Nun bin ich zwar nicht Eigentümer, aber doch Besitzer eines
Beatmungsgerätes. Und nutzen kann ich es immer noch nicht. Die
Mittelohrentzündung sorgt dafür, denn die Atemmaske muß schließlich irgendwie
an mir befestigt werden. Die dazu vorgesehenen Bänder verlaufen ober- und
unterhalb meines Ohres. Das ist schlecht, denn durch den Druck der Bänder wird
der Schmerz verstärkt. Damit ist an Schlafen schon mal gleich gar nicht zu
denken. Also vertagen wir den Test.
Am Samstag schließlich haben die Schmerzmittel endlich
soweit gewirkt, daß ich es wagen kann, die Schlafmaske dann doch mal
aufzusetzen und den Zauberkasten in Betrieb zu nehmen. Und was soll ich sagen?
Selbst bei den horrenden Temperaturen ist es mir gelungen, etwas mehr als vier
Stunden am Stück zu schlafen. Das Beatmungsgerät tut also seinen Zweck in einer
mir zuträglichen Weise. Der große Aha-Effekt, der sich einstellen soll, weil
man ja plötzlich wieder ordentlich schläft, bleibt allerdings aus. Dies wird
sich auch in den nächsten Wochen nicht ändern. Vielleicht ein schleichender
Prozess? Oder ist es den Tropennächten geschuldet, welche dafür Sorge tragen,
daß der Schlaf vielleicht doch nicht ganz so erholsam ist? Ich werde die Sache
beobachten. Irgendwann muß es einfach wieder kühler werden.
Der Überwachungstermin beim Lungenarzt steht an. Gegen neun
Uhr morgens treibe ich mich in der Nähe seiner Praxis herum und bin schon
ziemlich durchgeschwitzt. In der Praxis selber herrscht Sturmwarnung. Das
Gebäude ist älteren Datums, es gibt weder Klima- noch Belüftungsanlage. Stattdessen
scheint da jemand irgendwo den
kompletten Lagerbestand an Ventilatoren unterschiedlichster Bauart abgegriffen
zu haben. Die Geräte laufen ausnahmslos auf Höchsttouren.
Herr Professor Dr. Hassenichgesehen ruft mich persönlich auf.
Als Neupatient fragt er mich bestimmte Dinge ab, unter anderem auch meinen
Beruf. Wieder einmal erlebe ich, daß ich bei Nennung meiner Berufsbezeichnung –
ohne die zwingend dazugehörige Spezialisierung - bei einem Arzt den Hauch einer
Unruhe bemerke. Auf Nachfrage nenne ich auch meinen Arbeitgeber sowie einige
Details meines Zuständigkeitsbereiches, welches in meinem Gegenüber die
Erkenntnis weckt, daß ich mit dem
Gesundheitswesen hier eher nichts zu tun habe. Ich verspüre eine gewisse
Entspannung bei meinem Gegenüber. Erstaunt zeigt er sich allerdings darüber, daß
ich bereits auf Veranlassung des Krankenhauses mit einem Beatmungsgerät
versorgt wurde.
Die nächsten zwei Stunden verbringe ich ohne nennenswerte
Wartezeiten in einem Parcours, der mir noch aus dem Krankenhaus vertraut
vorkommt. Zunächst gibt es wieder ein heißes Öhrchen, gefolgt von der
Blutabnahme. Dann geht es in den Glaskasten zur Lungenfunktionskontrolle.
Danach unternehme ich einen Spaziergang zu einer nahe gelegenen radiologischen
Praxis. Die Lunge bedarf noch einer aktuellen Röntgenaufnahme. Gerade durch den
Orkan in der ärztlichen Praxis trockengelegt darf ich nun also draußen wieder
die Schweißproduktion ankurbeln. Kaum zurück beim Lungenarzt bekomme ich ein
mir ebenfalls aus dem Krankenhaus bekanntes Kontrollgerät in einem schicken
Koffer ausgehändigt. Das Gerät soll meinen Nachtschlaf überwachen und wird an
das Beatmungsgerät angeschlossen. Das schaffe ich. Die Mitarbeiterin stellt
einige Fragen, unter anderem, wann ich heute ins Bett zu gehen gedenke und wie
lange ich vorhabe, zu schlafen. Auf meine Aussage, daß ich höchst selten deutlich mehr
als fünf Stunden schlafe, reagiert sie etwas irritiert und schreibt einen
Zeitraum von acht Stunden auf.
Ein Blick zur Uhr sagt mir, daß die zweitbeste Ehefrau von
allen in zehn Minuten ihren wöchentlichen Termin beim Physiotherapeuten hat.
Der ist von hier aus fußläufig erreichbar. Da meine Motivation wieder mit dem
Bus nach Hause zu fahren als eher gering einzustufen ist, begebe ich mich auf
den Marsch zur dortigen Praxis, damit eine gemeinsame Heimfahrt mit dem
Automobil ermöglicht werden kann. Nachdem ich gerade die Praxis des
Lungenarztes verlassen habe, bleibe ich draußen stehen und schalte das Handy
wieder ein, um eine entsprechende elektronische Benachrichtigung über meine
diesbezüglichen Absichten an die zweitbeste Ehefrau von allen auf den Weg zu
bringen. Der mobile Rechenautomat mit Nebenfunktionen ist noch nicht ganz
hochgefahren, als ein durchaus bekanntes Auto neben mir hält. Die zweitbeste
Ehefrau von allen hat mich zufällig auf dem Weg stehen sehen und zutreffend
gefolgert, daß es meinem Begehr entsprechend würde, mitgenommen zu werden.
Direkt gegenüber von Sebastians physiotherapeutischer Praxis
finde sich ein schattiger Parkplatz. Während die zweitbeste Ehefrau von allen
in der Praxis verschwindet, machte ich mich auf den kurzen Weg zum örtlichen
Sanitätshaus, um noch etwas zu regeln, und verlaufe mich auf dem Rückweg in
eine hier noch relativ neue Bäckerei in der örtlichen Einkaufsstraße. Ein paar
junge Leute versuchen scheinbar, ihr eigenes Konzept zu verwirklichen, weit ab
von den Bäckereien der bekannten großen Filialbetriebe, von denen sich in der
recht kurzen Einkaufsstraße mindestens schon sieben ausgebreitet haben.
Ich erstehe günstig eine vorgepackte, gemischte Tüten mit
Backwaren vom Vortag, stelle etwas später fest, daß es in Balduins Blechkleid
trotz des schattigen Parkplatzes eindeutig zu warm ist und beschließe, in Sebastians
Wartezimmer das zu tun, wozu es da ist. Ich warte.
Nach erfolgreichem Absitzen der Wartezeit in der wirklich
nur sehr relativen Kühle des Wartezimmers erscheint die zweitbeste Ehefrau von
allen. Es ist 11.30 Uhr. Zeit für ein vorgezogenes Frühstück. Also geht es in
die benachbarte Eisdiele.
Ich habe die Vorstellung, daß es
endlich mal läuft.
die beste krankheit nützt wirklich nix. gute besserung weiterhin.
AntwortenLöschenIst ja in der Gegenwart schon alles erledigt. Trotzdem danke. :-)
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