Sonntag, 18. März 2018

Vom Leid eines Kleinunternehmers

Die zweitbeste Ehefrau von allen hat ihre Selbständigkeit verfestigt. Der Kontakt zur Auftrittsgruppe rund um Alexandra ist abgebrochen, ebenso der Kontakt zu Rajiv. Dafür ist es ihr gelungen, zwei eigene Tanzgruppen aufzubauen und zu unterrichten, eine dritte Gruppe als Angehörige zu trainieren und anderen Ortes auch noch Kurse in Sachen Orientalischer Tanz und sportlicher nichttänzerischer Betätigung  zu geben. Nun wird es Zeit, den unternehmerischen Gewinn im Auge zu behalten, denn hier könnte es sich dank rechtlicher Änderungen im Bereich der Krankenversicherung ein Einnahmenplus unangenehm auswirken.

Selbständige, welche einen bestimmten Grenzbetrag an Arbeitseinkommen überschreiten, sind nicht mehr in über die eventuelle Krankenversicherung des Ehepartner familienversichert, sondern müssen sich selbst versichern. Was ich grundsätzlich nicht für verkehrt halte, das sei mal vorangestellt. Problematisch ist, daß es einen Mindestbeitrag zur Krankenversicherung gibt, der zu tragen ist. Und dieser ist nicht einkommensabhängig. Mitglieder einer privaten Krankenkasse kennen das Prinzip natürlich.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Problematik: Nehmen wir an, das Arbeitseinkommen, also der Gewinn aus der Tätigkeit der zweitbesten Ehefrau von allen, beträgt 460 Euro im Monat. Damit ist sie aus der Familienversicherung raus. Die Krankenversicherung setzt aber kraft gesetzlicher Regelung einen Mindestgewinn in Höhe von 2.283,75 Euro im Monat an. Das ist kritisch, denn der sich auf dieser Grundlage errechnende Beitrag zur freiwilligen Kranken- und Pflegeversicherung beträgt 398,52 Euro.

Nun gilt die zweitbeste Ehefrau von allen im Rahmen ihrer Selbständigkeit sowohl als Tanz- als auch als Fitnesstrainerin als Lehrerin und beschäftigt keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Damit unterliegt sie auch der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Als Selbständige trägt sie den Beitrag in vollem Umfang alleine. Im Jahr 2018 werden bei einem Arbeitseinkommen in Höhe von 460 Euro monatlich 18,6 % fällig, also 85,56 Euro. 

Damit sind insgesamt alleine zur Sozialversicherung monatlich 484,08 Euro abzuführen. Und das bei einem Arbeitseinkommen in Höhe von 460,00 Euro.

Es bedarf also nach Überschreiten der unteren Einkommensgrenzen eines großen Sprunges im Arbeitseinkommen, um unter dem Strich als Selbständiger überhaupt noch etwas zu verdienen. In bestimmten Berufen dürfte sich das problematisch erweisen, wenn man ehrlich bleiben will. Und das wollen wir ja schließlich alle. Mit Hilfe eines guten Steuerberaters.

Also schließe ich diesen Text locker vom Hocker mit den Worten Walter Gillers:

„Es bleibt schwierig.“



Kommentare:

  1. Kommt nur mir das staatliche Rechenexempel etwas merkwürdig vor?

    Das erinnert mich an:

    Wenn acht Mann im Fahrstuhl sind, und bei 5 Etagen auf jeder Etage zwei aussteigen, dann müssen irgendwo zwei wieder einsteigen, damit niemand drin ist.

    Ja, klar isses albern. Aber im Gegensatz zu unserem System krieg ich das ja noch mit ....

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    1. Es dient jedenfalls nicht der Förderung der Selbständigkeit. Noch verrückter wird es, wenn wir die Bemessungsgrundlage für die einkommensgerechte Beitragszahlung in den unterschiedlichen Sozialversicherungszweigen vergleichen. Sowohl in der gesetzlichen Kranken- als auch in der gesetzlichen Rentenversicherung ist der Einkommensteuerbescheid maßgebend. Während in der Krankenversicherung der Beitrag jedoch rückwirkend auf das Steuerjahr angepasst wird, gilt derselbe Bescheid in der Rentenversicherung - variabel abhängig vom Zeitpunkt der Vorlage - spätestens ab dem dritten Kalendermonat nach seiner Ausstellung. Über Sinn und Unsinn der jeweiligen Regelungen will ich mich hier nicht auslassen, aber man hätte es zumindest einheitlich regeln können.

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