Es ist ein steter Quell der Freude für die Mitarbeiter des
Hauses. Insbesondere dann, wenn sie an diesem Tag bereits genehmigten Urlaub
haben oder aus anderen Gründen abwesend sein können. Denn der Herr Geschäftsführer gehört nicht
zwingend zu jenen Personen, die man als Sympathieträger kennen wird. Ältere
unter meinen Lesern werden sich an
J. R. Ewing erinnern können. Und aus eben jenem
Grund nennen viele Kollegen den Herrn Geschäftsführer heimlich J.R. Oder einfach
Jens-Rüdiger. Das fällt dann nicht so auf.
Für alle Kollegen, die sich nicht rechtzeitig dank ihrer
Intuition aus dem Staub machen konnten, besteht ab dem Bekanntwerden des
Besuchstermins Urlaubssperre. Und dabei haben wir vom Fußvolk es noch relativ
gut, müssen wir doch nur bei dem Tagesordnungspunkt Massenzusammenkunft der Angehörigen aller Fachbereiche des Hauses anwesend
sein und uns Dinge anhören, die allenfalls einzelne Fachbereiche betreffen und
mit dem der Rest der Anwesenden so absolut gar nichts anfangen kann.
Schlimmer sind da die Führungskräfte ab Ebene der
Fachbereichsleiter dran. Die dürfen sich nämlich noch in kleiner Runde mit
Jens-Rüdiger auseinandersetzen. Und dieser hat die Angewohnheit, selbst in den
positivsten Aussagen noch etwas zu finden, was er mit scharfer, schneidender
Stimme kritisieren kann. Und wenn mal
etwas so gar nicht nach seinem Geschmack läuft, dann wird keinerlei Erklärung
akzeptiert, die etwas mit äußeren Einflüssen zu tun hat. Es ist immer die
Schuld der Mitarbeiter. Immer! Ausnahmslos! Selbst wenn wir in Sachen nicht weiterkommen,
weil wir zum Beispiel auf einen richterlichen Beschluss warten müssen. Unsere
Schuld. Wir haben dann eben den zuständigen Richter nicht im Griff.
Bei den letzten zwei Durchgängen hatte mich meine Intuition
nicht im Stich gelassen. Der Herr Geschäftsführer kam, während ich Urlaub
hatte. Und auch dieses Mal schien mir das Glück hold zu sein. Bis uns plötzlich
eine Terminverschiebung bekanntgegeben wurde. Und der neue Termin sagte mir etwas. Etwas, was durchaus
dazu geeignet erschien, in mir eine gewisse Besorgnis auszulösen. Ich öffnete
die Datei mit den Urlaubsplanungen.
Ein an passender Stelle gesetztes Kreuz leuchtete mich an.
Der Ersatztermin fiel in Frl. Hasenclevers angemeldeten
Urlaub. Ich würde sie also auch in der kleinen Runde der Führungskräfte
vertreten müssen. Na danke vielmals.
Natürlich äußerte ich mein Missfallen über das mich erwartende Ungemach jedem, der es nicht
hören wollte, um entsprechende Anteilnahme zu kassieren. So ein paar
Streicheleinheiten tun auch mir mal gut, selbst wenn sie nur geheuchelt sein
sollten. Bis mir dann Maria, die gute Seele des Hauses und quasi Frau Schuberts persönliche Assistentin, mir den aus ihrer Sicht bestehenden Grund
für die Terminverschiebung mitteilte.
„Ja weißt du, an dem ursprünglichen Termin habe ich Urlaub. Und
den konnte ich nicht absagen.“
„Na und?“
„Wer soll denn dann mittags für die hohen Herren Brötchen
und Teilchen holen und Kaffee kochen, wenn ich nicht da bin? Na?“
Da sieht man wieder, wer im Haus wirklich wichtig ist.
Bei Erscheinen der Obrigkeit reitet mich dann immer so ein klitzekleines Teufelchen. Sagst dem jetzt, das Du für die Zusammenkunft keine Zeit hast, weil er meckert ja über die Nichtbearbeitung, welche grade aus der Tatsache seines Besuches resultiert?
AntwortenLöschenEr dürfte da auf jeden Fall steigerungsfähig sein.
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