Die zweitbeste Ehefrau von allen werkelte an dem Wochenende vor meinem
Rückfall in der Küche herum. Wieder galt es,
ein Rezept des Silbernen Löffels in leicht modifizierter Form zu reproduzieren. Wobei ich jetzt mal so die Frage an den Herrn Löffel in den Raum stelle, wieso er diese kleine Köstlichkeit ausgerechnet
Kräuterbaguette genannt hat. Mehr als Majoran ist da doch an Kräutern gar nicht drin. Egal, im Endergebnis war es sehr lecker – auch wenn unser Werk vielleicht nicht unbedingt allen ästhetischen
Gesichtspunkten entsprochen haben mag. Beim nächsten Mal werden wir die Baguettes etwas aushöhlen, dann passt das.
Jedenfalls war meine Angetraute gerade dabei, die Teigmasse vorzubereiten, als mich ihr Hilferuf aus der Küche erreichte. Natürlich wurde ich zunächst zwecks Materialbeschaffung in den Keller geschickt. Nach meinem Wiedererscheinen durfte ich den soeben bewältigten Weg nochmal antreten. Man kann ja mal was vergessen.
Mea culpa.
Mea culpa.
Wiederum war es nicht damit getan, das so herangeschaffte Arbeitsmaterial abzuliefern; mein Verbleib in der Küche wurde von höchster Stelle angeordnet. Also verblieb ich weisungsgemäß zum Zwecke des Abschmeckens. Gut, das lasse ich mir ja noch gefallen. Ich habe da eine vollkommen selbstlose Ader.
Eine gewisse Zeit der Untätigkeit später wurde mir aufgetragen, die Arbeit des weiteren Zerkleinerns eines Stückes Parmesan zu übernehmen. Und zwar mittels unserer Handreibe. Nun fällt eine Handreibe für mich unter die gleiche Kategorie gefährlicher Werkzeuge wie ein
linksdrehender, titanverstärkter Kreuzvorwarndreher in Nenngröße 4b. So lange das Parmesanstück noch eine gewisse Länge hat, der Abstand zwischen der Reibe und meinen Fingern also mindestens 3 Zentimeter beträgt, bin ich ja durchaus geneigt, damit unter Wahrung angemessener Sicherheitsstandards umzugehen. Danach aber bekomme ich zusehends Respekt und wünsche mir die Kettenhandschuhe eines Fleischers. Bekomme ich natürlich nicht. Genauso wenig wie meine benzinbetriebene Kettensäge. Ohne Kettensäge kein Kettensägenmassaker. Blöd.
Damit die missliche Angelegenheit auch zu einem zeitnahen Ende führt, übernahm die zweitbeste Ehefrau von allen Arbeitsgerät und Parmesanstück, als sich meine Fingergruppenaußengrenze in höcht bedenklicher Weise der Zweizentimetermarke zu nähern drohte. Und während sie danach so fröhlich vor sich hinrieb und raspelte und zerkleinerte und zerfetzte, machte ich den ersten Schritt zur Seite, um die viel zu geringe Distanz zwischen mir, der Reibe und den Fingern meiner Angetrauten entscheidend zu vergrößern. Dann einen weitern. Und noch einen, bis die Wand endlich einen neuerlichen Schritt unmöglich machte.
Meine Angetraute schaute mich von der Seite an und suchte Aufklärung. Diese konnte ich ihr geben.
„Du glaubst doch nicht im Ernst, daß ich mich hier von deinem Blut vollspritzen lassen will, wenn du dir gleich die Fingerkuppen absäbelst?“
Ihre Mimik verändert sich von Typ Fragend über die Typen Grübelndund Ungläubig hin zu Verstehend. Ich konnte ihre Gedankengänge förmlich lesen. Zeit für mich, Widerstand zu leisten.
„Oh nein, nenne mich nicht
Sheldon.
Das von ihr unausgesprochen gebliebene DOCH! stand ganz zweifelsfrei und dann auch noch in Großbuchstaben formuliert im Raum. Mit Ausrufungszeichen!
Obwohl ich mich mit
Sheldon in gewisser Weise durchaus identifizieren könnte. Außerdem mag er - wie ich auch -
alkoholfreien Diät-Cuba Libre mit einem Limonenschnitz.
Also nennt mich doch Sheldon. Ist schon ok.
53!*)
*) Ist nur für Insider, erkläre ich an dieser Stelle nicht weiter.
Sheldon, mir ist nicht mal ganz klar, ob die Baguettes quer oder längs liegen ;)
AntwortenLöschenBitte sag mir, dass Eure Software auf der Arbeit nicht wirklich "MIST" heißt... wir arbeiten mit "MACH". Hoffe, das wird niemals zusammengelegt.
Und es IMMER ratsam vor einer Frau mit wie auch immer gearteten scharfen Gegenständen auf Abstand zu gehen. Aus Gründen.
Schönen Sonntag !
Wunschgemäß sage ich dir, daß unsere Software nicht wirklich "MIST" heißt. :-P Und die Baguettes liegen selbstverständlich quer. Jetzt müssten wir nur noch definieren, von welcher Seite aus wir die Querlage tatsächlich bestimmen und ob quer nicht doch nur eine Variation von längs ist. Verquerte Sache das ist.
LöschenÜbrigens musste meine Angetraute ziemlich lachen, als sie die Ofentür geöffnet hatte. Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob es ein humvorvolles oder ein hysterisches Lachen war.
Außerdem trötet jetzt im Augenblick draußen so ein Vollpfosten mit einer Vuvuzela rum. Wollte ich noch erwähnt haben.
Vuvuzela ist ja schon ein schwer unterschätztes Instrument. Gerade in der Hand all der hochbegabten Vuvuzela-Virtuosen kann das Ding Wunder vollbringen. Zum Beispiel einem den Sonntag zu versauen :)
LöschenMach Dir nix draus... hab hier auch nur Idioten rumlaufen und man kann sie nicht alle töten.
Da stellen sich mir gleich Fragen:
Löschen1) Gibt es eigentlich schon Kompositionen für Vuvuzelas? In C-Dur?
2) Besitzt du zufällig eine oder zwei bezinbetriebene Kettensägen mit extra langem Blatt?
Du, ich habe kürzlich erstmals tatsächlich eine Kettensäge betreiben können und EINEN HYDRAULISCHEN HOLZSPALTER. Das Ding ist nochmal ne ganze Nummer härter, geht durch Holz wie Butter.
LöschenHolz.
Ja, Holz.
Hmmm, interessant, wirklich interessant. Ich muß nachdenken...
LöschenNe, der Holzspalter ist nichts. Habe gerade mal nachgesehen und festgestellt, daß man den nicht schwingen kann.
LöschenNein, man muss das "Holz" schon festhalten.
LöschenWir sind schon starke Jungs, das schaffen wir. Aber wer bringt uns das Holz vorbei?
LöschenHmmm.... Kräuterbaguette. Keine Ahnung. Ach, nennen wie die doch einfach demnächst "Baguette nach Politikerart". Da wird auch viel versprochen, was dann nicht eintrifft. Aber stimmt schon, der Name ist irgendwie unberechtigt. Hab lange überlegt, finde keine Ausrede. Was solls, Hauptsache die schmecken ;-)
AntwortenLöschenLG, Holger
Und das tun sie zweifellos. :-)
LöschenDie Baguettes sehen irgendwie - hm - zerlaufen aus. So irgendwie nicht nach Baguette. Also nur mal so als Randbemerkung.
AntwortenLöschenUnd ja, Parmesankäse-Reiben können tückisch sein. Ich schau mir das Fingerraspeln auch nie an - ich will da auch gar kein Pflaster geben. Muß nicht sein. Es gibt so viele ungefährlichere Käsereiben ...
Nachdem wir die Baguettes vom Blech gehoben und das Zerlaufene entfernt hatten, konnte man auch wieder erkennen, was es sein sollte. Und dem Geschmack hat es keinen Abbruch getan.
LöschenKräuter...flatsch? "Flatsch" ist Plattdeutsch für Baguette, muss man dazu sagen :D
AntwortenLöschenDas muß ich mir merken. :-)
Löschen