetrauten schon vor einiger Zeit abgelegt, die Praxisprüfung musste aus verschiedenen Gründen etwas auf sich warten lassen. Nun lautete der Plan, jetzt die Theorieprüfung der A-Lizenz und die Praxisprüfung der B-Lizenz abzulegen. Die Praxisprüfung für die A-Lizenz hatte meine Angetraute
aufgrund der vorliegenden Umständeabgesagt. Auch die Praxisprüfung der B-Lizenz erfordert natürlich eine theoretische Vorbereitung, denn es muß neben der mündlichen Prüfung eine Kursstunde gegeben werden, die man sich natürlich ebenfalls nicht aus dem Ärmel schüttelt. Alleine zu deren Zusammenstellung und fachgerechten Protokollierung gehört schon Einiges.
Wie bereits erwähnt, kann meine Angetraute sich nicht so richtig bei ihren Vorbereitungen konzentrieren, selbst wenn ich dabei nur still auf dem Sofa liege oder auch nur merklich anwesend bin. In gewisser Weise kann ich das auch verstehen, denn ich sehe mich ebenfalls selbst kaum dazu in der Lage, bestimmte Dinge in unserem Haushalt oder anderer Art zu erledigen, sobald meine Angetraute zugegen ist. Selbst dann, wenn sie mir dabei nicht im Weg herumsteht. Bitte keinesfalls darüber nachdenken, das ist einfach so.
Da die Sache nun vorangehen musste, habe ich mich an einigen Tagen, als es daran ging, daß sie sich wieder ihren Vorbereitungen widmen wollte, vollkommen selbstlos am Nachmittag ins Bett verzogen und die Schlafzimmertür hinter mir geschlossen. Was natürlich bei den Katzen, insbesondere aber bei Lilly, zu einem Großalarm führte. Katzen hassen verschlossene Türen einfach. Das ist ein Naturgesetz. Es ist nicht so, daß sie unbedingt mit in das jeweilige Zimmer wollen. Sie wollen es nur können, schließlich handelt es sich um einen Bestandteil ihres Reviers.
Nachmittags interessiert sich speziell Lilly nicht mal im Ansatz für das Schlafzimmer. Sie und der Rest der Katzenbande haben da einen erstaunlich genauen Terminplan für sämtliche Aktivitäten und den damit verbundenen regelmäßigen Aufenthaltsorten. Es ging ihr jetzt eben nur um das Prinzip. Wenn ich die Tür offen gelassen hätte, wäre sie noch nicht mal nachgekommen. So aber veranstaltete man einen ordentlichen Radau vor der Tür, um der berechtigten Empörung Luft zu verleihen. Aber nach einem Anranzer meiner Angetrauten, vielleicht auch nach zwei oder drei Anranzern, wer will schon mitzählen, war dann Ruhe. Tatsächlich konnte ich auch etwas dösen. Der Zwang zur mehrfach täglichen bzw. nächtlichen pünktlichen Tabletteneinnahme hat jedenfalls nicht dafür gesorgt, daß ich hier während meiner Arbeitsunfähigkeit eine ruhige Nacht mit einem erholsamen Schlaf finden konnte.
Nach einigen auch für meine Angetraute viel zu kurzen, dafür aber mit Prüfungsvorbereitungen anfgefüllten Nächten mit dementsprechend viel zu wenig Schlaf - die zweitbeste Ehefrau von allen ist bekanntlich eher nachtaktiv - fuhr sie dann an diesem sehr schwül-warmen Samstag zum Prüfungsort. Für die nächsten etwa zehn Stunden ward sie hier nicht mehr gesehen, gehört oder gelesen. Es standen die Prüfungen mehrerer Auszubildender an, und man macht auch an einigen praktischen Prüfungen der anderen als Kursteilnehmer mit. So zieht sich ein Tag schon mal in die Länge.
Abends klingelte es an der Tür. Ich öffnete und gewährte meiner völlig durch den Wind befindlichen Angetrauten Einlass. „Rajiv ist ein *kreative Beschreibung aufgrund des Jugendschutzes vom Verfasser zensiert*! Zwar lieb, aber doch ein *kreative Beschreibung aufgrund des immer noch bestehenden Jugendschutzes weiterhin vom Verfasser zensiert*!“ So lauteten die ersten Worte, welche ich vernahm.
Aha. Das hörte sich jetzt für den Unbeteiligten zwar tendentiell besorgniserregend an, aber ich hatte schon seit geraumer Zeit eine gewisse Vermutung, deren Bestätigung jetzt wohl kommen würde und die mir Grund gab, ob dieser Äußerungen keine besondere Besorgnis an den Tag legen zu müssen. Ist ja nicht so, daß ich unseren Rajiv nicht auch ein wenig kennen würde.
„Ich habe die A-Lizenz.“
Yeah, ich bin jetzt mit einer echten Fitnesstrainerin verheiratet.
Doch was war geschehen?
Anhand der im bisherigen Unterricht gezeigten Leistungen meiner Angetrauten hatte Rajiv vollkommen unangekündigt neben der Theorieprüfung auch den mündlichen Teil der Praxisprüfung auf A-Niveau durchgeführt. Meine Angetraute war zwar ziemlich über die unvermutete Komplexität der Fragen irritiert, da deren Inhalte eben nicht dem erwarteten B-Niveau entsprachen, erfasste aber nicht, was Rajiv damit bezweckte. Selbst als sie später ihr Zertifikat in der Hand hielt, vermutete sie zunächst einen Druckfehler, bis so langsam bei ihr durchdrang, was da tatsächlich geschehen war.
Natürlich zeigte sie sich dennoch unzufrieden. So ist sie eben. Das von ihr durchgeführte Kursprogramm entsprach ihrer Meinung nach nicht dem A-Niveau, da bestimmte Elemente fehlten. Rajiv aber vertrat mit meiner Angetrauten einvernehmlich auf dem Standpunkt, daß sie eben diese Elemente für ihre späteren Ambitionen im Zusammenhang mit der von ihr vorgesehenen Kundenzielgruppe nicht benötigen würde, ja daß gerade diese Elemente sogar schädlich für die Zielgruppe sein sollten. Daß sie die Kenntnisse darüber habe, sei ihm aber bewusst. Und ihre Theorieprüfung sei die beste gewesen, die er seit Jahren gesehen habe. Es fehlten lediglich zwei von 156 möglichen Punkten. Dennoch nörgelte meine Angetraute, daß Rajiv in der Praxisprüfung dann eben andere mögliche Elemente hätte abfragen sollen. So jedenfalls fühle es sich für sie nicht richtig an.
Nun ist Rajiv schon seit Jahren in seinem Fach auch überregional als namhafter Experte anerkannt. Er weiß, was er tut. Auf die von mir meiner Angetrauten gegenüber geäußerten Ansicht, daß es das Leben durchaus einfacher gestaltet, positive Dinge nicht immer mit einem umfassenden Hochgefühl begleiten zu wollen, sondern diese stets nur billigend zur Kenntnis zu nehmen, so wie es anstatt freudiger Emotionen eher meiner Art entspricht, erhielt ich nur einen bösen Blick. Ja, da war er wieder,
der kleine Sheldon in mir.
Und Rajiv wird sich bei nächster Gelegenheit noch etwas von meiner Angetrauten anhören müssen, da bin ich sehr sicher.
Ach, übrigens – und unabhängig von der Fitnesstrainertätigkeit: Sofern jemand in Finkenheim und Umgebung
ab September
Orientalischen Tanz lernen möchte, der möge sich doch bitte bei der örtlichen
VHS in dem neu angebotenen Kurs einschreiben lassen. Denn den wird meine Angetraute als erste offizielle Lehrtätigkeit geben. Aber nur, wenn mindestens sieben Teilnehmer vorhanden sind, denn sonst findet der Kurst nicht statt. Man benötigt
auch nur Sportkleidung und ein Hüfttuch. Besser noch ein Münztuch.
Aber das sollte doch zu machen sein, oder?
Glückwunsch an deine Angetraute. Lichtblicke sind zwar selten, aber wenn sie denn auftauchen ...Dir wünsch ich baldige Genesung. Muss glaube ich so einiges hier nachlesen.
AntwortenLöschenGruß vonner Grete
Danke. Viel Spaß beim Lesen, da hast du ja noch was vor dir. :-D
LöschenGeil. Dann kann man deine Angetrauten ja nur beglückwünschen!
AntwortenLöschenUnd für alle Fälle hast du jetzt einen Fitnesstrainer zur Hand - und bist um eine Ausrede gebracht.
Ich brauche keine Ausrede. Widerstand leisten kann ich auch vollkommen unbegründet.
LöschenMal sehen ob es heute geht... D:
AntwortenLöschenGlückwunsch an die Dame. Sie solls nehmen wie's is... besser als andersrum:
Man kanns, die Leistung wird aber nicht anerkannt. Ist viel schrecklicker als... ährm... verdienterweise eine bessere Belohnung als erwartet zu erhalten. ;D
PS:
Sie hat sicherlich in der Schule auch geschimpft, wenn sie eine 1+ statt nur eine 1 bekommen hat, oder? xD
Es hat geklappt! :-)
LöschenYEAAAAAAH! ICH HAB DEINEN BLOGBUG BESIEGT! Wie weiß ich zwar nicht, aber wurscht.
LöschenWolfy gegen die Bugs. Das wäre doch was für die Starship Troopers.
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