Freitag, 20. Juli 2018

Man muß bereit sein, Opfer zu bringen

Die brütende Hitze hielt weiter an. Sie wurde zusätzlich dadurch gesteigert, daß das kleine gemütliche Büro mit maximaler Personen- und PC-Zahl besetzt war, welche ihrerseits auch Wärme abstrahlten. Die Ventilatoren arbeiteten im Dauerbetrieb.  

Nur beiläufig möchte ich in diesem Zusammenhang den Umstand erwähnt wissen, daß ich mich durchaus mit einem einzelnen, von mir liebevoll R2-D2 genannten bestimmt schon 25 Jahre alten Towerventilator begnüge, während in Frl. Hasenclevers Kemenate gleich drei Miefquirle in unterschiedlichen Höhen stehen und ihr Werk verrichten. Und sollte über den Flur diesseits von Indien das Geräusch eines startenden Propellerflugzeuges vernehmbar werden, so handelt es sich dabei vermutlich um die Leihgabe der zweitbesten Ehefrau von allen an Frl. Hasenclever: ein durchaus beachtlicher Bodenventilator. Der kann schon zu Effekten führen.





Wir befanden uns in jenem Zeitrahmen, in welchem es uns zugebilligt wurde, eine Mittagspause einzulegen. Wie meistens beschloss ich, doch lieber durchzuschlafen, als Raissa von ihrem üblichen Gang nach draußen zur elterlichen Futterstation zurückkam.

Und sie hatte etwas in der Hand.

Eine einfache Kühltaschetüte, wie man sie in Discountern und Supermärkten erstehen konnte, um die ganzen ungeplanten kühlpflichtigen Einkäufe vermeintlich unbeschadet einen Ortswechsel vornehmen lassen zu können. Die Szenerie erschien mir äußerst reizvoll und weckte daher meine Aufmerksamkeit.

„Normal oder Mandel?“

Yeah! Das wollte ich hören.

„Mandel!“

Was mit Nüssen geht immer.

(Ja, ich weiß. Mandeln sind keine Nüsse. Ist mir jetzt aber vollkommen egal.)

Raissa hatte Eis am Stiel gekauft. Für den kompletten Fachbereich. So zog sie, nachdem meine Versorgung gesichert war, weiter über die Etage und brachte ihre Mitbringsel an den Mann die arbeitende Bevölkerung. Es zeigte sich jedoch das übliche Problem. Denn solchartige Einkäufe werden nicht dergestalt getätigt, daß abgezählte Einzelportionen beschafft werden, sondern eher Multipacks. Und die neigen dazu, einen nicht exakt auf die Zahl der Anwesenden abgestimmten Inhalt zu umschließen.

Mit anderen Worten: Es gab Reste. Und keinen Kühlschrank mit tauglichem Eisfach. Höchste Gefahr war im Verzug!

„Paterfelis, was würdest du zu einem Eis sagen?“

"Ich würde gar nichts zu einem Eis sagen, ich würde es einfach essen."

Was soll man machen? Es kann ja nicht angehen, daß das gute Zeug schmilzt und nur noch als Milchshake aus der Tüte Verwendung finden kann. Also noch ein Eis.

„Ähm, Paterfelis?“

Upps. Jetzt könnte es unangenehm werden.

„Ja?“

„Eis?“

Raissa strahlte mich an.

Nur ein Einhorn kann verführerischer und unschuldiger gucken. Echt ehrlich.

Der hier erfahrene Blogleser dürfte sich unter Umständen daran zu erinnern vermögen, daß ich zwar durchaus kein Kostverächter bin, mir aber Süßkram sehr im Magen liegt. Ich könnte mit einer Tortendiät abnehmen. Ein Standardstück Torte, und ich bin für den Rest des Tages weitgehend ausgeschaltet. Bei Eis ist das auch nicht anders.

„Nö, muß nicht.“

„Es ist nur noch eins da. Das muß weg.“

„Frag‘ Ludwig. Oder Sven. Den Ökoklaus wegen meiner auch.“

„Die haben auch schon zwei. Das kannst du doch nicht auf dir sitzen lassen.“

Ach so, sie will mich am Ehrgeiz packen. Biest. Na gut, dann opfere ich mich eben in vollkommener Selbstlosigkeit und Hingabe an die gute Sache.

„Her damit. Es kann ja nicht sein, daß die einfach gleich ziehen.“

Und vor allen Dingen kann ja nicht angehen, daß der Ökoklaus mir noch Jahre später erzählt, er habe damals vor dem großen Knüppelkrieg mal mehr Eis als ich... Also noch ein drittes Eis.

Mit einem Magen, der sich anfühlte, als hätte ich alleine ein Chinamann-Buffet abgeräumt, wusste ich mich dennoch an eine Begebenheit zu erinnern. Eine ganz bestimmte. War ja auch noch nicht so lange her.

Also flugs noch eine Bildnachricht an die Zweitbeste Ehefrau von allen. Was die kann, kann ich auch. Und auch noch meinen Namen in den Schnee pinkeln..


Im Hintergrund links der Blick zur Damentoilette



Was sein muß, muß sein.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Es ist erlaubt und gewünscht, meine Beiträge zu kommentieren. Die Kommentare werden von mir moderiert. Kein Kommentar wird freigeschaltet, ohne daß ich ihn zuvor gelesen habe. Solltest du also vorhaben, hier herumzupöbeln, zu trollen oder dich sonst wie unangemessen zu äußern, so empfehle ich dir, die Arbeit zu sparen.

Haltet euch bitte an die Grundsätze eines anständigen Miteinanders, damit wir hier eine schöne Zeit zusammen verbringen können.

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.