Samstag, 25. August 2018

Vorstellungen, Staffel 2, Teil 3 - Man gebe mir Sauerstoff

Die zweitbeste Ehefrau von allen steht grummelig um sieben Uhr auf, damit sie rechtzeitig bis acht Uhr den Bereitschaftszustand zum Empfangen eines Besuchers erreicht habe wird. Wir hegen so unsere Zweifel daran, daß der vereinbarte Termin von dem Mitarbeiter der Firma Katzenfels wahrgenommen wird und zeigen uns gegenseitig sehr übereinstimmend umso überraschter, als es um acht Uhr morgens tatsächlich klingelt. Der erwartete Herr tritt mit mehr oder weniger leichtem Gepäck – zwei größeren Taschen – ein und nimmt Platz.

Als er das Beatmungsgerät auspackt erkenne ich sofort, daß es sich dabei nicht um das Gerät entsprechend der Verordnung aus dem Krankenhaus handelt. Der Herr ignoriert meinen Hinweis. Nun, mich stört es nicht wirklich. Ich vermute Sparmaßnahmen seitens der Krankenkasse. Wenn dieses Gerät die gleichen Leistungen bringt wie das Verordnete, soll es mir egal sein. Mir ist auch egal, ob irgendwelche Tabletten, die bislang grün und eckig waren, auf einmal gelb und rund daherkommen. Die Bedienung des Gerätes wird mir erläutert. Und das auf einem Niveau für Halbgescheite. Auch das stört mich – im Gegensatz zur zweitbesten Ehefrau von allen – auch nicht weiter. Wer weiß, welchen Gestalten die Einweisung in das Gerät mitunter vermittelt werden muß. Da ist es schon sinnvoller, vom DAU auszugehen. Die Bedienung des Gerätes erweist sich tatsächlich als durchaus anwenderfreundlich.

Den mitgelieferten Unterlagen entnehme ich, daß dieses Gerät entgegen meiner Vorstellung – obwohl ich es voraussichtlich lebenslang benötige – nur durch die Krankenkasse gemietet und mir zur Verfügung gestellt wird. Ob dies wirtschaftlich sinnvoll ist, vermag ich im Moment nicht zweifelsfrei zu ergründen.

Kaum haben wir uns von dem Katzenfels-Menschen verabschiedet, wird auf dem Telefon wieder die Katzenfels-Spamnummer angezeigt. Ich bin dann mal so entgegenkommend und nehme das Gespräch an. Die Stimme am anderen Ende erklärt mir freundlich, daß ich noch Sauerstoff erhalten werde und ob der Fahrer heute Mittag vorbeikommen könne. Klar, kann er, ich habe nichts weiter vor. Also mal ehrlich: Wenn dieser ganze Telefonterror in den letzten Tagen nur dazu dienen sollte, die Lieferung anzukündigen oder abzusprechen, dann hätte man das sicher einfacher haben können. Zum Beispiel, indem man eine Nachricht hinterlässt mit dem Hinweis auf den Zeitpunkt der Lieferung oder einem Rückrufwunsch. Aber doch nicht so. Und sogar ich als jemand, der mit Telefonen so wirklich nicht kann, würde das Notwendige auf einen Anrufbeantworter sprechen.

Aber wieso überhaupt Sauerstoff? Ich schaue nochmal in den Entlassungsbericht des Krankenhauses. Tatsächlich, mir sollen über das Beatmungsgerät in der Nacht zwei Liter Sauerstoff pro Stunde zusätzlich zugeführt werden. Mag ja durchaus sein und scheint auch nur eine befristete Sache zu werden, bis die Sauerstoffzufuhr über die Lunge wieder besser möglich ist. Das zu bewerkstelligen ist unter anderem auch eine Nebenfunktion des Beatmungsgerätes. Mit der Lungenentzündung hat dies nichts zu tun.

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Sauerstoff an den Mann zu bringen. Einerseits über Sauerstoffflaschen, welche regelmäßig aufgefüllt werden müssen. Ein ziemlicher Aufwand, und wenn ich bedenke, daß ich jede Nacht zwei Liter pro Stunde davon benötige, wird das doch ziemlich unschön. Bloß das nicht. Plan B ist ein mobiler Sauerstoffkonzentrator. Das Gerät saugt Luft an, filtert diese und leitet den so herausgezogenen reinen Sauerstoff über einen Schlauch an das Beatmungsgerät weiter. Hätte der Typ von heute Morgen auch gleich mitbringen können. Im Krankenhaus war das Gerät nicht nötig, da kommt der Sauerstoff aus der Wand.

Pünktlich um 12 Uhr liefert ein Typ in blauer Arbeitshose – nicht der von gestern, und er blockiert auch nicht den Carport – den Sauerstoffkonzentrator. Einen durchaus beachtlichen Geräteklotz auf Rollen mit einem Gewicht von 15 bis 20 Kilogramm. Beigefügt sind unter anderem eine einfachere Atemmaske für den Tag, die ich auch schon aus dem Krankenhaus kenne, sowie ein 15 Meter langer Schlauch, damit ich mich damit auch durch die Wohnung bewegen könne. Wie, für den Tag? Davon weiß ich nichts. Doch doch, das stehe so auf seinem Arbeitszettel, teilt mir der Blaumann Blaumann eifrig mit. Später gleiche ich das mit dem Entlassungsbericht aus dem Krankenhaus ab. Nein, nur nachts. Das Ding hätte mir tagsüber auch noch gefehlt. Auch hier ist die Bedienung einfach und wie beim Beatmungsgerät stellt sich die Reinigung auch eher als lästig denn kompliziert dar.

Ich bin gespannt auf die erste Nacht.

Einen Termin beim Lungenarzt konnte ich noch nicht vereinbaren.





5 Kommentare:

  1. ach du meeeeiiine Güte....
    bin mal gespannt was die zweitbeste Ehefrau aller zeiten dann nachts dazu sagt wenn du" äußerst geräuschvoll" neben ihr atmest, dürfte wohl auf Dauer gesehen zu getrennten Schlafzimmern führen, damit jeder zu seinem "Schlafrecht" kommt.
    Hoffentlich schädigt dies nicht Euer "Miteinandereheleben!:-)) und was die Katzis dazu sagen ist wohl auch noch nicht ganz klar...
    bitte unterhalte uns weiterhin mit der Entwickung des tumben Geräts.
    dir liebe Grüße, die Zweitbeste aller Ehefrauen hat mein Mitgefühl....
    lacht angelface

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    1. Aufgrund unserer ohnehin wirklich sehr unterschiedlichen Schlaf(zeit)gewohnheiten haben wir bereits seit ein paar Jahren getrennte Schlafzimmer.

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