Den ganzen Tag über behalte ich das Telefon in meiner Nähe,
um den zu erwartenden Anruf der Firma Katzenfels entgegenzunehmen. Sie haben
nur die Nummer unseres Festnetzanschlusses. Es ist mir sehr lästig, immer das
elektronische Sprach- und Hörrohr dabei zu haben. Wäre beim Smartphone aber
auch nicht anders, welches für die Dauer meines häuslichen Aufenthaltes hier
irgendwo herumfliegt. Ich muß nur daran denken gelegentlich einen Blick auf den
Akkustand werfen und es beizeiten zu füttern.
Der erwartete Anruf bleibt aus. Kein Vergleich zu letzter
Woche, wo man sich ja förmlich damit überschlagen hat, mich erreichen zu
wollen. Das war damals die gleiche Konstellation: Verordnung des Gerätes am
Freitag, Lieferzusage ab Montag, 8.00 Uhr. Eine Woche Eingewöhnungszeit
verloren. Dann muß das jetzt eben geschehen, wenn ich wieder im Alltagstrott
angekommen bin. Es stört mich schon, aber ich kann mir nicht vorstellen zu
versuchen, dem Arzt deswegen noch ein paar Tage bezahlte urlaubsschonende
Abwesenheit vom Arbeitsplatz aus den Rippen zu leiern, und über das Thema
Urlaub oder Überstundenabbau brauchen wir gerade jetzt nicht mal im Ansatz zu
reden. Da bin ich nicht der entsprechende Typ zu; es passt einfach nicht zu
meiner Mentalität und meinem moralischen Empfinden, außerdem dürfte sich die
Personallage im Büro nach meinem Kenntnisstand gerade ohnehin etwas
durchwachsen darstellen, da die nächsten Urlaube einiger Kollegen anstehen.
Meine Schwiegermutter wird vermutlich bald aus dem
Krankenhaus entlassen. Eine Front für die zweitbeste Ehefrau von allen weniger.
An der Hauptfront wird allerdings noch gekämpft. Heute wird
sie wieder beim Orthopäden vorstellig. In der Gemeinschaftspraxis gerät sie
nicht an den bisherigen Alt-Arzt, welcher nur noch an wenigen Tagen
stundenweise in seiner ehemaligen Praxis arbeitet, sondern an seinen
Praxisnachfolger. Die bislang vorliegenden Erkenntnisse reichen zur Stellung
einer Diagnose überraschender Weise nicht aus. Der erwartete Ermüdungsbruch war
es wohl doch nicht. Man macht eine Ultraschall-Untersuchung und stellt
erhebliche Wassereinlagerungen in den Beinen fest. Dazu hätte es keiner
Ultraschall-Untersuchung bedurft.
Das nachfolgende Arzt-Patienten-Gespräch ist dem Sinngehalt
nach wiedergegeben.
Arzt: „Und wie soll ich
Ihnen da weiterhelfen?“
Patientin: „Sie sind der Arzt. Es ist doch Ihre Aufgabe, das
Problem zu lösen.“
Arzt: „Es könnte an den Wassereinlagerungen liegen. Die
drücken jetzt auf die Gelenke.“
Patientin: „Ich muß mich bewegen können. Ich bin beruflich
Fitness- und Tanztrainerin.“
Arzt schaut skeptisch abschätzend vom Fuß hoch zum Gesicht.
Patientin: „Ja, auch dicke Menschen können beweglich und fit
sein.“
Arzt: „Ich war früher Berufsschul-Sportlehrer und erkenne,
ob sich jemand bewegen kann.“
Mitarbeiterin, spontan: „Ich habe Ihren Blick aber auch
gesehen.“
Arzt: (erklärt umfangreich seine Qualifikation, solches zu
erkennen und daß der Blick gar nichts damit zu tun habe)
Patientin: (denkt sich ihren Teil und schweigt lieber)
Arzt: „Fahren Sie doch einfach mal für drei Wochen ans Tote
Meer.“
Patientin: „Das ist keine Alternative. Ich bin selbständig
und kann nicht einfach so verschwinden.“
(Mal ganz abgesehen von den Kosten, die wir im Moment nicht
tragen können. Und ob die Krankenkasse das zahlt… Anm. d. Red.)
Patientin, angesäuert: „Danke. Ich habe zwar kein Abitur und
auch nicht studiert, aber das brauchen Sie mir wirklich nicht zu erklären.“
Arzt: „Ich verordne Ihnen Kompressionsstrümpfe. Die tragen
Sie mindestens 23 Stunden (!) am Tag.
Abwechselnd, denn wenn jetzt zu viel Wasser auf einmal in den Körper
zurückgedrückt wird, ist das auch nicht gut.“
Patientin: (ein Paar, 23 Stunden am Tag, sieben Tage die
Woche – wird lustig mit dem Waschen und einiger weiterer hautbedingter Nebeneffekte)
Arzt: „Aber sinnvoller wären drei Wochen am Toten Meer.“
Die Frage, warum die Schmerzen nach dem Aufstehen, wenn das
Wasser aus den hoch gelagerten Beinen deutlich reduziert ist, am schlimmsten
sind, blieb bedauerlicher Weise unbeantwortet.
Da wirst du sprachlos. Die zweitbeste Ehefrau von allen fährt
nach dem Termin zu ihren Montagskursen und kommt später als üblich nach Hause.
Sie tanzt sich nach Ende der Kurse den Frust vom Leib. Sehr zum Leidwesen des
schmerzenden Fußes. Der Frustpegel steigt wieder auf Höchstwerte.
Vor Absprache des ersten Termins in dieser Praxis hatte die
zweitbeste Ehefrau von allen bei einem anderen Orthopäden einen Termin aufgrund
akuter Schmerzen vereinbart. Nur liegt dieser noch sechs Wochen später als der
hier vereinbarte ursprüngliche Termin. Vorsorglich hatte sie ihn nicht
abgesagt. Auf das Ergebnis nach Einholen der zweiten Meinung darf man gespannt
sein.
Das bestätigt meine Meinung von Ärzten.
AntwortenLöschenEs gibt solche und andere. Alles schon erlebt.
LöschenWurde schon mal ein MRT gemacht?
AntwortenLöschenIch hatte vor einigen Jahren auch wochenlang heftige Schmerzen im Knöchel. Der Fuß wurde mehrfach geröntgt, das Röntgenbild war ok. Der Orthopäde hat dann auch versucht, die Schmerzen wegzudiskutieren. Am Ende schickte er mich doch zum MRT, dort war auf den Bildern ein dünner schwarzer Strich quer durch den Knochen zu erkennen, den der Radiologe als Ermüdungsbruch diagnostizierte. Nach sechs Wochen Ruhigstellung war alles ok.
Es ist kein Ermüdungsbruch. Das war der erste - persönlich-laienhafte - Verdacht, der sich aber nicht bestätigt hat. In der dritten Staffel mehr dazu. :-)
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