Montag, 2. Juli 2018

Zum Sechzigsten

Sie hatte im Mai 1958 Geburtstag. Und der denkwürdige Tag ist nicht an mir vorbeigegangen. In der Tagespresse wurde dem historischen Ereignis gehuldigt. Selbst ich zeigte mich angetan, hatte aber bislang noch keine Zeit, hier an dieser Stelle auf das Ereignis näher einzugehen.

Es war einer dieser üblichen Tage im LASA. Larissa und ich arbeiteten so vor uns hin, als Sven mal wieder den Raum betrat, um sich um temporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden für die vorübergehend abwesende Trudi zu kümmern. Anderen Ortes nennt man so etwas "die Vertretung organisieren", aber das Wort "Vertretung" hat nach Ansicht des Herrn Abteilungsleiters so einen negativen Beigeschmack. Also haben wir uns schon vor Jahren um eine Alternativbezeichnung gekümmert.

Abgelenkt von Svens Rumoren kam ich auf eher wichtige Gedanken.

„Sag mal, Raissa, was für eine Beziehung hast du zu Ravioli aus der Dose?

„Die sind lecker.“

Sven mischte sich von der Seite ein.

„Aber nur die mit Fleischsauce.“

„Mögt ihr die auch kalt?“

„Klar, direkt aus der Dose. Das ist wie kalte Pizzareste am Morgen.“

Raissa zeigte guten Geschmack. Es ist immer ein Problem, sie zu Gast zu haben, wenn man auch eine Mahlzeit auf den Tisch bringen will. Sie isst zwar gut und gerne, ist aber in der Auswahl dessen, was sie zu sich nimmt, etwas eingeschränkt. Einerseits wegen einiger Unverträglichkeiten, andererseits aus geschmacklichen Gründen. Sie wurde zwischenzeitlich in unsere außerdienstliche Spielerunde aufgenommen, mag aber keine Mettbrötchen. Also eher nicht das Mett, welches sich auf den Brötchen befindet. Und die Gebirgen von rohen Zwiebeln, die einfach dazu gehören. Ein Umstand, der mir und den restlichen Teilnehmern der Runde regelmäßig Sorgenfalten auf die Stirn zaubert.

„Dann müssen wir ja noch klären, was Ludwig und Frl. Hasenclever dazu sagen.“

Eine kurze Nachfrage ergab ein klares Ergebnis.

„Bin dabei.“

Ludwig halt. So lange es sich nicht um Sojasprossen handelt, vernichtet der alles, was Kalorien enthält.

Anruf bei Frl. Hasenclever. Ravioli? Dose? Kalt? Zum Frühstück?

„Kalt muß nicht unbedingt sein, aber ansonsten passt das.“

Dann weiß ich ja, was demnächst zur allgemeinen Erbauung auf dem Tisch landet. Aber erhitzt, da bin ich nicht so. Kalt werden die wieder von alleine. Nur die Begeisterung der zweitbesten Ehefrau von allen wird eher minderstark ausgeprägt sein. Aber vielleicht mache ich das auch an einem Termin, an dem sie wieder irgendwo an einem Workshop teilnimmt.

Wir gratulieren der Dosenravioli nachträglich auch nochmal an dieser Stelle zum Sechzigsten.


Nein, keine Werbung. Bei dieser Marke handelt es um den Hersteller der Ur-Dosenravioli.




Kommentare:

  1. Schwanger schmecken die Dinger super genial auch kalt aus der Dose . :)))) Wer braucht die warm vom Teller ??
    VG Heidi

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    1. Ich sehe auch aus wie dauerschwanger. Das könnte einiges erklären. Es stellt sich die Frage, wie wir Raissa in diese Erkenntnis einbauen. :-)

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