Freitag, 25. Mai 2018

Friedhofsgedöns

Es war Sommer. Der Sommer mit den wenigen heißen und den vielen unspektakulären Tagen. Also 2017. Mich erreichte im Büro eine fernmündliche Nachricht.

„Ich bin auf dem Weg zum Großhandel, brauchst du noch etwas?“

Das sind die Momente, in denen ich elektrisch werde. Zunächst mal, weil ich keine Vorbereitungszeit hatte. Und dann natürlich generell die Aussage als solche. Denn wenn die zweitbeste Ehefrau von allen zum Großhandel fährt, dann reißt das durchaus ein bemerkenswertes Loch in das Monatsbudget.

„Nicht daß ich wüsste. Was willst du da überhaupt?“

„Die haben eine Eiswürfelmaschine im Angebot.“

Umpf! Wir haben einen Eisschrank und Eiswürfelschalen. Dazu haben wir Tüten für Eiskugeln und Eistorpedos. Mit einem gewissen Entsetzen dachte ich nicht nur die Worte, die aneinandergereiht lauteten Tschüß Geld, sondern auch an den Platz, den ich im Keller schaffen müsste, um nach einer gewissen Zeit ein weiteres unverzichtbar erscheinendes Haushaltsgerät auf den Haushaltsgerätefriedhof zwischen dem originalverpackten Donutmaker, der wirklich hochwertigen Eismaschine mit Kompressortechnik, dem Waffeleisen, dem Joghurtbereiter und allerlei anderer Gerätschaften zu deponieren und abzuwarten, wann man sie eventuell für einen kurzfristigen Gebrauch wieder reaktivieren könne, bevor sie auf Jahre ihren Stammplatz im Kellerregal wieder einnehmen würden.

Hin und wieder gibt es auch tatsächlich mal den Fall, daß nachfolgend zu Phase 1 zunächst die Phase 2 eingeläutet wird, die da lautet: Verbannung in den Kellerkeller. Gefolgt von der endgültigen Entsorgung, wie es dem seinerzeit unverzichtbaren Brotbackautomaten und der Fritteuse bereits ergangen sind.

Widerspruch in der Angelegenheit würde ohnehin zwecklos sein. Die zweitbeste Ehefrau von allen träumt ebenso wie ich schon lange von einem amerikanischen Kühlschrank mit eingebautem Eiswürfelbereiter. Hier scheitert es aber eindeutig an den Platzverhältnissen in der Küche. Diskussion aussichtslos.

So klagte ich Raissa mein Leid.

„Joa, kenn ich. Mein Vater ist leidenschaftlicher Sammler von Küchengeräten. Die stapeln sich auch alle unbenutzt in der Abstellkammer.“

Wir stehen also einem weiter verbreiteten Phänomen gegenüber.

Zu Hause räumte ich in der Küche den Platz für den Neuerwerb frei. Dieses Mal musste die gute, bei uns allenfalls gelegentlich genutzte Kenwood-Küchenmaschine weichen, ein vorzeitiges Erbstück meiner Schwiegereltern. Dürfte geschätzt ein Modell aus den späten 70er-Jahren sein, wenn nicht sogar noch älter. Echte Qualität, aber für mich ebenso ein Platzfresser. In einer Außenstelle des Haushaltsgerätefriedhofs habe ich noch einen schönen Platz gefunden.

Nun steht sie da, die Eiswürfelmaschine.

Anfangs wurde sie spätabends aus- und mittags wieder eingeschaltet. Inzwischen läuft sie – außer zur gelegentlichen Entkalkung – seit Monaten durch. Auch im Winter. Durchschnittsverbrauch mindestens 0,5 Liter Wasser alle am Tage.

Die Liste der tatsächlich unverzichtbaren Hausgeräte, also ein Kühlschrank, ein Mikrowellenherd, ein mobiles Induktionskochfeld und eine Waschmaschine, wurde somit erweitert.

Und es ist sehr praktisch, wenn man doppelwandige Trinkgläser verwendet, um die Kondenswasserbildung auf der Außenseite zu vermeiden.

Meine entsprechende wiederholt an Frl. Hasenclever gerichtete Materialanforderung, eben einer solchen Maschine für das Büro, wurde übrigens ebenso wiederholt von ihr abschlägig beschieden. Wobei diese mangels Klimaanlage und vernünftiger Lüftungsmöglichkeiten hier mindestens ebenso unverzichtbar wäre.

Ich bleibe am Ball.

Nächstes Upgrade: Ein High-End-Reiskocher mit allen möglichen Zusatzfunktionen als Ersatz für den alten, einfachen Reiskocher, welcher das zeitliche gesegnet hat.

Und wer mir jetzt mit dem Begriff Thermomix bzw. einer Billigvariante von eben diesem Gerät kommt, erhält Hausverbot. Aus Gründen!


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