Dienstag, 2. Oktober 2018

Vorstellungen, Staffel 3, Teil 9 - Hitze, Sturm und ein Abfangkurs

Nun bin ich zwar nicht Eigentümer, aber doch Besitzer eines Beatmungsgerätes. Und nutzen kann ich es immer noch nicht. Die Mittelohrentzündung sorgt dafür, denn die Atemmaske muß schließlich irgendwie an mir befestigt werden. Die dazu vorgesehenen Bänder verlaufen ober- und unterhalb meines Ohres. Das ist schlecht, denn durch den Druck der Bänder wird der Schmerz verstärkt. Damit ist an Schlafen schon mal gleich gar nicht zu denken. Also vertagen wir den Test.

Am Samstag schließlich haben die Schmerzmittel endlich soweit gewirkt, daß ich es wagen kann, die Schlafmaske dann doch mal aufzusetzen und den Zauberkasten in Betrieb zu nehmen. Und was soll ich sagen? Selbst bei den horrenden Temperaturen ist es mir gelungen, etwas mehr als vier Stunden am Stück zu schlafen. Das Beatmungsgerät tut also seinen Zweck in einer mir zuträglichen Weise. Der große Aha-Effekt, der sich einstellen soll, weil man ja plötzlich wieder ordentlich schläft, bleibt allerdings aus. Dies wird sich auch in den nächsten Wochen nicht ändern. Vielleicht ein schleichender Prozess? Oder ist es den Tropennächten geschuldet, welche dafür Sorge tragen, daß der Schlaf vielleicht doch nicht ganz so erholsam ist? Ich werde die Sache beobachten. Irgendwann muß es einfach wieder kühler werden.

Der Überwachungstermin beim Lungenarzt steht an. Gegen neun Uhr morgens treibe ich mich in der Nähe seiner Praxis herum und bin schon ziemlich durchgeschwitzt. In der Praxis selber herrscht Sturmwarnung. Das Gebäude ist älteren Datums, es gibt weder Klima- noch Belüftungsanlage. Stattdessen scheint da jemand  irgendwo den kompletten Lagerbestand an Ventilatoren unterschiedlichster Bauart abgegriffen zu haben. Die Geräte laufen ausnahmslos auf Höchsttouren.

Herr Professor Dr. Hassenichgesehen ruft mich persönlich auf. Als Neupatient fragt er mich bestimmte Dinge ab, unter anderem auch meinen Beruf. Wieder einmal erlebe ich, daß ich bei Nennung meiner Berufsbezeichnung – ohne die zwingend dazugehörige Spezialisierung - bei einem Arzt den Hauch einer Unruhe bemerke. Auf Nachfrage nenne ich auch meinen Arbeitgeber sowie einige Details meines Zuständigkeitsbereiches, welches in meinem Gegenüber die Erkenntnis weckt, daß ich mit dem  Gesundheitswesen hier eher nichts zu tun habe. Ich verspüre eine gewisse Entspannung bei meinem Gegenüber. Erstaunt zeigt er sich allerdings darüber, daß ich bereits auf Veranlassung des Krankenhauses mit einem Beatmungsgerät versorgt wurde.

Die nächsten zwei Stunden verbringe ich ohne nennenswerte Wartezeiten in einem Parcours, der mir noch aus dem Krankenhaus vertraut vorkommt. Zunächst gibt es wieder ein heißes Öhrchen, gefolgt von der Blutabnahme. Dann geht es in den Glaskasten zur Lungenfunktionskontrolle. Danach unternehme ich einen Spaziergang zu einer nahe gelegenen radiologischen Praxis. Die Lunge bedarf noch einer aktuellen Röntgenaufnahme. Gerade durch den Orkan in der ärztlichen Praxis trockengelegt darf ich nun also draußen wieder die Schweißproduktion ankurbeln. Kaum zurück beim Lungenarzt bekomme ich ein mir ebenfalls aus dem Krankenhaus bekanntes Kontrollgerät in einem schicken Koffer ausgehändigt. Das Gerät soll meinen Nachtschlaf überwachen und wird an das Beatmungsgerät angeschlossen. Das schaffe ich. Die Mitarbeiterin stellt einige Fragen, unter anderem, wann ich heute ins Bett zu gehen gedenke und wie lange ich vorhabe, zu schlafen. Auf meine Aussage, daß ich höchst selten deutlich mehr als fünf Stunden schlafe, reagiert sie etwas irritiert und schreibt einen Zeitraum von acht Stunden auf.

Ein Blick zur Uhr sagt mir, daß die zweitbeste Ehefrau von allen in zehn Minuten ihren wöchentlichen Termin beim Physiotherapeuten hat. Der ist von hier aus fußläufig erreichbar. Da meine Motivation wieder mit dem Bus nach Hause zu fahren als eher gering einzustufen ist, begebe ich mich auf den Marsch zur dortigen Praxis, damit eine gemeinsame Heimfahrt mit dem Automobil ermöglicht werden kann. Nachdem ich gerade die Praxis des Lungenarztes verlassen habe, bleibe ich draußen stehen und schalte das Handy wieder ein, um eine entsprechende elektronische Benachrichtigung über meine diesbezüglichen Absichten an die zweitbeste Ehefrau von allen auf den Weg zu bringen. Der mobile Rechenautomat mit Nebenfunktionen ist noch nicht ganz hochgefahren, als ein durchaus bekanntes Auto neben mir hält. Die zweitbeste Ehefrau von allen hat mich zufällig auf dem Weg stehen sehen und zutreffend gefolgert, daß es meinem Begehr entsprechend würde, mitgenommen zu werden.

Direkt gegenüber von Sebastians physiotherapeutischer Praxis finde sich ein schattiger Parkplatz. Während die zweitbeste Ehefrau von allen in der Praxis verschwindet, machte ich mich auf den kurzen Weg zum örtlichen Sanitätshaus, um noch etwas zu regeln, und verlaufe mich auf dem Rückweg in eine hier noch relativ neue Bäckerei in der örtlichen Einkaufsstraße. Ein paar junge Leute versuchen scheinbar, ihr eigenes Konzept zu verwirklichen, weit ab von den Bäckereien der bekannten großen Filialbetriebe, von denen sich in der recht kurzen Einkaufsstraße mindestens schon sieben ausgebreitet haben.

Ich erstehe günstig eine vorgepackte, gemischte Tüten mit Backwaren vom Vortag, stelle etwas später fest, daß es in Balduins Blechkleid trotz des schattigen Parkplatzes eindeutig zu warm ist und beschließe, in Sebastians Wartezimmer das zu tun, wozu es da ist. Ich warte.

Nach erfolgreichem Absitzen der Wartezeit in der wirklich nur sehr relativen Kühle des Wartezimmers erscheint die zweitbeste Ehefrau von allen. Es ist 11.30 Uhr. Zeit für ein vorgezogenes Frühstück. Also geht es in die benachbarte Eisdiele.

Ich habe die Vorstellung, daß es endlich mal läuft.



2 Kommentare:

  1. die beste krankheit nützt wirklich nix. gute besserung weiterhin.

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    1. Ist ja in der Gegenwart schon alles erledigt. Trotzdem danke. :-)

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