Donnerstags ist aber auch Babs-Tag. Also der Tag des Friseurbesuches bei unserer Haus- und Hof-Friseurin. Babs eben. Wenn Babs jemals mitbekommt, daß ich sie hier im Blog Babs nenne, macht sie mich einen Kopf kürzer. Was zur Folge hätte, daß ich immer noch mindestens zwei Köpfe größer bin als sie, aber sich das Haare schneiden damit wohl erledigt hätte. So ohne Kopf tut man sich da eben auch mit den Haaren etwas schwerer.
Beim letzten Besuch habe ich wieder Kharma-Punkte gesammelt. Denn in Babs Geschäftsräumen tummelt sich auch Freddy. Bei Freddy handelt es sich um einen Mopsdackel. Oder Dackelmops. Irgendwie so. Wie auch immer. Freddy hat keine Zähne mehr, leidet dackeltypisch an Arthrose und hat Angst vor großen Männern. Es ist mir beim letzten Besuch gelungen, ihn eine gefühlte halbe Ewigkeit lang zu betutteln. Als großgewachsener Mann. Vielleicht hat er jetzt ja auch ein Augenproblem. Auf jeden Fall war er mit meiner Streichelleistung zufrieden, wie mir der abschließende Einsatz seiner Schlabberzunge bestätigte.
Aber ich schweife mal wieder völlig vom Thema ab.
Der monatliche Besuch bei Babs bringt natürlich unseren Einkaufstag etwas durcheinander. Wenn die zweitbeste Ehefrau von allen und ich Babs Laden wieder mit einer ordentlichen Frisur verlassen, ist es in den anderen Geschäften voller und die dortigen Regale - insbesondere mit den aufgrund des Erreichens des Mindesthaltbarkeitsdatums preisreduzierten Artikeln - sind leerer. Meine Motivation zum Einkauf ähnelt zu diesem Zeitpunkt auch eher den Regalen als den Läden. Also wird alles auf das Wesentliche reduziert. Am Samstag wollte ich dann nochmal einen weiteren Laden aufsuchen, am das im Angebot befindliche Katzenstreu zu erstehen. Das musste an jedem Babs-Donnerstag auch nicht mehr sein.
Ich mag es ja, am Samstag Morgen einzukaufen. Es ist zumeist noch ruhig in den Läden, ich kann in Ruhe vor mich hinschlendern und meinen Einkauf so vornehmen, wie ich es für richtig halte. Die zweitbeste Ehefrau von allen hat da etwas abweichende Vorstellungen, wie die Sache von statten zu gehen hat, was mitunter zu leichten Angespanntheiten beiderseits führen kann.
Also zog ich am Samstag nochmal los. Der ob der nur wenigen benötigten Artikel nur sehr übersichtliche Einkaufszettel erlangte keine körperliche Gestalt, sondern lag nur in Form eines Gedankenvermerks vor: Katzenstreu, der Angetrauten Lieblingsgetränk (soweit vorrätig, also eher minderwahrscheinlich - sagen die Erfahrungswerte), Backwaren zum frühnachmittäglichen Früstück, Schmalz für den geplanten Linseneintropf. Dazu wieder Beuteartikel.
So schlenderte ich durch die Hallen des örtlichen Ärrweh-Marktes und wurde fündig. Natürlich fehlte das Lieblingsgetränk wieder, dafür stieß ich auf einen Vorrat Federweißer, von denen ich noch zwei Flaschen abgriff. Ebenso wanderte der komplette Warenbestand an Katzenstreu in meinen Wagen, Schmalz und Backwaren natürlich, und auch ein paar Beutestücke in Form von Wurstwaren. Sehr schön.
Im Kassenbereich zeigte es sich ungewöhnlich voll. Vier von zehn Kassen waren geöffnet, es hatten sich auch schon kleinere Schlangen gebildet. Normal wären zu dieser Zeit zwei Kassen, welche kaum ausgelastet sind. Vor mir an der Kasse befand sich ein Paar, dessen Wagen die Kapazitätsgrenzen eindeutig überschritten hatte. Und man bildete nicht die vordere Spitze der Reihe. Es würde also noch etwas dauern. Da bemerkte ich an der durch einen Pfeiler regelmäßig verdeckten und daher weniger stark frequentierten Nachbarkasse, daß sich ein Kunde im Zahlvorgang befand und der nächste nur zwei Brötchentüten aufs Band legte. Danach war alles frei. Ich war bereit zum Spurwechsel und setzte ihn souverän um.
Schwerer Fehler.
Alleine der Kassenvorgang des Brötchenkunden zog sich hin, da man die Eingabe-Nummern der Backwaren nicht auswendig kannte und die an der Kasse befindlichen Tableaus diese - an sich gängigen - Artikel scheinbar nicht beinhalteten. Tüte No. 1 wurde Hilfe der Kassenaufsicht geklärt, welche danach wieder verschwand. In Tüte No. 2 befanden sich zwei verschiedene Artikel. Eine Nummer war bekannt, die andere nicht. Und keine Kassenaufsicht mehr in der Nähe. Es dauerte schon etwas, bis das Problem mit Hilfe der freundlichen Kassiererin von nebenan gelöst werden konnte.
Dann war die Reihe an mir. Die beiden Flaschen gab ich der Dame an der Kasse so in die Hand. Es kam, wie es kommen musste. Sie legte die Flaschen zum Einscannen hin. Mein Warnhinweis, dies keinesfalls zu tun, kam zu spät. Wer jemals eine Flasche Federweißer hingelegt hat wird wissen, was geschah. Der Rest wird nunmehr darüber informiert, daß der Flaschenverschluss aufgrund des Gärprozesses in der Flasche gewollt undicht ist.
Die Kassenaufsicht kam zur Rettung mit Papiertüchern, um die Sauerei wieder zu trocknen.
Ich blieb entspannt. Äußerlich.
Dann hielt ich der Kassendame eines meiner fünf Pakete Katzenstreu hin, damit sie scannen könne. Es hat auch soweit gut funktioniert; die Anzahl der Pakete wurden ebenfalls zutreffend erfasst.
"Gehören die Sachen auf dem Band auch noch zu Ihnen?"
Ja, eine berechtigte Frage, stand ich doch zwischenzeitlich nicht mehr alleine an der Kasse. Ich bestätigte.
"Oh, jetzt habe ich auf Summe gedrückt."
Ein lösbares Problem. Ich zahlte also hilfsbereit wie ich bin den ersten Teil meines Einkaufes und wartete auf das beginnende Scannen des Restes.
Hinter mir bekannt sich eine beachtliche Schlange zu bilden. Die ersten Kunden hinter mir hatten noch das Abkassieren des vorherigen Kunden mitbekommen. Sie bekamen irre Blicke.
Ich hatte zwei Tüten mit Backaren auf dem Band liegen.
Eine Sorte wurde treffend eingescannt, die andere nicht. Die Kassenaufsicht erschien, um den Storno zu vollziehen.
Ich registrierte die tötenden Blicke hinter mir, lächelte weiter
Nun ging es an die preisreduzierten Artikel. Natürlich funktionierte dies hier auch nicht reibungslos. Der erste meiner fünf Artikel wurde mit dem vollen Preis eingescannt, der Rest entsprechend reduziert.
In Augenwinkel sah ich, wie das Paar von nebenan mit dem überfüllten Einkaufswagen locker-lässig an mir vorbeizog.
Die Schlange hinter mir begann, sich zu einem wütenden Mob zu wandeln.
Ich beschloss, nicht direkt an der Kasse zu reklamieren, sondern erst später bei der Kassenaufsicht, und mir dort mein Geld zurückzuholen, und blieb weiterhin freundlich-lächelnd. Glaube ich wenigstens.
Wir brachten das Drama zu Ende. Die Kassiererin bedankte sich bei mir. Vermutlich für meine bewahrte Ruhe.
Ich bin ein guter Mensch.
Es kann nur so sein.
Bitte bestätigt mir das jetzt. Ich brauche es, um meinen Frustpegel zu kanalisieren.
Einkaufen ist eine Pest.
AntwortenLöschenMeine Strategie: Entweder Mittags - alle daheim, oder Sonnabend früh 7.00Uhr. Wieso machen die eigentlich so spät erst auf? ;-)
Du bist ein guter Mensch.
:-)
LöschenUnd die im Raum stehende Frage stelle ich mir auch immer wieder.
Wahrscheinlich sind wir da die Einzigen.......
LöschenEin guter Mensch. Bestätigt.
AntwortenLöschenDanke sehr.
LöschenLieber Paterfelis - wenn ICH mir diese Szene so vorstelle, wage ich zu behaupten (ohne dich zu kennen) - DUBISTEINGUTER MENSCH" auch ein nicht Soziophobiker hätte wahrscheinlich und nur zu verständlich kurz vor einem Anfall gestanden!
AntwortenLöschenAls der Flaschenhals platzte!!! - Der Wahnsinn schlechthin - der Tach wäre gelaufen...
eine äußerst vergnüglich zu lesende Geschichte die ich lachend inhaliert habe...du Armer!!!
lb.Gruß
angelface
Nächsten Samstag wage ich einen neuen Versuch. Man muß ja im Training bleiben.
LöschenOh man,
AntwortenLöschenich muss mal wieder einen Paterfelis-Tag hinlegen ...
Federweißer, liegend - oh ja, die Schweinerei hat es in sich. Ich hatte da auch mal 2 Flaschen auf dem Band, liegend ... - ich war da allerdings der Kassierer.
Und das was Sie da so beschreiben - ist das nicht der alltägliche Wahnsinn an der Kasse? Geht das auch anders? Wo?
Doch, das gibt es auch. Aber eher selten. Im Laufe der Zeit kennt man die guten Kassiererinnen und stellt sich an ihren Kassen an, auch wenn die Schlange etwas länger ist als nebenan. Und man weiß auch, welche man zu meiden hat.
LöschenHuch, wo ist der Kommentar? Einfach so weg?
AntwortenLöschenIch habe ihn eingefangen und wieder freigelassen. :-D
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