Mittwoch, 23. Juli 2014

Die Suppe der Erkenntnis

Ich schleppte meinen hitze-, schwüle- und bettruhebedingt geschundenen Körper in unserer LASA-Außenstelle in Richtung Indien. Auf dem Gang standen sie wieder: Rebecca und Nadja, die ollen Quasselstrippen. Rebecca hat den formellen Teil ihrer Hochzeit zwischenzeitlich hinter sich gebracht - und damit auch die erste der beiden Familienfeiern. Der Showteil wird nach meinen Informationen noch in der Ferne folgen. Zeitlich und räumlich betrachtet.

Nadja sah zu mir rüber und fixierte mich leicht grinsend mit ihren Blicken.

„Na, du hast ja wohl keinen Grund, hier so leidend aus der Wäsche zu gucken. Immerhin hast du jetzt mit drei Tagen Unterbrechung fast neun Wochen am Stück gefehlt. Wir aber mussten hier den Irrsinn aushalten.“

Ja, da hat sie wohl Recht. Vor meiner Erkrankung hatte ich ja noch drei Wochen Urlaub. Aber den Rest  konnte ich  nicht so stehen lassen. Vor allen Dingen, nachdem Rebecca auch noch anfing, in das gleiche Horn zu tuten. Nicht mit mir!

„Hört mal zu, ihr Lieben. Stellt euch mal vor, ihr würdet jeden Tag eine ekelige Suppe essen. Wochenlang immer wieder die gleiche ekelige Suppe. Ihr würdet es gar nicht mehr registrieren, weil ihr euch an den ekeligen Geschmack gewöhnt habt. Und dann bekämt ihr ein paar Wochen lang die erlesensten Speisen vorgesetzt. Bis zu dem schrecklichen Zeitpunkt, an dem es wieder die ekelige Suppe gibt. Was meint ihr, wie furchtbar die dann schmeckt? Denkt mal darüber nach, wie ich mich jetzt fühlen muß, nachdem es auch für mich wieder die Suppe gibt.“

Es dauert ein wenig, der Groschen fiel pfennigweise. Aber dann sah ich die Erkenntnis in ihnen. Also echt jetzt, keiner leidet hier gefälligst schlimmer als ich.

Wäre ja auch noch schöner.




9 Kommentare:

  1. Lach, gut gekontert. Auf sowas muss man erstmal kommen.
    Gruß vonner Grete

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    1. Die Weisheit des Alters, meine liebe Grete, die Weisheit des Alters... ;-)

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  2. Philosophisches auf dem Behördenflur! Die Krankheit hat Dich zum Dichter und Denker geformt!

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    1. Alles hat sein Gutes. Trotzdem ist die Sache mit der benzinbetriebenen Kettensäge und extra langem Blatt noch lange nicht vom Tisch.

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  3. Schade, das mit der Weisheit hast du mir sozusagen vor der Nase weg geschnappt. Aber trotzdem, es muss raus.
    Du bist so weise. So metaphorisch begabt. Ich bin ganz entrückt!

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    1. Ich lasse euch doch gerne daran teilhaben, mein lieben Jünger. ;-)

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    2. Dabei fällt mir ein: Ich wollte doch schon immer mal eine Sekte gründen und damit stinkreich werden. Interesse?

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  4. Nee, nee.... das wäre ja echt noch schöner! Gut gemacht.

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