Steigen wir wieder ein ins Geschehen.
Das Wochenende verläuft ohne besondere Vorkommnisse.
Vorgestellt hatte ich mir ja seinerzeit einen Film-Marathon zu selbstgemachten Burgern und einem eisgekühlten
koffeinhaltigen Erfrischungsgetränk mit zero Zucker. Danach eventuell noch ein
paar Knabberartikel. Letzteres kommt ja nicht ganz so häufig hier vor. Mein
Strohwitwerwochenende habe ich nun bekommen, aber es fehlt an den Einkäufen, so
daß die Sache mit den Burgern schon mal nicht umgesetzt werden kann. Außerdem
fühle ich mich für einen Marathon, und sei es nur im Ramen eines
Extrem-Couchings auf dem Monster vor dem Fernseher, nicht fit genug. Also
dümple ich das Wochenende so vor mich hin und beschäftige mich in den Phasen
des Nichtdümpelns weiter in Farbe und bunt mit der Waschmaschine. Als ob das
alles nicht genug wäre kümmere mich sonntags ab sechs Uhr morgens um das in
beeindruckender Geschwindigkeit wuchernde Unkraut im Garten. Auch hier wähle
ich ausnahmsweise den bequemen Weg und setze überall chemische Kampfstoffe ein.
Dennoch würde ich schon eine Woche später wieder Hand anlegen müssen. Man hat
ja seine Erfahrungswerte.
Montag klingelt das Telefon um 8.00 Uhr. Keine
Rufnummernanzeige. Egal, ich habe eine Vermutung wer das sein könnte und nehme in
einem Anfall puren Leichtsinns ab, ohne darauf zu warten, daß der
Anrufbeantworter seine gnadenlose Vorsortierung abschließt.
„Firma Katzenfels Medizintechnik, schönen guten Morgen Herr
Paterfelis. Ich rufe an wegen des verordneten Beatmungsgerätes. Wir…“
Die durch das Telefonklingeln geweckte zweitbeste Ehefrau
von allen trottet aus dem Schlafzimmer und wünscht zu erfahren, mit wem ich in
fernmündlichen Kontakt stünde. Ich winke wortlos ab; die Erklärung würde länger
dauern, denn mit dem Namen Katzenfels kann sie zu diesem Zeitpunkt vermutlich
noch nichts anfangen. Und den freundlichen Herrn am anderen Ende der Leitung
eben mit dem Hinweis zu unterbrechen, daß meine privatpersönliche zweitbeste
Ehefrau von allen einen gewissen Aufklärungsbedarf hinsichtlich seiner Person und
seines Begehrs hat, erscheint mir dann doch situativ interpretiert nicht
übertrieben angebracht zu sein.
„… werden Ihnen das Gerät heute Nachmittag vorbeibringen.“
„Ähm, nö, werden Sie
keineswegs. Da habe ich Termine, das geht nicht.“
Tatsächlich hat eher die zweitbeste Ehefrau von allen Termine,
aber ich weiß ja, daß sie bei der Einweisung meiner selbst in eine grandiose neue
Technologie gerne dabei wäre. Sie hat da eher eine Affinität zu als ich
inzwischen, auch wenn das mal anders war. Außerdem muß ich auch noch in höchst
eigener Person bei meinem Hausarzt vorstellig werden, dessen Praxis ich zwecks
Terminvereinbarung zu diesem Zeitpunkt
noch nicht erreicht habe. Also lieber Luft schaffen.
„Dann morgen?“
Morgen ist auch unglücklich, weil ich ja nicht mal weiß, ob
ich weiterhin arbeitsunfähig geschrieben werde. Also besser Mittwoch, damit ich
zur Not im Büro noch etwas regeln kann, was mir die Terminwahrnehmung im Fall
der Fälle ermöglichen sollte. Sofern das überhaupt gerade machbar ist. Ich
teile es so der Telefonstimme mit.
„Ja, dann Mittwoch. Sie hätten dann den ersten Termin, so
zwischen acht und neun Uhr.“
Gut, machen wir so. Die zweitbeste Ehefrau von allen wird
zwar nur wenig amüsiert sein, aber dann ist es wenigstens überstanden. Ich mag
es nicht, den halben Tag auf das Eintreten eines Ereignisses warten zu müssen.
Das bereitet mir Unruhe und hält mich davon ab, andere Dinge zu tun. Einfach
nur deswegen, weil ich weiß, daß ich sie wahrscheinlich nicht ordentlich zu
Ende führen kann. Eine durchaus blöde Eigenart von mir, aber ich komme nicht
davon weg.
Schließlich erreiche ich auch die hausärztliche Praxis, am Apparat
meldet sich die Gattin des Chefs persönlich. Sie hilft also mal wieder aus und
sorgt für Komplikationen im ansonsten dort sehr gut eingespielten Betriebsablauf.
Mit ihr habe ich nicht so gerne zu tun. Irgendwie fühlt es sich immer so an,
als sei man lästig und alleine schon der Gedanke abwegig, zwecks einer
Konsultation die Praxis aufsuchen zu wollen. Und dann auch noch zeitnah und
krank. Ich habe beinahe ein schlechtes Gewissen. Aber wirklich nur beinahe. Es
gibt einen Termin zur Mittagszeit. Sehr gut, dann habe ich den Fixpunkt der
Hölle, ihr erinnert euch an die Sache mit dem Wartezimmer, bequem übersprungen.
Die zweitbeste Ehefrau von allen zeigt sich über den Termin
wenig glücklich, wollte sie doch noch zu ihrer Mutter ins Krankenhaus fahren.
Meine Einwendungen, daß sie ja fahren könne, ich würde dann den Bus nehmen oder
laufen, wurde ziemlich rüde abgewiesen. Ich ärgere mich zwar durchaus über den Tonfall, halte mich aber dennoch zurück,
denn schließlich weiß man(n) nach kurz vor dem Status jahrzehntelanger Beziehung
stehend – und dann auch noch immer mit derselben Frau - wann es angeraten ist, einfach mal die Klappe
zu halten. Und das ist zweifellos immer der Fall, wenn die zweitbeste Ehefrau
von allen aus dem Schlaf gerissen wurde.
Das Telefon klingelt wieder. Mir wird eine ellenlange Nummer
angezeigt, die nicht aus unserer Gegend stammt. Die Vorwahl alleine schon sagt
mir gar nichts. Der Anrufbeantworter springt an, niemand spricht drauf. Dafür
wiederholt der Anrufer seine Versuche hartnäckig. Innerhalb von fünf Minuten
gibt es vier weitere Anrufversuche. Blöder Spammer. Eine weitere Nummer für die
schwarze Liste der Frizzbox. Später.
Mein Hausarzt zeigt sich zufrieden über die Ergebnisse des
Krankenhausaufenthaltes. Es sei ja gut gewesen, daß wir die Blutuntersuchung
gemacht haben. Ich komme nicht umhin, ihm zuzustimmen, auch wenn mich die
Ergebnisse und die daraus resultierenden Folgen weniger begeistern. Schließlich
gab es keine für mich spürbaren Einschränkungen. Aber es handelte sich um einen
über lange Zeit schleichenden Prozess. Die zweitbeste Ehefrau von allen wird
mir später nochmal erklären, daß sie schon bemerken konnte, wie ich abgebaut
habe. Und ja, sie hat mich darauf auch schon hingewiesen. Aber wer reagiert
schon auf so etwas? So etwas wird auf typisch männliche Weise wegignoriert.
Die Lungenentzündung soll nun weiter von alleine ausheilen,
Medikamente benötige ich nicht mehr. Es ist nur eine Zeitfrage. Die weitere
Überwachung des Genesungsprozesses sowie der Atemtherapie soll durch einen
Lungenarzt erfolgen. Mein Hausarzt schreibt mich für anderthalb Wochen
arbeitsunfähig. Danach soll ich mit einer halben Arbeitswoche wieder im Büro
starten. Und es auf jeden Fall für einige
Zeit ruhig angehen lassen, auch wenn ich der Meinung sei, ich könnte wieder
Bäume ausreißen. Ich denke mir meinen Teil dazu, muß aber einräumen, daß
ich es zwischenzeitlich, also zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Eintrags
(Mitte Juni), bereits mit Unkraut ausreißen getestet habe.
Funktioniert also. Aber ich schweife sinnlos ab. Der Termin
beim Lungenarzt wäre dann für Ende Juni vorgesehen, also etwa in vier Wochen ab
dem Zeitpunkt meines Besuchs beim Hausarzt.
Den Lungenarzt werde ich später anrufen, wenn die zweitbeste
Ehefrau von allen zu ihren Kursen aushäusig ist. Ich hasse es bekanntlich zu
telefonieren. Wenn es notwendig ist, rufe ich aber auch irgendwo an. Nur möchte
ich dann dabei keine Zuhörer haben. Das gilt auch für die zweitbeste Ehefrau
von allen und so läppische Dinge wie die Terminvereinbarung bei einem Arzt. Auch
das ist eine Auswirkung der Soziophobie. Sie versteht es nicht, muß es aber
akzeptieren. Dafür erreicht mich am später werdenden Nachmittag wieder ein
Anruf mit unterdrückter Nummer. Könnte die Firma Katzenfels sein. Ok, das ist
wichtig. Ich nehme auf gut Glück den Hörer ab das Telefon in die Hand
und drück die Taste, welche die Annahme der Verbindung in die Wege leitet.
„Hier Firma Katzenfels, ich bin jetzt unterwegs zu ihnen und
werde in einer Stunde da sein.“
„Nein, werden Sie
nicht.“
„???“
„Wie ich Ihrem
Kollegen (andere Stimme, also eindeutig andere Person - Anm. d. Red.) bereits heute Morgen sagte, habe ich gleich
keine Zeit mehr…“
„Oh, dann morgen.“ werde ich unterbrochen.
„Nein, wir haben uns
auf Mittwoch geeinigt.“
„Gut, dann werde ich Sie da ja auf meiner Liste finden.“
„Das möchte ich doch
hoffen.“
Freundlich beenden wir das Gespräch. Ich stelle fest, daß
der Spam-Anrufer es noch ein paar Mal versucht hat. Egal, bei nächster
Gelegenheit kommt die Nummer auf den Index, dann ist Ruhe. Neugierig geworden
versuche ich zu ermitteln, wer der Spam-Anrufer sein könnte. Och, Firma
Katzenfels. Pech. Wenn es wichtig ist, sollen sie auf den Anrufbeantworter
quasseln. Was für mich wichtig ist, das ist geklärt: der Termin zur Übergabe
und Einweisung in das Beatmungsgerät.
Warten wir ab, was noch geschieht.

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