Dienstag, 3. April 2018

Frohe Kunde

Das E-Mail-Symbol ploppte auf und störte mich bei der Arbeit.

„Hiermit lade ich zu einer außerordentlichen Dienstbesprechung um 13.oo Uhr ein.“

Oh, da fängt Frl. Hasenclever ja gut nach ihrem Urlaub an. Besprechung in der Pausenzeit. Obwohl – ich wusste ja, um was es gehen würde. Ich hatte sie morgens bereits über die Ereignisse während ihrer Abwesenheit informiert.

Um 13.00 Uhr versammelten sich die letzten Verbliebenen in unserem Besprechungsraum. Die Urlaubszeit hatte uns mal wieder gebeutelt, zusätzlich gab es Ausfälle aufgrund einer späten Erkältungswelle. Auch die zweitbeste Ehefrau von allen hatte gemeint, den letzten Schwung noch mitnehmen zu müssen und zeigte sich in Folge dessen recht – ähm – sprachlos. Keine gute Sache für jemanden, der in seinem Beruf auf die Gebrauchsfertigkeit der Stimme angewiesen ist.

„Nach all den Katastrophen der letzten Zeit habe ich endlich mal eine gute Nachricht.  Nachdem jetzt alle Formalitäten geregelt sind habe ich von Frau Schubert die Erlaubnis bekommen, die Information weiterzugeben. Wir bekommen Verstärkung auf der Ebene der Sachbearbeiter.“

Irritierte Blicke wanderten umher.

„Ist jemand schwanger?“ ließ Helga ihren leicht schrägen Humor raus.

„Nein, nicht daß ich wüsste. Aber Herr Harnischfeger kehrt  Montag zur Wiedereingliederung in den Dienstbetrieb zurück. Zunächst an zwei Tagen pro Woche mit jeweils vier Stunden. Die Wiedereingliederung dauert länger als üblich. Ende August ist er dann wieder in Vollzeit da. Herr Paterfelis begleitet die Wiedereinarbeitung.“

Die bedauernden Äußerungen einiger Kollegen nahm ich billigend zur Kenntnis. Weitere Reaktionen waren eher verhalten bis kaum messbar.

„Ja, das war es eigentlich schon. Sie gucken alle so erwartungsvoll. Ist noch was?“

„Ja. Sie sprachen von einer  guten Nachricht. Auf die warten wir noch.“

Ja, der war böse. Doch er musste einfach raus.

Und niemand hat widersprochen.





Kommentare:

  1. Mit anderen Worten:
    Das der Kollege fehlte, war jetzt nicht so direkt ein Problem?

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    1. Doch, war es. Ist es auch immer noch, soweit wir die anfallende Arbeit übernehmen müssen. Wie wir aber festgestellt haben, hat er seine Arbeit nur sehr unzureichend erledigt. Wir waren erst mal wochenlang (!) damit beschäftigt, seine Reste aufzuarbeiten und sind bis heute damit beschäftigt, seine Fehler rechtlich sauber glattzubügeln.

      Dazu kommt, daß er eine sehr selbstbewusste, dabei aber ignorante Art an den Tag legt. Wir haben schon vorher gemerkt, daß bei ihm nicht alles rund läuft. Immer haben wir darauf hingewiesen, wenn an einer Stelle etwas anfängt zu brennen. Ja ja, er kümmere sich. Hilfe hat er abgelehnt. Das waren Sachen, die man in zehn Minuten ohne Anstrengung hätte erledigen können. Er hat es liegen gelassen. Wenn man so etwas aber drei Jahre liegen lässt, kann man die darauf hin entstandenen Folgen nicht mehr in zehn Minuten bereinigen. Das ist mitunter ein riesiger Aufwand. So ist es zum Beispiel vorgekommen, daß deswegen Kunden in einen Berg Schulden geraten sind, was schon unangenehm genug ist. Mit den Kunden eine Ratenzahlung zu vereinbaren, ist bei uns aber an ein aufwendiges Verfahren geknüpft. Trotzdem müssen wir versuchen, die Außenstände reinzubekommen.

      Andererseits hat er durch liegenlassen auch eine Überzahlung von Geldbeträgen im mittleren fünfstelligen Bereich zu verantworten.

      Die Kombination aus übersteigertem Selbstbewusstsein und Ignoranz ist eine gefährliche Mischung. Reden hat in der Vergangenheit nichts gebracht. Und niemand weiß, wie man am Montag mit ihm umgehen soll. Denn selbst unsere sanftmütigsten und geduldigsten Kolleginnen sind immer noch restlos sauer.

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    2. Heiliges Kanonenrohr!
      So einen Müll kannste Dir als kleines Licht aber nicht leisten!
      Ja, die Ignoranz ist schon belastend.

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    3. Als kleines Licht nicht, als Beamter schon. Er macht einfach glaubhaft, daß es nicht mit Absicht geschehen ist und er zu der Zeit aus welchen Gründen auch immer überfordert war, und schon wächst Gras über die Sache. Da keine weitergehenden Ambitionen auf eine Karriere im Raum stehen, ist die Sache somit erledigt.

      Und falls doch - was mich bei unserer Verwaltung aber erstaunen würde - interne Regress-Forderungen geltend gemacht werden, zahlt seine Berufshaftpflicht. Darauf hat der Kerl uns schon früher mal hingewiesen, bevor es ernst wurde.

      Da kann man nur noch die Faust in der Tasche ballen.

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    4. Auweia. Und das bei einem Beamtensalär. Zur Bearbeitung bekommt er also nur noch ganz einfaches Zeug, wo der Schaden übersehbar wäre...
      Das nächste ist, das er behauptet, er wird gemobbt, weil keiner mit ihm zusammenarbeiten will. Da derjenige dann nur noch Schadensbegrenzung betreiben kann.
      Und die minimale Startzeit bei der Wiedereingliederung...ich mein, bis zur nächsten Woche hat der doch alles wieder vergessen, was er grad gemacht hat. Und für Dich sinds Zeiten, wo Du zur nix anderem kommst, oder?

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    5. Wenn es das alleine wäre, könnte ich Zeit irgendwie durch Änderung einiger Prioritäten abzweigen, Aber es kommt noch genug anderer Kram hinzu. Die Theorie der Arbeitsbemessung geht nicht davon aus, daß alles gleichzeitig zu erledigen ist, sondern daß die Sonderaufgaben hübsch der Reihe nach auftreten. Und das als Dauerzustand hat niemand auf dem Plan.

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