Frl. Hasenclever zeigte sich verschnupft. Nicht im
übertragenen Sinne, sondern eher tatsächlich. Dazu gab es auch noch einen
Husten im Angebot. Und da Führungskräfte des Hauses nach der üblichen Doktrin
nicht krank zu sein haben, es sei denn, sie stehen bereits mit anderthalb
Beinen im Grab, während die verbliebene letzte Beinhälfte schon einem fortgeschritteneren Zustand der Verwesung
unterliegt, erschien sie natürlich im Büro. Genauso wie Frau Schubert, welche
vergleichbare Symptome offenbarte. Also jetzt nicht ein halbes verwesendes
Bein. Die anderen.
Im Rahmen einiger Treffen schien Frl. Hasenclever mit mir
Körperflüssigkeiten ausgetauscht, diese zumindest aber einseitig in meine
Richtung auf den Weg gebracht zu haben. Scheint nicht so toll gewesen zu sein,
denn dann könnte ich mich wohl etwas konkreter daran erinnern. Jedenfalls
zeigte sich bei mir ein eindeutiges Ergebnis. Schwanger. Husten, gefolgt
von einem leichten Laufen der Nase. Und das gegen Ende der Genesungsphase nach
der Lungenentzündung. Ich bin restlos begeistert.
Ein paar Tage schleppte ich mich durch, bis ich mich doch
dazu entschloss, daß zwei Tage Ruhe zu Hause vielleicht doch nicht das
Allerverkehrteste sein könnten. Tja. Muß die Altersweisheit sein. Schließlich
stehe ich mittlerweile auch im sechsten Lebensjahrzehnt. Das muß ja
irgendwelche Vorteile haben.
Nachdem ich meine Erkenntnis nächtens entsprechend erlangt
und akzeptiert hatte, stand ich um 2.36 Uhr auf, um gewisse dringliche
Verrichtungen vorzunehmen. Die zweitbeste Ehefrau von allen werkelte noch im
Wohnzimmer an ihrem Laptop. Um morgendlichen Irritationen vorzubeugen erklärte
ich ihr, daß ich mich für die nächsten zwei Tage aus dem Bürodienst
zurückziehen werde.
„Gute Idee!“
Die zugehörige Stimmlage vermag ich hier und jetzt nicht in
Worte zu fassen. Ich verschwand wieder in mein Bett.
Meine ersten Versuche, die Kernaussage meiner Erkenntnis ab
6.45 Uhr fernmündlich an den Mann respektive die Frau zu bringen, scheiterten. Dies
war insofern wenig überraschend, als daß Frl. Hasenclever nicht so beständig zu
eher festen Uhrzeiten im Büro erscheint, sondern den morgendlichen
Gleitzeitrahmen durchaus unterschiedlich auszureizen pflegte.
Nach meinem vierten vergeblichen Kontaktversuch schickte ich
per Messenger Dienst eine Nachricht an Sven, welcher in der Vorhersehbarkeit
seiner Ankunftszeiten eher so ein beständiger Typ ist wie ich.
„Moin. Treibt sich die Fachbereichsleitung irgendwo herum
oder ist sie noch nicht da?“
Nach einiger Zeit erreichte mich die Antwort.
„Jetzt ist sie da und in ihrem Büro.“
Noch während ich die Rufnummer zwecks fernmündlicher Kontaktaufnahme
über das Festnetz in das Sprechgerät eintippte, meldete das Smartphone einen
weiteren Nachrichteneingang. Frl. Hasenclever!
„Ich bin jetzt da. Geht es Ihnen gut?“
Die fernmündliche Verbindung kam Augenblicke später zu
Stande. Ich wartete ab, bis Frl. Hasenclever ihre Grußformel runtergebet hatte,
und krächzte los.
„Natürlich geht es mir
nicht gut, sonst wäre ich ja auch da.“
„Oh, das tut mir Leid. Sie hören sich übrigens an wie
Heintje im Stimmbruch.“
Aas!
PS: Und für all jene, die nicht die schwere Kindheit hatten wie ich und vor gewissem Unbill verschont geblieben sind, hier eine Bildtonaufnahme des munteren Sangesburschen.
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Immer diese Verseuchten. Schrecklich.
AntwortenLöschenIch wusste gar nicht, dass klein Heintje so viele Lieder gesungen hat.
Es ist erschreckend. Beides.
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